Nicola Andreatta folgt bei der Richemont Uhrenmanufaktur Roger Dubuis auf Jean-Marc Pontroue
Roger Dubuis hat einen neuen CEO

Die Würfel sind gefallen: Nicola Andreatta über nimmt am 1. Dezember 2018 das Ruder bei der Manufaktur Roger Dubuis. Der Uhrenkosmos gratuliert zur neuen Aufgabe.

Roger Dubuis hat einen neuen CEO

Jean-Marc Pontrue gibt das Ruder bei Roger Dubuis ab an Nicola Andreatti (Mitte)

Wachablösung

Als neuer CEO bei der Richemont Manufaktur Roger Dubuis (MRD) folgt Nicola Andreatta  auf Jean-Marc Pontroué . Der Franzose trat bei Panerai in die Fußstapfen des pensionierten Italieners Angelo Bonati. Das unkonventionelle Denken und Handeln von Jean-Marc Pontroué dürfte frischen Wind durch die Mauern des in Neuchâtel produzierenden Richemont-Mitglieds wehen lassen. Die neue Tätigkeit an der Spitze der Uhrenmanufaktur mit italienischen Wurzeln kann als echte Beförderung gelten. Ihr Jahresumsatz liegt bei schätzungsweise 450 Millionen Schweizerfranken. Demgegenüber bringt es die klein aber feine Manufaktur Roger Dubuis nur auf ebenfalls geschätzte 80 Millionen. Die zu erhalten oder tunlichst zu steigern obliegt ab 1. Dezember 2018 Nicola Andreatta.

Ich bin in Como geboren und einer italienischen Uhrmacherfamilie aufgewachsen. Deshalb ist mir dieses Metier in Fleisch und Blut übergegangen. Uhren sind meine Passion und mein Leben.

Nicola Andreatta

CEO, Roger Dubuis

Der 1973 geborene Nicola Andreatta startete seine berufliche Karriere 1998 bei der Art Concord Ltd. Nach Stationen bei AC Services Ltd und Harwood Investments Ltd agierte er von 2003 bis 2013 als Präsident und CEO einer eigenen, im Tessin ansässigen Uhrenfirma namens N.O.A. Watches. Dann wechselte er zu Tiffany.

Mit einem Großkonzern im Rücken gestaltet sich vieles einfacher und leichter, als wenn man in kleinem Rahmen Uhren gestaltet, fertigt und vertreibt.

Nicola Andreatta

CEO, Roger Dubuis

Handlungsbedarf bei Tiffany

Als Geschäftsführer der Schweizer Aktivitäten des amerikanischen Luxusmulti oblag ihm der nicht einfache Job, den  Bereich Uhren nach einer fehlgeschlagenen Kooperation mit der Swatch Group wieder auf Vordermann zu bringen. In dieser Funktion fühlte sich der Betriebswirt weiterhin als Unternehmer, der 2015 mit eigenen chronometrischen Kreationen namens CT60 aufwartete. Sie erinnern an Charles Lewis Tiffany, den legendären Firmengründer und Erfinder der New Yorker Minute, auch „60 Sekunden voller Möglichkeiten“ genannt. Das stählerne drei-Zeiger-Modell mit 40 Millimeter Durchmesser, Eta Automatikwerk, Soleil-Zifferblatt und Krokoband kostete 4.950 Euro.

Kleiner Exkurs zu Roger Dubuis

Wie viele Meister-Uhrmacher zeichnete sich auch der Genfer Roger Dubuis, Jahrgang 1938, durch persönliche Zurückhaltung aus. Er redete nur, wenn unbedingt nötig. Sein Handwerk lernte er von 1953 bis 1957 an der Genfer Uhrmacherschule Homepage. Danach trat er in die Dienst verschiedener Uhrenmanufakturen, darunter auch Patek Philippe. 1980 lockte die berufliche Selbständigkeit. Hier verdiente Roger Dubuis seinen Lebensunterhalt mit der Entwicklung komplexer mechanischer Schaltwerke und der Restauration betagter Zeitmesser. 1995 gründeten der Uhrmacher und der Portugiese Carlos Dias die Manufacture Roger Dubis SA. Im folgenden Jahr stellte das Duo erste Armbanduhren im Retro-Stil vor.

Neues Fabrikgebäude in Genf

1998 folgte die Eröffnung einer eigenen Fabrik. Ab dem Frühjahr 2002 residierte das Unternehmen  Roger Dubuis mit verschiedenen eigenen Kalibern in einem Gebäudekomplex im Genfer Vorort Meyrin. Dort entstanden und entstehen noch heute Handaufzugs- und Automatikwerke, Chronographen, Tourbillons und andere mechanische Komplikationen. Roger Dubuis und Carlos Dias gingen allerdings getrennte Wege. Modernes Unternehmertum war dem leidenschaftlichen, im Oktober 2017 verstorbenen phantastischen Uhrmacher absolut fremd.

 

Mit Richemont in die Zukunft

2007 übernahm der Richemont-Konzern den gewerblichen Geschäftsbereich (Werkeproduktion) der finanziell angeschlagenen Uhrenmanufaktur samt Gebäude, Maschinenpark und circa 200 Mitarbeitern. Gleichzeitig ging der ebenfalls darbende Vertrieb für dem Mittleren Osten und die USA an Richemont über. Ein Jahr später erfolgte der nächste, beinahe zwangsläufige Schritt, mit dem Richemont von Carlos Dias dessen 60-prozentigen Anteil an der Marke Roger Dubuis erwarb. Der 40-prozentige Rest verblieb beim Minderheitsaktionär und Dias-Gegner Akram Aljord. Der Kaufpreis bewegte sich in einer Größenordnung zwischen 100 und 200 Millionen Schweizerfranken. Seit 2016 ist Richemont alleiniger Eigentümer der MRD. In allen Uhren mit dieser Signatur finden sich eigene Kaliber. Außerdem sind die markanten Zeitmesser mit dem angesehenen Genfer Siegel zertifiziert.

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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