Einblicke für Enthusiasten
Die neueste Version der Tutima Patria setzt dort an, wo klassische Uhrmacherei besonderes Interesse erzeugt: beim mechanischen Werk. So gesehen rückt das Handaufzugskaliber T626 in den Vordergrund, obwohl es sich erst auf den zweiten oder gar dritten Blick durch den Saphirglas-Sichtboden zeigt. Kenner der Glashütter Manufakturszene identifizieren das tickende Oeuvre als konsequente Weiterentwicklung des bewährten und über alle mechanischen Zweifel erhabenen Kalibers T617.
Beim Betrachten dieser Evolutionsstufe zeigt sich schnell, wie sehr einige Kunstgriffe den Charakter eines Uhrwerks nach vorne treiben können. Die traditionsverhaftete Konstruktion mit überlieferter Glashütter Dreiviertelplatine mutierte zu einer offeneren Bauweise mit Halbplatine sowie separatem Kloben für Anker- und Sekundenrad.

Auf diese Weise macht Tutima sichtbar, was bislang weitgehend verborgen blieb. Die Entscheidung für diesen bemerkenswerten Schritt geht zurück auf die Überzeugung des Teams in Glashütte, dass hochwertige Mechanik einerseits zuverlässig und präzise funktionieren, andererseits ihre technischen und handwerklichen Qualitäten aber auch ins richtige Licht rücken muss. Und genau das ist eine der Schwachstellen besagter Dreiviertelplatine: Reizvolle Details blühen im Verborgenen.

Bei Kaliber T617 gehören dazu eingestochene Spiegel, anglierte Schenkel der Zahnräder und andere sorgfältig finissierte Komponenten. Unter diesen Vorzeichen vollzog Tutima die nun erhältliche Metamorphose vom T617 zum T626. Es handelt sich also keineswegs um schlichte Effekthascherei, sondern um eine vernunftgeleitete Offenlegung außergewöhnlicher uhrmacherischer Werte.

Vom verdeckten Können zur sichtbaren Substanz
In diesem Sinne sind beim Handaufzugskaliber T626 nun auch Minuten- und Kleinbodenrad sichtbar. Möglich macht es die Abkehr von Tradiertem. Eingefleischte Glashütte-Freaks könnten vorschnell von einem uhrmacherischen Sakrileg sprechen. Aber dem ist definitiv nicht so. Die Verwendung eines eigenen Klobens für Anker- und Sekundenrad öffnet die weiterhin mit drei Hertz tickende Szene. Sie führt den Weg des Kraftflusses vom Energiespeicher zum Gangregler auf faszinierende Weise vor Augen.


Ein Indiz deutlich über dem Standard liegender Ansprüche ist ein Deckstein zur Begrenzung der Höhenluft beim Ankerrad. Ein solcher muss nicht sein. Aber er demonstriert jene Sorgfalt, welche das Manufaktur-Schaffen bei Tutima von routinierter Serienfertigung unterscheidet. Somit zeigt sich beim Blick aufs Werk nicht mehr nur fein dekorierte Fläche, sondern mehr Mechanik und kompetent ausgeführte Handwerkskunst. Konstruktive Tradition tritt zurück hinter jene zeitmessende Funktion, die enthusiastische Mechanikvoyeure gelegentlich hautnah erleben wollen. Am Grundsätzlichen hat Tutima mit Fug und Recht nichts geändert. Es ist bereits auf seine Weise perfekt.

Die Glucydur-Schraubenunruh mit variabler Trägheit vollzieht stündlich 21.600 Halbschwingungen. Akkurat von Hand nach oben gebogen ist die Endkurve der Unruhspirale. Ein neu beschriftetes Sperrrad weist ausdrücklich auf beruhigende 65 Stunden Gangautonomie. Beibehalten wurden auch die zwei verschraubten Goldchatons sowie der selbst gefertigte und nach allen Regeln der Kunst feinbearbeitete Anker. Das Bild uhrmacherischer Exzellenz vervollständigen schließlich manuell polierte und bewusst nicht gebläute Schraubenköpfe. Als optischer Anziehungspunkt beim manuellen Spannen der Zugfeder präsentiert sich schließlich das aufwändige Gesperr.

