Der Mond und seine Phasen

Noch vor dem Aufkommen der Mondphasenuhren und ihrer Funktionsweise haben die Mondphasen und der Mond selbst die Menschen immer beschäftigt. Nicht nur, weil der Erdtrabant in rund 400.000 Kilometer gleichmäßig um die Erde kreist. Es ist eher, das fahle Licht und die Sicht auf den Mond wie seinen Lauf, der die Menschen beschäftigt. Sei es, weil bei Vollmond die Welt in hell erleuchtet ist, sei es dass der Stand des Mondes mit einem Wetterwechsel einher geht. Auch für die Vorhersage von Ebbe und Flut musste der Lauf des Mondes beachtet werden. Menschen mit grünem Daumen behaupten gar, dass der Mond die Wachstumsphasen der Pflanzen beeinflusst, aber das ist noch nicht exakt bewiesen.
Fest steht nur, dass der Lauf des Mondes recht gleichmäßig vonstatten geht. Dies aber jeden Tag um 50 Minuten verschoben. Solch eine vorhersehbare Zeitverschiebung und die leuchtende Präsenz am nächtlichen Himmel verlangten förmlich nach einer technischen Lösung. Entsprechend früh in der Geschichte haben Uhrmacher Mondphasenuhren gebaut. genannt.

Das Problem bei der Berechnung wie der Darstellung der Mondphase ist jedoch, dass sich der Mond nicht an den Verhältnis der Erde zur Sonne und damit an den Ablauf von Tag und Nacht hält. Vielmehr zieht der Trabant sein Kreise in einer eigenen Umlaufbahn.  Die Phase zwischen Vollmond und Vollmond, also einer Umkreisung der Erde, liegt bei exakt 29 Tagen und 12 Stunden, 44 Minuten und 3 Sekunden. Das macht die Sache nicht gerade leichter. 
Dies stellten auch die ersten Astronomen und Uhrmacher fest, wenn es um die Berechnung und Darstellung der Phasen des Mondes ging. Zwar wurde recht früh eine Darstellung der Mondphasen an Turmuhren oder Uhr-Kunstwerken vorgenommen. Allerdings war die Funktionsweise der frühen Monddarstellungen noch sehr klobig und ungenau. Entsprechend mussten die Mondphasen häufig manuell korrigiert werden. Erst in den letzten zwei Jahrhunderten wurde die Technik und Funktionsweise der Mondphasenuhren so weit perfektioniert, dass sie auch bei Taschenuhren und später Armbanduhren mit Mondphase Verwendung fand. 

Blancpain war einer der Wegbereiter der Mondphasenuhren. Schön sichtbar bei diesem Werk der doppelte Mond auf der Mondphasenscheibe

Blancpain war einer der Wegbereiter der Mondphasenuhren. Schön sichtbar bei diesem Werk der doppelte Mond auf der Mondphasenscheibe

Die Mondphasen

Die Art der Mondphasendarstellung ist überaus vielfältig. Von echten planetaren Bewegungsmodulationen bei Großuhren bis hin zu scheibenförmigen Armbanduhren eint jedoch alle die Simulation einer gleichmäßigen Bewegung des Mondes im Verhältnis zum Ablauf des Tages. Da dies bei modernen Uhren in der Regel sehr kompakt umgesetzt werden muss, hat sich die Darstellung der Mondphase bei mechanischen Armbanduhren in Scheibenform durchgesetzt.

Die Liebe zur Mondphase war dabei schon immer sehr unterschiedlich ausgesprägt. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts und vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Uhren mit Mondphase sehr begehrt. Je mehr die Uhrzeit zum Stechschritt der Moderne wurde, desto mehr verlor die „romantische“ Monddarstellung ihren Reiz. Erst mit dem Wiedererstarken der mechanischen Uhren und ihrer Komplikationen konnte die Mondphasenuhr wieder an Bedeutung gewinnen.

Um eine Mondphasendarstellung zu verstehen, ist es wichtig zu verstehen, wie der Mond aus dem Kernschatten der Erde heraustritt und sich zum Vollmond hin von der Sonne ganz bescheinen lässt. Anschließend bewegt er sich weiter zum Schatten, bis seine der Erde zugeneigte Fläche gar keine Sonnenbestrahlung mehr erhält. Entsprechend verschwindet der Mond bei Neumond im Dunkel des nächtlichen Sternenhimmels.

