Das Gewicht einer Uhr gewinnt im Uhrenbau an Bedeutung. Was sich nicht zuletzt am starken Anstieg von Uhrengehäuse aus Titan bemerkbar macht. Blin Carbon ging in der Bewertung des Aspekts Gewicht von Beginn an einen Schritt weiter und setzte die Minimierung des Gewichts als Ausgangspunkt der jungen Marke. Dabei ging es dem Gründer der Marke, Frank Blin, um mehr als das Erreichen eines technischen Weltrekords. Vielmehr verfolgte Blin bereits mit seinem ersten Modell Blin C6 ein aus mehreren Aspekten bestehendes Ziel: Durch die konsequente Verwendung des Werkstoffs Carbon sollen Blin Uhren zu den leichtesten vollwertigen mechanischen Uhren der Welt gehören, ohne hierfür Abstriche bei der Stabilität, Funktionalität oder Präzision der Uhren zu machen.
Spätestens mit den Folgemodellen Blin C6.1, C6.2 und der aktuelle Blin C6.3 zeigt man in Dassendorf bei Hamburg, wie sich dieses Ziel in die Realität umsetzen lässt. Mit Gewicht von unter 30 Gramm für Gehäuse und Uhrwerk und 35 Gramm inklusive Armband erreichen diese Uhren Werte, die selbst im Bereich ultraleichter Quarzuhren selten sind. Dabei ist das geringe Gewicht bei Blin kein Zufall, sondern durch die Wahl von Carbon als Werkstoffs erfolgte eine bewusste Entscheidung für dessen Materialeigenschaften, bzw. das Verständnis der damit verbundenen Fertigungsweise und präzisen Bearbeitung des Gehäuses und aller seiner kleinen Details.

Aufwändige Fertigung
Die Herstellung eines Carbongehäuses für Uhren erfordert einerseits ein klassisches Materialverständnis, aber auch eine gehörige Portion Erfahrung. Blin setzt bei der Herstellung der Carbongehäuse auf ein aufwändiges Thermo-Hochdruckverfahren. Hierfür werden vorimprägnierten Carbonlagen unter exakt definierten Temperatur- und Druckverhältnissen verpresst und anschließend „gebacken“, also gehärtet. Die Kohlenstofffasern sorgen im Verbundwerkstoff für eine große strukturelle Lastenfähigkeit, während die leichten Harze die Lagen verbinden und stabilisieren.
Nach dem Backen erfolgt die CNC-Bearbeitung und das Fräsen der Rohlinge. Hier zeigt sich die technische Herausforderung des Werkstoffs, denn Carbon ist entlang der Faserrichtung extrem stabil und lässt sich nur mit speziell angepassten – und nebenbei gesagt sehr teuren – Werkzeugen bearbeiten. Gleichzeitig darf das Harzsystem weder durch die entstehende Hitze noch mechanische Belastung beschädigt werden.
Das Ergebnis dieses aufwändigen Prozesses sind hochpräzise Gehäuse, die mit einem Bruchteil des Gewichts herkömmlicher Uhrenkomponenten auskommen. Während klassische Edelstahl- oder Titangehäuse je nach Gehäusegröße zwischen 70 bis 150 Gramm Gesamtgewicht kommen, liegen die Blin-Modelle dank der Carbongehäuse weit darunter: Die Blin C6.1 bringt nur rund 35 Gramm auf die Waage, die skelettierte C6.3 bleibt mit rund 33 Gramm inklusive Band sogar noch darunter.


Leichtbau-Gehäuse – geschützt durch Keramik
Hierzu muss man wissen, dass ein Carbon-Gehäuse, so widerstandsfähig und korrosionsresistent es auch ist, durchaus durch punktuelle, harte Schläge oder spitze, scharfkantige Oberflächen geschädigt werden kann, so dass es im schlimmsten Fall zu Rissen oder Materialabplatzungen kommt.
Blin Carbon Gehäuse werden aus diesem Grund mit einer flüssigen Keramikversiegelung gezielt geschützt. Hierbei erhöht die dünne, jedoch extrem harte Schutzschicht nicht nur die Kratzfestigkeit. Die Oberflächenveredelung reduziert auch die Lichtreflexionen und schützt die Oberfläche vor schädlichen Umwelteinflüssen. Womit auch das optisch attraktive, charakteristische Carbonmuster vollständig sichtbar bleibt. Vielleicht sollte an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass Carbon anders als Stahl oder Titan weder in DLC- noch in PVD-Technik beschichtet werden kann.

