Watches and Wonders Genf 2021

Neue Uhren mit ewigem Kalender von A. Lange & Söhne, Bulgari und IWC – Caesar zu Ehren

Liebhaberinnen und Liebhaber schätzen Uhren mit ewigem Kalender, weil diese komplexe Zusatzfunktion am Handgelenk einen echten Nutzen bietet. Das sind die Zeitmesser der Watches & Wonders 2021 mit anspruchsvollem Kalendarium, die bis zum Jahr 2100 ohne manuelle Korrekturen auskommt. Rein theoretisch jedenfalls.

Die Geschichte des allgemein verbreiteten Kalendersystems und damit auch der Uhren mit ewigem Kalender geht zurück auf Gaius Julius Caesar. Dem römischen Imperator verdankt die Menschheit unter anderem die Schaltjahre. Obwohl Papst Gregor XIII. 1582 nachbessern muste, gilt der Julianische Kalender im Grunde genommen weiter. Die komplette Kalender-Geschichte findet sich hier im Uhrenkosmos

Uhren mit ewigem Kalender

Links von A. Lange & Söhne das Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender, 2012, und rechts die Lange 1 Ewiger Kalender, 2021

Julianisches aus Sachsen

Allgemein bekannt sein dürfte die Tatsache, dass mit dem Comeback der Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne im Jahr 1994 auch die Geburt des tickenden Klassikers Lange 1 einherging. Seitdem hat ihr damals ungewöhnlicher und für viele Uhrenliebhaber durchaus auch gewöhnungsbedürftiger optischer Auftritt nicht nur Geschichte geschrieben, sondern auch etliche Epigonen gefunden. Aufsehen erregte dabei vor allem das asymmetrisch gestalte Zifferblatt mit dem keineswegs neuen, aber nach Jahren diesbezüglicher Abstinenz schon wieder neuartigen Großdatum. Im Laufe von 27 Jahren sind in Glashütte viele unterschiedliche Varianten dieses anhaltend erfolgreichen Uhrenmodells entstanden. Dazu gehört auch ein 2012 lanciertes Lange 1 Tourbillon mit ewigem Kalender, Referenz 720.032.

A. Lange & Söhne Automatikkaliber L082.1 Tourbillon ewiger Kalender Explosionsdarstellung

Explosionsdarstellung des A. Lange & Söhne Automatikkalibers L082.1 mit Tourbillon und ewigem Kalender, 2012

Damals stellte vor allem Integration der kalendarischen Indikationen ins charakteristische und deshalb unantastbare Zifferblattdesign eine echte gestalterische Herausforderung dar. Noch am einfachsten machte es das unübersehbare Großdatum. Indessen verlangten aber auch noch die Monate, Wochentage, Mondphasen und der Schaltjahreszyklus ihren Platz.

Nach reichlichen Überlegungen realisierte das Entwicklungsteam einen ganz außen rotierenden Monatsring. In seine Unterseite programmierten Techniker die unterschiedlichen Monatslängen. Für die neuartige Lösung eines alten Kalender-Problems erlangte die Manufaktur auch ein Patent. Die Wochentage stellt ein retrograder Zeiger dar. Bei der „6“ erscheinen fürs Einstellen und Korrigieren wichtige Informationen zum Schaltjahreszyklus. Rein theoretische verlangt die Mechanik erst im Februar 2100 nach einer manuellen Korrektur. Demgegenüber geht die Mondphasenindikation erst nach 122 Jahren um einen Tag falsch.

A. Lange Soehne Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender 2012 Platin Kaliber L082.1

A. Lange & Söhne Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender 2012, Platin limitierte Edition, Kaliber L082.1

Hohen technischen Aufwand verlangte das Bestreben, alle Indikationen pünktlich springen zu lassen. Die dazu erforderliche Kraft wird im Laufe des Tages kontinuierlich eingesammelt und um Mitternacht geballt freigegeben. Wie es sich aus technischen Gründen eigentlich korrekter Weise gehört, dreht das mit patentiertem Unruhstopp ausgestattete Tourbillon des Automatikkalibers L082.1 unbehelligt von UV-Strahlen im Versteckten seine Runden. Über allen leistet der leicht exzentrisch positioniere Goldrotor mit äußerem Platinsegment seine energiespendende Arbeit. Vor rund zehn Jahren kostete die mit Platingehäuse auf 100 Exemplare limitierte Armbanduhr rund 270.000 Euro.

