Chrono Sapiens

Angelo Bonati und sein Erbe bei Panerai: Von Florenz in die ganze Welt

Im Mai 2025 verstarb der langjährige Panerai CEO Angelo Bonati. Sein über 20-jähriges Wirken ist fest mit dem Aufschwung von Panerai zur Weltmarke verbunden. Das waren seine wichtigen Stationen und im 2018 geführten Interview spricht Bonati selbst über seine Zeit bei Panerai.

von | 22.05.2025

Werbung

Werbung

Icon Uhrenkosmos vorlesen

Uhrenkosmos jetzt zum Hören!

Lassen Sie sich unsere Artikel einfach vorlesen.

Transkription des Artikels mit Elevenlabs Text to Speech Player wird geladen...

„festina lente“

Angelo Bonati, der ehemalige CEO von Panerai, hinterließ mit dem Aufstieg von Panerai zur Weltmarke einen bleibenden Fußabdruck in der Welt der Luxusuhren. Beginnend mit seinem Eintritt in das Unternehmen im Jahr 1997 trug er maßgeblich dazu bei, die traditionsreiche Marke aus Florenz zu einer global anerkannten Uhren-Ikone zu transformieren. Bonatis strategischer Fokus lag dabei stets auf der Verbindung von Panerais historischer Verbindung zur Marine zur modernen Uhrenmacherei und einem strengen Designkanon. Unter seiner Leitung gewann Panerai an internationaler Bekanntheit und wurde zu einer, insbesondere bei Paneristi, weltweit geschätzten Uhrenmarke, bei der sich hochwertige Schweizer Uhrentechnik mit hoher handwerklichen Qualität verband. Aber auch in puncto Sammlereditionen erlangte Bonati mit Editionen wir Bronzo oder Navy Seal große Erfolge.

Will man die Arbeit mit all ihren Stärken wie kleinen Kritikpunkten beurteilen, so lässt sich das am besten bewerkstelligen, indem man Bonati selbst zu Wort kommen läßt. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen heute ein Interview vorstellen, dass Angelo Bonati im Jahr 2015 mit Gisbert Brunner führte. Es gibt einen guten Einblick in seine Philosophie wie die Entscheidungsprozesse, die Panerai zu dem gemacht haben, was es heute ist. Um es mit den historischen Worten der Florentiner Kaufleute zu beschreiben: „“festina lente“ –  Eile langsam!

Segler Angelo Bonati Bild Panerai, Marco Craig

Leidenschaftlicher Segler: Angelo Bonati Bild Panerai, Marco Craig

Angelo Bonati im Interview mit Gisbert Brunner

Dottore Bonati, Sie sind jetzt fast zwanzig Jahre bei Panerai. Da lohnt sich ein kleiner Rückblick. Sie haben die Marke nachhaltig geprägt und zur anerkannten Manufaktur geführt.

Angelo Bonati: Also wenn ich tatsächlich zurückschauen soll, gebe ich zur Antwort, dass ich alles wieder genauso machen würde.

Auch eventuelle Fehler, falls Sie solche in ihrer Retrospektive ausmachen sollten?

Angelo Bonati: Auch oder gerade die Fehler, denn gerade Fehler helfen einem dabei, besser zu werden.

Fällt Ihnen denn ein bemerkenswerter Fehler ein?

Angelo Bonati: Nein, denn ich habe immer versucht, Fehler in meinem Handeln zu vermeiden. Doch Spaß beiseite. Natürlich gab es Dinge, die ich besser anders gemacht hätte. Zum Beispiel da und dort hätte ich mich für eine andere Zifferblattfarbe entscheiden können, oder auch eine andere Limitierung. Aber summa summarum hatten mein Team und ich eine großartige Zeit miteinander. Daran gibt es nichts zu rütteln. Wir alle können stolz sein, was wir in dieser vergleichsweise kurzen Zeit für Panerai erreicht haben. Die Mitarbeiter folgten mir, denn sie waren überzeugt, dass wir den richtigen Weg für Panerai eingeschlagen habe.

Gehen wir mal ganz zum Anfang im Jahr 1997. Wie war das da?

