Kenissi GMT Kaliber Tudor Fortis Norqain
Ein Kenissi GMT-Kaliber für die Tudor Black Bay GMT, Fortis Flieger F-43 Triple GMT und Norqain Freedom 60 GMT

Während der Baselworld 2018 präsentierte Tudor die Tudor Black Bay GMT mit dem exklusiven Automatikkaliber MT5652. Nicht zuletzt wegen ihres überragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses war und ist diese Armbanduhr schwer zu bekommen. Inzwischen liefert der Uhrwerkhersteller Kenissi GMT Kaliber auch für die Fortis Flieger F-43 Triple GMT und die Norqain Freedom 60 GMT. Die Kenissi GMT-Kaliber für Tudor, Fortis, Norqain oder andere sind attraktiv. Kosmopoliten mit Hang zur GMT Uhr werden dieses interessante Uhrwerk schätzen. Das sollte man über diese Kenissi-Kaliber wissen.

Ein Kenissi GMT-Kaliber für die Tudor Black Bay GMT, Fortis Flieger F-43 Triple GMT und Norqain Freedom 60 GMT

Ein Kaliber - drei Armbanduhren mit praktischer GMT-Funktion: Fortis Flieger F-43 Triple GMT, Norqain Freedom 60 GMT und Tudor GMT

Echte GMT-Funktion

Was brauchen Vielflieger und Kosmopoliten am Handgelenk? Eine Armbanduhr, die sich bei Fernreisen unkompliziert auf die neue Zonenzeit einstellen lässt. Wie die Kenissi GMT Kaliber Tudor Fortis Norqain. Bevor es jedoch soweit war, ging einige Zeit ins Land.
Bekanntlich verständigten sich die Teilnehmer der Ersten Internationalen Meridiankonferenz in Washington DC im Oktober 1884 auf 24 Standard-Zeitzonen. Ausgehend vom Nullmeridian, der durch Greenwich bei London verläuft, verschiebt sich die Zeit analog zur Drehung der Erde rein theoretisch nach jeweils 15 Längengraden um jeweils eine Stunde.

Darüber hinaus gibt es auch ungerade Zeitzonen, von denen hier jedoch nicht die Rede sein soll. Wie nützlich diese Einteilung war, zeigt folgende Überlegung.
Weil die Sonne im Osten früher aufgeht, sind bei einem Flug von Frankfurt nach Tokio acht Stunden zu addieren. Wer sich umgekehrt in westlicher Richtung beispielsweise nach New York begibt, muss seinen Zeitmesser um fünf Stunden zurückdrehen.

Weil die Minuten davon unberührt bleiben, reicht es also vollauf, wenn sich allein der Stundenzeiger schrittweise vor- oder rückwärts bewegen lässt und, sofern vorhanden, die Datumsindikation folgt. Zu den Pionieren dieses Typus GMT Uhr gehören zweifellos Patek Philippe und dazu auch Rolex.

Keine wirkliche Alternative: Kaliber Eta 2893-A2

Diese und weitere Armbanduhren mit unabhängig verstellbarem Stundenzeiger basieren auf exklusiven Uhrwerken. Etablisseure, also Marken ohne eigene Kaliber müssen auf das zurückgreifen, was Rohwerkefabrikanten anbieten. Eta, die Konzerntochter der Swatch Group um ein Beispiel zu nennen, hat drei verschiedene Versionen des Eta Automatikkalibers 2893 im Programm.

Wie die Bezeichnung es schon andeutet, handelt es sich hierbei um ein Derivat des altbekannten und -bewährten Kaliber Eta 2892-A2. Nachdem die Techniker am eigentlichen Zeigerwerk nichts verändern wollten, ergänzten sie einen Mechanismus mit zusätzlichem und unabhängig verstellbarem 24-Stunden-Zeiger.
Der hilft beispielsweise Mitarbeitern einer Bank mit internationalem Arbeitsfeld zu sehen, welche Zeit an einem entfernten Börsenplatz vorherrscht.
Bei Reisen rund um den Globus hilft dieses Merkmal indessen wenig. Wer sich vor Ort wie gewohnt am12-Stunden-Zeiger orientieren möchte, muss die Uhrzeit komplett verstellen. Und beim eifrigen Drehen gerät die letzte Position des Minutenzeigers gerne in Vergessenheit

Als funktionale Alternative zur Rolex GMT-Master II oder der Rolex Explorer II offerierte Omega im Jahr 1998 die Seamaster 300M GMT mit dem Automatikkaliber 1128. Dabei handelte es sich um ein von der Eta exklusiv modifiziertes Kaliber mit der Referenz 2892-A2. Anderen Marken stand dieses Uhrwerk allerdings nicht zur Verfügung.

