COSC Chronometer Zertifizierung

COSC und die Vorgaben für einen amtlich zertifizierten Chronometer

Die COSC Auszeichnung amtlich zertifizierter Chronometer ist begehrt und nur ein Bruchteil der jährlich in der Schweiz produzierten Chronometer erhält sie. Das sind die Vorgaben und so gehen Rolex und Omega sogar darüber hinaus.

Eidgenössische Präzision mit Brief und Siegel

Wann tickt eine mechanische Uhr so genau und zuverlässig, dass sie sich einen amtlich geprüften Chronometer nennen darf? Darüber entscheidet unter anderem die 15-tägige Prüfung der Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres (COSC). Sie prüft jedoch keine kompletten Uhren, sondern nur die Uhrwerke. Zum Check zugelassen sind ausschließlich Erzeugnisse aus Schweizer Herkunft. Die Kandidaten müssen zum Test in transparenten Kunststoff-Schalen erscheinen, ausgestattet mit speziellem Prüfzifferblatt, genormtem Sekundenzeiger und vorgeschriebener Krone. Aufzugsrotoren bei Automatikwerken duldet die COSC ebenso wenig wie firmeneigene Kronen.

Das Prüfverfahren Prozedere beginnt mit dem ersten Aufziehen der Werke per Elektromotor. Danach läuft alles nach einem festgelegten Schema: Bei 23 Grad Celsius verbringt das Werk in seiner Schale 24 Stunden in senkrechter Position mit der Krone auf der linken Seite; Kontrollmessung; maschineller Aufzug; nochmals 24 Stunden mit der Krone links; Kontrollmessung; maschineller Aufzug; es folgen jeweils zwei Tage in den Positionen Krone oben, Krone unten sowie in Flachlage mit dem Zifferblatt oben und unten. Zug um Zug wirken dabei verschiedene Temperaturen auf die Uhren ein.

Eine Spezialkamera hat alles genauestens im Blick. Pro Stunde erfasst sie bis zu 3600 Werke. In Verbindung mit einem Computer und einem funkgesteuerten Zeitsignal aus Mainflingen bei Frankfurt registriert sie Abweichungen im Bereich winziger Sekundenbruchteile. Die verschiedenen Daten wandern unmittelbar in den elektronischen Speicher. Bei den Messungen wird erfasst, wie viele Male der Sekundenzeiger im Laufe von 24 Stunden oder den 86.400 Sekunden eines mittleren Sonnentags in den verschiedenen Lagen vorrückt.

Der größte Gangunterschied zwischen den Lagen Krone links und Zifferblatt oben darf täglich nicht mehr als –6 bis +8 Sekunden ausmachen. Ein Uhrwerk, das es hier beispielsweise auf plus zehn Sekunden Gangdifferenz bringt, verfehlt klarer Weise die amtliche Chronometernorm der COSC. Auch dann, wenn sich der Mittelwert aus allen fünf Lagen, der so genannte „mittlere tägliche Gang“ im erlaubten Spektrum von zwischen – 4 und + 6 Sekunden täglich bewegt, wobei die 86 400 Sekunden des mittleren Sonnentages als unverrückbarer Maßstab gelten. Des Weiteren darf jeder einzelne Lagenwert bei Zimmertemperatur (23 Grad Celsius) und 24 % Luftfeuchte täglich höchstes zehn Sekunden vom mittleren täglichen Gang abweichen darf.

COSC Chronometernorm

Auch die Stabilität des Gangs in jeder einzelnen Prüflage steht unter strenger Beobachtung. In ein und derselben Lage darf ein Uhrwerk bei konstanten 23° Celsius und 24% Luftfeuchte nicht mehr als fünf Sekunden täglich von besagter 86.400-Sekunden-Norm abweichen. Darüber hinaus muss der Mittelwert aller Abweichungen, welche sich in den einzelnen Prüflagen ergeben, kleiner als zwei Sekunden täglich sein.

