Omega "Seamaster 300M GMT" und Rolex "Explorer II" - eine Bilanz nach 20 Jahren am Handgelenk
Omega oder Rolex, das ist hier die Frage

Rationale Erwägungen und jede Menge Emotionalität beeinflussten vor Jahren den Erwerb einer Rolex „Explorer II“ und einer Omega „Seamaster 300M GMT“. Beides waren definitiv keine Fehlkäufe. Beim Blick auf die Rentabilität des Investments in diese beiden Armbanduhren mit Zeitzonen-Funktion gibt es freilich einen ganz klaren Sieger.

Omega oder Rolex, das ist hier die Frage

Omega "Seamaster 300M GMT" und Rolex "Explorer II" - Foto (C) GLB

Up up and away mit Rolex

Die Kalender zeigten das Jahr 1990, als ich mit Swissair und Partner-Airlines erstmals die Erde im Fluge umrundete. Vor dem Start stellte sich logischer Weise die Frage nach der passenden Begleiterin am Handgelenk. Weil der Zeitzonen-Wechsel beim Jetten von Zürich via USA, Japan, China, Hongkong, Indien, Abu Dhabi und Dubai wieder zurück nach Zürich zum beinahe alltäglichen Geschäft gehörte, kam im Grunde genommen nur eine stählerne Rolex in Betracht. Da traf es sich gut, dass die Genfer Manufaktur im Jahr zuvor eine neue Version der „Explorer II„, Referenz 16570 mit dem COSC-zertifizierten Automatikkaliber 3185 auf den Markt gebracht hatte. Fürs gleiche Geld hätte es auch eine „GMT-Master II“, Referenz 16700, sein können. Aber die war mir wegen der zweifarbigen Drehlünette und dem damit einhergehenden Wiedererkennungswert definitiv zu auffällig.

Gegen guten Rat

Entgegen dem eindringlichen Rat von Freunden, die für eine „Pepsi“-„GMT Master II“ plädierten, entschied ich mich letztlich für die 16570 mit angenehmen 40 Millimetern Durchmesser, Wasserdichte bis zu zehn bar Druck, weißem Zifferblatt und Tritium-Leuchtausstattung. Anfangs vertraute ich die im Abstand von sechs Jahren vorgenommene Wartung stets einem offiziellen Konzessionär an. Mittlerweile muss jedoch ein unabhängiger Uhrmacher meines Vertrauens ran, denn Rolex besteht auf dem Austausch des „strahlenden“ Zifferblatts, was selbstverständlich nicht in Betracht kommt.

Alternative zur Rolex „Explorer II“

Szenenwechsel ins Jahr 1998. Damals brachte Omega die neue „Seamaster 300M GMT“ auf den Markt. Die Wasserdichte der 41 Millimeter großen Armbanduhr mit zweifarbigem Glasrand und Kautschukband reicht bis zu stolzen 30 bar Druck. Das ist einerseits beruhigend zu wissen, andererseits beim Reisen durch die Lüfte nicht zwingend erforderlich. Im Gehäuseinneren tickt das 1997 vorgestellte Automatikkaliber 1128 mit vier Hertz Unruhfrequenz. Dabei handelt es sich um ein modifiziertes und COSC-zertifiziertes Eta 2892-A2 mit einer praktischen GMT-Funktion ähnlich der RolexExplorer II“ oder „GMT Master II“. Sprich: Der 12-Stunden-Zeiger lässt sich unabhängig in beiden Richtungen verstellen und das Fensterdatum folgt. Für die Heimat- oder Referenzzeit ist ein zusätzlicher 24-Stunden-Zeiger zuständig. Der offizielle Publikumspreis von 2.950 DM, heute knapp 1.500 Euro, erschien angemessen.

Als der Fachhändler auch noch ein gutes Stück entgegen kam, fand dieser Zeitmesser ebenfalls an mein Handgelenk. Wegen des zuverlässigen, aber auch wenig exklusiven Eta-Basiswerks stellte die im Abstand von sechs Jahren vorgenommene Wartung für meinen bewährten Haus- und Hofuhrmacher keinerlei Problem dar.

Resümee

Nach 28 bzw. 20 gemeinsamen Jahren ist es nun Zeit für ein kleines Resümee.  Logischer Weise schlugen sich die Verwendung eines Manufakturkalibers und der zugkräftige Markenname bei der Rolex im deutlich höheren Publikumspreis nieder. Wegen ihrer Datumslupe besitzt sie bei fortschreitendem Alter unbestreitbare Vorteile beim Ablesen. Auf der anderen Seite verlangt diese Sehhilfe aber auch das richtige Positionieren im Sichtfeld.

20 Jahre und mehr ohne Fehl und Tadel

Summa summarum gab und gibt es an der Funktionalität beim Reisen über Zeitzonengrenzen hinweg, der Präzision im Alltagsleben, dem Tragekomfort und der Zuverlässigkeit über all die vielen Jahre bei beiden Armbanduhren nicht das Geringste auszusetzen. Ergo sind sie zu echten Freunden fürs Leben geworden, von denen man sich ohne Not niemals trennen würde.

Das bessere Investment

Anders gestalten sich die Dinge beim Blick aufs Investment und den Werterhalt. Hier  schneidet die Rolex 16570 eindeutig besser ab. Und das, obwohl sie im Vergleich mit „GMT Master II“- und „Submariner“-Modellen der Genfer Manufaktur ein regelrechtes Schattendasein fristet. Mit Fug und Recht kann dieses „Mauerblümchen“ als preisgünstigstes Ticket zum Eintritt in die Welt der Rolex Sport-Armbanduhren gelten. Fehler begeht man beim Kauf einer gebrauchten 16570 auf keinen Fall. Der besseren Vergleichbarkeit halber werfe ich einen Blick auf den Publikumspreis jenes Jahres, als die Omega erstmals mein Handgelenk zierte. 1998 kostete die mit einem Oysterband ausgestattete „Explorer II“ exakt 5.100 Mark oder umgerechnet rund 2.550 Euro. Infolge der eher geringen Begehrlichkeit waren die Konzessionäre bei diesem Modell zu preislichen Zugeständnissen bereit. Zwanzig Jahre später ist die Rolex 16570 nur noch mit viel Glück für weniger als 4.000 Euro zu bekommen. Das bessere Geschäft wäre natürlich die 16700GMT Master II“ gewesen, deren Preisspektrum sich am Gebrauchtmarkt aktuell jenseits von 7.000 Euro bewegt. Auf diesem Gebiet der Wertsteigerung kann die OmegaSeamaster 300M GMT“ definitiv nicht mithalten. Mit Kautschukband, Box und Papieren, bekommt man sie schon für weniger als 2.000 Euro. Ein Verlustgeschäft war aber auch diese Armbanduhr nicht. Am Gebrauchtuhrenmarkt ist sie außerdem deutlich seltener präsent als die Rolex „Explorer II“.

Letzten Endes, und daran gibt es nichts zu rütteln, bleibt eine Rolex in der Bewertung vieler Kunden immer eine Rolex. Selbst wenn es nur eine weniger attraktive und deshalb unterbewertete „Explorer II“ ist.

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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