Geringeres Minus als erwartet
Am Ende des Jahres 2025 hielt sich gemäß der Statistik des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) das Minus bei den Schweizer Uhrenexporten doch noch in Grenzen. Gegenüber 2024 gingen die Ausfuhren „nur“ um 1,7 Prozent zurück. Das liegt vor allem an einer Erholung im Dezember. Mit einem Plus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat kehrte das Resultat der Schweizer Uhrenexporte 2025 – nach vier aufeinanderfolgenden Monaten starker Rückgänge – wieder in den positiven Bereich zurück.


Per Saldo zum 31.12.2025 lagen die gesamten Ausfuhren bei 25,6 Milliarden Schweizerfranken. Ein wichtiger stimulierender Faktor sind die deutlich gestiegenen Importe des US-amerikanischen Markts. Nach einer signifikanten Senkung der Handelszölle, welche auch der Initiative hochrangiger Repräsentanten der Schweizer Uhrenindustrie zu verdanken ist, legten die Exporte in die Vereinigten Staaten von Amerika im Dezember 2025 um bemerkenswerte 19,2 Prozent zu.
Ein überraschend deutliches Wachstum verzeichnete Frankreich mit 50,9 Prozent. Gegenüber 2023 wuchsen die Ausfuhren nach Frankreich um 40,4 Prozent. Zu den Dezember-Lokomotiven zählten auch Singapur mit plus 13,1 Prozent, Taiwan mit plus 21,6 Prozent, das Vereinigte Königreich mit plus 9,3 Prozent, die Türkei mit plus 12,3 Prozent sowie Irland mit plus 16,4 Prozent.


Märkte im Minus
Mehr oder minder massive negative Vorzeichen kennzeichneten unter anderem die Uhrenexporte nach Deutschland (-20,8 %), Italien (-20,1 %), Hongkong (-8,0 %), China (-6,8 %), Japan (-1,9 %) sowie in die Vereinigten Arabischen Emirate (-5,2 %), wobei die Rückgänge unterschiedlich stark ausfielen.
Übers ganze Jahr 2025 gerechnet bleiben die USA mit deutlichem Abstand die Nummer eins unter den Schweizer Exportmärkten für zeitbewahrende Erzeugnisse. Über den Großen Teich flossen Erzeugnisse für insgesamt 4,35 Milliarden Schweizerfranken. Das sind ein halbes Prozent weniger als 2024 und eine Steigerung von 4,6 Prozent gegenüber 2023. Japan, die Nummer zwei, tätigte Einfuhren in Höhe von 1,86 Milliarden Franken. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Rückgang von 5,8 Prozent, gegenüber 2023 dagegen ein Plus von 1,5 Prozent.

Deutliche Einbußen weisen die Statistiken für China aus. Exporte in Höhe von 1,80 Milliarden Franken bedeuten -12,1 % respektive -34,8 % gegenüber 2023. In die ehemalige Kronkolonie Hongkong verschickten die eidgenössischen Fabrikanten Uhren für summa summarum 1,79 Milliarden Franken. Mit diesem Wert verknüpft sich ein Minus von 6,5 bzw. 24,0 Prozent.
In Europa hatte Frankreich mit 1,33 Milliarden Franken die Nase vorne (plus 1,3 bzw. 3,8 Prozent). Beim deutschen Markt macht sich die seit Jahren anhaltende konjunkturelle Schwäche klar bemerkbar. 1,22 Milliarden Franken sind 6,8 Prozent weniger als 2024 und -10,3 Prozent gegenüber 2023. Damit ist dieser Markt im Exportranking auf Platz neun abgerutscht.

Gefolgt wird Deutschland von Italien, das bei den Importen rund eine Milliarde Schweizerfranken Umsatz mit der Schweizer Uhrenindustrie machte. Das Minus gegenüber den Vorjahren lag bei einem halben respektive 2,1 Prozent. Indien, ein Schwellenmarkt und großer Hoffnungsträger, führte Erzeugnisse für 296 Millionen Schweizerfranken ein. Gegenüber 2024 war das ein Plus von 8,1 Prozent. Gegenüber 2023 betrug der Zuwachs sogar stolze 35,2 Prozent.

