Weltzeituhren mit integrierter Zeitzonenmechanik

6 Weltzeituhren für Globetrotter von teuer bis preiswert

Wer schnell mal nach London fliegt oder gar weltweit unterwegs ist, kennt das Problem: Nach dem Landen muss die Armbanduhr eine Stunde weniger zeigen. Die vorgestellten Weltzeituhren mit Zusatzmechanik von Breitling, Montblanc, Oris, Panerai, Patek Philippe und Seiko lösen dies ganz unterschiedlich, aber alle mit Bravour. Wollen Sie wissen wie?

von | 14.08.2022

Weltzeituhren

Um Weltzeituhren mit Zeitzonen-Mechanik zu verstehen, gilt es diese höchst simple Rechnung zu verstehen:
360 : 24 = 15
Mit Blick auf die Uhrzeit hatte sie vermutlich erstmals Sandford Fleming aufgemacht. Und zwar im Jahr 1873. Die Eisenbahngesellschaften in den Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada plagte ein unglaubliches Zeit-Chaos. Mit Hilfe von 71 verschiedenen Eisenbahnzeiten versuchte man das Problem in den Griff zu bekommen und Unfälle auf den eingleisigen Strecken zu vermeiden. Weil das nicht gelang, statuierte der leidgeplagte Chefingenieur der Canadian Pacific Railway besagtes Rechenexempel.
Die Rechnung war im Grunde nicht sehr kompliziert: 360 Bogengrade Erdumfang dividiert durch die 24 Stunden eines ergibt 15 Längengrade, über die sich jeweils eine Zeitzone erstreckt. Von einer zur anderen verschiebt sich die Zeit um jeweils eine volle Stunde. In östlicher Richtung vor-, in westlicher rückwärts.

Das Resultat überzeugte den amerikanischen Präsidenten Chester A. Arthur. Im Oktober 1884 lud er Vertreter der damals nur 24 souveränen Staaten zur Ersten Meridiankonferenz nach Washington DC. Nach intensiven, teilweise sehr kontroversen Diskussionen verständigte man sich schließlich auf das bis in die heutige Gegenwart prinzipiell gültige Weltzeit-System mit dem durch Greenwich verlaufenden Nullmeridian.
GMT, Greenwich Mean Time, kommt also nicht von ungefähr, sondern entstand aus der in Greenwich getroffenen Übereinkunft des Zeitzonensystems. Später wurde aus GMT der heutige, offizielle Fachausdruck UTC, also die Universal Time Coordinated Zeit. Die Datumsgrenze markiert der gegenüber liegende 180. Längengrad. Von selbst verstehen mag sich der Tatbestand, dass primär geographische Verhältnisse den Verlauf der Zeitzonengrenzen bestimmten.

Weil zudem die Politik immer das letzte Wort für sich beansprucht, lassen sich gegenwärtig 37 Zonenzeiten zählen:

  • 25 + 2 Standard-Zeitzonen mit Vollstunden-Zeitverschiebung gegenüber UTC
  • 7 mit Voll- und Halbstunden-Zeitverschiebung (z.B. Indien, Sri Lanka, Iran oder Afghanistan) sowie
  • 3 mit Voll- und Viertelstunden-Zeitverschiebung (Neuseeland, Australien und Nepal).

Nachdem die „krummen“ Zeitzonen eher die Ausnahme sind, beschränken sich klassische Reise-Armbanduhren mit so genannter Weltzeit oder GMT-Funktion auf lediglich 24 Zonenzeiten. Neben dem Minuten- und ggf. Sekundenzeiger besitzen sie in der Regel zwei Stundenzeiger. Jener zur Indikation der Heimat- oder Referenzzeit rotiert einmal in 24 Stunden um 360 Grad. Zur Orientierung gibt es auf dem Zifferblatt oder Glasrand eine entsprechende Indexierung. Diesen Zeiger stellt man vor der Abreise auf die Heimatzeit, welche im Normalfall auch der zweite Stundenzeiger mit doppelter Drehgeschwindigkeit darstellt. Bei Reisen über Zeitzonengrenzen hinweg sollte er sich im Idealfall mit Hilfe von Krone, Drücker oder Drehlünette unabhängig vom Minutenzeiger in Stundenschritten verstellen lassen.

