In Memoriam Christian Pfeiffer-Belli

Christian Pfeiffer-Belli: Ein bedeutsamer Uhrensammler und Uhrenkenner

Am 8. Dezember verstarb Christian Pfeiffer-Belli in München. Zeit für einen Nachruf auf den großen Uhrensammler, Uhrenkenner und Uhrenspezialisten und einige persönliche Erinnerungen an einen bemerkenswerten Menschen.

von | 11.12.2021

Ein Leben für die mechanische Uhr

Erstaunlich aber wahr: Christian Pfeiffer-Belli (CPB) und ich kannten uns mehr als 43 Jahre, und über die lange Zeit blieben wir immer konsequent per Sie. Anlässe, irgendwann ins vertrautere Du zu wechseln, hätte es dabei hinreichend gegeben. Beispielsweise 1990, als uns vier Männer im Zuge einer Recherche-Reise zum Buch über Audemars Piguet in eine Falle lockten und mit Messern zur Herausgabe des im Gürtel versteckten Geldes nötigen wollten. Passiert in einem Friedhof nahe dem Hauptbahnhof von Bombay, das heute bekanntlich Mumbai heißt. Am Ende war uns das Glück hold. Durch eine kleine Seitenpforte konnten wir den Kerlen entkommen und in der Bar des Taj Mahal Hotels, in dem wir logierten, mit Moët Champagner auf unser neu gewonnenes Leben trinken.​

 

Chronos Japan Comic Bombay Christian Pfeiffer-Belli und Gisbert L. Brunner

Gegenstand eines Comics in der japanischen Uhrenzeitschrift Chronos; Unsere gefährliche Erfahrung 1990 auf einem Friedhof in Bombay

Gisbert L. Brunner Martin K. Wehrli Christian Pfeiffer Belli AP Buch 1992

Vorstellung der Firmenbiographie Audemars Piguet im Jahr 1992: Gisbert L. Brunner, Martin K. Wehrli und Christian Pfeiffer-Belli (v.l.n.r)

Kennengelernt hatten wir uns schon 1978. Natürlich über das Thema Uhr. Auf der Münchner Auer Dult hatte ich eine wunderschöne, leider unsignierte Präzisions-Pendeluhr mit bolt-and shutter-Aufzug erstanden und prominent in meiner damaligen Wohnung aufgestellt. Natürlich wollte ich mehr erfahren über dieses Unikat bayerischer Provenienz. Den hilfreichen Tipp lieferte ein Freund, seines Zeichens ebenfalls passionierter Uhrensammler und Schulkamerad von CPB. Er wohnte im noblen Altbau in der Münchner Widenmayerstraße eine Etage über mir.

Ruf den Christian Pfeiffer-Belli an, der hat doch gerade ein neues Buch über Präzisions-Pendeluhren publiziert.“ Gesagt, getan. Schon kurz darauf stand CPB mit einem Exemplar des brandneuen Erbrich unterm Arm vor meiner Tür. Zum einen aus Neugierde, denn mein Kauf interessierte ihn brennend. Andererseits aber auch aus Gründen der spontanen Hilfsbereitschaft, die Christian Pfeiffer-Belli auszeichnete, seitdem ich ihn kennenlernen durfte. Natürlich unterhielten wir uns damals ausgiebig übermechanische Uhren und deren Reparatur, welche CPB und den Münchner Callwey Verlag zur Herausgabe eines ersten Buchs zu diesem Metier veranlasst hatten.

Klaus Erbrich Präzisions Pendeluhren Callwey 1978

Herausgegeben 1978 von Christian Pfeiffer-Belli im Callwey Verlag München: Klaus Erbrich Präzisions Pendeluhren

Bald schon kamen wir aber auch auf Armbanduhren, denn ich sprach CPB auf seine goldene IWC Yacht Master an. Ans Handgelenk geschnallte Zeitmesser, mechanische versteht sich, übten auf uns beide eine besondere Faszination aus. Und so entstand Zug um Zug eine Uhren-Freundschaft der außergewöhnlichen Art. Mich faszinierte sein umfassendes Uhrenwissen, sein nachgerade gigantischer Bekanntenkreis und die für damalige Verhältnisse schon bemerkenswerte Bibliothek.

