Zwei Welten fürs Handgelenk
Auf der Inhorgenta 2026 zeigte sich eindrucksvoll, wie unterschiedlich sich deutsche Uhrmacherein interpretieren lässt. Mit der Tutima Patria Titan setzte die Glashütter Uhrenmanufaktur auf preisgekrönte Glashütter Manufakturarbeit, während die neue Zeppelin Barcelona Open Heartmit der neuen Barcelona-Linie historische Luftfahrt-Ästhetik modern und bezahlbar ins Heute überträgt.

Tutima Patria Titan: Glashütter Leichtigkeit des tickenden Seins
Ende Februar 2026 rückte Tutima Glashütte eine Armbanduhr ins Zentrum, welche fast schon prototypisch für die Identität der deutschen Traditionsmarke steht. Ihr Name: Patria. Das dieser feine Zeitmesser mit Manufaktur-Innenleben und Stahlgehäuse den Inhorgenta Award für die mechanische Uhr des Jahres 2026 erhalten würde, war CEO Matthias Stotz und seinem Team bei den Messeplanungen natürlich noch nicht bekannt. In ihrer neuesten Ausführung präsentiert sich die klassische Dreizeiger-Handaufzugsuhr mit Titan-Gehäuse und hellblauem Struktur-Zifferblatt. Technisch anspruchsvoll, gestalterisch klar und spürbar leichter am Handgelenk, markiert sie einen wichtigen Entwicklungsschritt innerhalb der seit 2014 angebotenen Linie.

Rückkehr ins Vaterland
Der lateinische Begriff Patria meint Vaterland. Mit dieser Namenswahl unterstrich Tutima die Bedeutung der Rückkehr nach Glashütte, wo die Geschichte 1927 begann. Verknüpft ist sie untrennbar mit der Gründung der Uhren Rohwerke Fabrikation Glashütte AG (UROFA) im Jahr 1925 und der Uhrenfabrik Glashütte AG (UFAG). Top-Produkte trugen auf dem Zifferblatt die vom lateinischen Wort tutus (sicher, geschützt) abgeleitete Signatur Tutima. Nach der Zerstörung Glashüttes im Mai 1945 und der politischen Neuordnung fand Tutima zunächst in Niedersachsen eine neue Heimat. 2011 sorgte Dieter Delecate für ein Comeback im abgeschiedenen Müglitztal. Drei Jahre später debütierte die Patria als hochrangiges uhrmacherisches Bekenntnis zu dieser Rückbesinnung. Speziell die Patria Kleine Sekunde mit dem Manufakturkaliber T617 verkörpert eine bewusst puristische Interpretation sächsischer Feinuhrmacherei. Klassische Dreizeiger-Architektur, Handaufzug und traditionelle Werkveredelung repräsentieren die hoch angesiedelten Werte.

Titan als moderne Interpretation
Mit der Patria Titan, Referenz 6612-11, demonstriert Tutima die Kompetenz, Produkte ohne Aufgabe der Identität konsequent weiterzuentwickeln. Konkret besteht das 41 Millimeter messende Gehäuse aus Titan Grade 5. Wegen seiner Kombination aus geringem Gewicht, hoher Festigkeit und exzellenter Hautverträglichkeit erfreut sich dieser Werkstoff großer Beliebtheit. Trotz hochglanzpolierter Oberfläche wirkt das Gehäuse sachlich und architektonisch klar. Es besteht aus lediglich zwei Teilen und verzichtet auf einen separaten Boden. Saphirgläser auf Vorder- und Rückseite sorgen für Transparenz und Schutz des hochwertigen Innenlebens. Im Vergleich mit dem bislang für die Basisversionen verwendeten Edelstahl vermittelt Titan eine spürbar leichtere Präsenz am Handgelenk. Diese physische Leichtigkeit des tickenden Seins korrespondiert mit der gestalterischen Frische des neuen Zifferblatts.

