Roger Dubuis "Excalibur Diabolus in Machina" Minutenrepetition
Roger Dubuis lässt seine Excalibur Minutenrepetition teuflisch klingen

Roger Dubuis liegt es fern, Armbanduhren für jedermann zu fertigen. Die Genfer Uhrenmanufaktur denkt und handelt anders. Den Beweis liefert die neue „Excalibur Diabolus in Machina“ mit ungewöhnlicher Abstimmung der Tonfedern. Harmonie war gestern. Es lebe die Provokation und Dissonanz!

Roger Dubuis lässt seine Excalibur Minutenrepetition teuflisch klingen

Roger Dubuis lässt den Tritonius am Handgelenk erklingen

Blick zurück

Blumige Worte lagen Roger Dubuis nicht. Wie viele Meister-Uhrmacher zeichnete sich der 1938 geborene Gründer der Uhrenmanufaktur durch persönliche Zurückhaltung aus. Er redete nur, wenn unbedingt nötig und tüftelte stattdessen in seinem kleinen Atelier lieber an komplexen Mechanismen.

Sein Handwerk hatte der Genfer von 1953 bis 1957 an der Genfer Uhrmacherschule erlernt. Anschließend arbeitete er bei verschiedenen Uhrenmanufakturen. Eine davon war Patek Philippe.

Ab 1980 verdiente Roger Dubuis seinen Lebensunterhalt mit der Entwicklung komplexer mechanischer Schaltwerke, darunter auch retrograde Anzeigen. Außerdem restaurierte er betagte oder nicht mehr funktionierende Zeitmesser.

Die Begegnung mit Carlos Dias führte 1995 zur Gründung der Manufacture Roger Dubuis SA (MRD). Schon im folgenden Jahr präsentierte das Duo erste Armbanduhren im Retro-Stil. 1998 folgten die Eröffnung einer eigenen Fabrikationsstätte und der Aufstieg in die Liga waschechter Manufakturen. Im Frühjahr 2002 erfolgte der Umzug in den Genfer Vorort Meyrin.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die mental völlig unterschiedlichen Gründerpersönlichkeiten infolge heftigerMeinungsverschiedenheiten  schon getrennt.

Modernes Unternehmertum, wie es seinem portugiesischen Partner vorschwebte, war dem leidenschaftlichen, im Oktober 2017 in Alter von 79 Jahren verstorbenen Uhrmacher absolut fremd.

2007 übernahm die Richemont-Gruppe den gewerblichen Geschäftsbereich (Werkeproduktion) der wegen allzu hoch fliegender Pläne finanziell schwer angeschlagenen Uhrenmanufaktur samt Gebäude, Maschinenpark und circa 200 Mitarbeitern.

Gleichzeitig ging der ebenfalls darbende Vertrieb für dem Mittleren Osten und die USA an Richemont über. Ein Jahr später erfolgte der nächste, beinahe zwangsläufige Schritt, mit dem Richemont von Carlos Dias dessen 60-prozentigen Anteil an der Marke Roger Dubuis erwarb. Nun kehrte auch Altmeister Roger Dubuis ehrenhalber zurück. Der 40-prozentige Rest verblieb beim Minderheitsaktionär und Dias-Gegner Akram Aljord. Seit 2016 ist Richemont alleiniger Eigentümer der MRD. Ausnahmslos alle Armbanduhren sind mit eigenen Kalibern bestückt und durch das anspruchsvolle Genfer Siegel geadelt.

Vom RD 08 zum RD 107

Noch in die aktive Zeit von Monsieur Roger Dubuis fiel die Konstruktion des komplexen Automatikkalibers RD 08. Neben zwei Mikrorotoren zum effizienten Selbstaufzug und 72 Stunden Gangautonomie verfügt es über ein „fliegendes“ Minutentourbillon sowie ein Repetitionsschlagwerk für die Stunden, Viertelstunden und Minuten.

Im Laufe der Jahre hat die Manufaktur diese ihre klangvolle Mechanik zum Kaliber RD 107 weiterentwickelt. Summa summarum besteht sie aus 558 Komponenten. Die Auslösung des Schlagwerks erfolgt mittels Drücker im linken Gehäuserand. Eine spezielle Materiallegierung lässt die wie üblich von Hämmern angeschlagenen Tonfedern besonders lautstark in Erscheinung treten. Fehler in der Tonfolge unterbindet eine Alles-oder-Nichts-Sicherung, erfunden bereits 1740 vom französischen Hofuhrmacher Julien Le Roy. Wie der Name erkennen lässt, schlägt das Werk die aktuelle Zeit entweder bis zur letzten Minute oder, wenn der Drücker unzureichend betätigt wurde, überhaupt nicht.

Größter Feind jedes Uhrwerks mit Repetition ist die menschliche Unzulänglichkeit. Rückwärtsdrehen der Zeiger während des Schlagens führt zum kostspieligen Totalschaden. Beim Kaliber RD 107 hat besagte Fahrlässigkeit allerdings keine derartigen folgen. Zwischen 3 und 4 Uhr findet sich eine Sicherheitsvorrichtung. Ein kleiner Arm lässt den jeweiligen Kronenmodus wissen.

