Während der Baselworld 2019 stellt Breitling eine Re-Edition des legendären "Navitimer Referenz 806“ vor
Gruß an die Vergangenheit

Auf den ersten Blick lässt sich der „Navitimer Ref. 806 1959 Re-Edition“ nur schwer als neue Armbanduhr identifizieren. Durch viel Liebe zu den einstigen Details hat Breitling eine weitestgehend authentische Replik mit einigen zeitgemäßen Merkmalen geschaffen.

Gruß an die Vergangenheit

Breitling Navitimer Referenz 806 von 1959 (links) und die 806 Re-Edition_von 2019

Von „Chronomat“ zu „Navitimer“

Die Kalender zeigten das Jahr 1941, als Willy Breitling den neuen „Chronomat“ mit dem Kaliber Venus 175 vorstellte. Er basierte auf einer 1940 hinterlegten Patentschrift mit der Nummer 217012. Der einprägsame Name resultiert aus der Tatsache, dass diese Armbanduhr neben dem Chronographen auch über einen kreisförmigen Rechenschieber für Multiplikationen, Divisionen, Gleichungen und Prozentrechnungen verfügt.

1952 folgte der nicht minder legendäre „Navitimer“ mit erweiterten und wesentlich optimierten Rechenmöglichkeiten. In der Werbung bezeichnete Breitling den 1955 auch rechtlich geschützten Chronographen als „persönliches Bordinstrument“ und „intelligentes Instrument“. Mit ihm konnte man u.a. multiplizieren, dividieren, daneben Durchschnittswerte, Treibstoffverbrauch, durchschnittlichen Höhengewinn, Distanzen beim Aufsteigen und Landen errechnen sowie Kilometer in See- oder Landmeilen umwandeln und umgekehrt. Die am Steuerknüppel umständliche und auch gefährliche Verwendung von Papier und Bleistift wurde damit weitgehend obsolet.

Kein Wunder, dass der „Navitimer“ sozusagen „über Nacht“ zur offiziellen Fliegeruhr der internationalen Pilotenvereinigung AOPA avancierte. Nicht zuletzt deshalb entwickelte sich Breitling in den 1950er-Jahren zum erstrangigen Hersteller von Präzisionsuhren für die Flugzeugindustrie. Der illustre Kundenkreis umfasste das US-amerikanische Militär, damals führende Flugzeughersteller wie Convair, Douglas, Lockheed oder Vickers sowie internationale Fluggesellschaften wie beispielsweise Air France, American Airlines, British Overseas Airline Corp. (B.O.A.C), Japan Airlines, KLM, TAP Portugal oder United Airlines. Übrigens beinhaltet der Modellname die englischen Wörter „navigation“ und „timer“. Die häufig gebrauchte Titulierung „Navytimer“ liegt deshalb komplett daneben.

Ab 1954 gab es den ausdruckstarken Navitimer, Referenz 806, in drei verschiedenen Ausführungen. Die 8060, auch 806 S genannt, verfügte über ein Stahlgehäuse. Ihr Preis lag bei 385 Mark oder umgerechnet ca. 190 Euro. Zehn Mark mehr kostete die Referenz 8061 oder 806 P. Der Buchstabe steht für ein Goldplaqué-Gehäuse. 798 Marke oder rund 400 Euro wurden für die Referenz 8062 oder 806 G mit massivem Goldgehäuse fällig. Nachdem es sich beim „Navitimer“ eindeutig um eine Toolwatch handelte, stand die Version in Stahl in der Käufergunst ganz oben. Üblicherweise tickte im Gehäuseinneren das Kaliber 178 des Rohwerkefabrikanten Venus, mit dem Breitling eine enge Geschäftsbeziehung pflegte. Die Produktion des 14-linigen Handaufzugswerks mit Schaltradsteuerung des Chronographen und Horizontalkupplung erstreckte sich von 1941 bis 1966.