Mondphasenuhr

Eine Mondphase simuliert die Bewegung des Mondes zur Erde. In einem halbkreisförmigen Ausschnitt auf dem Zifferblatt rückt der Mond auf der sich langsam drehenden Mondscheibe des Uhrwerks langsam voran. Kann man den Mond zunächst nur als kleinen Anschnitt sehen, rückt er weiter vor, bis er in seiner runden Darstellung den Vollmond anzeigt. Durch das weitere Vorrücken verschwindet er dann nach und nach, wird also wieder zur Sichel umd schließlich komplett wegzutauchen.

Technisch betrachtet gibt es dabei ein kleines Problem. Da eine Mondphase eben um zwölf Stunden vom Ablauf eines ganzen Tages unterscheidet, wird in vielen Armbanduhren die Mondphase gleich doppelt auf eine Scheibe genommen. Dieser doppelte Mond auf einer Scheibe ist zwar mondtechnisch ganz schön dreist, hat aber den Vorteil, dass sich die Darstellung von zwei Mondphasen auf einer Scheibe in 59 Tagen gut darstellen lässt. Dies bedeutet, dass die Ganggeschwindigkeit sich der Tagesablaufgeschwindigkeit anpassen lässt.

Ein weiterer Vorteil dieser doppelten Mondscheibe-Lösung ist der, dass sich bei Mondphasenuhren dieser Funktionsweise die Mondscheibe an die Datumsschaltung koppeln lässt. Bewegt sich das Datum nach vorne, wird durch eine kleine Zwischenrad-Konstruktion auch die Mondphase weitergedreht.
Es gibt aber, kalendarisch geschuldet einen kleinen Nachteil bei dieser Lösung. Denn da die Mondphase exakt 29 ½ Tage und 44 Minuten sowie 3 Sekunden beträgt, muss alle drei Jahre die Mondphase von Hand um einen Tag verstellt werden

Technisch aufwendige Lösungen der Mondphasendarstellung

Wie man sich schon denken kann, kann bei den ambitionierten Uhrmachern und ihrem Wunsch nach Perfektion die Lösung der doppelten Mondscheibe und manuellen Korrektur nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Entsprechend aufwendig wurde nach neuen und präziseren Lösungen gesucht – und gefunden. Solche Mondphasenuhren sind technisch aufwendig und mit ausgeklügelten Werken versehen. Dies vermögen es dank präzisester Ewiger Kalender Mechanik die Geschwindigkeit des Mondes exakt abzubilden.  Den Rekord in Mondphasenpräzision hält die Mondphasenuhr Sauterelle a heure der Uhrenmarke Andreas Strehler. Sie muss erst nach zwei Millionen Jahren nachgestellt werden. Was für den normalen Mondliebhaber wohl reichen dürfte.

Das nicht genug. Es gibt weitere, sehr interessante Mond- und Mondphasendarstellungen. Angefangen von Mondphasen im sich verändernden Sternenhimmel der nördlichen oder südlichen Hemisphäre, über dreidimensionale Monddarstellungen bis hin zu Mondphasen mit Darstellung der unterschiedlichen Stellung des Mondes zur Erde.

Wie dem auch sei – der Mond und sein Zunehmen wie Abnehmen haben Menschen schon immer beeindruckt und ihr Tun beeinflusst. Uhrmacher hingegen freuen sich über die Herausforderung einer präzisen wie interessanten Darstellung.

Ein kleiner Hinweis zum Einstellen einer Mondphasenuhr:

  • Ziehen Sie die Krone heraus und in die Position, die zum Einstellen des Datums und/oder der Mondphase vorgesehen ist. Sollten Sie die Position nicht kennen, so können Sie bei den verschiedenen Herstellern zumeist nachlesen, welche Stellung hierfür vorgesehen ist. Sollte es sich nicht um hochkomplexe Uhren handeln, so ist auch durch vorsichtiges Spielen mit der Krone schnell ersichtlich, welche Funktion Sie gewählt haben.
  • Verstellen Sie das Datum auf den letzten Vollmond – das heisst, das Datum muss mit der Vollmondangabe übereinstimmen.
  • Stellen Sie nun wieder das aktuelle, richtige Datum ein. Die Mondphase wird sich automatisch dem Datum anpassen.