Repetitionsuhren und ihre Geschichte

Repetitionsuhren und die Geschichte der Uhren mit Schlagwerk

Schlagwerke gehören zu den frühesten Zusatzfunktionen mechanischer Räderuhren. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie immer kleiner und auch komplizierter. Höchste Schule der Repetitionsuhren verkörpern hierbei Grande und Petite Sonnerie sowie Minutenrepetition. Wobei, auch wenn es diese klingenden Uhren fürs Handgelenk gibt, begann die Geschichte der Uhren mit Schlagwerk im Großformat. Uhrenkosmos repetiert das klangvolle Thema der Repetitionsuhren in geschichtlicher wie technischer Hinsicht.

Die Anfänge der mechanischen Räderuhr

Wer, wann und wo mit der ersten mechanischen Räderuhr aufwartete, lässt sich retrospektiv nicht mehr mit letzter Gewissheit sagen. Sicher ist jedoch, dass diese Vorläufer der Repetitionsuhren im späten 13. Jahrhundert auftauchten. In Sachen angewandter Mechanik, die ja Voraussetzung für Uhren mit Schlagwerk ist, waren die im Mittelalter lebenden Menschen nämlich überaus kreativ und innovativ. Nach der Erfindung des Waagbalkens (Foliot) samt Spindelhemmung gab es auch kein Halten mehr

Mit Hilfe des so genannten Foliot ließ sich die per se gleichförmig verstreichende Zeit in definierbare Abschnitte unterteilen und auch vernehmlich tickend messen. In jener Ära verkündete Fra Giordano da Pisa ex kathedra, dass „täglich neue Technik” erfunden werde. Und es ist beileibe kein Zufall, dass beinahe zeitgleich mit den mechanischen Uhren auch erste Geschütze auf der Bildfläche erschienen. Beides gründete sich nämlich auf essentiellen Verbesserungen auf den Gebieten der Metallverarbeitung. So gesehen dürfte es nicht sonderlich verwundern, dass zum Kreis der frühen Uhrenmacher auch etliche Kanonenbauer gehörten.

Speziell in Europa trat die mechanische Räderuhr ihren Siegeszug relativ rasch an. Böse Zungen behaupten zwar, dass dies nur geschehen konnte, weil die Sonne nicht immer scheint und das Wasser im Winter gefriert, die überlieferten Sonnen- und Wasseruhren zur zuverlässigen Zeitmessung sich also nur bedingt eignen. Diese Feststellung trifft allein schon deshalb nicht zu, weil Wolken und Eis auch an anderen Orten rund um den Globus zu finden sind.
Aber speziell im mittelalterlichen Europa betrachtete man Maschinen als Lösungsansätze für zahlreiche Alltagsprobleme. In diesem Zusammenhang seien Wasser- und Windmühlen oder ausgefeilte Mechanismen zum melodischen Glockenläuten genannt. Nicht zu vergessen auch das Bemühen von Astrologen und Astronomen, die Bewegung der Sterne und Planeten durch intelligente Kugelmechanismen darzustellen.

Kirchturmuhren ließen hören, was die Zeit geschlagen hat

Zurück zu den damals naturgemäß noch sehr voluminösen Zeitmessern. Nicht lange auf sich warten ließ die Räderuhr mit Schlagwerk. Eine solche erhielt die Mailänder Kirche San Eustrogio im Jahr 1309. Ab 1324 verfügte auch die Kathedrale von Beauvais über eine Uhr mit Glocken. Und 1335 berichtete ein italienischer Chronist über die Kirche San Gottardo in Mailand:

Sie besitzt eine wunderbare Uhr mit einem großen Klöppel, der vierundzwanzig Mal zu jeder Stunde des Tages und der Nacht eine Glocke anschlägt, und zwar so, dass er die erste Stunde der Nacht mit einem Schlag, die zweite mit zwei Schlägen anzeigt … so kann man eine Stunde von der anderen unterscheiden, was für Menschen jedes Standes von großem Nutzen ist.

Ein unbekannter italienischer Chronist

Mit Hilfe derartiger Mechanik war der Fortgang der Zeit nun rund um die Uhr vernehmbar. Jene Uhr, welche Karl V. im Jahr 1370 für einen Turm seines Palastes herstellen ließ, begeisterte den Kaiser derart, dass er gleichartige Uhren mit Schlagwerk auch im Schloss Vincennes und im Hôtel Saint Paul aufstellen ließ. Nachdem die angezeigte Zeit dieser Kunstwerke in der ganzen Stadt präsent sein sollte, mussten alle Kirchen von Paris unmittelbar nach dem Ertönen der kaiserlichen Uhren ebenfalls die Glocken ertönen lassen.

Allerdings kosteten die großen öffentlichen Uhren ein Vermögen hinsichtlich ihrer Anfertigung und des laufenden Unterhalts. Oft fungierte der Fabrikant der Uhr hernach auch als Governatore, also Hüter der Uhr. Beispielsweise bewirkte Gian Carlo Rainieri da Reggio, dem die berühmte Uhr auf Venedigs Piazza San Marco zu verdanken ist, für sich und seine Nachkommen das Anrecht auf das Amt des Hüters dieser Uhr.