Detailtreue groß geschrieben

Georges Kern, der aktuelle CEO und Minderheitseigentümer von Breitling besitzt ein ausgeprägtes Gespür für Tradition und Trends. Daher blieb ihm die große Fangemeinde nicht verborgen. Insbesondere der „Navitimer 806“ erfreut sich dort größter Beliebtheit. Daher feierte die 1959 lancierte Ausführung der Referenz 806 während der Baselworld 2019 ein Comeback. Und zwar als weitestgehend authentische Re-Edition. Mit 40,9 Durchmesser entsprechen die Dimensionen der stählernen Schale exakt den einstigen. Damals handelte es sich übrigens um ein bemerkenswert großes Gehäuse. Auf einen Sichtboden müssen die Käuferinnen und Käufer ebenfalls verzichten. Daher blüht das verbaute Handaufzugskaliber B09 im Verborgenen. Wie gehabt erfolgt die Bedienung des Rechenschiebers per gerändelter Lünette. Jene des Jahres 1959 verfügte über insgesamt 94 Kerben. In den frühen 1950-er Jahren zählte man 125, während es 1960 nur noch 93 waren. Hierbei scheint es sich um ein eher marginales Merkmal handeln. Sammler und Vintage-Freaks sprechen jedoch von wichtiges Details.

Dem nunmehr 60 Jahre alten Original ist logischer Weise auch das signifikante Leuchtzifferblatt samt den dort verewigten Signaturen bestmöglich nachempfunden. Durch längere Striche greift die Indexierung des Minutenzählers bei „3“ auch den seinerzeitigen drei-Minuten-Takt der Telefoneinheiten auf. Schutz bietet ein bombiertes bruchfestes Acrylglas. Selbiges ist zwar nicht kratzfest. Aber es lässt sich jederzeit problemlos nachpolieren. Und der Austausch gestaltet sich ebenfalls zum Kinderspiel.

 

Neue, aber kaum sichtbare Aspekte

Als ein Tribut an die Gegenwart versteht sich beim 2019er Breitling Navitimer 806 der auf drei bar Druck angehobene Grad an Wasserdichte. Des Weiteren kommt nicht strahlende und damit ungefährliche „Super-LumiNova“-Leuchtmasse zum Einsatz. Bleibt als Drittes das Uhrwerk mit Stoppfunktion. Der Ebauchesfabrikant Venus ist seit den frühen 1980-er Jahren Geschichte. Aber bekanntlich ist Breitling seit 2009 waschechte Manufaktur. Weil das Automatikkaliber B01 ganz und gar nicht zu diesem Retromodell passen würde, hat Georges Kern das neue B09 entwickeln lassen. Dessen Mechanik basiert, wie vier Hertz Unruhfrequenz, 70 Stunden Gangautonomie, Schaltradsteuerung des Chronographen, Vertikalkupplung, 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler signalisieren, auf Bewährten. Mit Blick in die „Navitimer“-Vergangenheit muss die Zugfeder allerdings in regelmäßigen Abständen manuell gespannt werden. Die Ganggenauigkeit in eng umrissenem Rahmen bestätigt ein COSC-Zertifikat. Die gesamte Armbanduhr mit Manufakturkaliber, von der es 1959 Exemplare zum Preis von je 7.700 Euro geben wird, geben wird, begleitet eine fünfjährige Garantie.

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

Hersteller Breitling
Name Navitimer Ref. 806 1959 Re-Edition
Referenz AB0910371B1X1
Premiere März 2019
Uhrwerk Kaliber B09
Aufzug manuell
Durchmesser 30 Millimeter
Bauhöhe 6,73 Millimeter
Unruhfrequenz vier Hertz
Gangautonomie ca. 70 Stunden
Anzeige Stunden, Minuten, Permanentsekunde
Zusatzfunktionen Schaltrad-Chronograph, Vertikalkupplung, 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler
Gehäuse Edelstahl
Durchmesser 40,9 Millimeter
Höhe 13,43 Millimeter
Wasserdichte drei bar
Armband Leder im Vintage-Stil, Dornschließe
Preis 7.700 Euro
Limitierung 1959 Exemplare

 

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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