Nicht eine Sekunde habe ich es bereut, für die Vintage Auktion der Monaco Legend Group (MLG) an die Côte D‘Azur gereist zu sein. Schon am Flughafen in Nizza kam der Frühling zurück, mit milden Temperaturen und seidiger Luft, so dass ich gleich in Riviera Stimmung kam. Schließlich freute ich mich zusätzlich darauf, einige der schönsten Uhren aller Zeiten zu bewundern und natürlich trifft sich bei den Auktionen der Tophäuser auch die globale A-List der Branche. Der Reisetag war eine der seltenen Gelegenheiten, an denen alles von selbst zu laufen scheint, inklusive einem sauberen Uber nach Monaco herein und einem 10:30 Uhr Early Check-in, in ein ruhiges Zimmer im 9. Stock.
Es überrascht vielleicht, aber die Atmosphäre in Monaco ist deutlich entspannter und bodenständiger als in Genf. Schon am Donnerstag anzureisen, war auch richtig, denn die Preview war schon offen, aber die Veranstaltung füllte sich erst nach und nach bis Freitagabend, womit genügend Zeit für Deep Dives blieb. Die Stimmung war gut und das lässt sich auch an den Ergebnissen ablesen. Beeindruckende € 28,5 Millionen Umsatz und eine Sell Through Rate von 97% sprechen für sich. Der durchschnittlich erzielte Hammerpreis inkl. Prämie lag bei Index 111 des Medians der Bewertungsspannen, ein weiterer Indikator für das starke Interesse am Sale (ohne Los 111, keine Range).

Die drei Topmarken, Rolex, Patek Philippe und Cartier machten 60% der angebotenen Lose und 85% des erzielten Umsatzes aus. Zählt man die beiden teuren FP Journes (Los 81, 152) dazu, kommt der Umsatzanteil auf über 90%. Es ist interessant, die wachsende Anzahl von Cartiers bei Auktionen zu beobachten. Allein in diesem Sale war Cartier die dritthäufigste Marke mit 36 angebotenen Losen. Die größte Überraschung am Wochenende war auch eine Cartier (Los 64). Die ungewöhnliche Zwei Zeitzonen Uhr schlug ihre höhere Schätzung zehnfach und erzielte einen Gesamtpreis von € 104.000.

Natürlich war es besonders spannend, die beiden Titellose zu verfolgen, zumal ich sie ja detailliert besprochen hatte. Die Rolex Mondani Mondphase mit schwarzem Brillant-Blatt (Los 111) hat den Weltrekord für dieses Modell aus dem Jahr 2017 eingestellt. Damals erzielte Phillips mit der berühmten Bao Dai mit ähnlichem Zifferblatt CHF 5 Millionen.
Die Mondani Rolex schaffte jetzt € 5,3 Millionen. Dieses Ergebnis ist ein Riesenerfolg, bedenkt man die bedeutende, wohl dokumentierte Herkunft der Bao Dai und ihren wenig gebrauchten Originalzustand. Die Mondani Uhr steigerte ihren Wert gegenüber ihrem letzten öffentlichen Erscheinen in 2006 zehnfach! Auch die Patek Philippe (Los 270) mit dem wertvollen, durch Gauguin inspirierten Emaille Zifferblatt schlug ihre Bewertungsrange um 17% und schaffte einen Preis von € 935.000. Zwar mag der Markt eng sein, aber wenn Schönheit, Qualität und Seltenheit zusammen kommen, ist er doch liquide.

Auch im Detail habe ich die zwei Patek Philippe Chronographen mit ewigem Kalender und Mondphasen Anzeige (Lot 170 und 220) besprochen und Interessenten nahegelegt, in jedem Fall zu prüfen, was die Bewertung dieser Uhren so auseinandertreibt. Beide Uhren sind gelbgoldene Exemplare, Los 170 neu auf dem Auktionsmarkt und mit seltenem Übergangszifferblatt. Trotzdem lag die Bewertung 30% unterhalb der von Lot 220. Corrado Mattarelli, Partner bei der Monaco Legend Group legte die beiden Uhren nebeneinander und der Unterschied wurde ohne weitere Diskussionen deutlich.
Objektiv betrachtet ist der Zustand beider Uhren ähnlich. Los 220 strahlt aber im Unterschied zu Los 170 die Aura einer perfekt gealterten Schönheit aus, die niemals auf kosmetische Interventionen angewiesen war. Der erzielte Preis von € 1,4 Millionen lag 80% über dem von Los 170 und machte diese Patek Philippe zur drittteuersten Uhr nach der „Mondani“ Rolex und der FP Journe Astronomic Souveraine, Los 152, die für € 1,5 Millionen ging.