Bei den weit verbreiteten Armbanduhren mit den Automatikkalibern ETA 2893-A2, A07.171 oder 7754 mit Chronographenfunktion ist das jedoch nicht der Fall. Hier lässt sich der meist schlank ausgeführte 24-Stunden-Zeiger unabhängig bewegen. Dieses Feature hilft unter anderem Schreibtisch-Bankern beim zeitlichen Jonglieren mit Börsenplätzen. Wer reist, möchte am jeweiligen Aufenthaltsort auf den gewohnten Stundenzeiger blicken und beim Einstellen der Ziel-Zeit samt Datum den Minutenzeiger unangetastet lassen. Dessen exakte Position gerät, wie die Praxis zeigt, beim Richten der Zeiger ohne sinnvolles Zeitzonen-Dispositiv gerne in Vergessenheit. Entsprechend lautet die Empfehlung, Weltzeituhren mit Verstellung der Zeit in Stundenschritten den Vorzug zu geben.

Breitling Navitimer 8 Unitime

Die Geschichte des Breitling Navitimer 8 Unitime von reicht zurück bis ins Jahr 1951. Diese universale Breitling bildet simultan alle 24 Zonenzeiten ab. Steht die Repräsentantin der aktuellen Aufenthalts-Zeitzone bei „12“, lässt der entgegen dem Uhrzeigersinn drehende 24-Stunden-Ring wissen, wie spät es rund um den Globus ist. Aktienfreaks können also mit einem Blick sehen, ob an den Börsen beispielsweise London, New York oder Tokio gehandelt wird oder nicht. Überdies besitzt das 2018-er Modell einen unabhängig per Krone vor- und rückwärts verstellbaren 12-Stunden-Zeiger.

Das Fensterdatum bei „6“ folgt automatisch. Ergo ist die jeweilige Ortszeit im Handumdrehen eingestellt. Das Automatikkaliber B35 des Breitling Navitimer 8 Unitime ist aus eigener Manufaktur und von der COSC Offiziellen Schweizer Chronometerkontrolle zertifiziert. Bis zehn bar Druck reicht die Wasserdichte des 43 mm großen Stahlgehäuses. Mit Stahlband 7.700 Euro.

Montblanc 1858 Geosphere

Montblanc 1858 Geosphère nennt sich eine der markanten Zeitzonen Uhren des Hauses Montblanc. Die Zahl erinnert an das Gründungsdatum der mit dem Hamburgern vereinigten Manufaktur Minerva. Förmlich unübersehbar am Zifferblatt sind zwei bombierte Gebilde, welche die nördliche und südliche Hemisphäre symbolisieren. Beide drehen in 24 Stunden um ihre Achse. Die obere entgegen, die untere im Uhrzeigersinn. Zusammen mit entsprechend indexierten und farblich abgesetzten Skalen bilden sie die 24 Standard-Zeitzonen ab.

Wie es sich gehört, ist der zentrale Stundenzeiger des Montblanc Automatikkalibers MB 29.25, einem Zusammenbau aus einem Eta 2892 Kaliber und Montblanc-eigenem Zeitzonen-Dispositiv, per Krone unabhängig vor- und rückwärts verstellbar. Das Stahlgehäuse mit Titanboden und Keramikeinlage in der Lünette misst moderate 42 Millimeter. 5.890 Euro. Limitiert auch mit Bronzeschale erhältlich.

Oris Big Crown ProPilot Worldtimer

Nach dem Motto „Zeit-Reisen leicht gemacht“ hat der Hersteller aus dem schweizerischen Hölstein die Weltzeituhr Oris Big Crown ProPilot Worldtimer auf der Basis des Automatikkkalibers Eta 2836-A2 mit kleiner Sekunde bei „9“ entwickelt. Das exklusive Zeitzonen-Dispositiv, dessen Biographie bis 1997 zurückreicht, lässt sich nicht mehr wie einst per Drückern im Gehäuserand ansteuern, sondern höchst simpel per geriffeltem Glasrand. Nach links gedreht, bewegt sich der zentrale Lokalzeit-Stundenzeiger schrittweise in die gleiche Richtung.

Analog vollzieht sich das Vorwärtsstellen bei Reisen in westlicher Richtung. Das Fensterdatum bei „3“ folgt selbstverständlich. Ebenfalls bei „3“ findet sich ein zweites Zeigerpaar zum Bewahren der Heimatzeit. Ein kleines Fenster signalisiert Tag- oder Nachtstunden. Diese kosmopolitische Begleiterin gibt es ab 3.500 Euro mit knapp 45 Millimeter großem Stahlgehäuse und Kalbslederband im Vintagelook.

