IWC Portugieser Chronograph mit eigenem Automatik-Kaliber
Die IWC Portugieser Geschichte geht automatisch weiter

Die Erfolgsgeschichte der großen IWC Portugieser Chronographen begann Ende der 30er Jahre. Nun erweitert die Manufaktur aus Schaffhausen ihr Angebot an Portugieser-Modellen um die Referenzen 3716 mit dem eigenen Automatik-Kaliber 69355

Die IWC Portugieser Geschichte geht automatisch weiter

Von der Ur-Portugieser zum Portugieser Chronograph 2020, Referenz 371609

Größe fürs Handgelenk

Um die Genese der so genannten „Portugieser“ von IWC ranken sich einige Mythen. Daran, dass diese Armbanduhr gegen Ende der 1930-er Jahre entstand, gibt es jedoch keine Zweifel. Wie in der zweckorientiert kreierten, weitgehend von Rolex gefertigten PaneraiRadiomir“ tickte auch in den ersten IWC Portugieser ein Taschenuhr-Kaliber. Die daraus resultierende Größe der Uhr diente weniger einem markanten Auftritt als vielmehr einer optimalen Ablesbarkeit. Damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten der beiden Zeit-Ikonen, denn die Italiener benötigten ihre Panerai-Boliden mit Leuchtzeigern und Leuchtzifferblatt für militärische Zwecke unter Wasser. Bei den IWC-Uhren aus Schaffhausen ging es primär um einen eleganten Auftritt.

IWC Ur-Portugieser, Referenz 325, von 1939. Manufaktur-Handaufzugskaliber 74

Ein oft genannter Erklärungsversuch zur Entstehung der IWC Portugieser rankt sich um die Herren Rodriguez und Teixeira. Ersterer lebte und arbeitete in Lissabon, letztgenannter in Porto. Beide importierten Uhren der eidgenössischen Traditionsmanufaktur und verlangten in den späten 1930-er Jahren nach großen, aber dennoch eleganten IWC-Uhren fürs Handgelenk. Ihre Design-  und Ästhetikwünsche bezogen sich auf die Form, Dimensionen und Proportionen der Gehäuse, dazu die Zifferblätter und Zeiger. Weil sich überdies der kleine Sekundenzeiger entfernt vom Zifferblatt-Zentrum drehen und dazu einen möglichst großen Kreisbogen beschreiben sollte, kam nur ein Taschenuhr-Kaliber in Betracht. Daher beseelte die frühen, vermutlich ab 1939 gelieferten IWC Portugieser Modelle anfangs das bewährte Savonnette-Handaufzugskaliber 74 und später das 16¾-linige Savonnette-982 (Durchmesser 37, 8 mm, Höhe 4,43 mm, 17 Steine, Unruhfrequenz 18.000 Halbschwingungen/Stunde).

Diese schlichte, aufgrund ihrer Größe beeindruckende “Portugieser” , Referenz 325, brachte IWC 1954 auf den Markt.

Mit der Größe einhergehende Erfolge waren der heute von Sammlern teuer bezahlten IWC Portugieser Referenz 325 damals eher nicht beschieden. Verglichen mit den üblichen Gehäusedurchmessern von 33 bis 35 Millimetern war sie schlichtweg zu groß. Deshalb konnte die IWC lediglich ein paar hundert Exemplare verkaufen.

War rasch ausverkauft: IWCPortugieser“, Referenz 5441, von 1993

Comeback mit Ansage

Die Renaissance dieses augenfälligen Klassikers im Jahr 1993 ist dem 2001 verstorbenen Günter Blümlein zu verdanken. In der IWC Portugieser Referenz 5441 tickte das Handaufzugskaliber 9828. Der Deutsche war 1981 zunächst als Berater zur damals notleidenden IWC Manufaktur gestoßen.  Aus dieser Funktion heraus wechselte er in die Funktion eines geschäftsführenden Direktors.  Von Juli 1990 bis August 1996 fungierte der 2001 verstorbene Manager dann als Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats. Ein 1994 geführtes Interview mit Günter Blümlein findet sich hier.

Im Rahmen eines Gesprächs nannte Günter Blümlein, dem es tatsächlich gelang IWC wieder in die Spur zu bringen, einige interessante Hintergründe zum Comeback der nun „Portugieser“ getauften Armbanduhr:

Wir werden künftig zunehmend merken, dass sich die große, gut ablesbare Armbanduhr am Markt ebenso behaupten wird wie Zeitmesser mit sportlichem Touch. Ein maskuliner Look ohne machohaften Auftritt ist künftig ebenso gefragt wie die dezente mechanische Bankeruhr mit kleiner Sekunde, die ruhig merklich größer sein kann und darf. Das passt zur Philosophie unserer Gruppe, in der es jenes aufgemotzte Styling, das viele Menschen brauchen und von der Uhrenindustrie in Hülle und Fülle bekommen, definitiv nicht geben wird. Gerade weil es in kaum einer anderen Branche derart viele Produkt-Hässlichkeiten gibt, haben wir die schlichte Armbanduhr mit großem Handaufzugswerk wiederbelebt und sie in Anlehnung an ihre Entstehungsgeschichte Portugieser getauft.