Christian Pfeiffer-Belli fand wahrscheinlich Gefallen an meiner Sammlung, die in den späten 1970-er Jahren schon zahlreiche interessante Exemplare umfasste und kontinuierlich wuchs. Im Laufe der Jahre entwickelte sich ein edler Sammler-Wettstreit. Nur zu gerne erinnere ich mich an einen Samstagmorgen, als wir in Augsburg einen viele Jahre lang geschlossenen und dann mit übrig gebliebener Ware neu eröffneten Uhrenladen innerhalb kurzer Zeit halb leer kauften.

Christian Pfeiffer-Belli Gisbert Brunner 1983

Erinnerung ans Jahr 1983: Christian Pfeifer-Belli und Gisbert L. Brunner im Callwey Verlag bei der Vorstellung des von CPB herausgegebenen Kahlert, Mühe, Brunner Armbanduhren

Daran, über Uhren zu schreiben, dachte ich damals nicht einmal im Traum. Mein eigentlicher Beruf füllte mich mehr als voll umfänglich aus. CPB konnte allerdings nicht nur motivieren, sondern auch unglaublich insistieren. Also verfasste ich 1981 meinen ersten Artikel über Armbanduhren in der von ihm im Jahr des Kennenlernens gegründeten Zeitschrift Alte Uhren. Gleichzeitig nahmen wir zusammen mit Helmut Kahlert und Richard Mühe das ambitionierte Buchprojekt Armbanduhren in Angriff. Etwas vergleichbar Umfassendes gab es am Markt damals nicht. Dieses 1983 publizierte und danach mehrfach erweiterte Druckwerk, verlegt natürlich von Callwey, wo CPB für die Produktion derartiger Bücher verantwortlich zeichnete, bildete das Fundament für viele publizistische Kooperationen. Allesamt produziert in bewährter Arbeitsteilung: CPB lieferte die Abbildungen, ich die Texte.

Buchprojekte Gisbert L. Brunner & Christian Pfeifer-Belli (C) Uhrenkosmos)

Ein Ausschnitt der im Laufe von kapp 40 Jahren gemeinsam realisierten Buchprojekte

Retrospektiv sind eine bessere Zusammenarbeit und ein zuverlässigerer Partner nicht mehr vorstellbar. All jenen, die Christian Pfeffer-Belli kannten, wird er in Erinnerung bleiben als chronometrisch unglaublich gebildeter, ohne Ende hilfsbereiter, kreativer, stets gerade heraus und 100% verlässlich agierender Zeit-Genosse. So und nur so lassen sich miteinander anspruchsvolle Projekte stemmen.

Christian Pfeiffer-Belli George Daniels Gisbert L. Brunner 1999

Christian Pfeiffer-Belliund Gisbert L. Brunner im Jahr 1999 beim gemeinsamen Treffen mit dem englischen Meister-Uhrmacher George Daniels

An diesem engagierten und von optimistischer Weitsicht geprägten Enthusiasmus konnte auch die vor rund zwanzig Jahren einsetzende Erkrankung nichts ändern. Ganz im Gegenteil: Nach dem Motto „jetzt erst recht“ gab CPB noch mehr chronometrisches Gas als zuvor. Für den teNeues-Verlag entstand das erste, bis in die Gegenwart erfolgreiche Watch Book. Und zum boomenden Watch Book Rolex steuerte er zahlreiche Abbildungen aus seinem Fundus bei.

Zeitschriften von Christian Pfeiffer-Belli

Metamorphose von 1978 bis 2020: die von Christian Pfeiffer-Belli als Chefredakteur betreuten Zeitschriften Alte Uhren, Uhren und Klassik Uhren

Als Chefredakteur der Zeitschrift Alte Uhren, welche 1992 in Uhren und ab Ende 1994 in die 2020 vom Ebner Verlag eingestellte Zeitschrift Klassik Uhren mündete, hat CPB tiefe Spuren hinterlassen. Uhrensammlern und -liebhabern wird der Name daher unvergesslich bleiben.

Gerd-Gregot Feth Christian Pfeiffer Belli Gisbert L. Brunner JLC 2000

Entgegennahme des Diploms nach einem Uhrmacherlehrgang bei Jaeger-LeCoultre in Le Sentier, Februar 2000. Mit im Bild Gerd-Gregor Feth

Am 8. Dezember 2021 ist Christian Pfeiffer-Belli mit 81 Jahren aus dieser Welt geschieden.

