Nicht neu und doch neu
Wirklich neu ist die Ende September in Glashütte vorgestellte Nomos Glashütte Club Sport neomatik Weltzeit definitiv nicht. Diese universale und dennoch erstaunlich flach ausgeführte Armbanduhr debütierte während der Genfer Uhrenmesse Watches and Wonders 2025. In diesem Artikel berichtete der Uhrenkosmos ausführlich über diese technische Errungenschaft der nach Stückzahlen größten deutsche Uhrenmanufaktur.
Zwei der acht in Genf vorgestellten Zeitmesser sind seitdem ohne Einschränkungen erhältlich. Sechs Modelle mit ausgesprochen farbenfrohen und deshalb ausnehmend gut zur Nomos Produktphilosophie passenden Zifferblättern gab es nur in begrenztem Umfang.

Die jeweils 175 Exemplare mit klangvollen Sehnsuchtsnamen waren sowohl bei Nomos als auch im konzessionierten Fachhandel innerhalb kurzer Zeit restlos ausverkauft. Wer aktuell eine Volcano, Jungle, Canyon, Glacier, Magma und Dune für sich erwerben möchte, muss sich auf einer der sattsam bekannten Plattformen wie beispielsweise Chrono24 umsehen. Für die ursprünglich verlangten und zurecht als preisgünstig zu bezeichnenden 3.940 Euro wird man sein Handgelenk allerdings kaum mehr zieren können. Weil das Leben rigoros bestraft, wer lange überlegt und deswegen zu spät kommt, wird im Zweitmarkt inzwischen deutlich mehr fällig. Manche Ausführungen des gefälligen und zudem raren Sextetts kosten doppelt so viel wie gehabt, oder gar mehr.


Flacher Kosmopolit
Natürlich wissen auch CEO Uwe Ahrend und Firmengründer Roland Schwertner um diesen Sachverhalt. Für sie war das indessen kein Motiv, im Rahmen des sechsten Glashütter Nomos-Forums drei weitere Repräsentanten der Club Sport neomatik Weltzeit wiederum in nur begrenzter Auflage zu präsentieren. Es ging auch nicht um schnelle Geschäfte, sondern ganz einfach um etwas Neues in der knapp 25-jährigen Firmengeschichte.
Natürlich basieren die drei kosmopolitischen Musketiere uhrmacherisch auf dem, was Mirko Heyne und sein Team im Müglitztal sowie die Produktgestalter in Berlin vor etlichen Monaten geschaffen haben.

Kaliber DUW 3202
Dazu gehört als uhrmacherisches Filetstück ganz zweifellos das komplett selbst entwickelte und gefertigte Automatikkaliber DUW 3202. Sein Durchmesser beträgt 31 Millimeter. Zu den Merkmalen gehören unter anderem eine Selbstaufzugs-Baugruppe mit beidseitig wirkendem Kugellagerrotor, rund 42 Stunden Gangautonomie und das hauseigene, mit einer Frequenz von drei Hertz agierende Swing-System. Hierunter versteht Nomos alle Komponenten vom Ankerrad über den Anker bis hin zum Gangregler, bestehend aus Unruh und Unruhspirale.

Unkomplizierte Funktionalität
Praxisbezogene Entwicklungskompetenz geht aus dem direkt ins Werk integrierten Zeitzonen-Dispositiv hervor. Die Abkehr von einem vorderseitig aufgesetzten Modul spart Bauhöhe und führte zu einem erstaunliche 4,8 Millimeter flachen Konstrukt.
Selbstredend offeriert Nomos seiner inzwischen weltweit ansässigen Klientel eine echte Reise-Weltzeit-Indikation. Zu Ihren Merkmalen gehört ein unabhängig verstellbarer Stundenzeiger. Den gilt es zunächst per in die linke Gehäuseflanke versenktem Bedienelement mit der 24-Stunden- oder auch Heimatzeit-Indikation bei „3“ zu synchronisieren. Dabei ist darauf zu achten, dass die durch einen roten Balken gekennzeichnet Stadt ganz im „Norden“ des Zifferblatts steht. Ist dieser Vorgang abgeschlossen, braucht es beim Reisen nur noch den oberhalb der Aufzugs- und Zeigerstellkrone angeordneten Drücker. Jede Betätigung lässt den zentralen Stundenzeiger nach rechts und die eine der 24 Standard-Zeitzonen repräsentierende Stadt in entgegengesetzter Richtung um eine Position weiterspringen. Eine Datumsanzeige besitzt das Uhrwerk nicht.

Verbaut ist die Globetrotter-Mechanik in ein 40 Millimeter messendes Stahlgehäuse, das am Handgelenk lediglich 9,9 Millimeter aufträgt. Vorder- und rückseitig verwendet Nomos Glashütte kratzfeste Saphirgläser. Nachdem die Wasserdichte bis zu zehn bar Druck reicht, trägt die Club Sport neomatik Weltzeit ihren Namen völlig zurecht. Schwimmende Ausflüge ins kühle Nass steckt diese Armbanduhr problemlos weg.



Der Preis von 3.940 Euro beinhaltet ein dreireihiges Gliederband mit Faltschließe. Soll die Uhr von mehreren Personen getragen werden, gibt es alternativ auch ein schwarzes Textilband samt stählerner Dornschließe. Wir vom Uhrenkosmos empfehlen jedoch den Kauf mit Metallband und ggf. eine entsprechende Nachrüstung, die bei Nomos für 80 Euro erhältlich ist.



Erste Nomos Fliegeruhren
Nach diesen grundsätzlichen Erläuterungen heißt es, das Augenmerk gezielt auf das neue Trio mit dem verheißungsvollen Beinamen Night Navigation zu richten. Die Assoziation zu Fliegeruhren liegt nahe. Nachdem es solche bei Nomos Glashütte noch nicht gegeben hat, kann man mit Fug und Recht von einer Premiere sprechen. Gewidmet sind die drei Armbanduhren mit verschiedenen Zifferblättern der nächtlichen Urbanität rund um den Globus gewidmet.
Jeder, der schon einmal zu später Stunde über hell erleuchtete Metropolen geflogen ist, oder von einem Aussichtspunkt darauf herabgeschaut hat, kennt das funkelnde Lichtermeer. Von ihm haben sich die Designer der drei Nomos Glashütte Club Sport neomatik Weltzeit Night Navigation Worldtimer Grid, Trace und Vector inspirieren lassen und, das muss man neidlos anerkennen, dabei einen guten Job gemacht.


Begonnen hat das Projekt nach Aussage von Roland Schwertner mit der irgendwie sehr magisch wirkenden Trace. Die dort zur Schau gestellten Türkistöne erinnern an das nächtliche Leuchten der Glasfassaden markanter Wolkenkratzer.

Als Nummer Drei in meiner persönlichen Gunst rangiert die Club Sport neomatik Weltzeit Vector. Ihr Zifferblatt in Schwarz, Oliv und Ecru lässt an die richtungsweisenden Instrumente in einem Cockpit denken.

Nach 175 Stück endet die Produktion jeder dieser multifuktionalen Zeitmesser aus dem abgeschiedenen Müglitztal. Der Preis bleibt bei unverbindlichen und für Glashütter Manufakturarbeit wahrlich attraktiven 3.940 Euro. Allzu lange überlegen sollte man auch diesmal nicht. Es steht nämlich zu erwarten, dass auch diese Nomos Glashütte Edition quasi während der Dauer eines längeren Interkontinental-Nachtflugs vom Markt verschwunden sind.






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