Günter Blümlein

ehemaliger CEO, IWC Schaffhausen

Thema mit Variationen

Auf das fulminante Comeback der schlichten und rasch ausverkauften IWC Portugieser Retro-Referenz 5441 anlässlich des 125. IWC Geburtstags folgten bald neue Modelle mit Selbstaufzug und unterschiedlichen Komplikationen.

IWC “Portugieser” Chronograph-Rattrapante, Referenz 3712, 1996

Die Ära der „Portugieser“-Chronographen läutete IWC im Jahr 1996 mit der Referenz 3712 ein. Dieses Handaufzugskaliber 76240 mit genial konstruiertem Schleppzeiger-Mechanismus basierte auf dem Eta 7750. Im Gegensatz zum Eta-Werk war die Permanentsekunde jedoch von der dort typischen Position bei „9“ nach unten zur „6“ gewandert. Mit Stahlgehäuse kostete sie umgerechnet etwa 5.850 Euro. Die Version in Rotgold schlug jedoch bereits mit rund 10.000 Euro zu Buche.

Im Jahr 1997 folgte die IWC Portugieser Chronographen-Referenz 3714. Bei ihrem Automatikkaliber 79240 handelte es sich ebenfalls um ein modifiziertes Eta 7750 Uhrwerk. Die Verlegung der Permanentsekunde in den “Süden” des Zifferblatts erfolgt hierbei mit Hilfe eines kleinen Moduls. Dabei greift der Zahntrieb des ersten von insgesamt drei Zahnrädern ins Kleinbodenrad des Uhrwerks. Das anschließende Zwischenrad ist nun nötig, damit sich der auf der Welle des dritten Zahnrads befestigte Zeiger wiederum im Uhrzeigersinn dreht.

IWC “Portugieser ” Automatik-Chronograph, Ref. 3714, 1997, Kaliber 79240

Blick auf die Vorderseite des IWC-Kalibers 79240. Bei “7” ist das Umlenkmodul für die Permenantsekunde von der “9” zur “6” zu erkennen.

Vorderseite des Valjoux/Eta 7750 basierten Chronographenkalibers 79240 mit gelöstem Umlenkmodul für die Permanentsekunde

Die Unterseite des Sekunden-Umlenkmoduls im IWC-Kaliber 79240. Rechts ist der ins Kleinbodenrad greifende Trieb zu erkennen.

Sekunden-Umlenkmodul des Chronographenkalibers IWC 79240. Links unten zeigt sich die Welle für den Sekundenzeiger.

Durch den Verzicht auf einen Rattrapante sparten die Käufer beim “Portugieser Chronograph” umgerechnet jeweils ca. 2.000 Euro.

Im “Portugieser Chronograph” Referenz IW371480 kommt das oben abgebildete Kaliber 79350 zum Einsatz. Auf dem Foto ist der Rotor demontiert. Gegenüber dem 79240 besitzt es eine rhodinierte Oberfläche und eine zierende Perlage.

IWC “Portugieser Yacht Club” Chronographen, 2010, Manufakturkaliber 89361

Das komplett selbst entwickelte und gefertigte IWC Chronographenkaliber 89361 findet sich ab 2010 in der stählernen oder rotgoldenen „Portugieser Yacht Club“, Referenz IW380501. Preise 12.000 bzw. 23.000 Euro.

Ein eigenes Automatik-Werk für den IWC Portugieser Chronographen

Das Jahr 2020 bringt bei der International Watch Company Schaffhausen für ihre erfolgreiche Uhrenlinie „Portugieser“ nun eine Evolution.

Der IWC “Portugieser Chronograph” von 2020, Edelstahlgehäuse, Referenz IW371605

Zu den altbekannten und daher auch charakteristischen Merkmalen des neuen “Portugieser Chronographen” gehören die in senkrechter Linie angeordneten Zeiger. Im Zentrum drehen drei für Stunden, Minuten und den Chronographen. Wie üblich finden sich der 30-Minuten-Totalisator bei der „12“ und die Permanentsekunde ganz „im Süden“ bei der “6”.

Der IWCPortugieser Chronograph“, Stahl, Ref. IW371606

Die kreisrunden Felder der kleinen Nebenzifferblätter sind etwas vertieft. Analog zum Glas-Armierungsring der 1963 lancierten HeuerCarrera trägt der zur Überbrückung des Abstands zwischen Zifferblatt und Saphirglas erforderliche Höhenring (Rehaut)  die Sekundenskala für den Chronographenzeiger.

