Tudor Geschichte: Vintage Chronographen (V)

Tudor Geschichte: Die Tudor Chronographen und das Heritage Design

Ab 1989 gehörten überfrachtete Zifferblätter bei den Tudor-Chronographen vorübergehend der Vergangenheit an. Das frühe 21. Jahrhundert hingegen war von einer gestalterischen Beliebigkeit. Mit dem Thema Heritage besann sich Tudor jedoch erfolgreich der guten alten Zeiten.

Ein guter Zwischenschritt: schlicht und einfach

Im Jahr 1989 setzte Tudor mit seinen Chronographen ein Ausrufezeichen in der Tudor Geschichte und wartete mit einem heute sehr gesuchten, modifizierten Tudor Oysterdate Big Block Uhrenmodell auf. Dabei ersetzte die Referenz-Reihe 791xx alle Tudor Modelle der Serien 94xx. Wohltuend in ihrer Optik waren dabei die nun sachlich reduziert gestalteten Zifferblätter der Tudor Chronographen

Zwei kantige Höcker schützten außerdem die Schraubkrone mit Rolex-Logo. Hinter dem massiven Schraubboden werkelte aber weiterhin das Kaliber Valjoux 7750. Auch die Schließe des stählernen Gliederbands wies unmissverständlich auf die Marke dieses Stoppers hin. Neben der Tachymeter-Referenz 79160 mit blauem Zifferblatt offerierte Tudor übrigens auch die Drehlünetten-79170 in Schwarz.  

Die vierte Generation

Das Jahr 1995 stand im Zeichen einer vierten Generation namens Tudor „Prince Oysterdate Automatic-Chrono Time“. Bei der Gestaltung des ästhetisch aufgewerteten Stahlgehäuses mit Rolex-Schraubkrone hatte der RolexCosmograph Daytona“ jedoch wohl zweifellos Pate gestanden. Auf Zifferblatt und Zeiger blickten die Käufer fortan durch ein kratzfestes Saphirglas mit Zykloplupe. Des Weiteren wartete die Modellreihe 792xx mit einem gestalterisch deutlich aufgewerteten Automatikkaliber Valjoux 7750 auf. Die Entwicklung ging also weiter.

Neben Perlage und Genfer Streifen besitzen die Tudor Chronographen in den Referenzen 79260 und 79280 eine gravierte Schwungmasse und waren dadurch hochwertiger in der Optik.

Tudor Chronographen „Prince Oysterdate“, Referenzen 79280 und 79260

Eine echte Zäsur im Design brachte schließlich das Jahr 1998. Trotz gleicher Referenznummer 79260 verschwanden alle optischen Bezüge zu Rolex. Fortan trug die Schraubkrone das Tudor-Logo. Gehäuseboden und Bandschließe waren ebenfalls mit Tudor gekennzeichnet.
Und das fünfreihige Gliederband weckte eher Assoziationen zum „Jubilé“ der Mutter. Somit war klar: „Oyster“ ade und es lebe der Tudor „Prince“! 

Tudor Chronographen im 21. Jahrhundert

Dann kam der Einstieg in das 21. Jahrhundert und böse Zungen hatten durchaus behauptet, dass die Anfänge des 21. Jahrhunderts für Tudor kein wirkliches Ruhmesblatt waren. Gestalterisch stocherte die Rolex-Tochter im Nebel. Das galt auch für Chronographen. Mit dem rechteckigen Tudor Archéo versuchte sich Tudor sogar in Quarz.
Beim  Tudor Chronautic, Referenz 79380P, stachen wiederum der eigenartig geformte Flankenschutz für die Krone, ovale Drücker und eine ästhetisch wenig ansprechende Tachymeterskala ins Auge.
Das Automatikkaliber 7753 mit 30-Minuten-Zähler bei der „3“ beseelte die schlicht „Chronograph“ bezeichneten Referenzen 20300 und 20310 mit 41 Millimeter Gehäusedurchmesser. Letztere, genannt Tudor Classic Lady Chrono und besetzt mit Diamanten, wandte sich explizit ans zarte Geschlecht und sollten der Marke weibliche Zielgruppen erschließen.