Lichtspiel in Hellblau
Das hellblaue geprägte Zifferblatt ist weit mehr als ein farblicher Akzent. Eine dreidimensionale Pyramidenstruktur verleiht der Oberfläche Tiefe und Dynamik. Je nach Lichteinfall changiert der Farbton zwischen kühlem Himmelblau und silbrigem Schimmer. Dieses lebendige Spiel aus Licht und Schatten sorgt für eine subtile Modernität, ohne die klassische Grundarchitektur zu verlassen. Applizierte, diamantierte Indizes strukturieren das Blatt. Die im eigenen Haus gefertigten und von Hand vollendeten Zeiger sind präzise proportioniert und greifen die sachliche Eleganz der Patria auf. Super-LumiNova sorgt für diskrete Ablesbarkeit im Dunkeln. Die kleine Sekunde bei „6“ ist leicht vertieft und mit feiner Rillenstruktur versehen. Dieses Detail knüpft an frühere Patria-Varianten.


Das Manufakturkaliber T617
Nichts geändert hat Tutima am bewährten Handaufzugskaliber T 617. Seit der Einführung im Jahr 2014 hat es seine Zuverlässigkeit und Präzision fortwährend unter Beweis gestellt. Hinter dem Saphirglas-Sichtboden offenbart es klassische Glashütter Merkmale: Dreiviertelplatine mit Streifenschliff, verschraubte Goldchatons, manuell anglierte Kanten und sorgfältig polierte Schrauben. Der durchbrochene Unruhkloben gestattet ungehinderte Sicht auf die Unruh mit variabler Trägheit und die im eigenen Haus geformte Breguetspirale. Die Regulierung erfolgt mit Hilfe von Masseschrauben im Glucydur-Unruhreif. Der vollzieht pro Stunde 21.600 Halbschwingungen, was einer Frequenz von drei Hertz entspricht.

Nach Vollaufzug stehen rund 65 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Das regelmäßige Spannen der Zugfeder über die ergonomisch profilierte Krone schafft ganz bewusst eine haptische Verbindung zwischen dem Träger und der in seiner Armbanduhr verbauten Mechanik. Zu deren Schutz sollte die Patria beim Aufziehen unbedingt vom Handgelenk genommen werden.

Kontinuität und Aufbruch
Als Uhrenkosmos-Fazit steht die neue Patria in Titan keinesfalls für Stilbruch, sondern für subtile Weiterentwicklung eines Glashütter Klassikers. Diese Armbanduhr verbindet die historische Rückkehr nach Glashütte mit moderner Materialtechnologie und frischer Farbgestaltung. Eindrucksvoll demonstriert Tutima, dass klassische sächsische Feinuhrmacherei keine statische, sondern eine bemerkenswert dynamische Angelegenheit ist. Tradition, frische Farben und zeitgemäße Leichtigkeit sind definitiv keine Widersprüche. Für das von Tutima Gebotene erscheint der unverbindliche Preis von 8.600 Euro auf jeden Fall angemessen.


Zeppelin und die neue Barcelona
Für die Ismaninger Uhrenmarke Zeppelin bot die Inhorgenta Munich 2026 den passenden Rahmen zur Präsentation attraktiver Modelle für das laufende Jahr. Eines der zentralen Themen war dabei die neu entwickelte Linie Barcelona. Mit ihr unterstreicht Zeppelin einmal mehr den Anspruch, Tradition und zeitgemäße Evolution miteinander zu verknüpfen.

Luftschiffe als Inspiration
Logischerweise ist der Markenname Zeppelin untrennbar mit eine faszinierenden Ära der Luftschifffahrt verbunden. Als Ferdinand Graf von Zeppelin im Jahr 1900 mit dem LZ 1 das erste lenkbare Starrluftschiff startete, begann nicht nur ein neues Kapitel der Luftfahrtgeschichte, sondern es entstand auch eine neue Kultur des Reisens. Die gewaltigen Silhouetten der Zeppeline standen für technischen Fortschritt, Ingenieurskunst und die Vision, Kontinente elegant miteinander zu verbinden. In den 1910er- und 1930er-Jahren erreichte diese Entwicklung ihren Höhepunkt. Luftschiffe wie die LZ 127 Graf Zeppelin oder später die LZ 129 Hindenburg avancierten zu fliegenden Symbolen einer mondänen Epoche. Die Graf Zeppelin absolvierte spektakuläre Weltfahrten und regelmäßige Transatlantiküberquerungen. Hohen Rang genoss das Zelebrieren dieser vornehmen Art des Reisens. Promenadendecks, Speisesäle mit weiß gedeckten Tischen, erlesene Verpflegung, Lesezimmer und komfortable Kabinen schufen eine Atmosphäre zwischen Grandhotel und Ozeandampfer. Das Ganze jedoch in mehreren hundert Metern Höhe. Geschwindigkeit spielte eine untergeordnete Rolle, entscheidend war die Erfahrung.

