Uhrmacher Michel Parmigiani

Michel Parmigiani – uhrmacherische Kunst rund um die Zeit

Herzliche Glückwünsche sollen am Anfang dieser Ausführungen stehen. Sie gelten Michel Parmigiani. 2020 begeht der Grandseigneur Schweizer Uhrmacherkunst seinen 70. Geburtstag. Anlass genug, einen Blick in seine berufliche Biographie sowie auf die limitierte Edition der Parmigiani Fleurier Toric Heritage zu werfen.

Uhrmacherei im Wandel

Leicht hatte er es mit Sicherheit nicht, der 1950 geborene Meister-Uhrmacher Michel Parmigiani. Und geschenkt wurde ihm auf seinen beruflichen Wegen auch nichts. Seine Karriere startete er an der Uhrmacherschule jener Ortschaft, in der die Uhrenmarke mit seinem Namen bis heute angesiedelt ist: Fleurier im abgeschiedenen Val-de-Travers, wo sich die Natur bis heute weitestgehend unversehrt entfalten kann.

Seine umfassende Ausbildung komplettierte der Sohn italienischer Eltern im Technikum der Uhrenmetropole La Chaux-de-Fonds sowie in der Ingenieurschule Le Locle. Anfang der 1970-er Jahre musste Michel Parmigiani als Assistent des technischen Direktors einer kleinen Uhrenfabrik den Niedergang der klassischen mechanischen Uhrmacherei hautnah miterleben.
Diese eher frustrierende Periode im Leben des stets zurückhaltend auftretenden Uhrenkünstlers währte von 1973 bis 1975. Sie hatte jedoch auch ihre positiven Seiten, denn Michel Parmigiani musste sich gezielt damit auseinandersetzen, warum die elektronische Quarz-Revolution an den Grundfesten einer jahrhundertelang überlieferten Handwerkskunst rüttelte.

Quasi über Nacht rangierte Funktionalität vor Ästhetik, Kommerzdenken vor Qualität, mentale Beharrlichkeit vor Kreativität. Diesen vermeintlich innovativen Tendenzen mochte sich der begabte Uhrmacher Parmigiani keinesfalls anschließen.

Vive la Tradition

Michel Parmigiani war sich natürlich der Tatsache bewusst, dass sehr viele Mitbewerber in der kleinen, überschaubaren Uhr-Schweiz unter den gleichen Problemen litten. Daher konnten auch sie ihm kaum jene Perspektiven bieten, welche sich Parmigiani im Zuge seiner langwierigen Ausbildung immer erträumt hatte. Aus diesem Grund zog er wieder zurück in seinen Geburtsort Couvet, Kanton Neuenburg, um dort sein Heil als selbständiger Uhrmacher zu suchen. Für ihn war das in jener unerfreulichen Ära der einzige Weg, seine handwerklichen Vorstellungen realisieren zu können. Nachdem die Mechanik in neuen Uhren nur noch ein Schattendasein fristete, widmete sich der ambitionierte Handwerker mit großem technischen Durchblick und subtilem Gespür für Tradition fortan den liebenswerten Objekten aus vergangenen Epochen.

Hier existierte ein breites Spektrum an Zeitmessern, welches einer gleichermaßen kompetenten wie liebevollen Restaurierung harrte. Auf diesem exotisch anmutenden Gebiet seines Berufs konnte Michel Parmigiani seinen ausgeprägten Hang zur Perfektion ungehemmt ausleben.

Je komplizierter, desto lieber

Faszinierende, in den meisten Fällen ausgesprochen komplexe Aufträge ließen nicht lange auf sich warten. Das Atelier Parmigiani, in dem bis 1980 ausschließlich der Meister selbst werkte, schreckte vor keinem einzigen zurück. Allerdings brachten diese Jobs kaum Popularität, weil die Auftraggeber und ihre reparaturbedürftigen Schmuckstücke das Licht der Öffentlichkeit scheuten. Daher blieb die One-Man-Show des Michel Parmigiani über Jahre hinweg ein echter Geheimtipp.

Den Durchbruch brachte eine kostbare, von Experten als irreparabel titulierte Sympathique Tischuhr von Abraham-Louis Breguet. Die erweckte Michel Parmigiani zu neuem Leben. Als er zudem ein Tourbillon gleicher Provenienz fürs Mailänder Museum Poldi Pezzoli perfekt restaurierte, erlangte der Name in den Kreisen betuchter Sammler gewissermaßen Kultstatus. Der und das ungemeine Können verschafften Michel Parmigiani das uneingeschränkte Vertrauen der kunstsinnigen Pharma-Familie Sandoz.

