Premium-Marken verlassen Basler Uhrenmesse Baselworld
Rolex, Patek, Tudor und Chopard verlassen Basler Uhrenmesse Baselworld!

Die Baselworld verliert ihre Top-Marken. Unterschiedliche Interessen, sowie unkoordiniertes Verhalten der Baselworld führten zum Bruch. Die Top-Uhrenmarken gehen nun nach Genf. Die Statements von Rolex CEO Jean-Frédéric Dufour, des Patek Präsidenten Thierry Stern und von Karl-Friedrich Scheufele, dem Co-Präsident Chopard sind unmissverständlich. Weiß die Baselworld, was da auf sie zukommt?

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Diee Welle der Unzufriedenheit hatte sich lange aufgebaut. Jetzt verlassen Rolex, Tudor, Patek Philippe, Chanel und Chopard verlassen die Basler Uhrenmesse und gehen nach Genf. Wird die Baselworld diesen Tsunami überstehen?

Die Pressemeldung der FHH Foundation de la Haute Horlogerie zur Baselworld 2021 war kurz, aber prägnant: Die Marken Rolex, Patek Philippe, Tudor, Chanel und Chopard verlassen die Basler Uhrenmesse und werden Anfang April 2021 einen neuen Uhrensalon in Genf veranstalten. Diese Uhrenmesse soll im Geneva Palexpo zeitgleich mit Watches & Wonders Geneva stattfinden.

Rolex, Tudor und Patek Philippe hatten bereits vorher verkündet, dass sie in diesem Jahr wohl keine gesonderte Vorstellung ihrer Produkte vornehmen werden, sondern wahrscheinlich auf das Jahr 2021 verschieben werden.
Damit hätte die Baselworld wohl den Warnschuss vernehmen müssen, den das Management in Richtung Basler Uhrenmesse abgaben. Hinterlässt die Corona COVID-19 Pandemie doch eine tiefe Schneise in den Auftragsbüchern der großen Uhrenmarken. Von den vielen kleinen Uhrenmarken ganz zu schweigen, die die Corona-Krise in ihrer Existenz bedroht.
Offenbar hielt man im Management der Messe Basel dies jedoch für Theaterdonner und entschied über die Verschiebung, die mögliche Kostenübernahme wie den neuen Termin wie in der Vergangenheit. Unabgestimmt.

Die Pressemeldung der Foundation Haute Horlogerie ist in ihrer Begründung an Eindeutigkeit nicht zu überbieten: „eine Reihe einseitiger Entscheidungen, die ohne Rücksprache mit dem Management der Baselworld getroffen wurden, einschließlich der Verschiebung der Uhrenmesse auf Januar 2021, sowie ihre Unfähigkeit, den Bedürfnissen und Erwartungen der Marken gerecht zu werden“.
Dem steht nun wiederum eine Pressemeldung der Baselworld entgegen, in der komplett Gegenteiliges verlautbart wurde. Hier heiß es: “Mit grosser Überraschung und ebenso grossem Bedauern nimmt die MCH Group die Absage wichtiger Aussteller an der Baselworld zur Kenntnis. Der neue Termin für die unvermeidliche Verschiebung der Baselworld 2020 wurde gemeinsam mit führenden Ausstellern festgelegt.”
Solch konträre Darstellung der Abläufe in einer Industrie, die doch für Präzision und geringe Abweichung wirbt, ist durchaus überraschend. Wobei, eigentlich dann doch nicht. Denn Fakt ist, dass die Interessen der Premium-Marken und die der Messe, aber auch der preisgünstigeren Anbieter sich zusehends voneinander entfernen. Betrachtet man nun die aktuellen Marktzahlen, dann wird dies mehr als deutlich. Denn echtes Wachstum haben nur noch die Luxusmarken, der breite Markt stagniert oder geht zurück.

Die große Frage die im Raum steht ist die, ob es für die Baselworld in ihrer jetzigen Form noch eine Zukunft gibt. Vielleicht spezialisiert auf den Uhren- und Schmuckbereich? Aber da ist die Schweiz, anders als im Segment der absoluten Luxusmarken keinesfalls dominierend. Oder im Bereich der breiten, massenmarktorientierten Marken? Da gibt es bereits die Inhorgenta und weitere große Messen in Asien und Amerika.

