Englischer Erfinderstreit

Die Erfindung der Taschenuhr mit Repetition löste in Merry Old England einen derart handfesten Patentstreit aus, dass der König höchstpersönlich als Schiedsrichter einschreiten musste. Als erbitterte Gegner präsentierten sich einerseits der Pfarrer Edward Barlow und sein uhrmacherischer Partner Thomas Tompion. Auf der anderen Seite dieser besonderen Uhren mit Schlagwerk kämpfte der Uhrmacher Daniel Quare.

Beide Parteien beanspruchten die Kreation der ersten Taschenuhr mit Viertelstundenrepetition für sich. Nach eingehender Prüfung sprach König Jakob II. die Schutzrechte Daniel Quare zu. Dessen Konstruktion war praktischer und auch komfortabler, weil zur Auslösung des Schlagwerks ein einziger Drücker genügte. Per Knopfdruck verkündete dessen Zeitmesser akustisch die Zahl der vollen Stunden und der danach verstrichenen Viertelstunden. Der Uhrmacher dankte es im Jahr 1695 durch die Kreation eines 7½-Minuten-Schlagwerks mit sozusagen doppelter Präzision.

1710 stellte Samuel Watson, wiederum ein englischer Uhrmacher die Taschenuhr mit Fünf-Minuten-Repetition vor. Und gegen 1750 wartete Uhrmacherkollege Thomas Mudge mit dem Optimum auf: Eine Minutenrepetition die, wie ihr Name es bereits verheißt, die Zeit auf Anforderung minutengenau kundtut.

Weil es zu nachtschlafender Stunde durchaus passieren konnte, dass man den Auslöser des Schlagwerks nur unzureichend betätigt, hatte Julien Le Roy in Paris schon 1740 die perfektionierte Alles-oder-Nichts-Sicherung vorgestellt. Fortan sorgte diese in hochwertigen und dem entsprechend teuren Repetitionsuhren dafür, dass eine Repetition entweder korrekt schlägt oder stumm bleibt.

Zur gleichen Zeit verschwanden sukzessive die zwar wohlklingenden aber auch relativ voluminösen Glockenschalen als Klangkörper aus den Gehäusen. Stattdessen schlugen die Hämmer des Schlagwerks deutlich dumpfer an die Wandung des Gehäuses. Das sparte Platz, den die Uhrmacher für größere, zuverlässigere und auch genauere Uhrwerke nutzten.

Abraham‑Louis Breguet ist die erstmalige Verwendung sorgfältig gestimmter Tonfedern zuzuschreiben. Mit ihrer Hilfe gelang eine deutlich flachere Bauweise unter Beibehaltung des angenehmen Klangs der Glockenschalen.

Kein Wunder, dass wie auch immer geartete Repetitionsschlagwerke in jenen Zeiten, als man der Dunkelheit zum Ablesen der Uhrzeit noch nicht per Lichtschalter Herr werden konnte, zum Ausstattungsmerkmal aufwändiger Taschenuhren gehörte.

Doch auch gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Erfindungen von Göbel und Edison den wohlhabenden Bevölkerungsschichten das erste elektrische Licht bescherten und damit die Repetitionsuhr eigentlich überflüssig machten, verlor diese uhrmacherische Komplikation grundsätzlich nichts von ihrem diskreten Charme: Sie gibt ihre großartigen akustischen Fähigkeiten demjenigen preis, welcher um sie weiß und sie zum klingenden Leben zu erwecken vermag.

Der Klanger einer alten Repetition

Kleiner, flacher, delikater

Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlangten die Schlagwerkskonstruktionen aus zwei wesentlichen Gründen nach weiteren uhrmacherischen Anstrengungen: Zum einen wollten die Uhrenträger immer flachere Uhren – und das betraf auch solche mit Repetition. Zum anderen fanden Armbanduhren zusehends Verbreitung.

Entscheidende Verdienste um die Miniaturisierung der Repetitionsschlagwerke hatten sich insbesondere eidgenössische Fabrikanten in Genf und im Westschweizer Jura erworben. In zäher Kleinarbeit reduzierten Tüftler im Vallée de Joux den Durchmesser von Uhrwerken mit Minutenrepetition auf 20 und deren Höhe auf nur noch drei Millimeter. Die feinen Schlagwerks-Kadraturen aus dem Jouxtal fanden sich nicht nur in Schweizer Produkten, sondern auch unter dem Zifferblatt von Uhren englischer oder deutscher Provenienz.

Das nie mehr unterbotene, aber zur Serienproduktion untaugliche Superlativ, ein 6‑liniges Uhrwerk mit Minutenrepetition (Durchmesser 13,5 mm), entstand im Jahr 1921 in der Uhrmacherschule des Vallée de Joux. Kleinserien gestatteten hingegen Kaliber mit acht Linien oder 18,05 Millimetern Durchmesser.

Repetition

Die erste Repetitionsuhr fürs Handgelenk stammt aller Wahrscheinlichkeit nach von Audemars Piguet. Anfang 1892 gab sie Louis Brandt & Frère in Auftrag. Im September des Jahres nahm die klingende Armbanduhr mit 13-linigem Ankerwerk ihren Weg nach Biel.
Das Rohwerk stammte von LeCoultre & Cie. aus dem benachbarten Le Sentier. Die Auslösung des Schlagwerks der Repetition erfolgte über einen Schieber bei der „3″.

