Eröffnung Tudor Boutique Hamburg

Juwelier Wilhelm Rüschenbeck: Tudor kultiviert den Zeitgeist

In Hamburg hat Juwelier Rüschenbeck kürzlich zusammen mit Tudor eine noble Boutique eröffnet. In der Poststraße 3 gibt es (fast) alles war Herzen von Fans der Genfer Manufaktur höherschlagen lässt. Ein Gespräch mit Inhaber Wilhelm Rüschenbeck über Tudor, Rolex und das aktuelle Geschehen rund um die Uhr.

von | 03.05.2022

Klares Design und die Tudor DNA

Gisbert Brunner: Lieber Wilhelm Rüschenbeck, Sie haben kürzlich eine Tudor Boutique im Herzen von Hamburg eröffnet: Was hat Sie bewogen, das im Norden Deutschlands zu tun?

Wilhelm Rüschenbeck: Also die Kooperation mit Tudor war ein Wunsch, der, ich würde sagen, über viele Jahre hinweg gereift ist. Das heißt, wir haben viele, viele Jahre überlegt, wie wir es machen können und vor allem auch wo. Als uns dann in Hamburg diese vorzügliche Location angeboten wurde war eigentlich sehr schnell klar, dass wir da was zusammen mit Tudor machen werden. Und wir waren ganz stolz, dass Tudor zu einer Firma, die ja im Herzen aus dem Ruhrgebiet kommt, sagte, wir dürften hier in den Norden eindringen und dort unsere erste Tudor Boutique eröffnen.

Was fasziniert Sie persönlich an Tudor?

Also einmal die klare Designsprache. Und Tudor, glaube ich, bringt in den Tudor Uhren wie kaum eine andere Marke ihre DNA zum Ausdruck. Der Slogan #BornToDare wird ja bei Tudor schon ein Stück weit mehr gelebt als Slogans in anderen Unternehmen. Und wenn man dann die Sportlichkeit und Robustheit sieht, gepaart mit dem Quäntchen Eleganz, welche Uhren dann trotzdem brauchen, das ist schon eine faszinierende Sache. Und momentan in meinen Augen einzigartig.

Sie tragen heute die Tudor in Bronze. Was schätzen Sie daran speziell?

Also einmal ist das Material natürlich schon sehr speziell. Es lässt sich unheimlich gut tragen, es ist nicht so schwer wie ein anderes gelbes Material. Dann hat die Uhr zu meiner Körperfülle passend eine ideale Größe. Sie besitzt einen unheimlich hohen Tragekomfort. Und sie verkörpert in meinen Augen momentan genau jenen Zeitgeist, welchen Tudor in der gesamten Kollektion pflegt. Alles vereint in einer Uhr – super!

Wenn man zurückschaut auf die vergangenen sechs Jahre, 2016 startete Tudor in ein neues Zeitalter konsequenter Modellpolitik, mit Modelle wie zum Beispiel der Tudor Pelagos und Black Bay. Seitdem fährt die Marke eine ganz klare Linie. War das in Ihren Augen ein Schlüssel zu dem Erfolg, den Tudor heute weltweit hat?

Wilhelm Rüschenbeck: Unbedingt. Natürlich stehen in erster Linie immer Menschen hinter einem Erfolg, das muss man ganz klar sagen. Irgendjemand muss eine Idee haben, das Herz besitzen und dem Mut zu sagen, okay, ich setze das jetzt auch in die Tat um. Jede Veränderung kann natürlich Gutes und Schlechtes bewirken. Es braucht also einen tiefen Glauben an das, was man tut. Und dann lebt eine Marke – speziell auf dem Gebiet der Uhren – schon sehr stark vom Produkt, von der Formsprache. Dazu aber auch von ihrer Qualität und von dem, was im Gehäuse steckt. In diesem Sinne bringt Tudor schon sehr ehrliche Instrumente auf den Markt.

Sie können genau das bestens beurteilen, denn Sie sind erfahren mit vielen Marken. Wie bewerten Sie aus Ihrer Sicht als Juwelier und Fachhändler die Tatsache, dass Tudor Manufakturarbeit zu einem bemerkenswert günstigen Preis anbietet?

Also genau das fasziniert mich immer wieder. Wenn ich ganz ehrlich bin, die Faszination kommt bei mir auch daher, dass so etwas zu den verlangten Preisen überhaupt geht. Und ich bin damals, weil es mich wirklich interessierte, mit den Manufakturkaliber-Uhren in unser Uhrenatelier gegangen. Dort habe ich die Jungs gebeten, die Uhren mal zu öffnen und hineinzuschauen. Jetzt bin ich selbst nicht der Technikexperte, aber meine Uhrmacher waren tief beeindruckt von der Qualität. In diesen Manufakturwerken stecken ja nun Attribute, die man sonst in ganz anderen Preisklassen wiederfindet.

