Chrono Sapiens – die Herren der Zeit
Von Schaffhausen bis China: George Kern

Er setzte chauvinistischen Werbesprüchen ein Ende, baute die Globalisierungsstrategie für IWC Schaffhausen aus und vervielfachte die Wertschöpfung beim Werkeprozess. Kluge Veränderungen sind das Markenzeichen des Multitalents Georges Kern.

Von Schaffhausen bis China: George Kern

Chrono Sapiens - die Herren der Zeit

Als Georges Kern Anfang 2002 die Leitung von IWC Schaffhausen übernahm, konnte er gleich einen Superlativ für sich verbuchen: Mit 36 Jahren war er der jüngste Marken-CEO im Richemont-Konzern. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen. Doch der studierte Politologe mit MBA – Sohn eines Düsseldorfer Nobel-Juweliers – wusste genau, in welche Richtung er die Schaffhauser Traditionsmarke führen wollte.

Männlichkeit statt Machogehabe

Eine 1999 lancierte Werbekampagne mit dem Slogan „Fast so kompliziert wie eine Frau. Aber pünktlich“ hatte zuvor für Aufsehen gesorgt. Obwohl für Kern außer Frage stand, das Image der IWC als männliche Armbanduhr weiter zu festigen, so provokativ wollte der neue Chef nicht weiterfahren.  Chauvinistisch angehauchte Werbesprüche wichen dezenteren Aussagen und die Uhrenkollektion bekam nach und nach einen neuen Schliff verpasst. Vor allem aber setzte Kern auf eine klar strukturierte Globalisierungsstrategie.

Als ich anfing, generierte IWC aus der eigenen Werkefertigung fünf Prozent Wertschöpfung. Inzwischen sind wir bei mehr als 50 Prozent angelangt.

Georges Kern

IWC Schaffhausen

Über alle Steigerungen der Effizienz sollte man nicht vergessen, dass IWC das Wichtigste nicht vergisst: Schöne, technisch hervorragende Uhren zu bauen, wie dieser IWC Portofino Chronograph eindrucksvoll beweist

Über alle Steigerungen der Effizienz sollte man nicht vergessen, dass IWC das Wichtigste nicht vergisst: Schöne, technisch hervorragende Uhren zu bauen, wie dieser IWC Portofino Chronograph eindrucksvoll beweist

Auf internationalem Kurs

Als Kern die Leitung von IWC übernahm, erwirtschaftete der Hersteller Schätzungen zufolge mit rund 40.000 Uhren einen Umsatz von 100 Millionen Schweizer Franken pro Jahr. Doch nur ein Fünftel der Uhren  wurde außerhalb des deutschsprachigen Raums verkauft. Durch seine ausgefeilte Globalisierungsstrategie jedoch erschloss Kern erfolgreich den internationalen Markt. Heute finden zwei Drittel aller IWC-Uhren ihre neuen Besitzer außerhalb des deutschsprachigen Raums.

Ohne die Expansion in neue Märkte wie „Greater China“ wäre ein Wachstum auf deutlich mehr als 100.000 Uhren per annum schlicht unmöglich gewesen. Als Katalysatoren wirkten dabei Kerns ausgewiesene Marketingkenntnisse, aber auch viele prominente Markenfreunde, etwa aus der Welt des Films oder des Sports.

Der Wert der Schöpfung

Zusätzlich setzte Kern auf eine verbesserte Manufaktur. „Als ich damals anfing, generierte IWC aus der eigenen Werkefertigung nur fünf Prozent Wertschöpfung. Inzwischen sind wir bei mehr als 50 Prozent angelangt und wir führen dieses Jahr unseren ‚Basis-Chrono‘ sowie unser ‚Basis-Automatik-Kaliber‘ ein“, erinnert sich Kern. Wenn diese Kaliber ihren Weg in Gehäuse finden, die sich derzeit noch in der Entwicklungs-Pipeline befinden, ist bei 50 Prozent Wertschöpfung sicher noch nicht Schluss. Darüber hinaus kümmern sich Georges Kern und sein Team sehr konsequent um die Kollektion. Jedes Jahr kommt eine Uhrenfamilie auf den Prüfstand und wird gestalterisch (und falls nötig auch technisch) überarbeitet. Ein zentraler Erfolgsfaktor ist auch, dass jede Uhrenfamilie ihre eigene Geschichte erzählt. Von diesem Gesinnungswandel erzählt die für den SIHH 2017 gründlich überarbeitete und nun wieder runde Da Vinci-Linie. Sie ist in erster Linie eine Damenuhr, auch wenn es einige Herrenmodelle gibt.

König der Luxusuhren

Dass sich harte Arbeit auszahlt, beweist Kerns jüngster Karrieresprung: Zum 1. April 2017 avancierte er bei Richemont zum Chef aller spezialisierten Uhrenmarken von A. Lange & Söhne bis Vacheron Constantin – und damit zum „König der luxuriös gemessenen Zeit.“ Allerdings blieb es bei einem kurzen Leitungs-Intermezzo.

Eine bessere Chance bot der Verkauf von Breitling an den 1981 gegründeten Finanzinvestor CVC Capital Partners. Unter dessen Dach befindet sich das ehemalige Familienunternehmen seit Mai 2017. Zwei Monate später übernahm der uhr-erfahrene Georges Kern dort die Aufgabe des CEO. Im Cockpit verantwortet er einerseits die angemessene Würdigung jahrzehntelanger Tradition. Andererseits hat er sich zum Ziel gesetzt, Breitling als Pilot in eine deutlich umsatzstärkere Zukunft zu lenken.

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