Keine Platinen aus Carbon
Die gleiche Einschränkung, die der Werkstoff Karbon in puncto Beschichtung aufweist, gilt auch für die Verwendung als Bestandteil des Uhrwerks. Entsprechend müssen die Platinen der Uhrwerke weiterhin aus Metall gefertigt werden. Denn nur Metalle mit ihren hochexakten, kristallinen Strukturen weisen die notwendige Stabilität wie Präzision auf, die etwa die exakte Lagerung der Räder und Lagersteine verlangen. Dies gilt in gleicher Weise für die Verformbarkeit der Platinen unter Druck und Temperatur.
Der Grund dafür liegt im Umstand begründet, dass Carbon anisotrop aufgebaut ist. Das heißt, dass die Festigkeit, Elastizität oder Wärmeleitfähigkeit sich innerhalb des Materials je nach Richtung unterscheidet. Ist Carbon entlang der Faserrichtung ausnehmend fest und steif, weist der Werkstoff quer zur Faserrichtung schwächere Werte auf und ist anfällig für Verformungen oder Schäden.
Mag bei den Platinen der Blin-Uhren C6.3 daher auch der Eindruck entstehen, dass Teile des skelettierten, schwarz veredelten Handaufzugskaliber C6.3 wie das Gehäuse aus schwarzem Carbon bestehen, handelt es sich bei den Kaliberkomponenten letztendlich doch um DLC-beschichtete Metalle. Schließlich darf Leichtbau nicht zu Lasten der Stabilität gehen.


Materialeigenschaften
Gleichwohl biete Carbon viele Vorteile, die sich nicht zuletzt auf der Waage zeigen. Mit einer Rohdichte von rund 1,5 bis 1,6 Gramm pro Kubikzentimeter wiegt das Material nur einen Bruchteil von Titan oder Edelstahl – bei vergleichbarer Festigkeit. Die verwendeten Kohlenstofffasern erreichen gar eine Zugfestigkeit von bis zu 4.500 Megapascal, bzw. liegt die Elastizität richtungsabhängig bei bis zu 400 Gigapascal. Unterstützung erfahren die Blin Gehäuse durch eine kluge Gehäusegeometrie, die Bruchkanten und exponierte Flächen bewusst vermeidet. Mehr über die Herstellung von Karbongehäuse erfahren sie hier auf Uhrenkosmos.
Durch die hervorragende Korrosionsbeständigkeit und die dank Keramikversiegelung hohe Kratzfestigkeit der Oberfläche sind die Uhren trotz des Leichtbaus absolut alltagstauglich. Ihre Temperaturbeständigkeit liegt bei 120 bis 150 Grad Celsius, Temperaturen, sollten sie keinen „Höllenjob“ im wahrsten Sinne des Wortes haben, beim Tragen der Uhr wohl nie erreicht werden.


Bei Blin Uhren zählt jedes Gramm
Um trotz des klassischen Werks das Gewicht der Uhr gering zu halten, geht Blin die Gewichtsvermeidung auch an anderer Stelle konsequent an. So bestehen auch die Zifferblätter und Metallschließen aus Gründen der Gewichtsvermeidung aus Karbon. Selbst die nicht eben einfach herzustellenden Dornschließen sind bei Blin Carbon aus Carbon gefertigt, um ein möglichst niedriges Gesamtgewicht bei gleichzeitiger Alltagstauglichkeit zu gewährleisten. Ergänzt wird das Hightech-Material beim Modell Blin C6.3 sowohl um ein klassisches Alligatorlederarmband als ein angenehm zu tragendes Alcantaraband.

Blin Carbon
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es Blin durch die gleichermaßen kundige wie konsequente Verwendung des Werkstoffs Carbon gelingt, die Modelle Blin C6, C6.1, C6.2 und C6.3 unter einem Gewicht von 40 Gramm zu halten. Gleichzeit eliminiert man durch den gezielten Einsatz der Keramikveredelung die kleinen Schwächen des Materials.
Einen stolzen Träger einer 250 Gramm schweren Rolex Sea-Dweller Deepsea wird man mit einer Uhr von 35 Gramm womöglich nicht begeistern. Technisch interessierte Uhrenliebhaber von Schweizer Mechanik und minimalem Gewicht, also maximalem Tragekomfort, werden sich mit diesem optisch attraktiven Leichtgewicht hingegen schnell anfreunden. Insbesondere, da etwa das hochkomplexe Leichtgewicht Blin C6.3 mit Carbongehäuse und skelettiertem Leichtgewicht mit 8.900 Euro sehr fair bepreist ist.
Erhältlich sind die Blin Carbon-Uhren direkt über den BlinCarbon Onlineshop sowie ausgesuchten Händlern. Das Händlernetz finden Sie hier.
Und – wer erzählt nicht gerne so nebenbei, dass die Uhr am Handgelenk, die man kaum spüren würde, aktuell der leichteste seriell gebaute Zeitmesser ist – und sogar aus Deutschland kommt. Carbon macht’s möglich.








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