Angelo Bonati: Am Anfang stand eine Strategie für die kommenden Jahre. Wo kam Panerai her und wo wollten wir mit der Marke hin, um am Markt erfolgreich bestehen zu können. Aber lassen Sie mich bemerken, dass es gerade im Hinblick auf die geknüpften und erlebten menschlichen Beziehungen eine großartige Sache war. So etwas hatte ich vorher noch nie erlebt. Und dafür bin ich retrospektiv unheimlich dankbar. Ich hatte die Gelegenheit, fantastische Menschen in jeder Hinsicht kennenzulernen. Meist im positiven, aber mitunter auch im negativen Sinn. Aber ungeachtet dessen habe ich immer etwas dazugelernt. Was am Ende wirklich zählt, sind weniger das Investment, die Marke und das Produkt, sondern die Leute.

Worauf gründet sich Ihrer Meinung nach der mehr als beachtliche Panerai Erfolg seit Übernahme der Marke durch Richemont im Jahr 1997.

Angelo Bonati: Das ist wissenschaftlich nicht zu auszumachen. Der Erfolg gründet sich letzten Endes auf Intelligenz, Enthusiasmus, Emotionen, der Bewertung und Verfolgung von Zielen, tunlichst ohne Einbeziehung der im Geschäftsleben üblichen Stressfaktoren. Er resultiert also letzten Endes auf fantastischen Menschen. Das ist meine Retrospektive.

Angelo Bonati Bild Uhrenkosmos

Auch das Büro von Angelo Bonati war geprägt vom Segeln.

Panerai – eine italienische Marke

Lieber Angelo Bonat, was war denn Ihr spannendster Moment in der langen Panerai-Karriere?

Angelo Bonati: Das war 1997, als wir unsere erste Uhr in Italien getestet haben und nach einer Woche mein Telefon heiß lief, weil mich viele italienische Händler anriefen und hundert, zweihundert oder gar dreihundert Uhren bestellen wollten. Das war spannend, aber auch schrecklich.

Das war die erste Pre-Tausenderserie, wenn ich mich recht erinnere.

Angelo Bonati: Genau, das war die. Ich saß allein in meinem kleinen, recht dunklen Büro, mit Telefon, Computer und 50 Bleistiften. Sonst nichts. Im September hatte ich meine Aktentasche genommen und war mit neun Referenzen, sechs Luminor und drei Mare Nostrum bei Freunden hausieren gegangen, die ich aus meinen Cartier Zeiten kannte.

Mit welchen Argumenten?

Angelo Bonati: Hör zu, du hast Cartier, Rolex, Patek, du gehörst also zu den ganz Großen unserer Branche. Heute kann ich dir das hier anbieten. Du kannst dir das Projekt als Zug vorstellen, als ein sehr spezieller Zug, der hier nur einmal abfährt. Du kannst jetzt einsteigen ohne zu wissen, wohin der Zug fahren wird, oder du bleibst stehen und zuschauen, wie der Zug davonfährt. Überleg es dir gut. Wenn du mitfahren möchtest, musst du dreißig Uhren zu einem Preis kaufen, der nichts ist im Vergleich zu dem, was deine anderen Objekte kosten. Auf jeden Fall kaufst du mit diesen Uhren auch eine Idee.

Die Reaktionen?

Angelo Bonati: Manche sagten, also Angelo, ich bitte dich, komm wieder, wenn du etwas Anderes hast. Und andere schlugen ein. Lass es uns versuchen.

Wie ging es weiter?

Angelo Bonati: Im April 1998 zeigten wir unsere ersten Uhren beim SIHH. Sie erregten allein schon wegen ihrer Größe reichlich Aufmerksamkeit. Vor unseren kleinen Messestand gab es Schlangen. Interessenten und natürlich auch Journalisten. Das Interesse war riesig. Der Moment lässt sich nicht mehr auslöschen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Danach habe ich eine Studie angefertigt, denn aus dem Messeresultat ließ sich ablesen, dass Panerai eine wertvolle Marke ist. Und in diesem Moment dachte ich bereits daran, aus Panerai eine Manufaktur zu machen.

Gab es Beifallstürme im Richemont Management?

Angelo Bonati:  Franco Cologni schlug vor, das Thema Manufaktur-Kaliber vorsichtig anzugehen, denn es könne noch etwas verfrüht sein.

Aber er hat doch den Kauf der Marke initiiert.

Angelo Bonati: Das schon, aber doch nicht mit Blick auf eine Uhrenmanufaktur. Es ging in erster Line um die Marke, um eine italienische Marke.