Bi-Metall gefragt
Beim Blick auf die exportierten Fertiguhren zeigt sich, dass das apostrophierte Wertwachstum im Dezember hauptsächlich jenen mit Bimetall-Gehäuse, sprich Stahl und Gold, zuzuschreiben ist. Plus 41,2 Prozent sind hier durchaus beeindruckend. Alle anderen Gehäusematerialien gaben wertmäßig mehr oder minder stark nach. Am besten schnitten noch Edelmetalle mit minus 1,3 Prozent ab.
Aus der Tatsache, dass die Stückzahlen in dieser Kategorie gegenüber dem Vorjahr um 8,5 Prozent nachgaben, gehen höhere Durchschnittspreise hervor, welche wiederum mit dem starken Anstieg des Goldpreises zusammenhängen. Höhere Durchschnittspreise sind auch für Uhren mit Gehäusen aus Stahl und anderen Metallen zu verzeichnen, während die Durchschnittspreise bei den übrigen Gehäusematerialien, etwa Kunststoffen, sanken.

Sinkende Stückzahlen
Deutlich zurückgegangen sind auch die von der Schweizer Uhrenindustrie produzierten Fertiguhren mit mechanischen Werken. 2023 waren es noch 6.285.607 Exemplare. 2024 sank dieser Wert um knapp 15 Prozent auf 5.372.683. 2025 waren es nur noch 5.211.705 Stück, also nochmals 3 Prozent weniger. Zusammengerechnet lag die Fabrikation mechanischer Fertiguhren 2025 somit etwa 17 Prozent unter der des Jahres 2023.
Die negativen Auswirkungen auf die Industrie in Form von Entlassungen und Kurzarbeit hat der Uhrenkosmos schon mehrfach dargestellt. Weniger gravierend stellt sich das Bild bei Uhren mit elektronischem Innenleben dar. Hier lagen die Rückgänge bei 6,31 bzw. 5,83 Prozent oder insgesamt knapp zwölf Prozent.
Über beide Kategorien hinweg sanken die Quantitäten von 16.926.085 Exemplaren im Jahr 2023 um 9,4 Prozent auf 15.341.257 im Jahr 2024 und weitere 4,8 Prozent auf nur noch 14.599.154 im zurückliegenden Jahr.


Bleiben schließlich die Preiskategorien im Dezember 2025: Angetrieben wurde die Gesamtentwicklung durch Uhren mit einem Exportpreis von über 3.000 Schweizerfranken. Das wertmäßige Wachstum lag bei 2,1 Prozent, während die Stückzahlen um 1,8 Prozent zurückgingen. Dank eines günstigen Basiseffekts verzeichneten Uhren zwischen 200 und 500 Franken ein besonders starkes Wachstum von +20,6 Prozent. In diesem Zusammenhang gilt es zu vermerken, dass es sich um Exportpreise ab Fabrik handelt. Die entsprechenden Publikumspreise liegen in etwa um den Faktor drei höher.
Ausblick 2026
Wie 2026 für die Schweizer Uhrenindustrie verläuft, wird maßgeblich von der Entwicklung der globalen Nachfragetrends und den strukturellen Schwächen wichtiger Volkswirtschaften entwickeln. Nach der Zollsenkung auf 15 Prozent, zu der namhafte Repräsentanten der Schweizer Uhrenindustrie haben sich die Wettbewerbsbedingungen für die eidgenössischen Marken in den USA logischerweise spürbar verbessert. Und das dürfte auch 2026 für den dringend benötigten Absatz sorgen.

Gleichzeitig zeigen Branchendaten, dass sich Luxusuhren ganz grundsätzlich wieder besser verkaufen als noch im Frühjahr 2025. Das wiederum deutet auf eine sich langsam stabilisierende Gesamtnachfrage hin.
Nicht zu unterschätzende Hinweise auf eine mögliche Erholung kommen jüngst von der Swatch Group. Diese meldete ein deutlich verbessertes Verkaufs-Momentum im zweiten Halbjahr 2025 und auch im Januar 2026. Insbesondere in Nordamerika, Indien und Teilen Europas seien die Umsätze zuletzt wieder gestiegen, während die Verluste in China, Hongkong und Macau abgenommen hätten.

