Patek Philippe Referenz 5270J
Patek Philippe Referenz 5270J – eine Hommage an das Gelbgold

Ganz neu ist sie nicht, die komplizierte Patek Philippe Referenz 5270J. Ihren Einstand in der Uhrenszene gab diese Armbanduhr mit Chronograph und ewigem Kalender im Jahr 2011. 2020 bringt eine Version im mittlerweile eher selten verwendeten Gelbgold.

Patek Philippe Referenz 5270J –  eine Hommage an das Gelbgold

Kompliziert aus jeder Perspektive: die gelbgoldene Referenz 5270J von Patek Philippe Philippe Referenz 5270J

Kalendarische Retrospektive

Ob das nun Zufall mit der neuen Patek Philippe Referenz 5270J ist oder auch nicht. Fakt ist – exakt 70 Jahre nach dem Lancement der legendären Patek Philippe Referenz 1518, dem weltweit ersten Handaufzugschronographen mit ewigem Kalender, debütierte bei Patek Philippe 2011 die Referenz 5270.

Im Gegensatz zu Vergangenem entstammen Uhr- und Kalenderwerk besagter Patek Philippe Referenz 5270 rundum aus der eigenen Konstruktion und Manufaktur. Zuvor hatte das Familienunternehmen beim Basisuhrwerk mit Valjoux (Referenzen 1518 und 2499) sowie Nouvelle Lémania (Referenzen 3970 und 5970) kooperiert. Die aus technischen Gründen unter dem Zifferblatt angeordnete Kalender-Kadratur stammte hingegen stets von Dubois-Dépraz.

Ewiger Kalender aus eigener Manufaktur

Wie bei Zeitmessern mit ewigem Kalendarium traditionsgemäß üblich, handelt es sich auch beim Patek Philippe Kaliber CH 29-535 PS Q um eine Sandwich-Konstruktion. Die weitere Verwendung des bewährten Kalendariums der Referenzen 3970 und 5970 scheiterte jedoch allein schon an der Tatsache, dass die kleine Sekunde und der 30-Minuten-Totalisator beim Kaliber CH 29-535 PS Q ein wenig unterhalb der Achse zwischen „9“, „3“ und Krone positioniert sind.
Mit Blick in die Zukunft geschah diese moderate Verlagerung aber ganz bewusst. Sie schaffte Platz für größere und damit besser ablesbare Monatsscheiben des nur 1,65 Millimeter hohen Kalenderwerks.

Ausdruck des Überlieferten sind die gesamte Zifferblattgestaltung inklusive der digitalen Indikation von Wochentag und Monat sowie Zeigerdatum konzentrisch zur Mondphasenanzeige. Neu sind zwei kreisrunde Zifferblattausschnitte neben der Datumsindikation.

Links lässt sich ablesen, ob das zentrale Zeitzeiger-Paar gerade Tag- oder Nachstunden darstellt. Und das hilft beim Einstellen des Kalendariums nach längerem Liegen der Uhr, denn die Anzeigen müssen sich mitternachts und nicht mittags weiterbewegen. Das rechte Guckloch gilt dem Schaltjahreszyklus.

Es erinnert an die zwischen 1981 und 1985 in einer Auflage von 244 Exemplaren produzierte Kalender-Referenz 3450.    

Unters Zifferblatt geschaut

Das komplexe kalendarische Geschehen erschließt sich auch nach dem Abnehmen des Zifferblatts. Obwohl normalerweise unsichtbar, sind alle 182 Schaltwerk-Komponenten gemäß den strengen Manufaktur-Kriterien angliert und poliert. Kompromisse gibt es auch mit Blick auf das Patek Philippe-Siegel nicht, welches die Referenz 5270 als Gesamtkunstwerk adelt.

Als Gehirn des Kalenderwerks fungiert – wie schon 1941- der so genannte Monatsnocken. Dieses intelligent geformte Teil rotiert einmal pro Jahr um seine Achse. Auf seinem Umfang tastet ein ausgeklügeltes Hebelwerk die jeweiligen Monatslängen ab. Einen besonderen Kunstgriff verlangt der Februar mit 28 Tagen in den drei Normal- und 29 Tagen im darauffolgenden Schaltjahr. An dieser Stelle besitzt der Monatsnocken aeine Ausbuchtung, in der sich ein kleines Rechteck jedes Jahr um 90 Grad dreht. Seine erhabene Seite repräsentiert den Schaltjahres-Februar.

In allen Monaten mit weniger als 31 Tagen taucht das Ende des Hauptschalthebels tiefer in den Monatsnocken ein. Er veranlasst das Schaltwerk, den Datumszeiger zwei (Monate mit 30 Tagen), drei (Schaltjahres-Februar) oder vier (normaler Februar) Schritte gleichzeitig vollziehen zu lassen. Die klassische Bauweise des Kalenderwerks der Referenz 5270 bedingt drei separate Einstelldrücker für Wochentage, Monate und Datum.

