Diese Nachricht ist eine Bombe. Die Stahlversionen der Patek Philippe Nautilus Ref. 5711/1A-10 mit blauem Zifferblatt und die Version 5711/1A-11 mit weißem Zifferblatt werden eingestellt. Gerade die Patek Philippe Nautilus in Stahl mit blauem Zifferblatt war eines der Top-Modelle der Uhrensammler schlechthin und es erscheint zunächst unglaublich, wie Thierry Stern und sein Vater Philippe Stern zur Entscheidung gekommen sind, genau diese Modelle einzustellen. Allerdings war die Uhr zum Preis von immerhin 29.080 EUR bereits vorher kaum zu bekommen. Entsprechend hoch liegen die Preise für gebrauchte Modelle. Für guterhaltene Modelle müssen schnell 60.000 Euro und mehr ausgegeben werden – mit steigender Tendenz. Der Nachhall der Meldung war so groß, dass Thierry Stern in der Neuen Züricher Zeitung kurze Zeit später ein Interview zur Einstellung der Stahl Nautilus gab. Darin ging er nochmals auf seine Motive ein.   

Es reicht nicht, die schönsten Uhren der Welt herzustellen. Ich muss auch dafür sorgen, dass diese ihren Wert behalten, und Seltenheit ist einer der Schlüssel dazu. 

Thierry Stern

Patek Philippe Nautilus

Die Entscheidung des Patek Philippe Präsidenten Thierry Stern scheint zunächst widersinnig und unlogisch. Wie kann man ein Patek Philippe Modell wie die stählerne Nautilus einstellen, wenn diese doch weltweit begehrt wird und Sammler für ein gebrauchtes Modell bereits den doppelten Preis bezahlen?
Was auf den ersten Blick sehr unlogisch erscheint, ergibt vor dem Hintergrund einiger Wettbewerber und eines langfristig denkenden Familienunternehmens Sinn. Der Patek Philippe Präsident betont stets, wie wichtig es für ein in Generationen denkendes Familienunternehmen sei, in keine Abhängigkeit von einzelnen Modellen zu geraten. Offenbar ist die Audemars Piguet und ihr außerordentlich hoher Erlösanteil des Modells Royal Oak ein mahnendes Beispiel. Durch die jetzige Entscheidung wird natürlich die gesamte Modellpalette von Patek Philippe profitieren.

Außerdem hat man im Hause der Genfer Uhrenmanufaktur noch zwei weitere Trümpfe im Ärmel. Zum einen ist die Patek Philippe Aquanaut inzwischen fast ebenso begehrt wie die stählerne Nautilus. Zum andern will Patek mehr Kunden zum Kauf von Patek Philippe Modellen in Gold oder Platin bewegen. Angenehmer Nebeneffekt dabei – die Rendite der Modelle in Edelmetall ist deutlich höher. Durch diesen Schachzug kann die Nobelmarke die Menge an hergestellten Uhren eingrenzen, die Marke nach unten abzugrenzen und die Führungsrolle von Patek Philippe im Premium-Luxussegment stärken.

Der Geschmack der Leute kann sich plötzlich ändern, und dann hat man keine Alternativen anzubieten. Das will ich bei Patek unbedingt verhindern. 

Thierry Stern

Der Markt reagiert

Wie schnell diese Nachricht die Runde machte, war schnell zu erkennen. Plattformen für gebrauchte Uhren wie Watchfinder.com, Watchmaster.com oder oder etwa Chrono24.de hoben die Preise für die beiden Modelle unmittelbar an. Für ungetragene oder neuwertige Modelle der Philippe Nautilus in Stahl mit blauem Zifferblatt wurden von heute auf morgen Preise jenseits der 100.000 Euro aufgerufen.
Diese Preise werden wohl auch künftig für Exemplare der Abschiedsedition der Patek Philippe in Stahl aufgerufen werden. Die anlässlich der Watches and Wonders in Genf in 2021angekündigten Version mit grünem Zifferblatt wird extrem rar sein und noch heftiger begehrt sein wie die bisherigen Modelle. 

Wie stark Patek Philippe inzwischen mit dem Aspekt Warten verbunden wird, zeigt eine Foto-Montage von Bernie Sanders, die im Zuge der Inauguration von Joe Biden im Internet die Runde macht. Nicht anders wird es all den Patek Philippe Uhrenliebhabern ergehen, die mit dem Gedanken an einen Kauf einer stählernen Patek Philippe Nautilus geliebäugelt haben. Hier ist Warten angesagt und zu hoffen, dass Patek in den kommenden Jahren vielleicht weitere kleine Sonderserien auflegt. Aber dies steht wahrlich in den Sternen.