Blick nach Deutschland
Definitiv ein Sorgenkind bleibt Deutschland, traditionell einer der wichtigsten europäischen Abnehmer von Schweizer Uhren. Nach mehrjährigen Rückgängen leidet die größte Volkswirtschaft Europas weiterhin unter einer ausgeprägten Wachstumsschwäche. Laut aktuellen Wirtschaftsprognosen wird das Bruttoinlandsprodukt auch 2026 nur moderat zulegen. Die strukturellen Belastungen der deutschen Wirtschaft – hohe Energie- und Arbeitskosten, schwache Investitionen, gedämpfte Kaufkraft und die nach wie vor niedrige Exportdynamik – bremsen oder lähmen sogar die Gesamtwirtschaft. In einem Umfeld, in dem Verbraucher unter anderem aus Angst vor Jobverlust gang generell zurückhaltender bei größeren Anschaffungen sind, bekommt der Markt für Luxusgüter ganz allgemein und speziell der für Uhren die Quittung ziemlich direkt. In der ersten Jahreshälfte 2025 sanken die Schweizer Uhrenimporte nach Deutschland deutlich, was die eingetrübte Konsumstimmung vor Ort widerspiegelt.

Konsum-Zurückhaltung
Die harten Fakten zeigen, dass Zeitmesser bei vielen Haushalten angesichts angespannter Kassenlage derzeit keine hohe Priorität besitzen. Schließlich zählt alles ab etwa 500 Euro zu jenen Luxusgütern, welche als besonders konjunkturanfällig gelten. Zwar wächst der deutsche Markt für Luxuswaren insgesamt. Doch dieser Trend ist eher eine Langfristprojektion. Auf eine ausgeprägte Belebung im Jahr 2026 lässt er dagegen kaum schließen.
Auf den Punkt gebracht braucht niemand Luxusuhren unbedingt und vor allem auch nicht sofort. Das klingt wenig erbaulich, lässt sich aber auch nicht von der Hand weisen. In weltpolitisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie diesen scheint es für viele opportun, größere Ausgaben in eine hoffentlich bessere Zukunft zu verschieben.
Vor diesem Hintergrund wird der deutsche Markt eine große Herausforderung für die Schweizer Uhrenindustrie verkörpern. Während andere Regionen wie Nordamerika und gewisse asiatische Märkte wie Indien oder Südostasien erfreuliche Wachstumssignale erkennen lassen, dürfte Deutschland auch 2026 weiterhin hinter den Erwartungen zurückbleiben und damit die Erholung der gegenwärtig durchaus gebeutelten Branche so gut wie nicht stützen.
Wer mehr über die Situation der Exporte der Schweizer Uhrenindustrie des Vorjahres wissen möchte, wird hier fündig.







Ein weiteres Momentum, welches die Branche nach wie vor unterbewertet, ist der fulminante Erfolg bei den Smartwatches. Bei rund 80% der jüngeren Generation sind heute smarte Uhren am Handgelenk das neue Normal. Speziell die Swatch Group hätte sämtliche Kompetenzen im eigenen Haus, an dem Thema zu partizipieren. Aber der Zug dürfte mittlerweile abgefahren sein. Die großen Player, ob Apple, Garmin, Samsung, Huawei oder Xiaomi beherrschen den Markt. Und dann wird auch noch die schier unendliche Zahl chinesischer Uhrenhersteller, die immer besser werden, völlig unterschätzt. Schließlich hat die Schweizer Uhrenindustrie den chinesischen Fabrikanten über Jahrzehnte beigebracht, wie man im Lohnauftrag hochwertige Komponenten produziert. Weshalb sollte es der Uhrenindustrie besser ergehen als der Autoindustrie? Umbruch und Transformation sind in vollem Gange.