Rolex GMT-Master II und Tudor Black Bay GMT

Als Tudor 2018 im Rahmen der vorletzten Baselworld die Tudor Black Bay GMT vorstellte, ging ein Raunen durch die Uhrenszene. Einmal ähnelt die Armbanduhr der Rolex GMT-Master II mit Beinamen Pepsi. Und zum anderen besitzt das im Gehäuseinneren verbaute Automatikkaliber MT5652 die gleichen funktionalen Merkmale wie das Rolex 3285.

Kenissi, wer ist das?

Hinter den aktuell von Tudor verbauten Automatikkalibern steht ein derzeit noch etwas geheimnisvoll anmutender und daher auch wenig bekannter Name: Kenissi. Gemäß Handelsregister ist die Kenissi Manufacture SA eine 2018 gegründete Aktiengesellschaft mit Sitz in Le Locle, Kanton Neuenburg.

Von den Gründungsmitgliedern fungiert Jacques Dalloz Philippe als Präsident des Verwaltungsrats. Mitglieder dieses Gremiums sind Eric Pirson, seines Zeichens Tudor-Chef, Frédéric Grangié und Pascal Bratschi. Jean-Paul Girardin, der frühere Breitling-COO obliegt die Aufgabe des Direktors, Xavier Reuse agiert als Prokurist. Geschäftszweck ist der Großhandel mit Uhren und Schmuck.

Philippe Jacques Dalloz, der Verwaltungsratspräsident ist in der Uhrenbranche kein Unbekannter. Die von ihm geleiteten Unternehmen verstehen sich unter anderem auf Komponenten-Produktion und -Veredelung. Neben ihm dürfte Rolex eine namhafte Beteiligung besitzen. Ferner könnte es sein, dass sich Theodore “Teddy” Schneider, einer der früheren Breitling-Eigentümer an Kenissi beteiligt hat. Er und Jean-Paul Girardin standen sich übrigens stets sehr nahe.

Mit 20 Prozent hat sich auch Chanel an der Kenissi Manufacture SA beteiligt, um in den Genuss des schon beträchtlichen Kaliber-Knowhow zu kommen.

2021 soll das Projekt Gemini, ein imposantes Fabrikgebäude eröffnet werden. Dann wird Kenissi endgültig von Genf nach Le Locle umziehen. Einen Teil des rund 150 Meter langen Bauwerks bleibt Tudor und seinen Produkten vorbehalten, den anderen nutzt Kenissi für seine eigenen Aktivitäten.

Letztere äußerten sich bereits in einem 2017 gestarteten Kalibertausch zwischen Tudor und Breitling. Die Rolex-Tochter bekam das MT5813 getaufte Breitling-Kaliber B01 mit Automatik-Chronograph. Im Gegenzug liefert Kenissi das 31,8 Millimeter große MT5612 mit Rotor-Selbstaufzug und Fensterdatum. Breitling verbaut es unter der Bezeichnung Kaliber B20.

Kenissi und seine neuen Kunden

Dieser Deal war freilich erst der Anfang. Seit Februar 2020 kommt auch die 2018 in Biel gegründete Marke Norqain in den Genuss verschiedener Kenissi-Kaliber. Neben Ben Küffer und Marc Küffer, dem ehemaligen Aktionär der Roventa-Henex SA sind auch Teddy Schneider und die Schweizer Eishockey-Legende Mark Streit an dem jungen Unternehmen beteiligt. An Beziehungen und Uhr-Expertise mangelt es also nicht. Für die Produktion der verschiedenen Norqain-Zeitmesser zeichnet der inzwischen von Jérôme Biard geleitete Private-Label-Produzent Roventa-Henex verantwortlich.

