Herstellung und Verarbeitung von Saphir-Uhrengehäuse
Durchblick: So entsteht ein Saphir-Uhrengehäuse

Die Herstellung von Saphir für Uhrengehäuse ist aufwendig. Doch die Transparenz und der ungetrübte Blick ins Uhrwerk ist den hohen Aufwand wert

Durchblick: So entsteht ein Saphir-Uhrengehäuse

Das Saphirgehäuse der Big Bang Unico Sapphire gibt den Blick ins Uhrwerk frei, sorgt jedoch auch für einen robusten Schutz.

DURCHBLICK

Im Bau von Uhrengehäuse haben Edelstahl, Gold, Platin, Bronze und sicher auch Karbon ihren festen Platz gefunden. Je nach Anlass und Budget überzeugen die Werkstoffe und geben dem empfindlichen Uhrwerk ein schützendes Gehäuse.
Inzwischen gibt es jedoch eine weitere Alternative für noch mehr Durchblick: Transparente, hochfeste Uhrengehäuse aus Saphir. Während unseren Vorfahren zunächst nur Bergkristall die erwünschte Festigkeit verbunden mit Einblicken und Durchbschauen ermöglichte, bieten transparente Saphir-Gehäuse heutzutage die Möglichkeit, die feine Mechanik aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Uhrenliebhaber kommen durch diese transparenten Gehäuse und ihre moderne Gehäusetechnologie voll auf ihre Kosten.

Dabei ist das Verfahren nicht neu. Die Industrie stellt ja seit ungefähr 1910 in industriellen Maßstab sogenanntes “Saphirglas” her. Dabei wird in der Fertigung ein Art Glas produziert, das in seiner Konsistenz und seinen Eigenschaften exakt dem natürlichen Vorbild eines Saphirs entspricht. Weil Saphir den Korunden zuzuordnen ist, spricht man dabei auch von „weißem Korund“.

 

Synthetischer Saphir

Los geht es bei der Sahpir-Produktion mit natürlichem Bauxit, aus dem in mehreren Schritten zunächst mikroskopisch kleine Aluminiumoxid-Partikel mit weniger als einem Tausendstelmillimeter Durchmesser entstehen. Im Knallgasofen schmilzt dieses Pulver durch die Injektion von reinem Sauerstoff und Wasserstoff bei mehr als 2.050 Grad Celsius dann zu einer zähen Flüssigkeit. Allmählich wächst der so erzeugte synthetische Saphir zu einer birnenförmiger Form heran.
Nach der thermischen Stabilisierung dieser Sahpir-„Boule“ entsteht dabei das Basismaterial für kratzfeste Uhrengläser und seit wenigen Jahren auch extravagante transparente Uhren-Gehäuse . Es verfügt nicht nur über eine Durchsichtigkeit des Materials, sondern auch über eine enorm hohe mechanische Festigkeit. Wasser und viele weitere Flüssikeiten und Stoffe prallen übrigens ab, weil der chemisch neutrale Werkstoff keine Porosität besitzt.

Das Saphir-Gehäuse der Richard Mille RM 56-02

Die RM 56-02 von Richard Mille zeigt aus nächster Nähe den reizvollen Blick ins Uhrwerk - und die perfekte Verarbeitung des Saphir-Gehäuses

Härter als hart

Indessen erweist sich die enorme Härte von mehr als 2.000 Vickers oder auch Stufe neun von zehn auf der Mohs’schen Skala bei der anschließenden Weiterverarbeitung des Saphirs als echtes Problem. Nur einige Metallcarbide und Diamantblätter können Saphir substanziell zusetzen. Insofern verlangt die Saphirverarbeitung einen ganzen Katalog materialspezifischer Technologien und viel Erfahrung.

Weil sich die Oberfläche des Saphirs zunächst einmal völlig matt präsentiert, muss überdies geschliffen und poliert werden, was das Zeug hält. Mit diamantbesetzten Schleifscheiben, Diamantpulver und anderen chemischen Substanzen wie beispielsweise Borkarbid wird in einem längeren Prozess schließlich die gewünschte Transparenz und die perfekte Oberflächen erzeugt. Neuerdings kommen auch hochpräzise Laser zum Einsatz. Allerdings sind die Vorgehensweisen hier sehr unterschiedlich und das Spektrum der Verarbeitung ist noch  eingeschränkt, entwickelt sich jedoch dynamisch weiter.

Ist schließlich die aufwendige und damit kostspielige Arbeit der Saphirbearbeitung abgeschlossen, lässt sich in einem Saphir-Gehäuse einer Uhr nach deren Assemblieren das Uhrwerk in voller Pracht von allen Seiten bewundern und Liebhaber von mechanischen Uhren können das Zusammenspiel des Uhrwerks nun endgültig durchschauen.

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