Die Zukunft der Baselworld

Wir werden gespannt die nächsten Schritte verfolgen. Eines ist jedoch festzuhalten. Natürlich haben die Luxusmarken erkannt, dass ihre Zukunft wohl nicht in Basel liegt. Allerdings hat die Baselmesse es schlichtweg versäumt, wichtige Entscheidungen und Veränderungen mit ihren wichtigsten Partnern abzustimmen und deren Interessen stärker zu berücksichtigen. Entsprechend darf man sich nicht wundern, wenn die globalen Marken Rolex, Patek Philippe, Tudor, Chanel und Chopard die Reißleine ziehen und sich nach attraktiven Alternativen umsehen. Schlimmer noch. Es ist abzusehen, dass weitere Marken folgen werden.

Quo vadis Baselworld? Die Antwort auf die Frage kam schnell.

Wir haben seit 1939 an der Baselworld teilgenommen. Leider haben wir angesichts der Entwicklung der Veranstaltung und der jüngsten Entscheidungen der MCH Group und trotz der großen Verbundenheit mit dieser Uhrenmesse beschlossen, uns zurückzuziehen. Nach von Rolex initiierten Diskussionen schien es nur natürlich, eine neue Veranstaltung mit Partnern ins Leben zu rufen, die unsere Vision und unsere andauernde, unerschütterliche Unterstützung für die Schweizer Uhrenbranche teilen. Diese wird es uns ermöglichen, unsere neuen Uhren unseren Bedürfnissen und Erwartungen entsprechend zu präsentieren, unsere Kräfte zu bündeln und die Industrieinteressen der Branche besser zu verteidigen”.

Jean-Frédéric Dufour

CEO, Rolex SA und Board Member Tudor SA

Die Entscheidung, die Baselworld zu verlassen, fiel mir nicht leicht, da ich die vierte Generation der Familie Stern bin, die an dieser traditionellen jährlichen Veranstaltung teilnimmt. Aber das Leben entwickelt sich ständig weiter, die Dinge ändern sich und auch die Menschen ändern sich, sei es auf der Ebene der Verantwortlichen für die Organisation der Uhrenmesse, der Marken oder der Kunden. Wir müssen uns ständig anpassen, uns fragen, was wir tun, denn was gestern richtig war, muss heute nicht unbedingt gültig sein!
Heute kann Patek Philippe die Visionen der Baselworld nicht mehr teilen, es gab zu viele Diskussionen und ungelöste Probleme, das Vertrauen ist nicht mehr vorhanden.
Wir müssen auf die legitimen Bedürfnisse unserer Einzelhändler, der Kunden wie der weltweiten Presse eingehen. Diese müssen alljährlich, gleichzeitig und an einem Ort die neuen Modelle der Schweizer Uhrmacher entdecken können, und dies auf möglichst professionelle Art und Weise.
Deshalb haben wir nach vielen Diskussionen mit Rolex und im Einvernehmen mit den anderen teilnehmenden Marken beschlossen, gemeinsam eine einzigartige Veranstaltung in Genf zu schaffen, die unserem Wissen und unseren Fähigkeiten entspricht.

Thierry Stern

Präsident, Patek Philippe

Chopard stellte erstmals 1964 auf der Basler Messe mit einem rund 25 Quadratmeter großen Stand aus. Nach reiflicher Überlegung beschloss unsere Familie, die Initiative von Rolex zu unterstützen und sich von der Baselworld zurückzuziehen – eine schmerzhafte Entscheidung.
Die Schaffung dieser neuen Uhrenmesse in Genf, parallel zur Watches & Wonders, wird es uns nun ermöglichen, sich um die Belange der Kunden wie die Belange von uns Uhrenherstellern zu kümmern. Durch diese Allianz werden die großen Uhrenmarken überdies in der Lage sein, bei der Förderung der Werte wie bei der Wahrung der Interessen der Schweizer Uhrenindustrie zusammenzuarbeiten.

Karl-Friedrich Scheufele

Co-Präsident Chopard , Patek Philippe

Rezension

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Zusammenfassung Die Baselworld Basler Uhrenmesse verliert mit Rolex, Patek Philippe, Tudor und Chopard die wichtigsten Uhrenmarken. Der Exit der Premium-Uhrenmarken gefährdet den Fortbestand der Messe. Genf wird neuer Standord eines Genfer Uhrensalons im April 2021.

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Über den Autor

Wolfgang Winter

Uhrenkosmos Partner und Autor.

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