Rubine und ihre Funktion

Warum nutzt man Rubine und Lagersteine im Uhrwerk

Der Mathematiker Fatio de Duillier fand heraus, dass die leuchtend roten Rubine nicht nur mit äußerer Schönheit aufwarten, sondern auch innere Werte haben. Sie sind extrem hart und glatt – und damit perfekt für mechanische Uhrwerke.

von | 03.04.2020

Der Weg des Rubins in das Uhrwerk

Nicolas Fatio de Duillier (1664-1753) aus Basel hatte mit Uhren anfangs wenig im Sinn. Noch weniger kamen ihm Rubine und andere Edelsteine in den Sinn. Nach seinem Studium der Mathematik beschäftigte sich der Wissenschaftler zunächst vielmehr mit optischen Gläsern. Nebenbei entwickelte er ein Verfahren, mit dem sich in Edelsteine gezielte, glatte Löcher bohren ließen. Der überragenden Bedeutung seiner Erfindung für die Uhrmacherei war sich de Duillier jedoch wenig bewusst.

Erst die Begegnung mit den Brüdern Pierre und Thomas Debaufre eröffnete ihm die Welt der Zeitmessung. Die beiden französischen Uhrmacher erkannten gegen 1700 den Wert dieser Technologie für ihren Berufszweig. Damals bohrten Uhrmacher Löcher in das Messing der Platinen, Brücken und Kloben. In diesen drehten sich dann die Zapfen der Anker- und Unruhwelle sowie die des Räderwerks. Der Druck und die hohe Rotationsgeschwindigkeiten führten allerdings infolge der Lagerreibung zu großen Abnutzungserscheinungen und damit hoher Gangabweichung.

Rubine

Gemeinsam beantragte das in London lebende Trio ein Patent auf die Verwendung von gelochten Rubinen als Lagerstein. 1704 konnten sie ihre Urkunde entgegennehmen. Unmittelbar darauf begannen sie, gebohrte und ungebohrte Steine für Uhrwerke herzustellen. Durch diese revolutionäre Lagertechnik erlangte die englische Uhrmacherei einen großen Vorsprung gegenüber der kontinentalen Konkurrenz. Diese hielt während des gesamten 18. Jahrhunderts an.
Erst ab dem Jahr 1902 nahm deren Bedeutung ab, als begonnen wurde, in den Uhrwerken künstliche oder synthetische Rubine zu verbauen. Seine herausragenden Materialeigenschaften und sein günstiger Preis machten den künstlichen Rubin damit zur ersten Wahl bei Lagersteinen.

Leichte Bearbeitung

Der heutige „rubis scientifique“ oder auch künstlicher Rubin ist hart, homogen ohne Einschlüsse und in beliebiger Färbung erhältlich. Ein weiterer Vorteil: Er lässt sich leicht bearbeiten. Er löste den „rekonstituierten Rubin“ ab, welcher durch das Schmelzen und Pressen von Rubinabfällen entstand. Allerdings war seine Qualität nicht überragend.
Künstliche Rubine unterscheiden sich von den echten nur durch die Art der Erzeugung. Die Zusammensetzung ist hingegen gleich. Die preiswerte Massenproduktion synthetischer Rubine brachte mit sich, dass im Laufe des 20. Jahrhunderts immer mehr Uhrwerke – selbst relativ billige  – mit Steinlagern ausgestattet wurden.

Quelle: „Die Kunst, die Edelsteine für die Zwecke der Uhrmacherei zu bearbeiten“ (Dumontier, Weimar, 1845).

Spezialmaschinen pressen die Rubin-Lagersteine hochpräzise in die Uhrwerke

Spezialmaschine bei der Swatch Group, die Steine in die Rohkalibern presst.

 

 

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