Grüne Spinne mit Minutenrepetition

Roger Dubuis kann übrigens als Pionier durchbrochen konstruierter Uhrwerke gelten. Die Kompetenz traditionellen Skelettierens reicht zurück bis 2005. Drei Jahre später präsentierte die Manufaktur ihr erstes Kaliber, dessen transparente Struktur am Reißbrett entstand. Ein Jahr später folgte das, was Uhrenliebhaber als „Excalibur Spider“ kennen. Dieser transparenten Spinnennetz-Bauweise gehorcht das Schlagwerkskaliber RD 107 infolge seiner Vergangenheit nicht. Aber die Referenz RDDBEX0862 mit Minutenrepetition deutet die Zugehörigkeit zu dieser markanten Familie unübersehbar an.

In Grün-Schwarz gibt es diese markante Armbanduhr mit 47 Millimeter großem Karbon-Außengehäuse nur ein einziges Mal. Eine Wasserdichte von bis zu fünf bar Druck gewährleistet ein zusätzlicher Titan-Container. Was sich jedoch positiv auswirkt, denn beide Werkstoffe sind der Akustik außerordentlich dienlich.

Diabolische Maschine

Excalibur Diabolus in Machina“ hat Roger Dubuis die neueste Variante seiner Armbanduhren mit dem Repetitionskaliber RD 107 getauft. Bei ihr steckt der Teufel fürwahr in einem Detail, das sich aber erst nach dem Auslösen des Schlagwerks zeigt.

Die Abstimmung der Gongs erfolgt auf den so genannten Tritonus. In diesem Fall sind es die Töne C und Ges, welche durch die Verwendung des Werkstoffs „CarTech Micro-Melt BioDur CCMTM“ für das 45 Millimeter große Gehäuse deutlich hervorgehoben werden. Konkret handelt es sich bei diesem Material um eine Knetlegierung aus Kobalt, Chrom und Molybdän. Sie zeichnet sich aus durch hohe Festigkeit, Widerstandsfähigkeit sowie Resistenz gegen Rost und Magnetismus.

Wie diese außergewöhnliche Armbanduhr, von der es nur wenige unterschiedlich ausgeführte Exemplare geben wird, final klingen wird, ist noch offen. Im Moment ist die klanglichen Reife noch nicht final gediehen. Der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail. Bald wird es jedoch den finalen Klang geben. 

Ein “Teuflisches” Intervall für die Roger Dubuis Diabolus

Vermutlich besteht an dieser Stelle ein gewisser Aufklärungsbedarf hinsichtlich des Begriffs Tritonus. Und den will der Uhrenkosmos gerne befriedigen:

Tritonus

Weil die drei Ganztöne der übermäßigen Quarte voneinander entfernt sind, wird sie auch Tritonus genannt.

Nicht ohne Grund nannten man das spannungsgeladene und deshalb als schwierig oder sogar gefährlich gebrandmarkte Klangintervall im Mittelalter „Diabolus in musica“, also Teufel in der Musik. 

Darstellen lässt es sich nämlich nicht mit einer ganzzahligen Proportion.

Exakt beträgt das Intervallverhältnis eines gleichstufigen Tritonus eins geteilt durch die Wurzel aus zwei. Der in der Kompositionslehre nicht einfach zu verwendete Akkord halbiert nämlich auch im Zahlenverhältnis genau eine Oktave. Wegen des daraus resultierenden spannungsgeladenen dissonanten Klangs galt der Tritonus oft als teuflisch. Nicht zuletzt deshalb reagierten vor allem Geistliche zunächst empfindlich auf Musikstücke, in denen besagter Tritonus vorkam. Schließlich war in der sakralen Musik ausgehend von der singulären Tonführung der mittelalterlichen Chormusik etwa der Gregorianischen Choräle im Spätmittelalter die wohltönende Polyphonie von Komponisten wie Orlando die Lasso,  Palestrina  oder Monteverdi angesagt. Wie kontrastierend muss sich zu dieser Abfolge von Harmonien solch ein Tritonus Akkord angehört haben. 

Eine andere Einstellung dazu brachten Barock und Klassik. Beispielsweise nutzten Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Franz Liszt, Antonio Vivaldi, Frédéric Chopin, Modest Mussorgski und Richard Wagner den Tritonus zum Aufbau musikalischer Spannung. Nicht zuletzt deshalb findet sich das Teufelsintervall auch in der Jazz-, Pop- und Rockszene.

Zum Beispiel diente es der englischen Heavy-Metal-Band Black Sabbath 1969 als Grundthema ihres Stücks Black Sabbath“, zu Deutsch schwarzer Sabbat. Der dortige Tritonus ist hier zu hören.

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

Hersteller

Roger Dubuis

Name

Excalibur Diabolus in Machina

Referenz

RDDBEX0842

Premiere

April 2020

Uhrwerk

Manufakturkaliber RD 107

Aufzug

Automatisch durch zwei Mikrorotoren

Durchmesser

33,3 Millimeter

Bauhöhe

zehn Millimeter

Gangautonomie

60 Stunden

Unruhfrequenz

drei Hertz

Anzeige

Stunden, Minuten, Sekunden, Kronenfunktion

Zusatzfunktionen

Fliegendes Tourbillon, Minutenrepetition

Gehäuse

CarTech Micro-Melt BioDur CCMTM

Durchmesser

45 Millimeter

Höhe

16,8 Millimeter

Wasserdichte

drei bar

Armband

3-D-Kalbsleder, Titan-Faltschließe

Preis

Ca. 600.000 Euro

Limitierung

Ein Exemplar in dieser Ausführung. Kleinstauflage mit diesem Uhrwerk

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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