Dessen Indexierung ist ausgelegt auf die Unruhfrequenz des nun im Gehäuseinneren verbauten Automatikkalibers 69355Dementsprechend berechnet und gestaltet ist die Skala. Die Frequenz von vier Hertz und die damit einhergehende Achtelsekunden-Stoppgenauigkeit des Chronographen verlangen somit nach acht oder wie in diesem Fall vier kleinen Strichen pro Sekunde.

Ein guter Tipp zum Ur-Ur-Enkel des Bestsellers

Die Dimensionen des 2016 von IWC vorgestellten und unter dem eigenen Dach gefertigten Uhrwerks entsprechen exakt jenen des Valjoux 7750. Folglich baut es bei 30 Millimetern Durchmesser genau 7,9 Millimeter hoch. Auch die Position der Aufzugswelle und der beiden Chronographendrücker befinden sich an den gleichen Stellen. Somit lässt sich dieses Kaliber, welches im weitesten Sinne als Ur-Ur-Enkel des Valjoux 7750 gelten kann, ohne Änderungen am Gehäuse überall dort verwenden, wo einst das 79240 oder das 79350 tickten.

Bei der neuen IWC-Mechanik handelt es sich tatsächlich um eine konsequente Weiterentwicklung. Zur Steuerung der drei Chronographen-Funktionen Start, Stopp und Nullstellung verwenden die Schaffhauser anstelle der einfachen Schaltkulisse allerdings nun ein deutlich aufwändigeres Säulenrad. Geblieben ist die vergleichsweise einfache, aber ausgesprochen zuverlässige Schwingtrieb-Kupplung, welche den Chronographen-Stopper bei Bedarf mit dem eigentlichen Uhrwerk verbindet.

Vom  Automatikkaliber 69370 leitet sich die puristischere Version 69355 ohne 12-Stunden-Zähler und Datumsanzeige ab.

IWC Portugieser Chronograph Stahl, Referenz IW371604

IWC Portugieser Chronograph Stahl, Referenz IW371609

IWC Portugieser Chronograph Stahl, Referenz IW371605

Material- und Budgetfrage

Ausnahmslos 41 Millimeter messen die Gehäuse neuen IWC Portugieser Referenzen 3716xx . Ihre Höhe beträgt stattliche 13,1 Millimeter. Erhältlich sind sie in Edelstahl oder massivem Rotgold. Schön zeigt sich dabei das aufwendige Uhrwerk durch den Sichtboden. Zum echten Wassersport eignet sich der „Portugieser Chronograph“ allerdings nicht wirklich. Das schlichte runde Sichtboden-Gehäuse widersteht dem nassen Element nämlich nur bis zu drei bar Druck.
Jede der drei Edelstahl-Referenzen kostet ca. 7.850 Euro, in Rotgold liegt die Referenz 3716 bei ca. 17.700 Euro.

IWC Portugieser Chronograph Rotgold, Referenz IW371610

Das Automatikkaliber 69355 im rotgoldenen IWC Portugieser Chronograph, Referenz IW371610

Das Automatikkaliber 69355 im rotgoldenen IWC Portugieser Chronograph, Referenz IW371610

Der IWC Portugieser Chronograph Rotgold, Referenz IW371611

Perfekte Farbkombination: IWC “Portugieser Chronograph“, Rotgold, Referenz IW371610

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

HerstellerIWC
NamePortugieser Chronograph
Referenzen

IW371604: Edelstahl, silberfarbenes Zifferblatt, goldfarbene Zeiger

IW371605: Edelstahl, silberfarbenes Zifferblatt, blaue Zeiger

IW371606: Edelstahl, blaues Zifferblatt, rhodinierte Zeiger

IW371609: Edelstahl, schwarzes Zifferblatt, rhodinierte Zeiger

IW371610: Rotgold, ardoisefarbenes Zifferblatt, vergoldete Zeiger

IW371611: Rotgold, silberfarbenes Zifferblatt, vergoldete Zeiger

PremiereFebruar 2020
UhrwerkKaliber IWC 69355 (Basis  IWC 69370)
Aufzugautomatisch durch Kugellagerrotor
Durchmesser30 Millimeter
Bauhöhe7,9 Millimeter
Gangautonomie46 Stunden
Unruhfrequenzvier Hertz
AnzeigeStunden, Minuten, Sekunden
ZusatzfunktionenSchaltrad-Chronograph mit Schwingtrieb-Kupplung und 12-Stunden-Totalisator
GehäuseEdelstahl oder Rotgold mit Sichtboden
Durchmesser41 Millimeter
Höhe13,1 Millimeter
Wasserdichtedrei bar
ArmbandAlligatorleder, bei den Goldmodellen von Santoni.
Preise

Edelstahl: ca. 7.850 €

Rotgold: ca. 17.700 €

Gut zu wissenAcht Jahre Garantie

 

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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