Unsere Uhr-Ahnen - (Teil 4/10)
Wer beeindruckt die Royals?

Die Erde dreht sich weiter, die Uhren ticken unermüdlich – jetzt, im 18. Jahrhundert auch mit Sekundenzeiger. Optisch tut sich ebenfalls einiges – die ersten Vorbilder für die heutigen modernen Chronographen entstehen. Die Geschichte der Zeit schreibt sich fort.

Wer beeindruckt die Royals?

Diese Uhr von George Graham ist ein frühes Wunderwerk und wahrhaft jahrelange Handarbeit

Um 1700

Diesen Zeitstempel trägt eine silberne Taschenuhr aus der Werkstatt des Amsterdamer Meisters Pieter Kloch. Das vergoldete Uhrwerk mit Spindelhemmung zeichnet sich durch einen kunstvoll durchbrochenen Unruhkloben aus. Das aufwändig gestaltete Zifferblatt mit äußerem Stundensegment reicht von von IIII bis VIII. Im Zentrum dreht sich eine gravierte Scheibe mit den Monaten und Tierkreiszeichen. Dazu es gibt ein kleines Zifferblatt mit Datumszeiger und Mondaltersindikation.

1703

In dem Jahr bauten Thomas Tompion und sein Neffe Edward Banger für Prinz Georg von Dänemark, den Ehemann von Königin Anne eine ungewöhnliche Bodenstanduhr. Sie besitzt ein extrem feines Uhrwerk mit Regulierung durch Sekundenpendel. Der Schwerkraftantrieb liefert Kraft für 390 Tage Gangautonomie. Die Zeitgleichung und ein ewiger Kalender sind Merkmale der auserlesenen Uhr.

1715

Mechanische Uhren brauchen eine Hemmung, die das ungezügelte Ablaufen des Räderwerks verhindern. Außerdem versorgt die Hemmung den Gangregler mit Energie. George Graham, den viele als den bedeutendsten Uhrmacher des alten England bezeichnen, entwickelte 1715 eine zukunftsträchtige Ankerhemmung für Pendeluhren. Die Graham-Hemmung schreibt Geschichte und wird bis heute verwendet.

1721

Metall-Pendelstangen besitzen die Eigenschaft, sich bei Erwärmung auszudehnen und beim Abkühlen wieder zusammenzuziehen. Das beeinflusst Schwingungsdauer und Präzision beträchtlich. Dem wirkt George Graham durch Quecksilber entgegen. Dieses Material wirkt der Längenänderung entgegen. Das ersten Kompensationspendel macht den Weg zu Präzisionspendeluhren frei.

1724

Die größte Sonnenuhr der Welt verfügt über einen 27 Meter langen Sonnenzeiger und ist 36 Meter hoch. Das Samrat-Yantra entstand im indischen Jaipur als Teil eines Observatoriums. Der polwärts ausgerichtete und treppenartig angeordnete Schattenstab misst ganze 387,14 Meter. Der Schatten wandert auf einem halbkreisförmig ausgeprägten Zifferblatt alle fünf Minuten ca. 30 Zentimeter.

1726

Die bedeutende Präzisions-Bodenstanduhr von John und James Harrison verfügt über ein außergewöhnliches Uhrwerk mit hölzernen Platinen, Rädern aus Eichenholz und Harrisons „Grashopper“-Hemmung. Zeiger für Stunden und Minuten, digitale Anzeigen für Datum und Sekunden. Eine Tabelle für die Äquation findet sich in der Gehäusetür hinter Glas.

1735

Sechs Jahre brauchte John Harrison zur Fertigstellung der 36 kg schweren Versuchs-Seeuhr „H1“ mit zwei Federhäusern, Temperatur-Kompensation, vier Zifferblättern für Sekunden, Minuten, (24) Stunden und Datum. Das Zeit-Monument verfügt über eine „Grashopper“-Hemmung und zwei gegeneinander arbeitende Schwinghebel. Diese sind mit Schraubenfedern gekoppelt sowie mit gespannten Drahtseilen verknüpft. Ihre Zahnräder bestehen teilweise aus Eichenholz.