Noch ein Beispiel für das, was Kenner eine „Time Capsule“ nennen, war der Rolex Chronograph im Art Deco Stil aus Los 175. Sein außergewöhnliches Design verurteilt ihn wahrscheinlich dazu, auch die Zukunft im Tresor oder im Museum zu verbringen. Seine äußerste Seltenheit in Kombination mit der perfekten Ästhetik der „Pink on Pink“-Roségold Gehäuses-Zifferblatt-Kombination, in quasi unbenutztem Zustand, geliefert in der Originalverpackung, bescherten auch dieser ungewöhnlichen Uhr ein Rekordergebnis von € 221.000, ein Plus von 38% gegenüber der höheren Taxe.
Der schöne „Rolex Oyster“ Chronograph mit schwarzem Glanzzifferblatt aus Los 183 fand trotz Rolex-Revision und Attestation dagegen genauso wenig einen Käufer wie die seltene goldene GMT 1675 ohne Kronenschutz aus Los 63. Das Mindestgebot lag bei € 40.000 und die Uhr befand sich in einem guten Zustand. Allerdings waren die Zeiger teilweise ersetzt und die Lünette passte nicht zum Baujahr der Uhr. Das vergleichbare Los 161 mit korrekten Zeigern und passender Lünette ging für € 68.000. Ein weiterer Beleg dafür, wie streng der Markt geworden ist. In diesem speziellen Fall (Los 63) wären korrekte Zeiger und Lünetten sicher am Markt zu finden gewesen.

Die zwei Rolex Kalender Chronographen von Los 54 und 186 haben sich verkauft, allerdings mit großen Unterschieden. Los 186 ging für €104.000 gegen eine untere Range von € 100.000. Los 54 erzielte dagegen beeindruckende € 676.000 gegen eine untere Range von € 500.000. Beide Uhren waren in einem sehr schönen Zustand. Besonders die empfindlichen Gehäuse standen perfekt im Futter und waren knackig, mit sauberen Gravuren und Stempeln.
Los 54 unterschied sich durch ihren sehr seltenen Case aus Roségold und durch ihr Two-Tone Zifferblatt mit „Serpico Y Laino“ Händler Aufdruck. Wie bei den beiden Patek Philippes war es aber die beeindruckende Präsenz des Exemplars in Roségold, die den wahren Unterschied machte. Sie lässt sich in Fotos nicht dokumentieren und erschließt sich auch nicht jedem, ist aber für Enthusiasten real! Diese bedeutende Rolex scheint sich im Dornröschenschlaf zu befinden.

Die „Asprey“ Custom Submariner in Stahl mit Lapislazuli-Blatt und Edelstein-Lünette (Los 78) hatte mit einem Preis von € 234.000 einen starken Auftritt und übertraf ihre höhere Schätzung um das Dreifache. Ein Day-Date Prototyp ohne Gehäuse-Gravuren in Stahl aus den 1970er Jahren mit Buckley Dial und passenden Zeigern (Los 249) erzielte beeindruckende € 152.000 gegen eine höhere Schätzung von € 40.000. Die Cartier Einzelstücke aus Gelbgold mit burgunderrot galvanisierten Zifferblättern (Lose 92-94) wurden auch alle verkauft und erzielten dabei hohe Prämien – über ähnlichen Uhren in Platin-Gehäusen mit Standardblättern aus dem laufenden Katalog (Lose 124, 247).

Monaco Legend Group Herbstauktion-Ergebnisse 2025
Am Ende waren es wieder die Uhren von Rolex und Patek Philippe, die diese Auktion glänzen ließen. Sieben der Top 10 Lose waren Pateks, darunter sämtliche von mir im Preview beschriebenen „Grandes Complications“ (Lose 20, 73, 132, 213). Die FP Journe Astronomic Souveraine muss nach dem Vacheron Constantin Ultra Grande Complication Piece Unique wohl die derzeit komplizierteste Armbanduhr am Markt sein. Dadurch rechtfertigt sich vielleicht der Preis von € 1,5 Millionen, der sie noch vor den komplizierten Pateks zur zweitteuersten Uhr der Auktion machte.
FP Journe Uhren waren über die letzten Jahre sehr erfolgreich am Auktionsmarkt. Allerdings machen hohe Durchschnittspreise diese Uhren zu einem Hobby, das sich nur wenige erlauben können. 2 FP Journes erzielten zusammen 6% des Gesamtumsatzes der Auktion, gegenüber 36 Cartiers, die gemeinsam 7% des Umsatzes beisteuerten. Niedrigere Durchschnittspreise, ein gutes Momentum und viel Fantasie lassen Cartier derzeit zu einem interessanten Einstieg in die Auktionswelt werden. Nach einem gelungenen Start in Monaco geht es im November wieder in Genf weiter!
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Hinweis zu allen Uhrenbildern des Artikels ©MLG





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