Innovation der Uhrwerk Konstruktion

Frédérique Constant Slimline Monolithic Manufacture: Die mechanische Revolution!

Seit 1675 änderte sich nur wenig an den Prinzipien mechanischer Zeitmessung. Die Revolution der mechanischen Schwing- und Hemmungssysteme begann 2017 im Hause Zenith. 2021 demokratisiert die Frédérique Constant Slimline Monolithic Manufacture die mechanischer Schwing- und Hemmungssysteme, denn Preis wie Technik sind eine kleine Revolution.

Ein Holländer und seine bahnbrechende Erfindung

Erstaunlich aber wahr: Weil kontinuierlich verstreichend, lässt sich die Zeit eigentlich gar nicht messen. Aber eben nur eigentlich. Denn von den mechanische Uhren des des 13. Jahrhunderts bis zur neuen, innovativen Frederique Constant Slimline Monolithic Manufacture machen Uhren immer das Gleiche. Sie unterteilen den Fluss der Zeit, dieses kostbarste Gut der Menschen, in kleine Teile, die das Uhrwerk akribisch zählt. Das Resultat dieser Zeitmessung stellen schließlich die unentwegt drehenden Zeiger dar.

Der Kalender zeigte den 22. Januar des Jahres 1675. Exakt an diesem Tag orderte Christiaan Huygens ein neuartiges Uhrwerk mit dem von ihm erfundenen Gangregler. Isaak Thuret, Auftragnehmer und einer der bedeutendsten Uhrmacher des 17. Jahrhunderts, erledigte den Job bravourös. Aber er spielte falsch, weil er Unruh und Metall-Unruhspirale als seine eigene Entwicklung ausgab. Huygens, der holländische Astronom, Mathematiker und Physiker intervenierte und der spätere französische Hofuhrmacher musste sich förmlich für sein Fehlverhalten entschuldigen. Folglich ist dem Wissenschaftler aus den Niederlanden diese erste chronometrische Revolution zu verdanken.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte erfuhr das Gangregler-Konstrukt zwar zahlreiche Optimierungen, aber prinzipiell änderte sich an seinem System der Zeitmessung in tragbaren Uhren bis in die Gegenwart nichts mehr: Mechanische Exemplare zerteilen die kontinuierlich verstreichende Zeit in kleine Intervalle. Hierfür liefert die Unruh den Takt. Für den Rückschwung vom Punkt der größten Auslenkung sorgt die filigrane Unruhspirale. Ein kleiner Impuls am Nullpunkt hält die Uhr am Laufen. Dieser wird durch die Hemmung hervorgerufen. Diese hemmt, wie der Name bereits andeutet, das Räderwerk zum einen am ungebremsten Ablaufen – zu diesem Zweck greifen die Ankerpaletten hemmend in die Zähne des Ankerrads. Zum anderen übertragt sie die mehrfach reduzierte Federkraft mittels Ankergabel fein dosiert auf die Unruh.

Das winzige Kraftpaket ist so berechnet, dass die Unruh bis zu ihrem Extrempunkt schwingt. Auf dem Weg dorthin „tankt“ die Unruhspirale Energie für den Rückschwung bis zum nächsten Impuls. Dass eine Ankerhemmung Schwerstarbeit leistet, geht aus folgenden Zahlen hervor: Je nach Konstruktion des Uhrwerks tritt sie pro Sekunde fünf, sechs, acht oder zehn Mal in Aktion, pro Tag summiert sich das auf bis 844.000, pro Jahr auf rund 300 Millionen Kraftstöße.  Für ein konventionelles Assortiment, welches seit Christiaan Huygens das Wesen von Taschen- und Armbanduhren ausmacht, sprich Ankerrad, Anker, Unruh und Unruhspirale braucht es in aller Regel 25 oder mehr Komponenten.

Silizium hält Einzug

Als Ulysse Nardin beim Freak Karussell eine neue Material-Ära in der mechanischen Zeitmessung einläutete, schrieb man das Jahr 2001. Erstmals kam für die Hemm- und Antriebsräder der neuartigen Dual-Direct-Hemmung und dazu später auch für die Unruhspirale Silizium zum Einsatz.

Der High-Tech-Werkstoff Silizium, ohne den kein elektronischer Chip funktionieren würde, verfügt über dieselbe Kristallstruktur wie Diamant. Er ist drei Mal leichter als Stahl, ausgesprochen hart, antimagnetisch, sehr korrosionsfest und hoch elastisch. Eine Oxidschicht, welche die Oberfläche nach thermischer Behandlung umgibt, macht das Material weitgehend unempfindlich gegen Temperaturschwankungen. Des Weiteren macht ein niedriger Reibungskoeffizient Schmiermittel verzichtbar. Schließlich bringt modernste Fertigungstechnologie absolut gleiche Komponenten, sprich echte Klone hervor.

Revolution bei Schwing- und Hemmung

Mit Hilfe eben jenes Siliziums debütierte am 14. September 2017 in Le Locle eine chronometrische Revolution. Der monolithische, nur 0,5 Millimeter hoch bauende Oszillator auf dem Automatikkaliber Zenith ZO 342 ersetzte gleich das ganze Quartett aus Ankerrad, Anker, Unruh und Unruhspirale.