Der Klang einer alten Audemars Piguet Minutenrepetition John Shaeffer

Weitere Armbanduhren mit Minutenrepetition tauchten in den Jahren nach 1905 auf. Oft verfügten die Winzlinge der Mode entsprechend über kissen‑ oder tonneauförmige Schalen. Weil Repetitionsschlagwerke aus traditionellem Verständnis in Taschenuhrgehäuse gehörten, hielten sich die Stückzahlen in sehr engen Grenzen. Ganz nebenbei spielte das liebe Geld auch eine wichtige Rolle. Rohwerk und Fertigstellung eines 12‑linigen Kalibers mit Minutenrepetition kosteten rund doppelt so viel, wie bei einem Pendant mit 17 Linien Durchmesser. Viertel‑, Achtel‑ oder 5‑Minuten‑Repetitionen waren eher eine Ausnahme als die Regel.

In aller Regel produzierten renommierte Hersteller wie z.B. Audemars Piguet, Haas Neveux & Cie., C. H. Meylan, Patek Philippe oder Vacheron & Constantin Schlagwerks-Armbanduhren nur nach fester Bestellung. Als Rohwerke-Lieferanten machten sich Jämes Aubert, Louis-Elisée Piguet, Victorin Piguet oder LeCoultre einen Namen.

Repetition von Driva

Form-Handaufzugswerk des Driva-Repeater, 1937

Mitte der 1930-er Jahre versuchte die Driva Watch Co., La Chaux‑de‑Fonds, die Armbanduhr mit Repetitionsschlagwerk salonfähig und breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Beim Driva Repeater handelte es sich um ein rechteckiges Modell mit Viertelrepetition in einfacher, aber robuster Ausführung. Doch trotz eines relativ günstigen Preises verkaufte sich bereits die Startauflage von 1.500 Exemplaren nur schleppend. Aber bis Ende der 1940-er Jahre brachte Driva fast alle Repeaters an den Mann. Eine Neuauflage scheiterte am Fehlen geeigneter Rohwerke.

Gleichfalls nicht wirklich erfolgreich agierten auch die Gebrüder Stolz und ihre Firma Angelus in Le Locle. 1957 kreierten sie eine Armbanduhr mit automatischem Aufzug und Viertelstunden-Repetition in kuranter Ausführung.

Der zarte Klang einer Angelus Repetition

 

Voraussetzung für die ökonomische Produktion beim Ebauche‑Fabrikanten AS wären mindestens 10 000 Stück gewesen. Das erschien Angelus offenkundig zu riskant. Deswegen beschränkte sich der Versuchsballon auf 100 Tinkler Armbanduhren, welche für etwa 300 Schweizer Franken erhältlich waren.

Besser reüssierte eine modular aufgebaute und deshalb relativ preiswerte Fünf-Minuten-Repetition. Kelek in La Chaux-de-Fonds produzierte sie ab 1975 in Kooperation mit dem Spezialisten Dubois-Dépraz aus dem Vallée de Joux. Uhrmacher montierten das Modul auf Uhrwerke mit manuellem oder automatischem Aufzug. Mittlerweile ist die Kadratur bei Chronoswiss auch mit Viertelstundenrepetition erhältlich.

Klingende Neuzeit

Bereits Anfang der 1960-er Jahre waren die letzten klassischen Hanmdaufzugswerke mit Minutenrepetition in Armbanduhrgehäuse eingebaut und meist nach Amerika verkauft worden. An Neuauflagen dachte man auch in Ermangelung geeigneter Rohwerke nicht mehr. Folglich gab es derartige Armbanduhren bis 1986 nur noch aus zweiter Hand

Nach längerer Klangpause stellte Newcomer Blancpain 1986 zusammen mit dem Werke-Partner Frédéric Piguet ein neues mechanisches Uhrwerk mit Minutenrepetition vor. Mit 23,5 mm Durchmesser und 3,3 mm Höhe gehörte es zu den kleinsten Werken dieses anspruchsvollen Genres Repetion. Anschließend feierte die Minutenrepetition ein erstaunliches Comeback. Angefacht durch den beispiellosen Mechanik-Boom präsentierten unter anderem A. Lange & Söhne, Audemars Piguet, Breguet, Bulgari, Cartier, Roger Dubuis, Jean Dunand, Gérald Genta, Franck Muller, Girard Perregaux, IWC, Jaeger-LeCoultre, Patek Philippe, Tutima, Vacheron Constantin oder Voutilainen neue Armbanduhren mit Minutenrepetition.

Moderne Repetitionen

Selbst in Zeiten computergesteuerter Rohwerkefertigung bleiben Repetitionen dieser Art eine Rarität. Mit Konstruktion und Produktion von 300 Komponenten oder mehr ist es nämlich bei weitem nicht getan. Alle Teile müssen sorgsam feinbearbeitet sowie mühevoll per Hand zu einem sensiblen Mikrokosmos zusammengefügt werden. Und das erfordert jene Zeit, welche bekanntlich Geld ist.
Hinzu kommt, dass allein schon die Ebauches angesichts minimaler Stückzahlen ausgesprochen teuer sind. In diesem Sinne präsentiert sich die akustische Dimension der Zeit nur solchen Menschen, welche es sich leisten können oder wollen, das Außergewöhnliche zum Maß ihrer Ansprüche zu machen.

Der Klang der A. Lange & Söhne Zeitwerk Minutenrepetition wie die Funktionsweise hier im Video

Wird demnächst fortgesetzt