Tudor Chronographen des frühen 21. Jahrhunderts. Vom oben links nach unten rechts: „Archéo“ Quarz Referenz 43300, „Chronautic“ Referenz 79380P, „Chronograph“ Referenz 20300, „Classic Lady Chronograph“ Referenz 20310, „Grantour“ Referenz 20350N und „Fastrider“ Referenz 42000D

 

Von eher geringem Erfolg war auch der während der Baselworld 2008  vorgestellten Tudor Iconaut mit dem Zeitzonen-Automatikkaliber Eta 7754. Bei diesem Automatikkaliber ließ sich übrigens der zusätzliche 24-Stunden-Zeiger unabhängig vom Minutenzeiger verstellen. Angesichts des exaltierten Designs wundert es allerdings nicht, dass die Referenz 20400 relativ schnell wieder aus der Kollektion verschwand.

Der Tudor „Iconaut“mit dem Zeitzonen-Automatikkaliber  Eta 7754

 Im Jahr 2009 debütierten während der Baselworld dann die Chronographen  Tudor Hydronaut II, Referenz 20360N, (siehe links) und „Grantour Chrono“, Referenz 20350N.

In letztgenanntem Modell arbeitete dabei ein Modulkaliber auf Basis des flachen Kalibers Eta 2892-A2mit beidseitig wirkendem Kugellagerrotor. Die unter dem Zifferblatt agierende Kadratur zum Stoppen von zeitintervallen steuerte der Spezialist Dubois-Dépraz aus dem abgeschiedenen Vallée de Joux bei.

Als Jahr des gestalterischen Wandels und der Rückbesinnung auf eher traditionelle Werte und Gestaltung im Hause Tudor kann schließlich das Jahr 2010 gelten.

Tudor Chronograph „Heritage Chrono“, Referenz 70330N

An die durchaus ruhmreiche Vergangenheit knüpfte dabei der Tudor Chronograph Heritage, Referenz 70330N an. Zum Bewahren und Stoppen der Zeit diente dabei das Uhrwerk Eta 2892-A2, das seitens ETA aktuell nicht mehr ausgeliefert wird, mit vorderseitig montierter Kadratur. Durchaus bemerkenswert und sehr gelungen war auch die Verwendung eines gewebten Textil-Armbands.

Zeitschreibende Kooperation

Zu den echten Uhr-Überraschungen des Jahres 2017 gehörte ebenfalls die Kooperation zwischen den beiden großen Uhrenmarken Tudor und Breitling. Sie sorgt seither dafür, dass jede der beiden Marken in der Werkepalette des anderen fehlende Werkkomponenten erhält. Will konkret heißen: Tudor erhält vom Chronographenspezialisten Breitling eine modifizierte Version seines Manufakturkalibers B01. Das MT5813 umgetaufte Automatikwerk mit 30 mm Durchmesser und baut 7,2 mm hoch und kann so ohne Probleme verwendet werden.

Der Kugellagerrotor liefert Energie in beiden Drehrichtungen. Bei vollständig gespannter Zugfeder stehen beachtliche rund 70 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Selbstverständlich verfügt das Uhrwerk über klassische Schaltradsteuerung für die drei Funktionen Start, Stopp und Nullstellung. Weitere Merkmale sind die vertikale Friktionskupplung und ein patentiertes Selbstzentrierungssystem mit neuartigem Herzhebel zur Nullstellung des Chronographenzeigers sowie des 45-Minuten-Totalisators bei der „3“.
Im Gegensatz zum Original verfügt die Tudor-Version über eine Glucydur-Unruh mit variabler Trägheit. Zusammen mit einer Siliziumspirale vollzieht der Gangregler unter einer langgestreckten Unruhbrücke dabei stündlich 28.800 Halbschwingungen. Für den stets akkuraten Rückschwung sorgt wiederum eine amagnetische Silizium-Unruhspirale.

Die Ganggenauigkeit bescheinigt übrigens ein amtliches Chronometerzeugnis. Obwohl sich das Uhrwerk keineswegs verstecken muss, besitzt das bis zehn bar wasserdichte Stahlgehäuse des Tudor Black Bay Chronograph keinen Sichtboden. Saphirglas, Schraubkrone und -drücker sind hingegen Ehrensache.
Die verlangten 4.700 Euro für die Tudor Referenz 79350 mit stählernem Gliederband können angesichts der technischen Qualität mit Fug und Recht als Kampfpreis bezeichnet werden.

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