1740

In diesem Jahr stellte George Graham eine für die Geschichte der Präzisionszeitmessung äußerst wichtige Pendeluhr mit Quecksilber-Kompensationspendel fertig. Selbstverständlich besitzt sie seine berühmte Graham-Hemmung. Ihr Aufzugsgewicht sinkt innerhalb eines Monats nach unten. Das Uhrwerk bildet die wahre und mittlere Sonnenzeit ab. Im Arcus befindet sich ein Kalendarium und innerhalb des kleinen Sekundenrings gibt es ein Fensterdatum.

Ca. 1755

König Ferdinand VI. von Spanien war ein Fan des englischen Uhrmachers Thomas Mudge. Dessen Nummer 407 mit Minutenrepetition besaß ursprünglich eine Zylinderhemmung und ist heute im British Museum ausgestellt. Das feine Uhrwerk umfangen gleich drei durchbrochene Gehäuse. Die beiden inneren Gehäuse bestehen aus Gold. Die schützende äußere Schale ist mit Leder bezogen.

1757

Thomas Mudge, Schüler George Grahams, lernte in dessen Werkstatt die Vorzüge der Graham’schen Ankerhemmung kennen. Aus ihr leitete Mudge seine wirklich freie Ankerhemmung für Präzisionstaschenuhren ab. Umkonstruktion des Gabeleingriffs brachte die Tauglichkeit für Unruhschwinger. Das erste Oeuvre befindet sich im Eigentum des englischen Königshauses.

1770

Queen Charlotte war die Adressatin einer Taschenuhr mit zugehörigem Sockel. Dieser Zeitmesser von Thomas Mudge gehört zu den frühesten Exemplaren mit Ankerhemmung. G. H. Baillie bezeichnete sie bereits 1956 als die „weltweit vielleicht wichtigste historische Uhr.“ Zusammen mit der Unruhspirale verkörpert die Ankerhemmung eine der bedeutendsten chronometrischen Erfindungen überhaupt.

1775

Ein lang gestreckter Messingzylinder kennzeichnet den Marinechronometer, welchen Ferdinand Berthoud damals in Paris vorstellte. Die federnde kardanische Aufhängung bewirkt eine stets senkrechte Position. Der Uhrmacher baute das Uhrwerk mit Gewichtsantrieb und Chronometerhemmung in drei Etagen. Kennzeichnend auch die schwere Unruh mit Fadenaufhängung sowie die von John Harrison erfundene Temperaturkompensation mit Metallrost.

1760

Das Weltzeit-System lag damals noch in weiter Ferne. Aber die Genfer Taschenuhr von Rouzier & Melly glänzte bereits durch eine „heure universelle“. Sie bildete die Ortszeit in jenen 53 Städten ab, welche kunstvoll auf das weiße Emailzifferblatt geschrieben waren. Der jeweiligen Ortszeit galt ein zweites Zifferblatt auf der Rückseite. Das feuervergoldetes Uhrwerk besaß Kette-Schnecke-Antrieb und eine Spindelhemmung.

1764

Die wahrscheinlich erste Taschenuhr mit ewigem Kalendarium, welches die unterschiedlichen Monatslängen in Normal- und Schaltjahren selbsttätig berücksichtigt, ist dem Londoner Uhrmacher Thomas Mudge zu verdanken. Das Uhrwerk mit Zylinderhemmung trägt ein durchbrochenes Emailzifferblatt. In Fenstern erscheinen Wochentage, Monate und Mondphasen. Außen dreht ein Datumsring.

1770

Fachleute sind sich uneinig. War Hubert Sarton oder doch Abraham Louis Perrelet Urheber des allerersten Uhrwerks mit Rotoraufzug, gedacht für eine Taschenuhr? Die Schwungmasse des Perrelet’schen Mikrokosmos trägt einen kleinen Eisenring mit sechs Einschnitten. Bei voll gespannter Zugfeder rastet dort ein kleiner Blockierhebel ein. Unter dem Zifferblatt findet sich die Kadratur für den Achtelstundenschlag.