Deren historische Kostbarkeiten, die er und eine steigende Zahl von Mitarbeitern fachkundig restaurierten, sollten eine ganz andere Seite des Meisters ans Tageslicht fördern und so die weitere Karriere des kleinen aber feinen Unternehmens maßgeblich beeinflussen.  

Parmigiani Restaurierungsatelier 02 Pistole mit Parfuemzerstaeuber

Die von Michel Parmigiani restaurierte Pistole schießt nicht. Vielmehr zerstäubt die Parfüm.

Rechts arbeitet ein erfahrener Handwerker an der kunstvoll in transluzidem Email ausgeführten Flanke dieses historischen Objekts von hohem Wert.

Parmigiani Restaurierungsatelier 01 Arbeit an Pistole mit Parfuemzerstaeuber

Von alt zu neu

Gemeint ist die konsequente Fortentwicklung einer Handwerkskunst, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Nicht nur in der relativ kleinen Schweiz hatte es sich relativ schnell herumgesprochen, dass bei Parmigiani Fleurier ein Höchstmaß an technischer, technologischer und handwerklicher Kompetenz zu finden war. In diesem Sinne leisteten der naturalisierte Schweizer und seine Mitarbeiterschar bereitwillig Entwicklungshilfe bei der theoretischen und/oder praktischen Umsetzung spannender Projekte. Das betraf die Konstruktion neuer Kaliber ebenso wie die Gestaltung komplexer Schaltwerke. Für wen das geschah, möchte Michel Parmigiani auch retrospektiv höchst ungern preisgeben. Diskretion wird groß geschrieben in dieser Branche, wo im Grunde genommen jeder jeden kennt.

Nicht alle Uhrenmarken bekannten so freimütig wie Chopard, dass das Atelier Parmigiani als Geburtshelfer für die eigene Kaliberfamilie wirkte. 

Michel Parmigiani

Dann kam das denkwürdige Jahr 1994. Hier ermutigte der Uhrensammler Pierre Landolt den umfassend erfahrenen Michel Parmigiani, künftig verstärkt für sich selbst zu arbeiten. Als Vorsitzender der Sandoz Stiftung beließ es das einflussreiches Mitglied der renommierten Pharma-Familie nicht nur bei ermunternden Worten: Vielmehr fand der erklärte Wille des Stiftungsgebers Edouard-Marcel Sandoz nach gezielter Förderung des Kunst-Mäzenatentums seine Umsetzung. Ab 1996 beteiligte sich die Fondation mehrheitlich an der neuen Uhrenmanufaktur Michel Parmigiani. Dass der klangvolle Name des Firmengründers unangetastet blieb, stellte für die Partner keine Frage dar. Das daraufhin Folgende war keine leichte, dafür aber eine extrem spannende und faszinierende Übung.

Es ging um nicht weniger als die Kreation einer eigenen Uhrenkollektion. Und die debütierte am 29. Mai 1996 in Lausanne. Bei rund 450 Connaisseurs lösten die Zeitmesser durchweg positive Resonanz aus, denn sie basierten auf eine klaren, einprägsamen Philosophie: kunstfertige Handarbeit, feinste Qualität, höchste Detailtreue, geringe Stückzahlen und ein logischer Weise gehobenes Preisspektrum. Hinzu gesellte sich die konsequente Pflege der Beziehungen zum anspruchsvollen Kundenkreis sowie eine enge Kooperation mit ausgesuchten Zulieferern und Partnern

Unser Erfolg gründet sich auf Menschen, welche eine starke Beziehung zu unseren Produkten haben. Für mich war es von Anbeginn außergewöhnlich, unter derart vorzüglichen Bedingungen arbeiten zu können.

Michel Parmigiani

Durchweg aus eigener Manufaktur

Exklusivität, Individualität und Handarbeit kennzeichnen jede einzelne Uhr, welche den noblen Firmensitz an der Rue du Temple in Fleurier verlässt. Hinter dem Namen Parmigiani verbirgt sich freilich noch weit mehr. Weil hier eigene Rohwerke konstruiert, gefertigt, finissiert und vollständig terminiert werden, durfte Parmigiani  – Mesure et Art du Temps mit Fug und Recht dem kleinen Kreis echter Manufakturen zugerechnet werden. Hier gilt weiterhin die bewährte Spruchweisheit, dass die Zeit nichts respektiert, was ohne sie geschaffen wurde.