Top Preis-Leistungs-Relation also?

Absolut. Aber ich glaube, dass es völlig falsch ist, Tudor auf den attraktiven Preis zu reduzieren. In ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis sind die Uhren sicherlich unschlagbar. Die Marke kann jedoch deutlich mehr. Nicht nur das Image und die klare Designsprache überzeugen, sondern auch der Ausblick den Tudor Jahr für Jahr in die Zukunft gibt. Also ich glaube, da können und dürfen wir noch ganz viel erwarten. Es ist schlichtweg eine tolle Marke.

Dessen bin ich mir auch sicher. Welche Tudor Linie, lieber Herr Rüschenbeck, ist denn Ihr momentaner Favorit?

Natürlich liegt die Tudor Black Bay-Serie absolut im Zeitgeist. Das Erkennen des Zeitgeists zeichnet Tudor aus und sein konsequentes Umsetzen in eine Formsprache, um die Uhren jedes Jahr ein Stück weit zu verändern, das Gute noch besser zu machen. Die Tudor Black Bay besitzt ja nun schon eine gute Geschichte, dahinter steckt ein kontinuierlicher Ablauf. Das ist schon einzigartig.
Andererseits darf man natürlich nicht alles nur auf diese Mainstream-Sportuhren reduzieren, welche man heute als einen Schlüssel zum Erfolg betrachtet. Wenn ich mir die Linie Royal angucke, repräsentiert sie ebenfalls hundert Prozent Tudor. Das heißt, die Uhr ist sportlich, besitzt jedoch das gewisse Quäntchen Eleganz.

Sozusagen die Alltagsuhr…

Wissen Sie, heute hat sich die Einstellung total verändert. Menschen fahren mit ihrem SUV durch die Innenstadt. Und sie tragen ihre Uhr, egal ob supersportlich, Taucheruhr oder superelegant den ganzen Tag über. Als ich in die Firma kam, sagte mein Vater noch, Junge, es gibt Uhren für den Abend und Uhren für den Tag. Das ist eine tolle Branche, du kannst einem Kunden mindestens zwei Uhren verkaufen. Heute verkaufen wir an manche Kunden vielleicht sogar fünf Uhren. Im Laufe des Tages werden sie aber eben nicht gewechselt. Diese Universalität bietet die Tudor Royal eben auch. Neben der Black Bay gehört sie also zu meinen beiden absoluten Top-Favoriten.

Tudor Royal Damenuhr in Stahl und Gold

Nicht nur für Königinnen: Die Todor Royal hier in Bicolor Stahl und Gold

Die Tudor Royal ist ja eine Uhr, auf die man auch warten muss. Die Boutique ist ja jetzt schon eine ganze Zeit lang offen. Wie gehen Sie damit um, dass man bestimmte Tudor-Modelle nicht sofort bekommt, wenn man sie kaufen möchte?

Wilhelm Rüschenbeck: Wenn Sie mich als Händler fragen, tut mir das natürlich im Herzen weh. Fragen Sie mich hingegen als jemand, der Verständnis hat für Luxusmarken, dann muss das wahrscheinlich so sein. Wenn man etwas wirklich qualitativ ganz nach oben bringen will, kann man die Produktion in aller Kürze der Nachfrage anpassen. Dann kann die Wertschöpfung der Uhr einfach nicht so tief sein. In diesem Fall muss man anders operieren, anders arbeiten.

Genau das zeigt mir dann eben die Ehrlichkeit bestimmter Marken. Eine Marke, die immer wieder kurzfristig auf steigende Nachfrage reagieren kann, verliert ein gewisses Sexappeal. In meinen Augen ist das ein Zeichen, dass die Wertschöpfung nicht so tief sein kann, wie sie bei Tudor ganz offensichtlich ist. Ich persönlich meine, manchmal ist es ja auch ganz schön, wenn man sich auf etwas freuen kann, weil man drauf warten etwas muss. Das hat auch den Vorteil, dass man die Uhr noch nicht bezahlen muss, die Freude aber dennoch schon da ist.

Nehmen Sie als Juwelier Rüschenbeck denn Anzahlungen entgegen für bestimmte Modelle? Zum Beispiel für die sehr begehrte Tudor Black Bay Pro, die vermutlich eine Warteliste verursacht.