Übrigens stießen die mechanischen Uhren damals keineswegs nur auf Gegenliebe. Um 1660 meinte ein Zeitkritiker, dass man derlei teuren Schnickschnack gar nicht nötig habe, denn:

Die beste und gewisseste Uhr, die nimmer fehlet oder unrecht gehet, ist die Bauren-Uhr, die sie in ihrem Magen führen, daran sie eigentlich wissen, wann man Suppen zu Mittag vudern und zu Nacht essen soll, dass es ihnen nicht eine Minute fehlet…

Ein unbekannter Kritiker um das Jahr 1660

Repetitionsuhren

Dennoch waren viele Gemeinden begierig und stolz auf den Besitz einer derartigen Uhr mit Schlagwerk, welche neben der akustischen Zeitangabe auch Ansehen mit sich brachte. Bartolomeo Manfredi tat 1473 kund, dass die komplizierten kosmologischen Anzeigen und das Schlagwerk der öffentlichen Uhr von Mantua dazu dienten:

… den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen für Aderlässe und Operationen, zum Schneidern von Kleidern, zum Pflügen der Äcker, für den Antritt einer Reise und andere nützliche Dinge auf der Welt.

Bartolomeo Manfredi

1481 musste der Stadtrat von Lyon über folgende Petition entscheiden: „Es besteht ein starkes Bedürfnis nach einer großen Uhr, deren Klang von jedermann in der ganzen Stadt gehört wird. Wenn man eine öffentliche Uhr einrichtet, werden mehr Kaufleute zu den Messen kommen, die Bürger werden fröhlicher und zufriedener leben und ein geordneteres Leben führen, und die Stadt wird an Schönheit gewinnen.”

Nachdem bis in späte 19. Jahrhundert nur sehr vermögende Menschen über eine persönliche Uhr verfügten, gab es in der Tat gute Gründe für die Installation öffentlicher Zeitmesser. Dass sie in der Regel „nach dem Mond”, also sehr ungenau gingen, fiel in Ermangelung geeigneter Kontrollinstrumente nur den Allerwenigsten auf. Gleichwohl machte die Pariser Bevölkerung ihren Reim auf die Uhr des königlichen Palastes: „L’horloge du palais elle vas comme il lui plait”, also „Die Uhr am Palast geht, wie es ihr gefällt.”
Und 1641 konstatierte der Stadtrat von Dijon , dass keine der öffentlichen Uhren mit der anderen übereinstimmte. Deshalb ordnete er an, sie regelmäßig nach dem Sonnenstand zu stellen.

Uhren mit SChlagwerk für die bessere Gesellschaft

Die steigende Nachfrage nach individuellen Zeitmessern im 16. und 17. Jahrhundert förderte die Herausbildung fester Berufsgruppen, welche sich in Zünften zusammenschlossen und so auf eine gewisse Exklusivität ihres Standes achteten. Diese Epoche erlebte ein neues, mechanistisch geprägtes Bild des Universums und der menschlichen Existenz. In gewisser Weise besitzt es bis heute Gültigkeit. Und es ist eng verwoben mit den Fortschritten auf dem Gebiet der Uhrmacherkunst. Die Vertreter der neuen Wissenschaft nahmen in ihren philosophischen Spekulationen nicht zufällig darauf Bezug.

Für Johannes Kepler beispielsweise glich das „Universum nicht einem Lebewesen, sondern der Uhr.” Und Robert Boyle meinte, das Universum sei ein „Juwel der Uhrmacherkunst”. Schließlich funktionierte die Welt auch für Descartes nach den Gesetzen der Mechanik. Menschen und Tiere waren Automaten. Im Rahmen dieser ausgesprochen mechanistischen Weltanschauung gestand man selbst Gott keinen Ausnahmestatus zu. Nicht selten bezeichnete man ihn als besonders geschickten Uhrmacher.

Repetitionsuhren

Exakt jenen geschickten Handwerkern gelang es, Uhren für gleichermaßen anspruchsvolle wie wohlhabende Zeitgenossen stetig zu verkleinern und zu verfeinern. Erst erfanden sie Wanduhren, dann Tischuhren, dann Taschenuhren und ab 1571 sogar eine Repetitionsuhr für das Handgelenk. Der Besitz einer eigenen Uhr war Ausdruck von Wohlstand und Macht. Mit Hilfe des Schlagwerks verkündete sie die Zeit selbsttätig auch in den dunklen Stunden des Tages. Indessen behagte das Warten auf den nächsten Glockenschlag der Repetitionsuhren vor allem in schlaflosen Nächten nicht unbedingt jedem. Die Lösung des Problems bestand im Repetitionsschlagwerk, welches nur auf Wunsch in Aktion tritt, dann aber mehr oder minder präzise kundtut, was es gerade geschlagen hat.

Wird demnächst fortgesetzt

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