Präzisions-Mondphase

Im Gegensatz zu den Vorgängern, welche pro Jahr um ca. acht Stunden falsch gingen, weicht die Mondphasenanzeige der Referenz 5270 per annum lediglich elf Minuten und 47 Sekunden von der astronomischen Norm ab. Hoch gerechnet ergibt sich demnach erst nach 122 Jahren und 45 Tagen eine Missweisung von 24 Stunden. Einstellmaßnahmen erfolgen ebenfalls mit Hilfe eines versenkt im Gehäuserand angebrachten Drückers.

Den passenden Korrekturstift mit liefert Patek Philippe selbstverständlich mit.

Tradition und Innovation à la Patek Philippe

Durch den Saphirglas-Sichtboden des 41-Millimeter-Gehäuses zeigt sich der zeitschreibende Motor namens CH 29-535 PS.

Nach fünf Jahren intensiver Entwicklungsarbeit betrat das Handaufzugskaliber im Herbst 2009 die Bühne chronographischer Uhrmacherkunst. Die durch sechs Patente geschützte Eigenkonstruktion kann als geglückter Spagat zwischen Tradition und Innovation gelten. Das sechsköpfige Entwicklungsteam um den Uhren-Ingenieur Pierre Maurice Rochat hat eine aufwändige Konstruktion ersonnen, die den Minuten-Zählzeiger nach jeweils 60 Sekunden fortbewegt.

Eine Schnecke auf der Welle des Chronographenzeigers, ein Schalthebel und eine Spiralfeder bewirken schnellstmögliche Sprünge.

Darüber hinaus glänzt das Uhrwerk durch eine ausgeklügelte Zwangssteuerung des Blockierhebels, der die Chronographenzeiger nach dem Stoppen in ihrer letzten Position verharren lässt. Eine intelligente Lösung definiert auch die Eingriffstiefe der Kupplungsräder. Erstmals in der Chronographengeschichte erhält die Abdeckkappe auf dem Schaltrad eine aktive Funktion: Minimale Exzentrizität gestattet sensibles Regulieren des Kupplungshebel-Bewegungswinkels. Traditionell kommt dieser Job einer Exzenterschraube in der Platine zu.

Schließlich steckt auch die Nullstellung des Chronographen voller Neuerungen. Der zweiteilige Hebel, dessen beiden Enden auf die Nullstellherzen drücken, justiert sich von selbst. So bleibt die funktionsbezogene Geometrie immer erhalten.

Bleibt der Chronographenzeiger, welcher beim Nullstellen allein schon wegen seiner Länge enormen Belastungen ausgesetzt ist. Aufnahmen mit einer Hochgeschwindigkeitskamera belegen, dass seine Spitze ausschlägt wie eine Peitsche. Die Auslenkungen können bis zu 60 Bogengrade erreichen. Im Extremfall verrutscht der Zeiger auf seiner Welle. Er kann sich verbiegen oder gar brechen.

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Nicht so beim Kaliber CH 29-535 PS. Seine Totalisator-Schnecke besitzt an ihrer Stufe eine Bucht, deren Tiefe entspricht 60 Bogengraden entspricht. Beim Nullstellen taucht die speziel geformte Spitze des Minutenzählhebels so in diese Einbuchtung, dass sich der Chronographenzeiger stets gradlinig bewegt und nach einem Schwenk in die Senkrechte begibt.

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Patek Philippe Referenz 5270J – mehr, als die Summe ihrer Teile

2020 findet besagte Referenz 5270 mit 41 Millimeter großem Gelbgold-Gehäuse ans Handgelenk. Mit der Patek Philippe Referenz 5270J wendet sich Patek Philipe wieder einem Gehäusematerial zu, um das es in den vergangenen Jahren deutlich stiller geworden war. Technisch ist diese Armbanduhr weiter von ihrer Vorbild-Referenz 1518 entfernt, als jeder andere Handaufzugs-Chronograph mit ewigem Kalender der Genfer Manufaktur.

Optisch vereinigt die Referenz 5270 hingegen viele gestalterische Tugenden der Vergangenheit. Ein ausgewogener Mix aus 1518, 2499, 3970 und dazu Bandanstöße, welche sich an jene der Chronographen-Referenz 1579 von 1943 anlehnen. So gewinnt man Traditionalisten und darüber hinaus Liebhaber zukunftsweisender Uhrmacherkunst aus eigener Manufaktur.

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

Hersteller Patek Philippe
Name keiner
Referenz Referenz 5270J-001
Premiere Juli 2020
Uhrwerk Manufakturkaliber CH 29-535 PS Q
Aufzug manuell
Durchmesser 32 Millimeter
Höhe 7 Millimeter
Zahl Komponenten 456, davon 182 für das Kalenderwerk
Gangautonomie 55 – 65 Stunden (ein- /ausgeschaltete Stoppfunktion)
Unruhfrequenz vier Hertz
Anzeige Stunden, Minuten. Sekunden, Datum, Wochentag, Monat, Tag/Nacht, Schaltjahreszyklus, Mondphasen
Zusatzfunktionen Ewiger Kalender, Chronograph mit 30-Minuten-Zähler
Gehäuse Gelbgold
Durchmesser 41 Millimeter
Höhe 12,4 Millimeter
Wasserdichte drei bar
Armband Alligatorleder, Faltschließe
Preis 152.000 Euro
Limitierung keine

 

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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