Die COSC prüft die eingereichten Werke für die Zertifizierung bei verschiedenen Temperaturen in einer Bandbreite zwischen 8 und 38 Grad. Pro Grad Celsius Temperaturunterschied sind Abweichungen von lediglich +/- 0,6 Sekunden erlaubt.

Schließlich will die COSC wissen, wie das Uhrwerk seinen Gang nach schwankenden Temperaturen bei 23 Grad Celsius wieder aufnimmt. Dieser Wert darf sich in einer ausgewählten Prüflage nicht mehr als täglich +/- 5 Sekunden vom mittleren täglichen Gang in dieser Lage unterscheiden. Von demjenigen vor der „Temperaturfahrt“ versteht sich. Jene höchstens sechs Sekunden beispielsweise, welche der mittlere tägliche Gang eines Uhrwerks über dem Referenzwert liegen darf, entsprechen einer Fehlerquote von 0,007 Prozent. Übertragen auf Alltagsdimensionen entspricht dies dem Verhältnis eines 40-Tonner LKWS zum Gewicht von drei Packungen Milch.

Rolex und die COSC

Weil die COSC traditionsgemäß nur speziell präparierte Uhrwerke prüft, geht beispielsweise Rolex einen wichtigen Schritt weiter. Durch die Geschichte von Rolex zieht sich das Thema Präzision und Zuverlässigkeit wie ein roter Faden. Seit 1910 entwickelte sich Rolex sukzessive zum weltweit größten Hersteller amtlich geprüfter Chronometer.
Im Laufe der Jahre reifte bei Rolex allerdings die Erkenntnis, dass die COSC-Normen den aktuellen Stand der Technik nicht mehr hinreichend repräsentieren. Für den rechtlich geschützten Titel amtlich geprüfter Chronometer müssen die Uhrwerke weiterhin zur offiziellen COSC Prüfung. Darüber hinaus durchlaufen kompletten Armbanduhren in speziellen Labors noch ein Rolex eigenes, deutlich strengeres Testverfahren nach hauseigenen Kriterien. Hierfür verwendet Rolex selbst entwickelte, vollautomatisch agierende und somit unbestechliche Hightech-Geräte. Ganz nebenbei prüft Rolex u.a. auch die Wasserdichte, die Effizienz des Selbstaufzugs sowie die Gangreserve.
Am Ende stehen deutlich praxisnähere Resultate. Das imageträchtige Rolex eigene Prädikat Chronometer der Superlative und fünf Jahre internationale Garantie erhält eine Armbanduhr jedoch nur dann, wenn sie täglich nicht mehr als minus oder plus zwei Sekunden von der amtlichen Norm abweicht.

Bei ihren COSC-zertifizierten Manufakturkalibern verfährt die Rolex-Tochter Tudor auf sehr ähnliche Weise. Allerdings sind die finalen Genauigkeitskriterien für die fertige Uhr etwas weniger streng als bei der Mutter Rolex. Täglich darf ein Tudor Chronometer maximal zwei Sekunden nach- oder vier Sekunden vorgehen. Aber auch das ist deutlich strenger als von der COSC verlangt.

Omega und die COSC

Omega kooperiert für seine Master Chronometer mit dem Eidgenössischen Institut für Metrologie (METAS). Damit die Uhren den geschützten Titel Chronometer tragen dürfen, müssen sie als erstes die amtliche COSC-Prüfung erfolgreich absolvieren. Danach erfolgen acht weitere Kontrollschritte. Sie beziehen sich auf die Prüfung der mittleren täglichen Ganggenauigkeit, die Funktionstüchtigkeit und Ganggenauigkeit in einem Magnetfeld von 15.000 Gauss, die Wasserdichte, die Abweichung der Laufzeit bei einer Gangautonomie zwischen 100 % bis 33 %, sowie die Abweichung der Laufzeit in sechs Positionen. Die akzeptierte Toleranz liegt zwischen null und plus fünf Sekunden täglich. Nachgehende Uhren dürfen das Werk nicht verlassen.

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