A. Lange Soehne Lange 1 Ewiger Kalender 2021 Weissgold und Rotgold C Uhrenkosmos

Neu 2021: A. Lange & Söhne Lange 1 Ewiger Kalender 2021 Weißgold, limitiert 150 Stück, 109.000 Euro, und Rotgold unlimitiert, 98.000 Euro

A. Lange & Söhne Lange 1 Ewiger Kalender

Wer kein Tourbillon haben, geschweige denn zahlen will, auf ein intelligent gestaltetes ewiges Kalendarium Langescher Provenienz nicht verzichten möchte, findet mit der neuen Lange 1 Ewiger Kalender von 2021 womöglich das Richtige. Natürlich ist auch sie unverkennbares Mitglied dieser Modellfamilie.
Bei den unlimitiert in Rotgold für 98.000 Euro und in einer 150-er Weißgold-Edition für 109.000 Euro erhältlichen Uhren mit ewigem Kalender verzichtete das deutsche Traditionsunternehmen auf die oben geschildete Kombination mit einem Tourbillon. Neben der Anzeige von Stunden und Minuten konzentriert sich das aus 621 Komponenten assemblierte Automatikkaliber L021.3 auf das immerwährende Kalendarium. Wie gehabt umfasst selbiges ein akkurat springendes Großdatum, die retrograde Darstellung des Wochentags, einen peripher drehenden Monatsring, die digitale Indikation des Schaltjahreszyklus und schließlich auch die Mondphasen.

A. Lange & Söhne Automatikkaliber L021.3 mit ewigem Kalender

Das A. Lange & Söhne Automatikkaliber L021.3 mit ewigem Kalender unter dem Zifferblatt und rotorseitig

Das Basis-Uhrwerk mit vorderseitig montierter Kalender-Kadratur kommt etwa 50 Stunden lang ohne Energienachschub aus. Nicht exakt in der Mitte des Uhrwerks gelagert ist die in einer Richtung aufziehende Gold-Platin-Schwungmasse. Stündlich 21.600 Halbschwingungen vollzieht die Unruh mit variabler Trägheit. Die auf dem handgravierten Unruhkloben montierte Schwanenhals-Feinregulierung dient zum Einstellen eines gleichmäßigen Lauf des Uhrwerks.

Vorstellung der A. Lange & Söhne Lange 1 Ewiger Kalender im Video von Lange & Söhne

 

 

7 superflache Bulgari Uhren Referenzen 103295 102713 103068 103015 102937 103016 103200

7 Flachheits-Weltrekorde von Bulgari, Referenzen 103295, 102713, 103068, 103015, 102937, 103016 und 103200

Kalendarischer Weltrekord

Den siebten Bulgari Octo Finissimo Weltrekord in puncto flachem Uhrwerk beansprucht das im Rahmen der Watches & Wonders 2021 vorgestellte Modell Bulgari Octo Finissimo Perpetual Calendar mit seinem ewigen Kalender für sich. Lediglich 2,75 Millimeter baut das hauseigene, aus 408 Komponenten assemblierte Mikrorotor-Automatikkaliber BVL 305 hoch.

Bulgari Automatikkaliber BVL 305 mit ewigem Kalender

2,75 Millimeter flach und damit ein Weltrekord: das Bulgari Manufaktur-Automatikkaliber BVL 305 mit Mikrorotor und ewigem Kalender

Das Spektrum an Kalendarischen Indikationen umfasst Wochentag und Monat durch rotierende sowie Datum und Schaltjahr durch retrograde Zeiger.

Bulgari Octo Finissimo Perpetual Calendar

Bulgari Octo Finissimo mit ewigem Kalender in Titan, Referenz 103200, 60.000 Euro. Drücker in den Gehäuseflanken dienen zum Einstellen und Korrigieren der kalendarischen Indikationen.

Mit Hilfe von drei Korrektoren erfolgt die Einstellung besagter Indikationen. Für das Datum ist der in die Gehäuseflanke integrierte Drücker bei „2“ zuständig. Pendants zwischen „8“ und „9“ und „4“ wirken auf die Anzeigen von Wochentag bzw. den Monat ein.

Automatikkaliber Bulgari BVL 305

Je flacher, desto komplizierter und anspruchsvoller in der Herstellung. Diese Aussage gilt auch für das nur 2,75 mm hoch bauende Automatikkaliber Bulgari BVL 305.

Das 40 Millimeter große, auf Gérald Genta zurückgehende Gehäuse gibt es in zwei sehr konträren Gehäusematerialien Titan oder Platin.

Bulgari Octo Finissimo ewiger Kalender Platin

Bulgari Octo Finissimo Perpetual Calendar Uhr mit ewigem Kalender in Platin, Referenz 103200, 90.000 Euro, und Titan, Referenz 103463, 60.000 Euro

Bulgari Octo Finissimo mit Platin- und Lederarmband

Die Bulgari Octo Finissimo ewiger Kalender in Platin hält ein Lederband am Handgelenk. Die Titan-Version besitzt ein Gliederband.

