Tudor: Die Anfänge (Teil 2)

Die Tudor Geschichte: Deshalb kämpfte der Rolex Gründer um die Marke

Durch den Erfolg beflügelt wollte Rolex Gründer Hans Wilsdorf durch den Erwerb der Marke Tudor Konsumenten eine preiswerte, gleichwohl qualitativ gute Alternative bieten. So erfolgte die Übernahme der Marke Tudor und der Aufbau des zweiten Standbeins von Rolex.

Die Tudor Geschichte plus etwas Namenskunde

Die ganze Welt kennt Hans Wilsdorf, den genialen Gründer von Rolex. Aber nicht viele wissen, dass die Tudor Geschichte bereits in jungen Jahren begann, als er die Marke Tudor kaufte und diese stark ausbaute. Zur damaligen Zeit überraschte dieses Engagement und die besondere Affinität zu einer preiswerten Zweitmarke schon. Heute hingegen haben sich Tudor Armbanduhren durch Design und Qualität längstens etabliert.

Vielleicht versteht man die Nähe zu England besser, wenn man weiß, dass für Wilsdorf sein Siegeszug von Rolex in die Welt der präzisen Zeitmessung in London begann. Genauer gesagt, durch den Vertrieb von eingekauften Armbanduhren. Sein Schweizer Produzent und Partner, exportierte nämlich jene „Les Fils de Jean Aegler, Fabrique de Montres Rebberg“ in der Schweiz und lieferte am laufenden Band nach London. Hier verkaufte Wilsdorf die Uhren erfolgreich ins Königreich wie in die ganze restliche Welt hinein. Kein Wunder, dass der gebürtige Bayer bald auch die englische Staatsbürgerschaft aus innerster Überzeugung annahm.

Rolling Export

Dass man auf einem Bein schlechter steht, erkannte das Marketinggenie Wilsdorf schon bald. Nach Einführung des zugkräftigen Namens Rolex, der nach Aussagen seiner Witwe ein intelligentes Kürzel aus „rolling export“ repräsentiert, plante er direkt weiter für die Zukunft. Deshalb ließ er sich ein beachtliches Spektrum weiterer, sehr unterschiedlicher Namen rechtlich schützen. Es umfasste beispielsweise Elvira und Omigra (1909), Marconi Lever und Coronation Lever (1911), Marguerite (1912) Marukoni (1913), Crown Jewels Lever, King George Lever, Princess Royal Wristlet, Queen Alexandra Wristlet und Prince of Wales Lever (1914), Calix Lever und Lexis (1916) Brex Lever und Unicorn Lever (1919), Lonex, Genex, Falcon und Rolwatco (1920), Hofex  und Viceroy (1921) sowie 1922 die Admirality.
Tatsächlich Verwendung fanden freilich nur wenige der Marken und richtig erfolgreich war zunächst nur die Marke Rolex.

Hans Wilsdorf erwirbt die Marke Tudor

Ein anderer Name hatte es dem Rolex-Gründer Hans Wilsdorf infolge seiner anglophilen Einstellung ebenfalls angetan. Es war die Marke Tudor. Sie erinnert an das bedeutende englische Königsgeschlecht, welches von 1495 bis 1603 England regierte. Zu Wilsdorfs Leidwesen war dieser Name und die Namensrechte damals allerdings schon vergeben. Der Genfer Schmuckhändler Isaac Blumenthal hatte ihn am 13. Dezember 1906 für sich schützen lassen. Danach geboten Philippe Hüther- Colombier, und später seine Witwe über die Namensrechte. Hans Wilsdorf hatte das Nachsehen. Allderdings nur vorübergehend, denn Aufgeben gehörte nicht zu seinen Charaktereigenschaften und so versuchte es Hans Wilsdorf weiter sein Glück.

Am 17. Februar 1926 war es dann endlich soweit. Die Witwe von Philippe Hüther erklärte mit persönlicher Unterschrift auf einem Briefbogen der Horlogerie H. Wilsdorf, 61 Rue Elfenau-Gare in Biel, dass sie die Marke „The Tudor“ für eben dieses Unternehmen zur Nutzung für uhrmacherische Erzeugnisse aller Art habe registrieren lassen. Die ersten Zeitmesser trugen nur diesen Schriftzug. Auffällig war das sehr rechtsseitig extrem ausladende T am Zifferblatt. Ein Logo war hingegen noch nicht zu finden. Als Hans Wilsdorf ab 1936 selbst über die Markenrechte gebot, gesellte sich die stilisierte Rose der Tudor Dynastie als Markenzeichen hinzu. Anfangs mit, später nur noch ohne Wappenschild.

