Die flachste mechanische Uhr der Welt und ihre Entwicklung

Die flachste mechanische Uhr der Welt und der Weg dorthin

Die Vorteile von flachen Uhren sind sichtbar. Überdies sucht die Uhrenindustrie stets Rekorden. Eben auch die flachste Uhr der Welt. Es sind die Modelle Vacheron Constantin 1003, Piaget 12P, Bouchet-Lassale, Piaget Altipiano, Bulgari Octo Finissimo und Piaget Altipiano 910P die sie kennen sollten.

Wie ein roter Faden zieht sich die Suche nach Bestleistungen durch die jahrhundertelange Geschichte der mechanischen Uhrmacherei. Dazu gehört auch der Wettkampf um die flachste mechanische Uhr der Welt. Dabei können die zu erreichenden Spitzenleistungen vielfältig sein. Sein es über die Maßen komplizierte oder außerordentlich präzise Uhren, sein es außerordentlich kleine oder extrem flache Uhren. Immer geht es um das Ausloten des Möglichen.Bei der flachsten Uhr der Welt ging es eben um die Höhe der Uhren. Hier arbeiteten Techniker und Handwerker bereits seit dem 18. Jahrhundert an einer stetigen Verbesserung, also Verflachung der Uhrengehäuse.

Ausgelöst wurde die Suche durch die sich wandelnde Mode. Wenn eine Taschenuhr beispielsweise im Frack nicht unschick auftragen sollte, war Mäßigung in der Bauhöhe des Uhrwerks angesagt. Auch am Handgelenk verlangte die Eleganz des 20. Jahrhunderts nach deutlicher Zurückhaltung. Ein wenig die Höhe der Uhr Tarnen konnte man allenfalls durch Gehäuse mit schmalen Flanken und hoch gewölbten Plexigläsern.

Bei Uhrwerken mit manuellem Aufzug setzten Audemars Piguet und Vacheron Constantin Maßstäbe. Das 1003 bzw. 2003 genannte Kaliber debütierte 1946. Bei einem Durchmesser von 20 Millimeter baute es lediglich 1,64 Millimeter hoch. Und das durfte mit Fug und Recht als Weltrekord bei konventionell konstruierten mechanischen Uhren fürs Handgelenk gelten.
Den Weltrekord bei Automatikwerken ohne zusätzliche Funktionen hielt das Haus Piaget ab 1960. Die Höhe von nur 2,3 Millimeter des Mikrorotor-Kaliber 12P belohnte das Guinness Buch der Rekorde mit einem Eintrag als flachste Uhr der Welt.

So flach, aber nicht stabil

Weniger Fortune besaßen Pierre Mathys und die Genfer Bouchet-Lassale SA, Fabrique d`Horlogerie de Luxe. 1978 lancierten sie mit dem 9-linigen Handaufzugskaliber 1200 einen Weltrekord. Minimalistische 1,2 Millimeter Bauhöhe verlangte das Beschreiten unkonventioneller Wege. Zahlreicher Ehrungen darunter ein Grand Prix der Stadt Genf konnten über eine ganze Reihe technischer Probleme nicht hinwegtäuschen. Mit einem Bündel an Schwierigkeiten hatte auch die 2,08 Millimeter flache Automatikversion 2000 zu kämpfen. Somit war diesem Superlativ leider keine Zukunft beschert.

Ein edler und teurer Wettstreit

2010, zum 50. Geburtstag des Kalibers 12P wartete Piaget mit dem 2,35 Millimeter flachen 12P-Nachfolger-Kaliber 1208 P auf. Und 2014 eroberte die Manufaktur unter dem Dach des Richemont-Konzerns auch den Weltrekord der flachsten Armbanduhr bei Handaufzugswerken zurück. Samt Gehäuse hat die „Altiplano 38 mm 900P“ nur eine Bauhöhe von 3,65 Millimeter.

Bulgari legt nach

Im Jahr 2017 trat dann Bulgari mit der „Octo Finissimo Automatic“ auf den Plan. CEO Jean-Christophe Babin hatte der italienischen Nobelmarke und ihrem Schweizer Uhren-Departement 2015 ein ehrgeiziges Entwicklungsprogramm verordnet.
Nach einem nur 1,95 Millimeter hohen Tourbillon und einer ultraflachen Minutenrepetition bestach die selbst entwickelte und gefertigte Mikrorotor-Automatik BVL 138 mit einseitig wirkendem Platin-Kugellagerrotor durch minimalistische 2,23 mm Gesamthöhe und 60 Stunden Gangautonomie.

Die flachste mechanische Uhr der Welt

Als bis dahin amtierender Flachbau-Automatik-Weltmeister hatte Piaget auf einmal mehr das Nachsehen. Aber nur ein Jahr lang. Die 2018 während des SIHH lancierte „Altiplano Ultimate 910P“ basierte technisch auf der erwähnten „Altiplano 900P“ und war wieder ein neuer Rekord im flachen Uhrenbau.
Mit 4,3 Millimeter unterbot das Gehäuse-Werk-Ensemble Piaget Altiplano Ultimate 910P die Bulgari „Octo Finissimo Automatic“ um außerordentliche 0,85 Millimeter.
Bezüglich der Selbstaufzugs-Schwungmasse wendete Piaget ein Prinzip an, das Patek Philippe schon 1969 beim 3,50 Millimeter flachen, letztendlich aber wenig erfolgreichen Patek Kaliber 350 erstmals praktizierte hatte: Der Rotor bewegt sich außen um das eigentliche Uhrwerk und ist daher nur bei sehr genauem Hinsehen zu entdecken.

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