Gelb, kantig, kompromisslos
Sie kam, sah (gut aus) und siegte. Auf jeden Fall bei mir. Gemeint ist die neue Tudor Monarch. Diese Armbanduhr verkörpert, was viele Tudor-Fans schon lange erhofft und erwartet hatten: eine Ergänzung zur sehr erfolgreichen und genau deshalb mittlerweile fast schon omnipräsenten Black-Bay-Familie. Als mir die neue Tudor Monarch während der Genfer Watches and Wonders erstmals begegnete und ich sie intensiv am Handgelenk betrachten konnte, wollte ich sie auch haben. Dabei war mir von Anbeginn klar, dass dieser Zeitmesser mit dem goldgelb oder goldfarben schimmernden „lese-sicheren“ Zifferblatt jenseits der gefälligen, mittlerweile jedoch auch etwas ausgetretenen Black-Bay-Pfade keineswegs Everybody’s Darling sein möchte.

Sein California Dial polarisiert. Das gilt sicher auch für die leicht kantige Schale mit deutlichem Retro-Touch. Auf Anhieb besticht jedoch der bemerkenswerte Tragekomfort des Ensembles mit seinem geschmeidigen Gliederband. Und dann ist da noch das neue, hinsichtlich seiner Feinbearbeitung aufgewertete Manufaktur-Automatikkaliber MT5662-2U, welches hinter einem großzügig dimensionierten Sichtfenster im Schraubboden agiert. Meine spontane Entscheidung, eine Tudor Monarch zu ordern, kam also definitiv nicht von ungefähr.

Vier Wochen ohne Reue
Inzwischen gehört mir die Monarch seit etwa vier Wochen. Und ich habe den Kauf noch keine Sekunde bereut. Diese Armbanduhr hat etwas. Es bereitet Freude, sie zu tragen. Angesprochen wurde ich darauf schon des Öfteren. Damit aufzufallen, war nie meine Kaufmotivation. Aber mir war klar, dass speziell Farbe und Gestaltung des Zifferblatts, die das Erscheinungsbild dieser Armbanduhr maßgeblich prägen, interessierte und neugierige Blicke auf sich ziehen würden.

Meine selbst gestellte Frage, ob ich des sehr speziellen Farbtons irgendwann überdrüssig werden könnte, muss ich aktuell verneinen. Irgendwie zieht mich die Farbe bei jedem Blick aufs Zifferblatt erneut in ihren Bann. Und die friedliche Koexistenz von Römern und Arabern auf einer Metallscheibe erinnert mich regelmäßig an Rolex, der das irrtumsfreie Erscheinungsbild – aus welchen Beweggründen auch immer – letztlich zu verdanken ist.

Bei differenzierter Betrachtung scheint die Tudor Monarch 2026 mehreren Epochen gleichzeitig zu entstammen. Einerseits wirken das 39 Millimeter messende, markant facettierte Stahlgehäuse sowie das ebenfalls facettierte Armband modern und beinahe architektonisch. Die polierte Lünette umrahmt ein Zifferblatt, das Tudor selbst als dunkel champagnerfarben und papyrusartig beschreibt. Je nach Winkel des Lichteinfalls erscheint es jedoch deutlich gelber, bisweilen orange- oder sogar leicht kupferfarben. Eben jene wechselnden Nuancen steigern meiner Meinung nach die Faszination, welche von der neuen Tudor Monarch ausgeht.

Die applizierten Stundenindizes, römische Ziffern von „10“ bis „2“ und arabische Ziffern von „4“ bis „8“, das prominent bei „12“ positionierte Tudor-Logo sowie die kleine Sekunde bei „6“ wecken bei mir angenehme Erinnerungen an die 1930er-Jahre. Andererseits scheiden sich genau daran die Geister. Man liebt dieses Design oder lehnt es ab. In den zurückliegenden vier Wochen habe ich beides erlebt, aber kaum Kompromissbereitschaft. Der spezifische Reiz stellt sich in vielen Fällen nicht ad hoc ein. Doch die Tudor Monarch besitzt durchaus das Potenzial, irgendwann ans Herz zu wachsen.

Tudor Monarch – Retro mit Ecken und Kanten
Zu diesem Eindruck trägt das kantige Gehäuse im Retrostil wesentlich bei. Schon in Genf erinnerte es mich spontan an meine betagte Huber Nautica von 1939, ausgestattet mit patentiertem wasserdichten Stahlgehäuse, die ich 1975 ungetragen erworben und seitdem aus Ehrfurcht nie ans Handgelenk geschnallt habe.
Je länger ich mich mit der aktuellen Monarch beschäftige, desto mehr wächst mein Respekt davor, dass Tudor ein heißes Eisen angepackt und einen in der Summe seiner gestalterischen Merkmale wirklich ungewöhnlichen Zeitmesser auf den Markt gebracht hat. Wer Kritikpunkte sucht, findet sie natürlich. Das Zifferblatt habe ich schon erwähnt. Man könnte zudem das Fehlen von Super-LumiNova oder eines Fensterdatums bemängeln. Beides hätte in meinen Augen jedoch nicht gepasst.
Stein des Anstoßes sind da und dort auch die charakteristischen Snowflake-Zeiger. Selbst den Durchmesser könnte man einem nostalgiebetonten Objekt wie diesem anlasten. Warum nicht 36 Millimeter? Sie hätten der Epoche vor 90 Jahren eher entsprochen. Meine Huber Nautica misst gerade mal 28 Millimeter. Das wiederum wäre nun doch zu klein. Auf meinem eher breiten Handgelenk macht die Monarch jedenfalls Bella Figura. Das aufwändige Gliederband trägt wesentlich dazu bei.