Panerai Luminor Marina OP6502 PAM00001 1998

Das Modell Panerai Luminor Marina OP6502 PAM00001 aus dem Jahr 1998.

Der Erfolg resultiert letztendlich aus phantastischen Menschen.
Angelo Bonati

ehemaliger CEO, Panerai

Angelo Bonati

Gente di mare: Angelo Bonati am Steuerrad

Angelo Bonati – Lebenslauf in Stichpunkten

  • Geburt: 1951 in Mailand, Italien.

  • Ausbildung: Studium der Wirtschaftswissenschaften in Mailand.

  • Karrierebeginn: 1970er Jahre im Schmuck- und Uhrenvertrieb.

  • 1997: Wechsel zu Officine Panerai als erster Sales Director nach Übernahme durch die Richemont-Gruppe.

  • 2000–2018: CEO von Panerai; führte die Marke von einer kleinen Florentiner Werkstatt zu einer global anerkannten Luxusmarke.

  • Markenstrategie: Setzte auf die ikonische Luminor Marina mit 44-mm-Gehäuse und etablierte die „Paneristi“-Community.

  • Innovation: Entwicklung eigener Manufakturkaliber und Einführung limitierter Sondereditionen.

  • Erbe: Erhielt 2006 die historische Yacht Eilean und ließ sie restaurieren, um die maritime Tradition der Marke zu pflegen.

  • Ruhestand: Tritt 2018 als CEO zurück; sein Einfluss bleibt in der Markenidentität spürbar.

  • Tod: Verstarb am 15. Mai 2025

Erste Panerai unter der Ägide von Richemont von 1998

Erste Panerai unter der Ägide von Richemont von 1998.

Ein guter Kauf

Gisbert Brunner: Wie kam es eigentlich dazu, Sie damals zum CEO zu küren?

Angelo Bonati: Franco Cologni rief mich an, denn ich war früher einmal Verkaufsdirektor von Cartier Italien gewesen, hatte dann aber für zwei andere Firmen gearbeitet. Franco bat mich, bei ihm vorbeizukommen, um mir das neue Projekt vorzustellen. Er meinte, dass ich mich im Uhrenbusiness doch viel besser auskennen würde als beim Porzellan, um das ich mich beruflich gerade kümmerte. Franco offerierte mir die Rolle eines CEO und ich willigte spontan ein.

Hatten Sie damals eigentlich schon Ihre Leidenschaft fürs Segeln?

Angelo Bonati: Ja, die war schon lange zuvor da. Aber ich habe immer auch schon Uhren geliebt. Uhren sind meine zweite Passion. Als ich Cartier verließ, um mich anderen Aufgaben zuzuwenden, habe ich die Uhren immer sehr vermisst. Drei Jahre lang bin ich immer privat zur Basler Uhrenmesse gefahren, um mir dort die Neuheiten anzuschauen.

Sie hatten von Anbeginn einen hohen Freiheitsgrad, die Marke Panerai zu gestalten. Geschah das auf Initiative von Johann Rupert?

Angelo Bonati: Nein, das war zunächst Franco Cologni. Dann verschaffte mir Herr Rupert ebenfalls Freiheit, denn er wollte Panerai getrennt haben vom Rest der Gruppenmitglieder. Das war eine sehr intelligente Lösung, denn wenn man als Newcomer das Innere der riesigen Maschine betritt, ist man schnell tot. Herr Rupert erteilte uns seinen Schutz, um uns in Ruhe arbeiten und wachsen zu lassen, denn er mochte die Marke vom ersten Moment. Johann Rupert hatte absolut recht, als er Panerai zu seinem eigenen Baby erklärte, denn auch er hatte eine klare Zukunftsvision.

Deckte sich seine Vision mir der Ihren?

Angelo Bonati: Nicht ganz, aber Johann Rupert ließ uns klugerweise gewähren. Er spürte das starke Potenzial der Marke. Er merkte sofort, dass Panerai etwas Besonderes, ein Juwel ist.

Sie bekamen ja quasi als Mitgift auch ein ganzes Paket alter Rolex-Cortébert-Uhrwerke. Man sagt, dass mit den daraus gefertigten Platin-Radiomirs der Kauf von Panerai bezahlt gewesen sei.

