Tribut an die Mode

Im Gegensatz zum Leben mit der Mode ist jenes mit der Zeit prinzipiell nicht an bestimmte Trends gebunden. Dennoch offenbart der Blick in die Annalen der Zeitmessung, dass Zeitgeist-Strömungen ihren Einfluss auf die Gestalt von Uhren niemals verfehlten. Liegt in einem Modell wie der Cartier Privé Tonneau ebenso ein Diktat der Mode oder des angesagten Stils, wie bei einer Tasche oder einem Gürtel.  Der Grund offenbart sich von allein: Accessoires an exponierter Stelle lassen sich vor den neugierigen Blicken interessierter Mitmenschen kaum verbergen.
Wer also in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit der Mode gehen wollte, und das waren in erster Linie die Damen, zeigte dies zunächst einmal durch den generellen Besitz einer Armbanduhr. Sofern nun, wie im Falle der alten Cartier Tonneau Uhren die Gestalt auch noch formal vom üblichen Rund abwich, offenbarte ein ausgeprägtes Modebewusstsein. Kurz und gut – es war trés chic!

Fassform folgt auf Santos

Das in die Länge gezogene Rund konnte sich bei Armbanduhren nie so recht durchsetzen. Doch schon zwei beherzte Schnitte genügten, um einen Welterfolg zu generieren. Besagtes Oval mutierte bei Cartier einfach zu einer Form, deren deutscher Name trivial und wenig kaufmotivierend klingt: Fässchen. In vornehmem Französisch wandelt sich dieser Begriff jedoch rasch zu tönender Musik in den Ohren. Aus dem biederen Fass wird ein elegantes „tonneau“.
Jene Tonneauform prägte bald das Bild der Armbanduhr in den Roaring Twenties ganz entscheidend mit, obwohl es schon zu Beginn des Jahrhunderts derartige Armbanduhr-Gehäuse gegeben hatte. Zu den Designern mit ausgeprägtem Mut zu Ungewöhnlichem gehörte der französische Juwelier und Uhrmacher Louis Cartier.

1906, also zwei Jahre nach der quadratischen „Santos“ hob er die lang gestreckte „Tonneau“ aus der gestalterischen Taufe. Im Gegensatz zur ebenfalls tonneauförmigen, jedoch eher gedrungenen „Tortue“ (Schildkröte) von 1913 führte die „Tonneau“ bei Cartier jedoch eher ein Schattendasein. Nun soll der Genfer Uhrensalon 2019 diese Armbanduhr mit 112-jähriger Geschichte wieder ins rechte, ihr gebührende Licht rücken.

Hommage

Unter der Ägide von CEO Cyrill Vigneron kehrte die Tonneau Linie in modifizierter Form zurück, die Bernard Fornas, sein Vor-Vorgänger aufgegeben hatte. Allerdings nicht in profaner Form, sondern unter der Rubrik CPCP. Diese Collections Privées de Cartier Paris“ hatte das Luxuslabel zum 150. Markenjubiläum im Jahr 1997 neu aufgelegt.

CPCP ist Vergangenheit. Ganz generell lässt sich das Uhrenbusiness mit einer Pyramide vergleichen. Deren Spitze haben wir mit CPCP bislang zwar nicht vernachlässigt, aber auch nicht sehr intensiv bearbeitet. Wir wollen authentische Produkte und dazu gehören auch eigene Uhrwerke, die es bei CPCP nicht gab.
Bernard Fornas

Kehrtwende

Im Gegensatz zu Bernard Fornas, der Cartier eine stärkere maskuline Attitüde verpassen wollte, sowie die Themen Manufakturarbeit und Höchste Uhrmacherkunst forcierte, knüpft Cyrill Vigneron wieder stärker an die traditionellen Werte von Cartier.

 

Wir müssen … besorgt sein, uns abzuheben – und das können wir, indem wir zu unserem Kern zurückkehren. Cartier ist eine feminine Marke, bei den Uhren steht die Ästhetik im Vordergrund. Wenn wir Sachen machen, die uns nicht wirklich entsprechen, dann verlieren wir uns.
Cyrill Vigneron

Cartier Privé Tonneau

Genau diesem Denken entsprach die auf der SIHH 2019 vorgestellte Kollektion „Cartier Privé“ mit ihrem ersten Uhrenlinien-Modell Cartier Privé Tonneau.