Der Minutenzeiger der Verdon and Stedman Taschenuhr, wie er während der Umkreisung seine Länge verändert.

 

Parmigiani Fleurier Ovale Pantographe Armbanduhr 2013 Gesicht

Bei der Ovale Pantographe von 2017 verändert sich die Länge der Zeiger. So passen sie sich der Gehäuseform an.

Gleichwohl ist die Zeit auch bei Parmigiani nicht stehen geblieben. Unter der Ägide von Sandoz hielt das 21. Jahrhundert seinen Einzug in Form computergesteuerter Maschinen, welche die Produktion von Komponenten und Rohwerken unterstützen. Allerdings stehen sie nicht bei Parmigiani Fleurier selbst, sondern bei den Schwestern Vaucher und Ato Kalpa.

Beide zusammen bringen es auf eine Fertigungstiefe von mehr als 90 Prozent. Die Produktpalette reicht von den aufwändigen Platinen bis hin zu den unscheinbaren, aber unerhört schwierig herzustellenden Unruhspiralen. Selbst die winzig kleinen Anker, Schrauben und Zahntriebe entstehen in eigener Regie. Hinter der eigenen Unruhspirale stecken zwei, hinter der eigenen Ankerhemmung mit unterschiedlich breiten Paletten sogar fünf Jahre Entwicklungszeit.
Der Aufwand hat sich jedoch gelohnt, denn er brachte dem Firmenverbund das zunehmend wichtigere Quantum an Autonomie. Auf der anderen Seite legt Michel Parmigiani größten Wert auf die Feststellung, dass der Anteil des unverzichtbaren Rohwerks an der fertigen Uhr gerade einmal zehn Prozent beträgt. Den weitaus überwiegenden Teil an Wertschöpfung beanspruchen die Nachbearbeitung der Teile, deren Finissage und Montage, die Feinstellung des Ganzen sowie dessen Regulierung.

Limitierte Jubiläums-Armbanduhr

Als Hommage an das Lebenswerk von Michel Parmigiani versteht sich die neue Toric Heritage. Diese absolut klassische und dennoch ausdruckstarke Armbanduhr verfügt über ein 42,8 Millimeter großes und zehn Millimeter hoch bauendes Gehäuse aus poliertem Stahl. Durch das vorderseitige Saphirglas blicken die wegen der strengen Limitierung insgesamt nur 70 Besitzer auf ein sorgsam guillochiertes Zifferblatt. Vor der blauen Scheibe mit applizierten arabischen Stundenziffern. drehen drei zentral angeordnete Zeiger. Das Paar für die Stunden und Minuten trägt an der Spitze Super-LumiNova Leuchtmasse. Bei „6“ findet sich das charakteristisch breite Datumsfester. Darüber lässt sich die Nummer der limitierten Edition ablesen.

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Die auf 70 Exemplare limitierte Edition der Toric Hertiage besitzt ein guillochiertes Zifferblatt

Das tickende Filetstück dieses Zeitmessers gibt sich erst nach dem Umdrehen der schlichten, bis zu drei bar dichten Schale zu erkennen. Selbiges entstammt selbstverständlich eigener Manufaktur. Konkret handelt es sich um das 3,7 Millimeter flach bauende Automatikkaliber PF441 mit 25,6 Millimetern Durchmesser. Wie es sich für ein Uhrwerk dieses Rangs gehört, besteht der Kugellagerrotor aus massivem 22-karätigem Gold.

Die von ihm generierte Energie speichern zwei seriell geschaltete Federhäuser. Nach Vollaufzug stehen rund 55 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Der von Ato Kalpa zugelieferte Gangregler vollzieht stündlich 28.800 Halbschwingungen. Summa summarum besteht der Mikrokosmos aus 192 liebevoll finissierte Komponenten.

Den hohen Ansprüchen entspricht schließlich auch das blaue Krokoband. Es stammt von Pariser Luxustäschner und Geschäftspartner Hermès. Komfort und Sicherheit garantiert überdies eine Edelstahl-Faltschließe und für rund 17.000 Euro können sich Parmigiani Fleurier-Fans in den Kreis der Gratulanten einreihen.

Michel Parmigiani

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