Panerai Luminor Due GMT

Neu in der Panerai-Kollektion ist die Modelllinie Luminor Due. An der Kissenform des Gehäuses hat sich nichts geändert. Aber die Kanten sind runder geworden. Man kann fast von handschmeichlerischen Qualitäten der Schale sprechen. Eine zudem flachere Bauweise gestattet die 2015 lancierte Kaliberfamilie P.4000.

Die Variante P.4002 mit automatischem Aufzug durch Mikrorotor und drei Tagen Gangautonomie beseelt die neue Panerai 3 Days GMT Powerreserve Automatic Accaio, Referenz PAM00944, 11.900 Euro. Am Zifferblatt lässt ein Zeiger bei „5“ genau wissen, wie es um den Spannungszustand der beiden Zugfedern bestellt ist. An Vielflieger wendet sich die GMT-Funktion mit zwei Stundenzeigern und koaxial zur nullstellbaren Permanentsekunde bei „9“ angeordneter Tag-/Nacht-Indikation. Beim Landen in ferner Zeitzone lässt sich der Ortszeit-Stundenzeiger schrittweise verstellen.

Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time 

Die ausgesprochen nostalgisch anmutende Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time, Referenz 5524, gab bei Patek Philippe im Jahr 2015 ihren Einstand. Und zwar mit 42 Millimeter großem Weißgoldgehäuse.

2018 brachte gleich zwei Varianten der Zeitzonenuhr in Rotgold. Eine Variante, Referenznummer 5524R zum Preis von knapp 45.500 Euro, besitzt die gleichen Dimensionen. Die zweite Weltzeituhr mit der Referenznummer 7234R misst lediglich 37,5 Millimeter und kostet  rund 42.500 Euro. Unabhängig vom Durchmesser findet sich im Gehäuseinneren das aus 294 Komponenten zusammengefügte Patek Manufaktur-Automatikwerk CH 324 S C FUS.

Sie verfügt über ein praktisches Zeitzonen-Dispositiv mit Tag-Nacht-Anzeigen bei „9“ für die Orts- und bei der „3“ für die Heimat- oder Referenzzeit. Links im Gehäuserand finden sich Drücker zum Vor- oder Rückwärtsstellen des unabhängigen zweiten Stundenzeigers. Ein Zeigerdatum ist ebenfalls mit von der Partie. Dessen Korrektur erfolgt mit Hilfe eines versenkten Korrektors in der Gehäuseflanke.

Grand Seiko Blue Ceramik Hi-Beat GMT

Rund 15.000 Euro ruft Seiko für die Grand Seiko Blue Ceramic Hi-beat GMT Special Limited Edition mit fünf Hertz Unruhfrequenz und dem hauseigenen Schnellschwinger-Kaliber 9S86 auf. Die Besonderheit der Weltzeituhren Modelle von Grand Seiko Blue Ceramic Hi-beat besteht in einer GMT-Funktion mit unabhängig verstellbaren 12-Stunden-Zeiger.
Bei den insgesamt nur 350 Exemplaren umfängt erstmals ein Mix aus Titan und blauer Keramik dieses sehr flott tickende Automatikwerk. In seinen Rotor emsig ist eine massivgoldene Plakette eingelassen. Aus dem gleichen Materialmix besteht auch das Armband. Die bemerkenswert leichte Schale misst 46,4 Millimeter. Die Japaner bescheinigen dieser Armbanduhr eine Ganggenauigkeit im Bereich von täglich – 2 bis +4 Sekunden.

TAG Heuer Carrera Heuer 02 GMT Weltzeituhr

Das Manufakturkaliber Heuer 02 mit Chronograph hat seine Reifeprüfung inzwischen bestanden. Zur Montage der Schaltrad-Mechanik des Stoppers braucht es nur eine einzige Schraube. Neu bei der TAG Heuer Carrera Heuer 02 GMT ist die Funktion der Weltzeitenanzeige, die die drei zusätzlichen Buchstaben GMT signalisieren. Der 45 Millimeter große Bolide mit Stahlgehäuse und zweifarbiger Keramiklünette besitzt gleich zwei Stundenzeiger. Der rote umrundet das durchbrochen gestaltete Zifferblatt einmal in 24 Stunden. Das weiße, ebenfalls im Zentrum drehende Heimatzeit-Zeiger lässt sich unabhängig schrittweise im Uhrzeigersinn verstellen.

Durch den Sichtboden der Schale zeigt sich das Uhrwerk mit Selbstaufzug und satten 80 Stunden Gangautonomie. Die Wasserdichte reicht bis zu zehn bar Druck. Mit stählernem Gliederband liegt der Preis bei 6.050 Euro.

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