Angelo Bonati: Das mit den Werken ist eine ganz andere Geschichte. Wir arbeiteten an der ersten Panerai Kollektion, als ich aus Neuchâtel einen Anruf bekam. Ich hatte die Order erteilt, alles, was in Florenz noch an alten Lagerbeständen gefunden wurde, unverzüglich in die Schweiz zu schicken. Dort wurden die Dinge bewertet. Also, man rief mich an, um mir mitzuteilen, dass man 65 Rolex-signierte, aber teilweise verrostete Uhrwerke gefunden habe. Ob man die denn wegwerfen könne.

Und Sie protestierten, nehme ich an

Angelo Bonati: Genau. Am nächsten Tag reiste ich sofort nach Neuchâtel, um den Fund zu begutachten. Dann erteilte ich den Auftrag, die Uhrwerke zu zerlegen, alle Teile aufzuarbeiten und sie in einen brauchbaren Zustand zu versetzen. Ein Uhrwerk nahm ich mit, um mit seiner Hilfe die erste Panerai Radiomir mit Platingehäuse und doppeltem Boden zu reproduzieren.

Und dann ging es ans Verkaufen …

Angelo Bonati: Ja. Ich sagte den Händlern, dass ich die Uhren zurücknehmen würde, falls sie bis Weihnachten nicht verkauft seien.

Gab es solche Geschäfte?

Angelo Bonati: Ja. Manche konnten die Uhren in der Tat nicht verkaufen und ich nahm sie wie versprochen zurück. Dafür verlangten andere Händler Nachschub. Insgesamt verkauften wir 60 Stück. Die restlichen Werke hoben wir uns für Servicezwecke auf.

Gutes Geschäft für die damaligen Käufer. Heute liegt die PAM21 bekanntlich bei über 100.000 Euro. 

Angelo Bonati: Das kann man sagen. Mit diesen 60 Uhren hatte sich der Kauf von Panerai bereits bezahlt gemacht.

Sylvester Stallone und Panerai Luminor Slytech

Sylvester Stallone mit Panerai Slytech

Die Wertentwicklung der Panerai Bronzo Taucheruhren

Stets ein Highlight für Paneristi und Fans von Bronzeuhren: Die ersten Panerai Bronzo Taucheruhren Editionen.

Innovation und Technik

Panerai Uhren sind allgemein für guten Werterhalt bekannt. Wie kam es dazu?

Angelo Bonati: (lacht) Das kann ich Ihnen nicht sagen, denn sonst kopieren andere Marke unser Rezept. Aber im Ernst. Das ist keine Wissenschaft. Wir haben hart daran gearbeitet, das historische Profil der Marke zu schärfen und in die Gegenwart zu übertragen. Dann haben wir uns immer um Kohärenz bemüht. Und wir haben die so authentisch Uhren gelassen, wie wir sie vorgefunden haben. Schließlich haben wir nicht nur an den Uhren gearbeitet, sondern in einem ersten Schritt auch stark an der Weiterentwicklung unserer Marke Panerai.

Zu Anfang war die Marke selbst nur wenig. Man kannte Luminor Marina oder Radiomir. Panerai trat demgegenüber in den Hintergrund. Bei unserem enthusiastischen Bemühen um den Markenaufbau haben wir immer Platz gelassen für das kommende Jahr und die dann vorzustellenden Produkte. Das war also ein kontinuierlicher Prozess.

Der zweite Schritt?

Angelo Bonati: Er bestand darin, auf der Entwicklung zu einer echten Manufaktur mit eigenen Uhrwerken zu bestehen, denn ohne kann man nichts erreichen. Man ist kein Uhrmacher, man ist keine Manufaktur, man ist schlichtweg nichts. Wenn man Werke bei Eta oder Sellita kauft, kann man zwar gute Uhren machen, aber man ist kein richtiger Uhrmacher, denn man hat ja nichts wirklich Eigenes.

2005 hatte Panerai endlich sein eigenes Manufakturwerk. Sie haben damals mit ValFleurier und Eric Klein kooperiert. Wie kam es dazu?

Angelo Bonati: Wir waren an einem Nachmittag in Genf. Dort trat ich vor unser Komitee, das sich geleitet von Johann Rupert damals schon wie heute regelmäßig zusammensetzte. Ich erzählte ihnen, dass ich mein eigenes Uhrwerk entwickeln möchte.

Wie reagierte Johann Rupert?

Angelo Bonati: Warum sind Sie überhaupt noch hier, Angelo? Seit sechs Monaten erzählen Sie mir von Ihren Plänen. Warum tun Sie es nicht? Schießen Sie endlich los!