Zenith Defy Lab Silizium Oszillator Foto C Gisbert Brunner

Zenith Defy Lab Silizium Oszillator 2017

Normaler Weise braucht es dafür wie gesagt 25 oder mehr Komponenten. Der ausgeklügelte Newcomer bestand jedoch aus monokristallinem Silizium. Bei Zenith überdeckte dieses monolitische Bauteil das ganze Uhrwerk. Negativen Einflüssen von Schwerkraft und Magnetismus wirkte das flache, ölfrei arbeitende Gebilde ebenfalls entgegen. Nur ein Ticken im üblichen Sinne war nicht zu vernehmen, denn der Zenith Defy Lab Silizium Oszillator vollzog stündlich 108.000 Halbschwingungen. 

Zenith Defy Lab mit dem Silizium Oszillator Kaliber ZO 342

Guy Sémon, der französische Erfinder und sein Team hatten den Oszillator überdies so konzipiert, dass er hinsichtlich Form, Frequenz und Größe problemlos veränderbar war.

Als verkleinertes Origami sollte das Oszillator-Kaliber nach dem Willen des damaligen CEO Jean-Claude Biver möglichst schnell auch mechanische Uhrwerke der Schwester TAG Heuer mit schnurrendem Leben erfüllen. Als Preis war für die entsprechend ausgestatteten Armbanduhren ein Betrag von weniger als 5.000 Euro angedacht.

Frédérique Constant Slimline Monolithic

Diesem Bemühen kommt Frédérique Constant 2021 zuvor. Die von den Holländern Peter und Aletta Stas gegründete und seit 1996 in Genf beheimateten Uhrenmanufaktur kooperierte mit dem Technologieunternehmen Flexous Mechanisms.  
Im niederländischen Delft haben Spezialisten ebenfalls einen monolithischen Silizium-Oszillator aus der Taufe gehoben. Und der ist so klein, dass er sich anstelle des klassischen Assortiments in ein Automatikwerk implementieren lässt. Sein Durchmesser beträgt exakt 9,8 Millimeter bei 0,3 Millimetern Höhe.

Frederique Constant Monolithic Oscillator Kaliber FC 810

Der Frederique Constant Monolithic Oscillator im Kaliber FC-810 besitzt 9,9 Millimeter Durchmesser und 0,3 Millimeter Höhe. Er besteht aus temperaturstabilisiertem Silizium

Am 25. März 2021 präsentierte Frédérique Constant die brandneue, 40 Millimeter großen Armbanduhr namens Frederique Constant Slimline Monolithic Manufacture. Die Besonderheit des im Kaliber FC-810 verbauten Schwing- und Hemmungssystems aus einem Guss besteht in seiner hohen Frequenz. Selbige beträgt das Zehnfache des aktuellen Standards von vier Hertz, was stündlich 28.800 Halbschwingungen entspricht. Demzufolge vollzieht das komplex anmutende und durch einen Zifferblattausschnitt sichtbare Gebilde jede Stunde erstaunliche 288.000 Halbschwingungen.

Die Besonderheit besteht in zwei kleinen Masselots. Analog zu einer Unruh mit variabler Trägheit gestatteten sie die Feinregulierung des innovativem Biegeschwingers mit lediglich sechs Grad Amplitude. Überlieferte Unruhschwinger lenken hingegen etwa 300 Bogengrade aus. Frequenzbedingt lassen sich die in der Industrie üblichen Zeitwaagen nicht zum Regulieren nutzen. An ihre Stelle treten Laserkameras, welche sekündlich 250.000 Bilder aufzeichnen können. Konkrete Aussagen zur Ganggenauigkeit liegen noch nicht vor. Dem Vernehmen nach soll sich die Präzision im Bereich COSC-zertifizierter Uhrwerke bewegen.

Trotz des überaus flotten Tempos beträgt die Gangautonomie des mit einem Federhaus ausgestatteten Mikrokosmos beruhigende 80 Stunden.

Mit dem Rotorkaliber FC-810 präsentiert die Marke Frédérique Constant, die ja Teil der japanischen Citizen Gruppe ist, eine neue Gesamtkonstruktion zur Bewältigung der Hochgeschwindigkeit. Vom Federhaus bis zum Hemmungstrieb besitzt es lediglich drei statt der sonst üblichen vier Räder. Die 40 Hertz lassen den Sekundenzeiger in winzigen Trippelschritten rotieren, so dass die 80 minimale Bewegungen pro Sekunde den Eindruck einer fließender Bewegung erwecken.

Frédérique Constant Slimline Monolithic Manufacture 

Das Video zeigt die immense Geschwindigkeit des neuentwickelten Silizium-Rotorkalibers FC-810

Dieses Automatikwerk zeigt sich durch einen Sichtboden in der 40-Millimeter-Schale.

Zur Wahl stehen drei limitierte Editionen. Je 810 Edelstahl-Exemplare gibt es mit blauem oder silberfarbenem Zifferblatt, Referenzen FC-810MCN356 bzw. FC-810MC356. Der Preis liegt bei 4.495 Euro.

Besonders Anspruchsvolle und hinreichend Zahlungskräftige können für 14.995 Euro auch eines der 81 Exemplare mit massiver Roségoldschale erwerben, ReferenzFC-810MC3S9.

Sportliche Zeit-Genossen können übrigens davon ausgehen, dass Frédérique Constant das Kaliber FC-810 über kurz oder lang auch in der Highlife-Linie verbauen wird. Aber sie müssen sich noch ein wenig gedulden.  

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