Die Marke Rolex schaffen hilft auch der Marke Tudor

In den Gehäuseboden eines der wenigen kissenförmigen Tudor-Modelle aus den 1940-er Jahren war noch unübersehbar der Name Rolex SA eingraviert. Hans Wilsdorf machte also keinen Hehl daraus, dass die mit der Marke Tudor signierten Uhren aus seiner längst etablierten Manufaktur stammten. 1952 gab Hans Wilsdorf sogar eine persönliche Erklärung zur 1946 gegründeten Montres Tudor S.A. ab. Darin stand zu lesen, dass er über viele Jahre hinweg Möglichkeiten der Fabrikation einer Uhr studiert habe, welche seine Konzessionäre Damen und Herren zu einem günstigeren Preis als die Rolex Zeitmesser anbieten könnten. Aus diesem Grund sei dieses Label entstanden.

Das neue Herrenmodell Tudor Prince besitze zwei Vorteile, die man schon von Rolex kenne: „Das berühmte wasserdichte Oyster Gehäuse und den Perpetual Rotor-Aufzug.“ Für Damen gebe es wasserdichte und automatische Modelle, die wasserdichte Oyster und die Oyster Princess, welche beide Merkmale, also Wasserdichtigkeit und Selbstaufzug in sich vereinten. Männer kämen auch in den Genuss von wasserdichten Handaufzugsuhren.

Auf Abstand gehalten

Um einen gewissen Abstand zur Hauptmarke Rolex zu wahren, basierte die Produktstrategie während der folgenden Jahrzehnte auf einer Synthese aus Vorhandenem, also den bewährten Oyster-Gehäusen, und Uhrwerken der Ebauches SA, zu der u.a. AS und Eta gehörten. Zielgruppe waren die Zeitgenossinnen und -genossen mit hohen Ansprüchen an Qualität und Design, die sich jedoch keine Rolex leisten konnten oder wollten.

Die Modelle „Oyster“, „Oyster Prince“ sowie „Princess“ erlangten nicht zuletzt auch deshalb ein gewisses Maß an Bekanntheit, weil Hans Wilsdorf ab 1947 – wenn auch spärliche und gestalterisch zurückhaltende – Inserate für seine Einsteiger-Modelle schaltete. Besonders im Reich der Mitte kamen diese gleichermaßen hochwertigen wie preisgünstigen Armbanduhren erstaunlich gut an.

In den späten 1960er Jahren schnallten sich französische Marinetaucher eine Tudor ans Handgelenk, die der Rolex „Submariner“ verblüffend ähnlich sah. Und die US-amerikanischen Navy Seals taten es ihren europäischen Kollegen gleich. Die 1970er Jahre brachten unter anderem die Tudor „Monte Carlo“, Referenz 7159/0, einen Chronographen mit dem Schaltrad-Handaufzugskaliber Valjoux 234, 40 Millimeter großer Oyster-Schale und verschraubten Drückern. Die Version mit dem Oyster-Gliederband ist Liebhabern inzwischen mehr als 10.000 Euro wert.

Die erfolgreichen Chronographen

Tudor-Bestseller der 1990er Jahre war ein Automatik-Chronograph, in dem das zuverlässige Kaliber Valjoux 7750 tickte. In der Neuen Welt und in Japan gehörte dieser Stopper mit leicht identifizierbarem Oyster-Gehäuse, verschraubten Drückern und Oyster-Band infolge seiner vorzüglichen Preis-Leistungs-Relation zu den echten Geheimtipps. Es folgten „Prince Date Automatic Chrono Time“, „Chronograph“ oder „Hydronaut“.

Alle diese Modelle waren jedoch nur der Beginn einer Entwicklung hin zu einem großen Ziel – dem Aufbau einer eigenständigen Uhrenmarke Tudor, die durch hochqualitative Werke, ein gelungenes Design und ein ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis ihre Käuferschaft findet, ohne dass diese überhaupt wissen sollten, die Marke Tudor Teil der Rolex Markenfamilie ist. Betrachtet man eine Tudor GMT von heute, so kann man sagen, dass die Vision von Hans Wilsdorf eingetroffen ist.

Die historische Tudor Oyster Prince Submariner bot bereits 200 m Tauchtiefe

Die historische Tudor Oyster Prince Submariner bot bereits vorzügliche 200 m Tauchtiefe

1952 warb Tudor so für die "Oyster Prince"

Auch die Marke Tudor wurde von Hans Wilsdorf bereits in frühen Tagen beworben

Tudor Oyster-Prince Day-Date Ref 7017.0 von 1969

Die Tudor Oyster-Prince Day-Date Ref 7017.0 von 1969 trägt bereits das überarbeitet Tudor Logo - aber noch das Rolex Emblem auf der Krone

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