Zu „Privé“-Beginn offerierte Cartier dazu zwei verschiedene Modelle, jeweils in Rotgold und Platin und jeweils limitiert auf 100 Exemplare.
An traditionsbewusste Zeit-Puristen wendete sich das große Modell der Cartier Privé Tonneau. Im Gehäuse arbeitet das Cartier Formkaliber 1917 MC.

Die Fakten zum Cartier Uhrwerk:

Kaliber 1917 MC

Dimensionen 16 x 12,9 mm

Bauhöhe 2,9 mm

Handaufzug

19 Steine

Gangautonomie 38 Stunden

Unruhfrequenz drei Hertz (21.600 A/h)

121 Komponenten

Preise:

Cartier Privé Tonneau Version mit Rotgoldgehäuse: 21.500 Euro

Cartier Privé Tonneau Version mit Platingehäuse: 25.000 Euro

Fassform für Weltenbummler

An Kosmopoliten wendet sich das deutlich kompliziertere und extragroß ausgeführte Modell. Es stellt simultan zwei Zonenzeiten mit Hilfe getrennter Zeigerpaare dar. Diese Armbanduhr knüpft an die im Jahr 2006 anlässlich des 100. Geburtstags dieser signifikanten Uhrenlinie vorgestellten „CPCP Tonneau XL 2 Zeitzonen“. Im 51,4 Millimeter langen und 29,4 mm breiten Weißgoldgehäuse ticken gleich zwei von der Schwester Jaeger-LeCoultre zugelieferte Handaufzugswerke vom Kaliber 9770 MC (15,1 x 12,8 mm, Höhe 2,9 mm). Wahlweise stand auch eine Ausführung mit Gelbgoldschale zur Verfügung.

Dass die Minutenzeiger über kurz oder lang ein wenig voneinander abweichen, liegt somit in der Natur der Sache. Demgegenüber oszilliert im skelettierten Handaufzugskaliber 9919 MC aus eigener Manufaktur nur eine Unruh. Seine Konstruktion erinnert an die 1912 für Movado patentierte “Polyplan”. Die Tüftler aus der Uhrenmetropole La Chaux-de-Fonds hatten erkannt, dass die Verwendung runder Uhrwerke in bananenförmigen Gehäusen wertvollen
Raum vergeudete. Platz, den man effektiv für größere Bauteile und damit unter anderem höhere Präzision nutzen konnte. In diesem Sinne konstruierten sie ein langgestrecktes Kaliber mit gleich doppelt gekröpfter Platine. Die damit ausgestatteten Armbanduhren passten sich mühelos den Rundungen des Handgelenks an.

Die 1912 für Movado patentierte Polyplan besaß ein doppelt gekröpftes Uhrwerk.

Die 1912 für Movado patentierte Polyplan besaß ein doppelt gekröpftes Uhrwerk.

Ähnliches ist auch bei der neuen Tonneau von Cartier der Fall. Beim durchbrochen gestalteten Kaliber 9919 MC mit speziellem Zeitzonen-Dispositiv lassen sich die Zeiger in gewisser Weise unabhängig voneinander handhaben. Per oberer Krone bewegen sich die Paare wie gewohnt in beide Richtungen.
Durch Betätigung des als Drücker ausgebildeten unteren Pendant springt der dortige Stundenzeiger schrittweise vorwärts. Beim Landen in Tokio heißt es also acht Mal drücken. Wer hingegen beispielsweise in Los Angeles ankommt, muss ein wenig um die Ecke denken, und die neun Stunden gegenüber der Mitteleuropäischen Zeit von 12 subtrahieren und folglich den Bedienknopf nur drei Mal leicht anstoßen.

Die Fakten zum Uhrwerk:

Kaliber 9919 MC (Manufaktur)

Dimensionen 37,8 x 24 mm

Bauhöhe 7,9 mm

Handaufzug

35 Steine

Gangautonomie 60 Stunden

Unruhfrequenz vier Hertz (28.800 A/h)

197 Komponenten

Die Preise:

Cartier Privé Tonneau Dual Time skelletiert Version mit Rotgoldgehäuse: 65.500 Euro

Cartier Privé Tonneau Dual Time skelletiert Version mit Platingehäuse: 75.000 Euro