Zeppelin Barcelona
An den Handgelenken vieler Passagiere tickten bereits Armbanduhren, damals moderne Symbole für Mobilität. Sie strukturierten den Tagesablauf an Bord, markierten Essenszeiten oder Funkkontakte. Zeitmessung wurde zum Ausdruck einer global vernetzten Welt. Übrigens führte eine repräsentative Mittelmeerfahrt im Jahr 1929 auch nach Spanien. Zu den Stationen gehörte natürlich die vom Jugendstil geprägte Stadt Barcelona. Wie überall gestaltete sich die Ankunft eines Zeppelins zum bewegenden Ereignis, begleitet von Presse und großem Publikumsinteresse. So gesehen ist die Einführung der Linie Zeppelin Barcelona während der Inhorgenta 2026 eine fast schon logische Angelegenheit. Die Mehrheit der Newcomer setzt auf einen Gehäusedurchmesser von 38 Millimetern. Diese Größe liegt im aktuellen Trend moderater Proportionen

Verfügbar sind gleich mehreren Varianten:
- Die Barcelona Automatic Day Date (Ref. 9564) mit dem Kaliber Citizen-Miyota 8205, 349 Euro
- Barcelona Automatic Open Heart (Ref. 9566), Kaliber Miyota 82S7, 349 Euro
- Barcelona Chronograph (Ref. 9586), Quarz-Kaliber Ronda 5030.D, 349 Euro
- Barcelona Moonphase (Ref. 9576). Quarz-Kaliber Miyota 6P00, 299 Euro
Alle genannten Modelle sind wasserdicht bis zu fünf Bar Druck.
Durch das ganz bewusst gewählte Spektrum mit mechanischen und elektronischen Uhrwerken erreicht Zeppelin eine breite Adressatengruppe in einem erschwinglichen Preissegment.

Champagnergold
Gestalterisch dominieren silberweiße oder warmweiße Zifferblätter. Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang die neue Gehäusefarbe Champagnergold, welche im PVD-Verfahren (Physical Vapour Deposition) auf Edelstahlgehäuse aufgebracht wird. Dieses Verfahren sorgt für eine widerstandsfähige, gleichmäßige Beschichtung und verleiht dem Stahl eine warme, fein nuancierte Goldtönung. Anders als klassisches Gelbgold wirkt Champagnergold bewusst zurückhaltend und kultiviert. Die Farbgebung erinnert an Messinginstrumente, nautische Chronometer oder metallene Details historischer Luftschiffe.

In Verbindung mit hellen Zifferblättern entsteht eine elegante, leicht nostalgische, nicht jedoch antiquiert wirkende Anmutung. Innerhalb der Barcelona-Serie unterstreicht dieser Farbton den mediterranen Charakter der Modelle. Er verleiht ihnen eine ausgewogene Mischung aus Retro-Charme und zeitgemäßer Ästhetik. Ganz nebenbei bewirkt die PVD-Beschichtung die Anmutung eines Goldgehäuses, ohne wesentliche Anhebung des Preisniveaus. Für Zeppelin und seine Präsenz im Segment des bezahlbaren Uhrenluxus ist das ein gewichtiges Argument.

Parallel stärkt Zeppelin 2026 sein Damensegment. Die Barcelona Ladies Modelle messen 32 Millimeter und sind bewusst schlank proportioniert. Erstmals kommt in diesen betont femininen Armbanduhren das kompakte Automatikkaliber Miyota 6T28 zum Einsatz. Beredtes Beispiel ist die für 349 Euro erhältliche Barcelona Ladies Automatic Open Heart (Ref. 9567). ihr puristisches Stahlgehäuse widersteht dem Druck des nassen Elements bis zu fünf Bar. Frauen, die es quarzgenau schätzen und ein Gehäuse im neuen Farbton Champagnergold wünschen, kommen bei der Barcelona Ladies Moonphase (Ref. 9531) mit dem Kaliber Ronda 708 für 299 Euro auf ihre Kosten.

Der Wermutstropfen kommt ganz zum Schluss: Die Linie Zeppelin Barcelona wird erst ab September 2026 im Fachhandel erhältlich sein. Aber Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.






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