Warum hatten Sie sich so lange in Zurückhaltung geübt?

Angelo Bonati: Innerhalb unserer Organisation ist das alles nicht so einfach, wie man als Externer vielleicht glauben mag. Aber ich wurde dann förmlich zum Start gedrängt.

Panerai hat durchweg außergewöhnliche Kaliber. Hatten Sie schon einen klaren Plan?

Angelo Bonati: Die Idee bestand in einem weißen Blatt Papier. Ich setzte mich mit Eric Klein und Henri-John Belmont, dem frühen CEO von Jaeger-LeCoultre zusammen. Belmont war unser Ratgeber bezüglich der neuen Panerai-Kaliber. Er fragte, welches Gesicht ich anstrebe. Ich meinte, dass hohe Gangautonomie die Grundlage meiner Werke-Philosophie bilden solle. Daraufhin entstand ein mögliches Design, bei dem ich auf einer linearen Gangreserveanzeige beharrte, was die anderen am Tisch verblüffte, denn sie dachten an etwas Klassisches.

Was war Ihr Argument?

Angelo Bonati: Ich wollte eine Art Instrument kreieren. Mit einer überlieferten Form der Gangreserveanzeige wäre es doch wieder eine der üblichen Uhren geworden. Aber wir kamen ja aus der militärischen Ecke und deshalb wollte ich eine Art Instrument.

Was wohl nicht so leicht war

Angelo Bonati: Man müsse sehen, was sich machen lässt, bekam ich zu hören. Dann wurden Studien zusammen mit den Entwicklern von Greubel-Forsey angestellt. Nach drei Monaten bekam ich etwas aufgebracht zu hören, dass ich immer so seltsame, schwer zu realisierende Ideen hätte, die nach viel Entwicklungszeit verlangten. Aber ich wollte ja nichts als einfach und präzise.

Das Uhrwerk kam letztlich aber dann doch zustande.

Angelo Bonati: Das erste Konzept überzeugte nicht, aber nach und nach gelang mit tatkräftiger Hilfe von Eric Klein die Umsetzung aber dann doch. Anfangs mit drei Tagen Gangautonomie.

Wie ging es dann weiter?

Angelo Bonati: Wir von Panerai leben in der Welt der Sportuhren, aber wir sind weder Breitling noch Rolex. In diesem Sinne brauchten wir einfache, aber hilfreiche und leicht nutzbare Zusatzfunktionen. Auf dieser Idee gründeten sich die Gangreserveanzeige und die GMT-Funktion. Beides resultierte aus der Tatsache, dass die meisten Leute heute reisen und auch Sport treiben. Wer unterwegs ist, braucht Heimat- und Ortszeit, hat aber nicht die immer Zeit, seine Uhr regelmäßig aufzuziehen. Aus diesen Überlegungen heraus hangelten wir uns vom Drei-Tage-Werk zum Chronographen vor.

Der Chronograph war für mich sehr wichtig, denn wir konnten und wollten auf Dauer nicht bei Eta und Valjoux bleiben. Das war aber nur der erste Schritt. Nun heißt es, bei unseren Uhrwerken an die nächste 20 Jahre zu denken.

Will heißen?

Angelo Bonati: Wir müssen auf der vorhandenen Werkebasis voranschreiten. Ich möchte das am Beispiel Mercedes erläutern. Innerhalb von zehn Jahren entstehen dort immer wieder völlig neue Automobile. Aber alle lassen sich sofort als ein Mercedes identifizieren. Genau so muss es auch bei Panerai sein. Bestes Beispiel ist unser neues, deutlich kleineres und flacheres P.1000. Das ist schon eine solche Entwicklung für die Zukunft.

Die genialste Panerai Entwicklung ist für mich der Panerai Regatta Chronograph mit Countdown Funktion.

Angelo Bonati: Daran haben wir auch sechs Jahre lang gearbeitet. Ich bin kein Techniker, aber ich besitze ein Gefühl für sinnvolle Funktionen. Wenn ich am Steuer eines Bootes stehe und der Regatta Countdown läuft, kann ich kein Buch zu Rate ziehen und dort die Bedienungsanleitung nachlesen. Da brauche ich etwas Einfaches. Und genau das ist die Regatta Funktion. Unkompliziert zu bedienen und gut abzulesen. Das war die Philosophie, die Eric Klein und mich beseelte. Und uns ist etwas Einzigartiges in der Uhrenwelt gelungen. Das predige ich meinen Mitarbeitern immer wieder.