Wir möchten natürlich möglichst seriös mit diesen Anfragen umgehen. Sofern wir nicht hundertprozentig sicher sind, setzen wir unsere Rüschenbeck Kunden auf eine Interessentenliste, welche wir dann auch wirklich chronologisch abarbeiten.

Alles Wissenswerte zur neuen Tudor Black Bay Pro findet sich hier im Uhrenkosmos

Juwelier Rüschenbeck Tudor Boutique

Darf ich eine womöglich etwas indiskrete Frage stellen?

Bitte.

Wird Ihre Tudor-Boutique besser mit Ware beliefert als Ihre Mehrmarken-Fachgeschäfte? Hat die Boutique also gewisse Vorteile?

Ja, die Boutique hat sicherlich Vorteile, wie zum Beispiel den Zugang zur Black Bay Fifty-Eight Bronze „Boutique Edition“. Das ist sicherlich ein Anreiz. Aber ich kann jetzt nicht sagen, dass die Boutiquen durchschnittlich eine deutlich höhere Belieferung haben als die sogenannten Flagships Stores.

Wie agiert Tudor diesbezüglich?

Ich glaube, dass sich Tudor den Markt sehr genau anschaut. Wie viele Uhren benötigt der Markt aktuell, damit die Uhren einigermaßen breit und auch vernünftig verteilt werden.

Hier in Hamburg verfügen Sie ja über einen relativ großen Einzugsbereich. Ist Ihre Klientel mehr City-geprägt oder kommt Ihre Kundschaft aus einem größeren Umfeld, weil sie wissen, dass sie bei Ihnen das komplette Sortiment sehen können, bzw. dass sie bei Ihnen auch über Tudor fachsimpeln können?

Also das ist eine faszinierende Frage, denn das trieb mich auch um. Es ist tatsächlich etwas anders gewesen, als ich es mir gedacht habe. Natürlich ist der skandinavische Raum für Hamburg von jeher ein interessanter Tourismusmarkt gewesen. Als wir vor einigen Monaten geöffnet haben, stand alles noch im Schatten der Corona-Situation. Da konnten wir das noch nicht so hundertprozentig sagen. Jetzt, wo das alles sich ein bisschen entspannt, merken wir aber schon, dass dieser skandinavische Raum für das Geschäft in Hamburg eine wichtige Rolle spielt.

Hamburg ist eine Weltstadt, die für Menschen aus allen Himmelsrichtungen attraktiv wirkt. Aber wenn Sie von Tourismus sprechen, dann ist der innerdeutsche Tourismus in Hamburg sehr wichtig. Nicht minder wichtig ist aber auch die lokale Klientel. In Hamburg haben die Leute ein sehr ausgeprägtes kulturelles Verständnis für Qualität, für Produkte, und sicherlich auch für Luxus, Kleidung, modische Accessoires. Das steckt so ein Stück weit, glaube ich, in der norddeutschen Mentalität. Schon Hamburg allein ist also eine Millionenstadt mit genügend Power und Potenzial für ein derartiges Ladengeschäft. 

Tudor Boutique Hamburg

Beste Lage in Hamburg: Poststraße 3. Mit weniger gibt sich Willy Rüschenbeck für eine Tudor Boutique nicht zufrieden.

Juwelier Rüschenbeck

In Deutschland haben Sie als Juwelier Rüschenbeck ja in Sachen Tudor Boutique noch eine ziemlich exklusive Stellung. Neben Hamburg gibt es derzeit nur den Standort Köln. Planen Sie weitere Boutiquen? In München haben die ja jetzt die Räumlichkeiten des ehemaligen Glück-Uhrengeschäfts angemietet. Das ist aber vermutlich zu klein für eine Tudor-Boutique.

Weitere Boutique sicher ja. Aber da halte ich es so wie mit den Anzahlungen. Ich würde immer erst dann darüber sprechen, wenn etwas schon recht konkret ist. Was ich Ihnen aber schon verraten kann ist die Tatsache, dass wir zum Spätsommer hin unsere zweite Tudor Boutique mit zwei Etagen im Herzen von Frankfurt in der Steinstraße eröffnen werden.

Das ist fürwahr ein Wort

Das ist also nun offiziell. Alles weitere ist jetzt noch Spekulation. Aber natürlich, das darf ich auch sagen, würde mich es sehr reizen, noch intensiver mit Tudor zu arbeiten …

… und zu wachsen …  

ja natürlich.

Diese oder jene Armbanduhr

München wäre ja, denke ich, schon eine ideale Stadt für eine Tudor-Boutique.

