Chrono Sapiens - Thierry Stern, Präsident Patek Philippe

Thierry Stern: „Weil wir das, was wir tun, wirklich lieben“

Nie mehr arbeiten und sich stattdessen auf Yachten und in Luxusvillen vergnügen? Für Thierry Stern und seine Familie eine grässliche Vorstellung. Denn Patek Philippe ist Familiensache. Das sehen auch Käufer so, die die wertstabilen Luxusuhren gerne vererben.

Also eigentlich macht Thierry Stern und die Marke Patek Philippe praktisch alles falsch. Keine Markenbotschafter halten ihre kostenlose Uhr in die Kameras. In keinem Online-Shop kann man mal schnell einen günstigen Patek Philippe Jahreskalender auf dem Graumarkt ergattern. Und das Sponsoring großer Events oder Veranstaltungsreihen ist auch verpönt. Was aber mit am schwersten wiegt – man arbeitet mit wenigen, ausgesuchten Händlern lange und vertrauensvoll zusammen. 

Womöglich macht die Marke aber eines richtig. Richtig gut sogar. Die Uhrenmanufaktur aus Genf baut nämlich mit die besten Uhren der Welt. Ebenso gilt die Marke Patek Philippe als luxuriöseste unter allen, einer einigermaßen breiten Öffentlichkeit, bekannten Marke. Kein Wunder auch. Kosten Patek Philippe Uhren in der Regel doch jenseits der 20.000 Euro. Trotzdem muss man auf seine Patek in der Regel durchaus länger warten. Die teuersten Uhren kann man überdies nicht mal einfach so kaufen. Hier muss vor einem Verkauf das Headoffice dem Käufer die Absolution erteilen. Schließlich will man Uhrenliebhaber und keine Spekulanten erreichen.
Wie das möglich ist, wird schnell klar. Hinter der Marke steht kein anonymer Konzern oder Investmentfond der schnellen Gewinne. Vielmehr ist das Unternehmen seit Generationen im Familienbesitz. In diesem Sinne wird auch das Unternehmen Patek Philippe geführt. 
Grund genug, einmal einen näheren Blick auf die Familie Stern zu werfen. 

Als Thierry Stern 2009 in die großen Fußstapfen seines Vaters Philippe Stern trat, war er vorbereitet. Der 1970 geborene Patek-Erbe hatte eine Wirtschaftsakademie besucht, ebenso die Genfer Uhrmacherschule. Anschließend hatte er in Europa und den USA gelernt und sich unter Anleitung des Vaters im Familienunternehmen für die verantwortungsvolle Chefrolle bei Patek Philippe bereit gemacht.  Wenn nicht gerade Geheimes verhandelt wird, dann steht die Tür zu Sterns Büro bei Patek Philippe offen. Genau wie schon beim Vater. Der Firmenchef legt Wert auf Nahbarkeit – schließlich will er hautnah und unverfälscht mitbekommen, was sich in seiner Uhrenmanufaktur abspielt.

Was sollte ich mit all dem Geld, wenn ich Patek Philippe verkaufte? Mir und meiner Familie würde etwas fehlen, was wir wirklich lieben.
Thierry Stern

Patek Philippe

Sammlerstücke von Patek Philippe

Die unangefochtene Nummer eins in Sammlerkreisen dreht ein sehr großes Rad. Rund 60.000 Patek Philippe Zeitmesser, 51.000 mechanische und 9.000 elektronische, verlassen die Ateliers im Genfer Stadtteil Plan-Les-Ouates. Damit erwirtschaftet die inzwischen 177 Jahre alte Uhrenmanufaktur jährlich mehr als einer Milliarde Schweizer Franken.

Doch nachdem am Monatsende weltweit rund 2.400 Angestellte auch künftig ihr Gehalt auf dem Konto sehen wollen, trifft der unprätentiöse Chef alle unternehmerischen Entscheidungen mit Bedacht. „Weil ich unmöglich Experte auf allen Gebieten sein, vertraue ich meinem Stab ausgesuchter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, erklärt Thierry Stern. Deren Kompetenz und Urteil helfe ihm, Zweifel an Entscheidungen zu begrenzen.

Eine Investition in die Ewigkeit

Die Pfeiler von Patek Philippes Erfolgs bilden der Nimbus des traditionsreichen Markennamens und seiner Produkte, deren exzellente Qualität sowie ihr viel diskutierter Werterhalt.
Und gerade dieser Werterhalt und nicht selten diese Wertsteigerung ist mit der erfolgreichsten Werbekampagne zu verdanken, die das Haus jemals lanciert hat. Die klare Botschaft: Eine Patek Philippe gehört dir nie ganz alleine – sie ist eine Investition in künftige Generationen. „Die Kampagne bringt den familiären Geist unseres Unternehmens zum Ausdruck, ist ungekünstelt und nennt die Wahrheit beim Namen“, so Stern.  Denn in der Tat kaufe man mechanische Armbanduhren zwischen rund 17.000 Euro und mehr als zwei Millionen Euro auch zum Vererben.

Thierry Stern: Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen

Graumarkt-Aktivitäten beugt Thierry Stern, wie schon sein Vater dadurch vor, dass er besonders komplizierte und deshalb begehrte Stücke nur namentlich bekannten Kunden überlässt. Ans Verkaufen des Unternehmens Patek Philippe denkt er indessen überhaupt nicht. „Was sollte ich mit all dem Geld? In meiner Familie legen wir keinen Wert auf Luxus-Autos, Yachten oder Villen an irgendwelchen Stränden“, sagt Stern. „Würde ich Patek Philippe für sagen wir einmal zehn Milliarden Euro an eine Luxusgruppe verkaufen, müsste in der Familie niemand mehr arbeiten. Das würde meine Familie und mich keinen Deut glücklicher machen. Aber es würde uns etwas fehlen, weil wir das, was wir tun, wirklich lieben.“

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