Als weiterer Kenissi-Kunde präsentiert sich die ehemalige Fortis Uhren SA. Unter der Ägide des Deutschen Jupp Philipp feierte die 1912 gegründete und 2017 im Zuge heftiger finanzieller Probleme übernommene Traditionsmarke ihr Comeback. Wie in guten alten Zeiten fertigt die neue Fortis Watches SA ihre Produkte nahe dem nördlichen Bahnhof in Grenchen.

In Zuge dessen bieten gegenwärtig drei Marken funktionale GMT-Armbanduhren mit dem grundsätzlich gleichen Kenissi-Kaliber an. Beim Tudor Black Bay GMT heißt das Uhrwerk nach wie vor MT5652. Fortis nennt die tickende Mechanik bei seinem Modell Fortis Flieger F-43 Triple GMT schlicht und einfach Kaliber 13. Und Norqain hat bei seinem Modell Norqain Freedom 60 GMT das Uhrwerk NN20/2 getauft. Folglich achtet Kenissi bei der Partnerwahl auf unternehmerische Unabhängigkeit.

Natürlich konkurriert besagtes GMT-Trio auf dem Uhrenmarkt. Tudor dürfte allerdings keiner der beiden anderen Mitbewerber in die Quere kommen, dafür ist die Marke bereits zu groß und bekannt.

Tudor Black Bay GMT 

Über die Tudor Black Bay GMT muss man an dieser Stelle nicht mehr viele Worte verlieren. Diese Armbanduhr besitzt nach nur zwei Jahren schon das Zeug zum chronometrischen Klassiker. Im Uhrenkosmos war sie schon Gegenstand ausgiebiger Betrachtungen. Tudor gewährt für diese Weltzeituhr fünf Jahre Garantie.

Fortis Flieger F-43 Triple GMT

Mit Blick auf seine Pilotenuhren-Tradition hat Fortis sein Modell Flieger F-43 Triple GMT getauft. Dank der in beiden Richtungen verstellbaren 12-Stunden-Lünette lassen sich bei dieser Fortis GMT-Uhr  in der Tat drei Zonenzeiten einstellen und ablesen. Fortis umfängt das COSC-zertifizierte Kaliber 13 mit einem 43 Millimeter großem und 15,5 Millimeter hoch bauenden Titangehäuse.

Seine Wasserdichte reicht bis zu 20 bar Druck. Das mit einer Faltschließe ausgestattete Gliederband besteht ebenfalls aus Titan. Nicht zuletzt wegen der Verwendung des leichten und antiallergischen Schalen- und Bandmaterials beträgt der unverbindliche Publikumspreis rund 4.500 Euro. Fortis gewährt auf diesen Zeitmesser die in der EU gesetzlich vorgeschrieben zwei Jahre Garantie.

Norqain Freedom 60 GMT

Die Norqain Freedom 60 GMT misst mit Stahlgehäuse recht moderate 40 Millimeter im Durchmesser. Am Handgelenk trägt sie 14,5 Millimeter auf.

Abtauchen kann man mit dieser Zeitzonen-Armbanduhr bis zu maximal 100 Meter Wassertiefe. Vor dem Einbau ins Gehäuse mit vorderseitig entspiegeltem Saphirglas und Sichtboden muss sich das Automatikkaliber NN20/2 überdies bei der offiziellen Chronometer-Prüfstelle COSC bewähren.

Die linke Gehäuseflanke trägt eine verschraubte Plakette. Gegen Aufpreis lässt sich diese individuell gravieren. Norqain bietet bei seinem Modell Norqain Freedom 60 GMT die Wahl zwischen einem stählernen Gliederband oder Vintage-Lederbändern in verschiedenen Farbtönen. Der Preis beträgt dem entsprechend 3.430 bzw. 3.190 Euro.

Für 3.490 Euro offerieren die Bieler auch eine limitierte Edition mit Bronzeschale und Lederband. Hiervon sind summa summarum 300 Exemplare erhältlich. In allen Fällen beträgt die Garantie zwei Jahre.

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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