Also ich glaube, es gibt viele Plätze die für eine Tudor-Boutique faszinierend wären. Dabei sind alle Metropolen für Marken wie Tudor eine spannende Sache. Aber bitte vergessen Sie nicht das Rheinland. Das Ruhrgebiet wird ein bisschen unterschätzt. Es gibt in Mitteldeutschland noch ein paar andere Städte. Vielleicht kann man den Blick auch mal in den Osten richten. Große Städte wie Berlin oder Dresden, Leipzig, das muss man im Auge behalten.

Klingt sehr verheißungsvoll…

Aber vergessen Sie nie: Eine neue Boutique ist eine Sache, aber sie muss auch mit Leben erfüllt werden. Dafür brauchen wir Produkte. Und wenn die Produkte Lieferzeiten haben und die Boutique zum Museum mutiert, mindert sich die Freude für alle Seiten. Dann sollte man lieber langsamer wachsen, aber dann auch substanziell.

Sie können ja Tudor zumindest mal etwas schneller liefern als Rolex-Uhren. Merken Sie, Herr Rüschenbeck, dass Menschen, die gerne eine Rolex GMT Pepsi hätten und darauf sieben, acht Jahre warten sollen, substituierend zu einer leichter verfügbaren Tudor Black Bay GMT vom so genannten Typ Pepsi greifen?

Es ist ja jetzt nicht so, dass man eine Rolex gar nicht bekommt und eine Tudor immer sofort verfügbar ist. Das ist modellabhängig. Aber ja, natürlich strahlt das ein Stück weit aus. Wenn man sagt, dass Rolex in dieser Art von Uhren eine eigene Liga verkörpert, dann ist Tudor allein schon wegen des wie auch immer gearteten DNA-Transfers relativ nah dran. Das lockt den Kunden sicherlich sehr.

Wenn man das Design, die Komponenten miteinander vergleicht, dann ist die Tudor Black Bay GMT näher an einer Rolex als Uhren des Mitbewerbs. Andererseits darf man keineswegs behaupten, dass die Tudor-Kunden die Rolex-Kunden sind, die gerade nicht kaufen können oder nicht warten wollen. 98 Prozent unserer Kunden kommen und fragen gezielt nach einer Tudor. Es ist also keine Uhr, die aus der Rolex-Not heraus gekauft wird.

Hier gibt es den ultimativen Uhrenkosmos-Vergleich zwischen der Rolex GMT-Master II und der Tudor Black Bay GMT 

Würden Sie, mit der Erfahrung des Juweliers Wilhelm Rüschenbeck, denn anders herum sagen, dass Leute, die nicht nur hier in Hamburg, sondern auch in einem Ihrer Fachgeschäfte bei Ihnen eine Tudor gekauft haben, irgendwann eine Rolex, also eine Uhr der großen Mutter begehren?

Früher habe ich auch immer klischeemäßig gedacht, dass infolge der Preisdifferenz Mama oder Papa eine Rolex kaufen und die Tochter oder der Sohnemann bekommt eine Tudor. In dieser Generation bin ich groß geworden. Das, was die Eltern hatten, bekamen die Kinder ein bisschen kleiner. So etwas gibt es auch heute noch, das will ich nicht abstreiten. Aber im Großen und Ganzen verhalten sich die Dinge anders.

Tudor Kunden sind der Marke sehr treu, und das über alle Altersgrenzen hinweg. Es ist folglich nicht so, dass aufgrund der Preislage oder des Preis-Leistungs-Verhältnisses hauptsächlich Jüngere die Marke Tudor kaufen. Zweifellos gibt es viele junge Kunden bei Tudor, aber ich kenne auch viele Kunden in meinem Alter jenseits der 50, die schon die x-te Tudor besitzen. Manche davon haben auch eine oder mehrere Rolex. Heute ist das eben so, wenn man die Möglichkeiten hat.
Kunden sind heutzutage zum Glück nicht mehr so festgelegt. Da spielt ja auch ein Stück weit Leidenschaft mit rein.

Sind Ihre Tudor- oder Rolex-Kunden häufig so genannte Mehrfachtäter?

Ja. Das sind Fans of the Brands. Ich fange mit Tudor an, dann gibt es einen Zwischenschritt und anschließend bin ich bei Rolex oder einer anderen Top-Marke trifft in der Regel nicht zu. Kunden mögen die eine oder andere Marke und bleiben ihr häufig treu. Ich kenne Leute, die besitzen mehr als einen Porsche, mehr als einen Mercedes oder oftmals auch mehr als einen VW oder Audi. Genau das erleben wir auch auf dem Gebiet der Uhren. Da gibt es ganze Familien, die Tudor schon über viele, viele Jahre und nicht erst seit 2016 die Treue halten.

Wilhelm Rüschenbeck

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