Panerai ist sehr fortschrittlich bei den Gehäusematerialien. Bestes Beispiel ist das innovative Karbongehäuse. Gibt es einen Stab in der Manufaktur, der sich darum kümmert?

Angelo Bonati: Ja, wir haben Leute nur für diese Aufgabe. Die schmoren nicht nur im eigenen Saft, sondern kooperieren zum Beispiel mit Universitäten und anderen Spezialisten, darunter auch Forscher und Wissenschaftler, um immer wieder neues zustande zu bringen. Das ist nicht einfach, denn von 20 Experimenten ist am Ende vielleicht eines brauchbar. Aber so lautet nun einmal unsere Mission. Wir müssen unsere Führungsposition immer wieder unter Beweis stellen. Der Kampf ist sehr hart. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Eilean Panerai Segelboot mit Panerai Luminor 1950 Regatta Rattrapante

Das Panerai Boot Eilean mit Panerai Luminor 1950 Regatta Rattrapante Chronographen.

Eine italienische Marke

Kommen wir doch abschließend noch zum Geschäft ganz allgemein. Welches sind heute Ihre stärksten Märkte?

Angelo Bonati: Die Märkte haben sich im Vergleich zu den späten neunziger Jahren total verändert. Heute sagen sich nur noch die wenigsten, dass sie eine neue Uhr brauchen und deshalb in ein Geschäft gehen müssen. Heute hängen die Märkte sehr stark vom Tourismus ab. Leute kommen von Asien oder aus den USA nach Europa, denn Europa ist auch wegen der kulturellen Werte das Zentrum des Tourismus. Dazu gesellen sich obendrein die günstigen Wechselkurse. Auch das Kaufverhalten ist anders. Solche Kunden gehen nicht in den Uhrenladen an der Ecke, sondern beispielsweise in die Galerie Lafayette. Paris ist meisten die letzte Stadt und da heben die Asiaten ihr Geld auf, um noch etwas zu kaufen.

Richten Sie Ihre Verkaufs- und Marketingaktivitäten daran aus?

Angelo Bonati: Das muss man natürlich berücksichtigen, aber wir versuchen, überall wohin Touristen kommen, also in Italien auch Florenz, Rom oder Venedig gleichermaßen zu berücksichtigen. In einigen Jahren wird Italien beim Tourismus vielleicht Nummer zwei oder gar Nummer eins sein. Seit der Neueröffnung unserer Boutique in Florenz haben sich die Besucherzahlen verdreifacht. Heute kommen täglich zwischen 80 und 120 Menschen.

Und alle kaufen hoffentlich?

Angelo Bonati: Natürlich nicht alle.

Wie viel Prozent?

Das kann und will ich Ihnen nicht sagen. Es ist nicht enorm, aber wir haben die Verkäufe dort mittlerweile verdoppelt. Die Besucherzahlen signalisieren uns in jedem Fall die steigende Bekanntheit und Beliebtheit der Marke Panerai.

Wie viele Boutiquen gibt es weltweit?

Angelo Bonati: Das sind jetzt 65.

Ist Panerai für Chinesen eine italienische oder Schweizer Marke?

Angelo Bonati: Italienisch würde ich sagen. Das hat sich so eingeprägt.

Am Zifferblatt steht aber Swiss Made.

Angelo Bonati: Das ist die Garantie, dass wir als Italiener Uhren mit Schweizer Exzellenz produzieren. Wenn ich als Verbraucher Swiss Made auf dem Zifferblatt lese, bin ich glücklich. Ähnlich ist es doch auch mit Cartier. Im Bewusstsein Vieler ist das eine französische Marke. Aber die Uhren sind auch Swiss Made. In unserer Diktion heißt das: Italienische Ideen, italienisches Design, Schweizer Handwerkskunst.

In Neuchâtel entsteht ein brandneues, nach allen Regeln der Kunst ausgestattetes Manufakturgebäude, das aber derzeit noch so verschlossen ist, wie eine Rolex Oyster.

Angelo Bonati: Hier folgen wir unserer Philosophie, dass erst alles wirklich fertiggestellt sein muss, bevor wir damit an die Öffentlichkeit gegen. Der Fertigstellungsprozess schreitet voran und im Zusammenhang mit dem SIHH 2016 werden auch die ersten Gäste unsere neue Manufaktur besichtigen können.