1777

Der gebürtige Schweizer Ferdinand Berthoud präsentiert das erste Exemplar einer neuen Chronometerserie. Die gut ablesbaren Instrumente mit kardanischer Aufhängung des Werks sind gedacht zur Verwendung in Fuhrwerken und auf hoher See. Die Welle der Unruh ist rollengelagert. Die Nummer 1 von 1777 begleitete verschiedene Expeditionen.

1783

Repetitionsuhren leben vom guten Klang. Abraham‑Louis Breguet ist eine Taschenuhr zu verdanken, in der sich erstmals sorgfältig gestimmte Tonfedern ums Uhrwerk wandten. Dadurch war es möglich, diese Zeitmesser wesentlich flacher zu bauen, ohne dass die Klangqualität leidet. Und der Verbreitung der Repetitionsuhr nichts mehr im Wege.

1788

Die goldene Taschenuhr von Samuel Ruel aus Rotterdam folgt dem Julianischen und dem Gregorianischen Kalender. Das Uhrwerk mit Spindelhemmung tickt unter einem Zifferblatt mit Öffnungen für die Mondphasen, das Gregorianische (bei der „11“) und Julianische (bei der „1“) Datum. Der breite Zifferblattausschnitt bei „6“ dient der konventionellen Datumsanzeige.

1790

Wenn Uhren herunterfallen, können die empfindlichen Zapfen der Unruhwelle brechen. Aus diesem Grund entwickelte Abraham-Louis Breguet einen „Parachute”, der die bedrohten Komponenten schützte. Zum Beweis für die der Wirksamkeit ließ er vor den Augen Talleyrands eine Uhr auf den Boden fallen. Sie tickt unbeeindruckt weiter. Die öffentliche Vorstellung der Stoßsicherung erfolgte 1806 vor dem Pariser Invalidendom.

1791

Das weiße Emailzifferblatt der der silbernen Taschenuhr, die ein Vorläufer des modernen Chronographen ist, trägt die Signatur „Josiah Hinton London“. Im Zentrum dreht ein Sekundenzeiger einmal pro Minute, ein zweiter einmal aller drei Minuten. Angezeigt werden auch die Zeit, das Datum und die Mondphasen. Das Anhalten der Sekundenzeiger stoppt die ganze Uhr.

1794/1795

Die Französische Revolution führt zur Unterteilung des Tages in zehn Stunden à 100 Minuten. Der Astronom und Mathematiker Pierre-Simon Laplace sowie andere Intellektuelle modifizieren die Übersetzung der Räderwerke. Bis 1801 stellte eine Uhr im Palais Des Tuileries die Dezimalzeit dar. Doch noch verhinderten die hohen Umstellungskosten die Durchsetzung revolutionärer Dezimaluhren.

1796

Gleich paarweise lässt Antide Janvier seine astronomischen Geräte auftreten. Eines davon ist „Orrey“ mit außergewöhnlicher Zeitanzeige durch zwei Ringe und verschieden astronomischen Angaben. Das andere ist ein „Planetarium“ mit konventionellem Zifferblatt, Ankerhemmung und Kompensationspendel. Dieses Meisterwerk krönt ein rotierendes Planetarium.

Im Teil 6 der Serie wird die präzise Zeitmessung auf hoher See möglich. Im 19. Jahrhundert erleben die Armbanduhren einen großen Aufschwung, im Militär, der Marine und dem zivilen Markt.

Es lebe die Revolution und der 10 Stundentag á 100 Minuten. Weise Menschen ahnten aber bereits das Ende und haben vorsorglich die alte Zeiteinteilung mit auf das Ziffernblatt aufgebracht

Es lebe die Revolution und der 10 Stundentag á 100 Minuten. Weise Menschen ahnten aber bereits das Ende und haben vorsorglich die alte Zeiteinteilung mit auf das Ziffernblatt aufgebracht

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