Neues und Ultraflaches von Piaget
Kurz vor den Geneva Watch Days stellt Piaget zwei neue Armbanduhren vor. Die hierfür verwendete Mechanik ist bekannt. Neu sind jedoch der optische Auftritt und die fürs Gehäuse verwendeten Werkstoffe. Dass zwischen dem Piaget Altiplano Ultimate Concept Tourbillon und der Piaget Altiplano 910P ein Preisunterschied von rund 680.000 Euro klafft, deutet auf die ungleich höhere uhrmacherische Komplexität des erstgenannten Modells hin. Diese resultiert nicht nur aus dem fliegenden Tourbillon, sondern auch aus der ganzen Konstruktion des zeitbewahrenden Mikrokosmos.

Piaget Altiplano Ultimate Concept Tourbillon
Das Piaget Altiplano Ultimate Concept Tourbillon (AUC) reiht sich in die Linie ultraflacher Armbanduhren, angefangen bei den 1957 vorgestellten Modellen mit dem Handaufzugskaliber 9P bis hin zu Zeitmessern, bei denen das Mikrorotor-Kaliber 12P die Zeiger für Stunden und Minuten antreibt. Der komplexe Newcomer führt diese Linie technisch fort und setzt auf eine konsequente Integration von Gehäuse und Uhrwerk.
In diesem Sinne fungiert der Gehäuseboden zugleich als Werkplatte, wodurch Bauteile eingespart und die Bauhöhe reduziert werden können. Durch diese technischen Kniffe trägt die aus einer M64BC Kobaltlegierung hergestellte Schale am Handgelenk insgesamt nur zwei Millimeter auf. Ihr Durchmesser beträgt 41,5 Millimeter, die Wasserdichte reicht bis zu zwei bar Druck.
Erstmals besitzt es einen massiven Boden mit Sichtfenster aus 0,16 Millimeter dünnem Saphirglas, welches neugierige Blicke auf die rückwärtige Tourbillon-Lagerung des Kalibers 970P-UC ermöglicht. Dieses Handaufzugswerk zeigt überarbeitete satiniert-polierte Oberflächen und stellt den konstruktiven Ansatz zur Schau, möglichst viele Funktionen auf engstem Raum unterzubringen.
Wie gehabt, entfällt auch bei diesem AUC Tourbillon die klassische Trennung zwischen Gehäuse und Werk. Jedes Element ist auf minimale Toleranzen ausgelegt. Ungenutzte Räume reduzierten die Techniker zugunsten funktionaler Komponenten. Das betrifft insbesondere die Energieübertragung und die Lagerung der rotierenden Teile. Der den negativen Schwerkrafteinfluss kompensierende Wirbelwind ist in das flache Architekturkonzept eingebunden. Durch seine fliegende Lagerung entfällt die vorderseitige Brücke.

Gestalterische Freiheitsgrade
Zu den gestalterischen Merkmalen gehören kreuzförmig angeordnete Speichen bei den Rädern und dem Tourbillon-Käfig. Das deckt sich mit der Bodengravur „Stets besser machen als nötig.“ 28.800 Halbschwingungen vollzieht die mit variabler Trägheit ausgestattete Unruh jede Stunde. Nach Vollaufzug beträgt die Gangautonomie des selbst entwickelten und gefertigten Uhrwerks rund 35 Stunden. Daher empfiehlt sich ein täglicher manueller Energienachschub – tunlichst zur selben Zeit.
Vorderseitig dominieren die drei Farben Khakigrün, Gelbgold und Silber. Die Minuten stellt ein Zeiger dar, die Stunden eine Scheibe mit Pfeilmarkierung. Das Verstreichen der Sekunden lässt sich am Drehgang ablesen. Zur Kontrolle der Ganggenauigkeit besitzt das Drehgestell ebenfalls einen kleinen Pfeil. Aus khakigrünem Kalbsleder mit neuem Polish Mesh-Prägemuster besteht das Armband.
Die Farbabstimmung mit dem khakigrünen Zifferblattbereich folgt der Philosophie eines geschlossenen Ensembles. Als Mitglied des Piaget Infinitely Personal-Programms können potenzielle Kunden, die rund 730.000 Euro übrig haben, per Online-Konfigurator gemeinsam mit erfahrenen Kaufberatern ihre ganz persönliche Version des Altiplano Ultimate Concept Tourbillon aus der Taufe heben.


Piaget Altiplano 910P
Wer so viel Geld nicht auf der hohen Kante hat, sich für Zeitmesser von Piaget begeistert und unverbindliche 40.500 Euro ausgeben kann, sollte sich mit der ebenfalls neuen Altiplano 910P beschäftigen. Dieses Modell erweitert das bekannte Spektrum ultraflacher Armbanduhren. Dafür spricht die bemerkenswerte Gesamthöhe von lediglich 4,3 Millimetern. 41 Millimeter beträgt der Durchmesser des gelbgoldenen Zeitmessers.
Möglich macht dies das hauseigene, im Jahr 2018 während des Genfer Uhrensalons SIHH vorgestellte Automatikkaliber 910P. Diese Zeit-Mechanik verlangt nach summa summarum 238 Komponenten, darunter 30 funktionale Steine. Um den Selbstaufzug kümmert sich eine peripher angeordnete, folglich um das ganze Werk drehende Schwungmasse aus 22-karätigem Gold. Neu ist auch diese Technik nicht. Aficionados kennen sie beispielsweise von Patek Philippe und der mittlerweile zu den Akten geschriebenen Marke Carl F. Bucherer.
Aber so flach hatte sie bis zu besagtem Jahr 2018 noch keine Manufaktur umgesetzt. Ist der Federspeicher voll gespannt, stehen ohne weiteren Energienachschub 50 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Zur Indikation von Stunden und Minuten rotieren zwei Zeiger exzentrisch bei „10“. Ein Guckloch im ebenfalls khakigrünen Zifferblatt gestattet Blicke auf den mit vier Hertz oszillierenden Gangregler.
Für sicheren Halt am Handgelenk sorgt ein Armband aus farblich zum Zifferblatt passenden Alligatorleder. Zum Schwimmen sollte man auch diese Armbanduhr nicht anziehen, denn die Resistenz gegen eindringendes Wasser reicht auch hier gerade einmal bis zu zwei bar Druck.






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