Anmerkung der Redaktion:
Die erste eigene Panerai Werkstätte wurde im Jahr 2002 eröffnet hat. Diese Manufaktur befand sich in Neuchâtel, Schweiz, und war ein bedeutender Schritt in der Entwicklung der Marke. Sie ermöglichte es Panerai, eigene Uhrwerke zu entwickeln und zu produzieren, was die Unabhängigkeit und Innovationskraft der Marke stärkte. Im Jahr 2014 zog Panerai in ein neues, modernes Gebäude in Neuchâtel um, das auf über 10.000 Quadratmetern Fläche Platz für Forschung, Entwicklung und Fertigung bietet und die hohe Qualität der Panerai-Uhren weiter unterstreicht. Angelo Bonati konnte die Eröffnung der Werke-Manufaktur noch in seiner Zeit als CEO für sich verbuchen, bevor er 2018 in den Ruhestand ging.

 

Der Eingang zur Panerai Manufaktur in Neuchatel

Der Eingang zur Panerai Manufaktur in Neuchatel

„famam servare memento“

Obwohl Angelo Bonati erst im Jahr 2018 in den Ruhestand trat, hatte er bereits vorher mit seiner angegriffenen Gesundheit zu kämpfen. Am 15. Mai 2025 verstarb nun der langjährige Richemont Manager, der die Geschicke von Panerai über 2 Jahrzehnte prägte. Ihm wird beschieden, was heute nur noch wenigen Uhrenmanagern beschieden ist: Er hat maßgeblich zur Entwicklung von Officine Panerai beitragen und Weg zu einer der weltweit bekanntesten Uhrenmarken ist fest mit seinem Namen verbunden.
Entsprechend möchte man Bonati mit den berühmten Worten für die florentinische Adlige Eleonora von Toledo würdigen: „famam servare memento“, zu Deutsch: „Bedenke den Ruhm“ zu bewahren. Betrachtet man sein Lebenswerk, lässt sich sagen, dass ihm dies ohne jeglichen Zweifel gelungen ist.

Officine Panerai Boutique in Florenz und Angelo Bonati

Untrennbar mit dem Aufstieg verbunden: Officine Panerai und Angelo Bonati

Folgen Sie Uhrenkosmos auch in den sozialen Medien!

Immer aktuell: Mit unserem Newsletter!

Wie ist Ihre Meinung? Hinterlassen Sie gerne einen Kommentar.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

zehn + fünf =

Noch mehr über luxuriöse Uhren

Willkommen in der Uhrenkosmos-Community!

Melden Sie sich jetzt zum Uhrenkosmos-Newsletter an und erhalten Sie kostenlos die wichtigsten Artikel der Woche direkt in Ihr Postfach.

Hinweise zum Newsletter

Wir versenden unseren Newsletter DSGVO-Konform mit Brevo. Nach Ihrer Anmeldung erhalten Sie wöchentlich die interessantesten Artikel von uhrenkosmos.com per E-Mail an das von Ihnen angegebenen E-Mail-Postfach. Sie finden in jeder E-Mail die Möglichkeit, sich wieder von Ihrem Abonnement abzumelden.

Datenschutzhinweise

Details zum Umgang mit personenbezogenen Daten auf uhrenkosmos.com entnehmen Sie gerne unseren Datenschutzhinweisen bzw. den Datenschutzhinweisen des Softwareanbieters.

Willkommen in der Uhrenkosmos-Community!

Melden Sie sich jetzt zum Uhrenkosmos-Newsletter an und erhalten Sie kostenlos die wichtigsten Artikel der Woche direkt in Ihr Postfach.

Hinweise zum Newsletter

Wir versenden unseren Newsletter DSGVO-Konform mit Brevo. Nach Ihrer Anmeldung erhalten Sie wöchentlich die interessantesten Artikel von uhrenkosmos.com per E-Mail an das von Ihnen angegebenen E-Mail-Postfach. Sie finden in jeder E-Mail die Möglichkeit, sich wieder von Ihrem Abonnement abzumelden.

Datenschutzhinweise

Details zum Umgang mit personenbezogenen Daten auf uhrenkosmos.com entnehmen Sie gerne unseren Datenschutzhinweisen bzw. den Datenschutzhinweisen des Softwareanbieters.