Erstgenanntes Titan-Modell, Preis 60.000 Euro, hält ein Gliederband am Handgelenk. Die deutlich schwerere und dazu auch 30.000 Euro teurere Platin-Variante kommt  mit Alligator-Lederband. So oder so misst die bis zu drei bar wasserdichte Schale in der Höhe exakt 5,8 Millimeter. Und das ist definitiv Weltrekord. 

Bulgari Octo Finissimo Perpetual Calendar

Videovorstellung und Gespräch mit dem Bulgari Manager Antoine Pin.

Explosionszeichnung der Komponenten der Bulgari Octo Finissimo Eternal Calendar

Das in seine Einzelteile zerlegte Automatikkaliber Bulgari BVL305 mit ewigem Kalender

Uhren mit Ewigem Kalender Made in Schaffhausen

Bei IWC reicht die Geschichte des ewigen Kalenders in Armbanduhren zurück bis in die frühen 1980-er Jahre. Damals beauftragte der neue CEO Günter Blümlein seinen Chef-Uhrmacher Kurt Klaus mit der Entwicklung einer neuartigen Kadratur. Diese, ausgestattet mit einer Jahresanzeige, debütierte während der Basler Uhrenmesse 1985 im Da Vinci Chronograph.

IWC Da Vinci Chronograph ewiger Kalender 1985

Debütierte 1985: IWC Da Vinci Automatik mit Chronograph und ewigem Kalender

Kadratur IWC ewiger Kalender 1985

Das von Kurt Klaus entwickelte ewige Kalendarium in der 1985-er Da Vinci. Als Basis-Uhrwerk dient ein Valjoux 7750.

In adaptierter Ausführung belebt das augenfällige Kalenderwerk seit 2006 auch die markante IWC Big Pilot Linie. Den Anfang machten 25 Exemplare mit Platinschale. Seitdem präsentierte IWC insgesamt 37 Versionen des ikonischen Designs.

IWC Big Pilot ewiger Kalender 2021

Größe am Handgelenk: IWC Big Pilot ewiger Kalender 2021

Die neueste Ausführung war die IWC Big Pilot’s Watch Perpetual Calendar und gab während der Watches & Wonders 2021 ihren Einstand. Ans Handgelenk findet der ausdruckstarke Bolide diesmal mit 46,2 Millimeter großen Stahlgehäuse. Im Inneren gelangt hauseigene Mechanik in Gestalt des opulenten Automatikkalibers 52615 zum Einsatz. Sein Durchmesser beträgt 37,8, die Bauhöhe 7,5 Millimeter. Hat der Rotor-Selbstaufzug mit Pellaton-Gleichrichter die beiden Energiespeicher prall gefüllt, stehen stolze 168 Stunden oder ganze sieben Tage Gangautonomie zur Verfügung.

Stahlgehäuses der IWC Big Pilot ewiger Kalender Referenz IW503605 mit Manufakturkaliber 52615

Durch den Sichtboden des Stahlgehäuses der IWC Big Pilot ewiger Kalender Referenz IW503605 zeigt sich das Manufakturkaliber 52615

Damit Zeit-Piloten nicht ins Trudeln geraten, lässt eine Gangreserveanzeige den jeweiligen Stand der Federspannung wissen. Der immerwährende Kalender zeigt Datum, Wochentag, Monat und das aktuelle Jahr. Beinahe ewige Genauigkeit zeichnet die Anzeige der Mondphasen für die nördliche und südliche Hemisphäre aus. Sie währt 577,5 Jahre.
Für eine der unter dem blauen Zifferblatt angeordneten Kalender-Kadraturen benötigen die Uhrmacher 109 Komponenten. Der Taktgeber, sprich Unruh und Unruhspirale, oszilliert mit vier Hertz. Er und natürlich auch die Schwungmasse lassen sich selbstverständlich durch einen Sichtboden in der bis sechs bar druckdichten Schale beobachten.

IWC Big Pilot's Watch Perpetual Calendar 2021

Die stählerne IWC Big Pilot's Watch Perpetual Calendar 2021, Referenz IW503605 kostet 29.800 Euro

Auf das breite Spektrum an Indikationen, darunter natürlich auch Stunden, Minuten und Sekunden, blickt Mann durch kratzfestes Saphirglas. Jede der mit acht Jahren Garantie angebotenen Armbanduhren kostet 29.800 Euro.

Armbanduhren ewiger Kalender Patek Philippe Parmigiani Fleurier Vacheron Constantin 2021

Diese neuen Armbanduhren mit ewigem Kalender von Patek Philippe, Parmigiani Fleurier und Vacheron Constantin stellt der Uhrenkosmos als nächstes vor.

Fortsetzung folgt

Im nächsten Teil dieser kalendarischen Betrachtungen stellt der Uhrenkosmos Immerwährendes von Patek Philippe, Parmigiani Fleurier und Vacheron Constantin vor. Wir freuen uns auf Sie.

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Cartier Uhren mit Formgehäuse in Kissen- und Tonneauform

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