Die Tudor Geschichte - die Entstehung der Marke Tudor (Teil I)
So entstand Tudor als Rolex-Alternative – unter dem Dach von Rolex.

Die Tudor-Philosophie zielt erfolgreich darauf ab, gleichermaßen hochwertige wie robuste Armbanduhren relativ preisgünstig anzubieten. Und genau dies offeriert die Schweizer Rolex-Tochter von den 30er Jahren bis in die Gegenwart

So entstand Tudor als Rolex-Alternative – unter dem Dach von Rolex.

Hans Wilsdorf mit der Tudor Oyster Prince und dem Dokument der Namensrechte

Auf Umwegen zu Tudor

Für Hans Wilsdorf war die Signatur Tudor von 1906 bis 1926 definitiv tabu. Die Rechte am Namen, welcher sich mit einem alten englischen Adelsgeschlecht verknüpft, gehörten nunmal dem Genfer Schmuckhändler Isaac Blumenthal. Warum der deutschstämmige Rolex-Gründer dann beim Erwerb der Namensrechte im Jahr 1926 einen kleinen Umweg wählte, lässt sich retrospektiv nicht mehr ganz nachvollziehen. Auf jeden Fall erklärte die Witwe von Philippe Hüther, dass sie die Marke „The Tudor“ für die Bieler Horlogerie H. Wilsdorf zur Nutzung im Zusammenhang mit uhrmacherischen Erzeugnisse aller Art habe registrieren lassen.

 Auf diese Weise konnte der gebürtige Oberfranke Wilsdorf die Fäden im Hintergrund ziehen.  Im Jahr 1932 bewarben Catanach’s und die Prouds Ltd. dann erste Tudor-Armbanduhren im fernen Australien. Warum gerade Australien ist nicht klar. Womöglich wollte Hans Wilsdorf die grundsätzliche Akzeptanz der deutlich preisgünstigeren Modelle aus dem Haus Rolex in einem abgelegenen Markt des Britischen Commonwealth zunächst testen.
Als er dann im Jahr 1936 voll umfänglich über die Markenrechte gebot, debütierte das erste Tudor-Logo in Gestalt einer stilisierten Rose. Anfangs mit, später nur noch ohne Wappenschild. Zusätzliche Präsenz des Namens Rolex auf Zifferblatt oder Gehäuse sollte die bereits etablierte Provenienz der Uhren unterstreichen. 

Frühe Tudor Armbanduhren, 1932 – 1933

Eine persönliche öffentliche Erklärung von Hans Wilsdorf zum Sinn und Zweck der 1946 gegründeten Montres Tudor S.A. brachte dann das Jahr 1952: „Seit einigen Jahren habe ich die Idee mit mir herumgetragen, eine Uhr herzustellen, die unsere Agenten für einen günstigeren Preis als die Rolex verkaufen könnten und trotzdem jene Zuverlässigkeitsstandards erfüllen, welche Rolex berühmt gemacht haben. Ich habe beschlossen, eine eigenständige Firma mit dem Ziel zu gründen, diese neue Uhr herzustellen und zu vermarkten. Und ich habe ihr den Namen Tudor Watch Company gegeben. … Die von mir erteilten Instruktionen, dass es die bestmögliche Uhr in einer mittleren Preislage sein müsse, wurden in perfekter Weise ausgeführt. …

… Als eine Konsequenz habe ich daher die Entscheidung getroffen, dass die Tudor Oyster Prince, was ich keiner anderen Uhr erlauben würde, mit der Rolex zwei Vorteile teilen darf: das wasserdichte Oyster Gehäuse und den originalen Rotor-Selbstaufzug.“

Gelobt sei, was hart macht

Begleitet von einer groß angelegten Presse- und Werbekampagne ging im gleichen Jahr 1952 die neue „Oyster Prince“-Kollektion auch gleich an den Start.

In Wort und Bild demonstrierte Tudor die besondere Belastbarkeit dieser Armbanduhren bei harter Arbeit, sportlicher Betätigung oder in rauer Umgebung. Hans Wilsdorf kommentierte höchstpersönlich: „Ganz neu haben wir die Tudor Oyster Prince mehr als grausamen Tests unterzogen. In einem davon, dem „Versuch der Zerstörung” wurden sechs Tudor Oysters, eine nach der anderen von einem Arbeiter getragen, der insgesamt 30 Stunden lang mit einem Presslufthammer tätig war. Jede Uhr erhielt durch das Bearbeiten eines Granitblocks mehr als eine Million unglaublich harter Stöße. Das ist der härteste Test, denen Uhren bislang ausgesetzt wurden. Selbstverständlich funktionierten hinterher alle sechs Tudor Oyster Prince ohne jede Beanstandung.“

Kompromisse ohne Qualitätseinbuße

Ein amtlich zertifiziertes Uhrwerk der Mutter Rolex durften die Kunden angesichts des günstigeren Preises natürlich nicht erwarten. Eine verschraubte „Oyster“-Schale hingegen schon. In ihr tickte das durchaus exklusive Kaliber 390. Bei ihm wertete ein effizientes Rotor-System das Handaufzugskaliber FEF 350 der Fabrique d’Ebauches de Fleurier auf.

Tudor Automatikkaliber 390

Die Zuverlässigkeit der Armbanduhren bestätigten beispielsweise  Mitglieder der Britischen Nord Grönland Expedition. 1953 begaben sie sich mit „Oyster Prince“-Modellen von Tudor auf den Weg. Als Gegenleistung für die Leihgaben erbat Hans Wilsdorf tägliche Aufzeichnungen über die Funktion bei extremen Temperaturen und die anhand eines BBC-Zeitsignals ermittelte Ganggenauigkeit.

Tudor “Oyster Prince” der British North Greenland Expedition 1953, Seite aus dem Buch mit vergleichenden Aufzeichnungen über die Ganggenauigkeit

 Eine „Oyster Prince“ begleitete auch Signore Piemontesi beim 29-stündigen Wettbewerb um die „Trophée Monaco“ des Jahres 1954. Der Italiener  bewältigte die bergige Strecke nach Genf und zurück ans Mittelmeer mit seinem Motorrad. Nicht ohne Motorprobleme seines Zweirads, aber anstandslos für seine Uhr. 

So setzte Tudor Ausrufezeichen in der Darstellung der Leistungsfähigkeit seiner Uhren – und vergaß auch nicht, die Nähe zu Rolex zu erwähnen. Kein Wunder also, dass die Marke an Fahrt aufnahm. Doch es warteten noch erhebliche Herausforderungen auf die junge Uhrenmarke.

Fortsetzung folgt

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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