Name mit wechselhafter Vergangenheit
Vom Himmel geschneit ist der Name Monarch bei Tudor übrigens nicht. Er besitzt eine 35-jährige Tradition. Als die Linie 1991 auf der Bildfläche erschien, war die Marke noch gänzlich anders aufgestellt. Eine eigenständige, womöglich sogar konkurrierende Identität konnte sie unter der Ägide von Rolex kaum entwickeln. In diesem Sinne besaß die damalige Monarch-Familie kein wirklich bemerkenswertes Profil.

Unter dem zu Tudor passenden königlichen Namen versammelte die Marke Modelle mit Quarz- und Automatikwerken, integriertem oder pseudo-integriertem Gliederband, rundem oder tonneauförmigem Gehäuse, Chronograph und sogar GMT-Ausführung. Das Angebot folgte dem alten Marketingprinzip, möglichst vielen Kunden etwas bieten zu wollen. Retrospektiv muss man sich daher nicht wundern, dass sich der Name Tudor Monarch in den Köpfen nicht mit einem starken Leitmodell verknüpfte, dort nicht nachhaltig haften blieb und eine eingefleischte Fangemeinde auf sich warten ließ. Diese bunt zusammengewürfelte und teilweise stark auf den asiatischen Uhrenmarkt ausgerichtete Modellpalette stand für vieles und damit zugleich für wenig.


Eigenständigkeit vom Armband bis zum Werk
Mit 11,9 Millimetern Gesamthöhe ist die Monarch nicht gerade flach. Ihrem ausgesprochen guten Sitz und Tragegefühl tut das jedoch keinen Abbruch. Zur Eigenständigkeit der Kreation trägt das Armband maßgeblich bei. Gebürstete, H-förmige Außenglieder treffen auf facettierte und polierte Mittelglieder. Auch hier hängen viele Eindrücke vom jeweiligen Lichteinfall ab. Sachliche Sportlichkeit lässt sich ebenso erleben wie demonstrativer Glanz. Die ausgeklügelte T-Fit-Schließe gestattet eine werkzeuglose Feinverstellung um acht Millimeter in fünf Stufen.


Wer in der Tudor-Welt zu Hause ist, vermag das neue Automatikkaliber MT5662-2U natürlich sofort richtig einzuordnen. Es handelt sich keineswegs um einen vollständig neu konstruierten Mikrokosmos, sondern um eine weiterentwickelte Variante der robusten MT56xx-Architektur mit ursprünglich zentral drehender Sekunde. Deshalb erfolgt der Antrieb des kleinen Sekundenzeigers in diesem Fall außerhalb des Kraftflusses.




Mut als stärkstes Argument
Wenn ich abschließend meine Monarch-Eindrücke zusammenfasse, ergibt sich für mich ein positives und stimmiges Bild. Mit diesem Modell will Tudor 2026 auch jenen Schritt würdigen, den Rolex-Gründer Hans Wilsdorf vor genau 100 Jahren tat. In seinem Auftrag ließ die Witwe von Philippe Hüther die Marke The Tudor im Februar 1926 registrieren.





Vergleicht man das bei der Monarch Gebotene mit dem, was der unmittelbare Mitbewerb teilweise an standardisierter Zeit-Mechanik verbaut, geht der unverbindliche Publikumspreis auf jeden Fall in Ordnung. Nach anfänglichen Angeboten um 7.000 Euro finden Ungeduldige inzwischen mehrere Parallelmarkt-Inserate knapp über dem Listenpreis. Sofort mitnehmen lässt sich die Tudor Monarch in der Regel (noch) nicht. Egal, wie man jetzt zu dieser Armbanduhr steht: Sie ist außergewöhnlich und deshalb genau richtig für Menschen, die das nicht Alltägliche zum Maß ihrer chronometrischen Ansprüche machen.
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Datenblatt |
Tudor Monarch |
| Referenz | M2639W1A0U-0001 / 2639W1A0U |
| Gehäusematerial | Edelstahl, satiniert, poliert und facettiert |
| Durchmesser | 39 mm |
| Höhe | 11,9 mm |
| Aufzugskrone | verschraubt mit Gravur Tudor Monarch |
| Uhrglas | Saphirglas |
| Boden | Schraubboden mit Saphirglas-Sichtfenster |
| Wasserdichte | zehn bar oder ca. 100 Meter |
| Zifferblatt | champagner-/papyrusfarben „Error-Proof |
| Uhrwerk | Manufakturkaliber MT5662-2U |
| Aufzug | automatisch beidseitig |
| Werkdurchmesser | 31,78 mm |
| Werkhöhe | 6,52 mm |
| Gangautonomie | ca. 65 Stunden |
| Unruhfrequenz | vier Hertz |
| Unruhspirale | temperaturstabiles Silizium |
| Magnetfeldresistenz | bis 15.000 Gauß |
| Zertifizierung | COSC und METAS |
| Garantie | fünf Jahre, übertragbar |
| Unverbindlicher Publikumspreis | 5.340 Euro |
| Limitierung | nein |
Weitere Infos gibt es auf der Seite des Herstellers unter diesem Link.








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