Tutima und der Weg zurück nach Glashütte
Zur richtigen Einordnung der Manufakturkaliber T617 und T626 braucht es an dieser Stelle einen kurzen Blick in die Geschichtsbücher. Seit 1845 gilt Glashütte als Zentrum deutscher Feinuhrmacherei. Die Tutima-Tradition lässt sich bis in die 1920er Jahre zurückverfolgen. Damals entstanden die UROFA Uhren-Rohwerke-Fabrikation Glashütte AG und die UFAG Uhrenfabrik Glashütte AG. Letztere brachte wohl ab 1927 Armbanduhren mit der Signatur Tutima Glashütte auf den Markt. Der Name leitet sich ab vom lateinischen tutus, also sicher oder geschützt. Von Anbeginn stand Tutima für zuverlässige Mechanik aus dem Müglitztal.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich das Geschehen unter Dieter Delecate für einige Jahrzehnte ins niedersächsische Ganderkesee. 2006 kehrte das Unternehmen nach Glashütte zurück. Mit dem Erwerb und der Renovierung eines Gebäudes nahe dem Bahnhof begann ein neues Kapitel. Ein moderner Maschinenpark, Techniker, Konstrukteure, Uhrmacher und andere Fachkräfte schufen das Fundament für eigenständige Manufakturarbeit.

Der sächsische Neubeginn fiel bewusst anspruchsvoll aus: Mit der Hommage präsentierte Tutima eine Minutenrepetition. Ihr aus 550 Komponenten assembliertes Handaufzugskaliber T800 demonstriert, dass die Rückkehr nach Glashütte weitaus mehr war, als nur ein geografisches Comeback.


Weil eine derartige Komplikation naturgemäß nur einen kleinen Kreis erreicht, folgte 2014 als puristisches Gegenstück die Patria Kleine Sekunde mit besagtem Handaufzugskaliber T617.

2019 lancierte Tutima mit der Patria Admiral Blue eine Stahl-Version, welche den Manufakturanspruch mit umfassender Alltagstauglichkeit verband.

Im gleichen Jahr ging in Gestalt des Kalibers T659 ein Chronographenkaliber mit Temposchaltung an den Start. Sie belebt eine Kreation aus den späten 1930er-Jahren wieder.

Diesen Weg setzt das Kaliber T626 konsequent fort. Mit ihm unterstreichen Matthias Stotz und sein Team, dass man Mechanik offenlegen kann, ohne seine Herkunft zu verleugnen.



Tutima Patria T626
Zum Auftakt offeriert man in Glashütte die neue Tutima Patria T626 in streng limitierter Ausführung. Zu haben sind zweimal neun Armbanduhren mit 43 Millimeter großem 18-Karat Roségoldgehäuse. Die klar gestalteten Zifferblätter in Silber oder Grau tragen applizierte Strichindexe. Charakteristisch geformte Zeiger indizieren Stunden, Minuten und Sekunden.

Somit lenkt nichts lenkt vom Wesentlichen ab. Wie bereits erwähnt, ist der Sichtboden keine Nebensache, sondern Teil der leisen Eleganz dieses Glashütter Zeitmessers, der im Fachhandel für unverbindliche 24.800 Euro erhältlich ist.
Weitere Modelle der Marke finden Sie in unsere Tutima Markenkosmos hier bei uns.

Tutima Patria T626
| Datenblatt | Modell T626 | |
| Werk | Kaliber | Tutima T626 Handaufzug |
| Gangautonomie | mindestens 65 Stunden | |
| Anzeige | Stunde, Minute, kleine Sekunde | |
| Durchmesser | 31,6 mm | |
| Höhe | 4,78 mm | |
| Anzahl Komponenten | 170 | |
| Funktionale Steine | 21 | |
| Unruh | Schraubenunruh mit Gewichts- und vier Regulierschrauben | |
| Spirale | Typ Breguet mit hochgebogener Endkurve | |
| Unruhfrequenz | 3 Hz | |
| Gehäuse | Material | 18 kt Roségold |
| Durchmesser | 43 mm | |
| Höhe | 11,2 mm | |
| Wasserdichte | 5 atm | |
| Glas vorne | bombiertes Saphirglas, entspiegelt | |
| Glas Rückseite | Saphirglas | |
| Zifferblatt | Ausführung | fein versilbert oder anthrazit |
| Zeiger | Material/Ausführung | 18 kt Gold, handpoliert |
| Armband | Material/Farbe | Alligatorleder, braun oder anthrazit |
| Schließe | Dornschließe 18 kt Roségold | |
| Limitierung | jeweils 9 Exemplare | |
| Preis | EUR 24.800 |
Weitere Infos gibt es direkt bei Tutima.de








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