Ob er nun die Uhren in einem anderen Kosmos stellen, sammeln und beschreiben wird, wissen nur höhere Instanzen. In diesem Sinnen bleibt nur, einem alten Uhrenfreund auf immer Lebwohl zusagen. Die Zeit mit Ihnen, lieber CPB war großartig. Für alles Gewesene bin ich Ihnen sehr dankbar, und ich werde unsere zahllosen gemeinsamen Stunden rund um die Uhr niemals vergessen.

 

Christian Pfeiffer-Belli

Ein berufliches Leben gewidmet mechanischen Uhren und Büchern zu diesem Thema. So wird Christian Pfeiffer-Belli vielen in Erinnerung bleiben.

Ich möchte mich bei den zahlreichen Autoren, mit denen ich über 40 Jahre zusammengearbeitet habe, herzlichst bedanken für ihre Kooperation und Hilfe: Themen suchen, Ideen entwickeln, Unbekanntes hervorholen, alte Techniken erklären und Bilder dazu zu finden. … Es wird Zeit loszulassen, aber ein wenig traurig ist es schon, hier das letzte Editorial zu schreiben.

Christian Pfeiffer-Belli (2020)

Journalist, Autor und Chefredakteur

Noch mehr über luxuriöse Uhren

François-Henry Bennahmias verlässt Audemars Piguet: Jetzt offiziell

Lange rumorte es, nun wurde es offiziell. Audemars Piguet CEO François-Henry Bennahmias verlässt Ende 2023 das Unternehmen. So unangepasst Bennahmias auch oft war, für Audemars Piguet war seine Amtszeit ein Segen. Das waren seine wichtigsten Leistungen - und so hat sich unter Bennahmias das Ergebnis verbessert.

Schillernder Francois-Henry Bennahmias CEO Audemars Piguet

Kommentare zu diesem Beitrag

9 Kommentare

  1. Bewegender Artikel, Gisbert!
    Eine wunderbare Hommage an einen außergewöhnlichen Mann, der es im Leben nicht immer leicht gehabt hat. Ich erinnere mich gerne an ein Lunch mit euch beiden in Genf. Ein großartiger Moment mit zwei absoluten Experten. Es war wie ein Grand Slam Turnier zwischen zwei Meistern. Grandios und spannend!

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    • Gisbert L. Brunner

      1000 Dank, liebe Nadine, für deine freundlichen Worte. CPB wird mir wieklich unvergesslich bleiben.

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  2. Sehr geehrter Herr Brunner,

    über Umwege habe ich erfahren, dass Christian Pfeiffer-Belli gestorben ist. Ich kann es noch nicht so recht fassen. Auch wenn wir uns in den letzten Jahren nur sporadisch gesehen und gesprochen haben, es ist eine Lücke entstanden, die sich so schnell nicht schließen lässt. Wir haben über Jahrzehnte zusammengearbeitet und der Verlag hat ihm viel zu verdanken. Er hatte die Gabe, auf Menschen zuzugehen und durch seine Persönlichkeit und Kompetenz Projekte an Land zu ziehen, die finanziert wurden und ein wesentlicher Beitrag für die finanzielle Seite des Verlages waren. Für Ihren Nachruf möchte ich mich bedanken. Sie haben viele Seiten von CPB aufgezeigt und seiner würdevoll gedacht. Danke!

    Helmuth Baur-Callwey

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    • Gisbert L. Brunner

      Guten Abend, sehr geehrter Herr Baur-Callwey, es ist leider sehr traurig, aber wahr. Alles Gute für Sie. Beste Grüße GLB

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  3. Vielen Dank Herr Brunner, für diesen warmen und stilvollen Nachruf für Herrn Pfeiffer-Belli! Zahlreiche Bücher von ihm sind in meiner Sammlung.
    Ist Ihr Freund aus der Wiedenmayerstraße zufällig Herr Hubertus Reygers? Den kenne ich als Bruder eines Studienfreundes von mir. Aber das ist ja hier nur nebensächlich.
    Mit herzlichen Grüßen.

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  4. Obwohl nur ein unbedeutendes Licht , und dies auf einem kleinen Spezialgebiet, dem der Historischen Schwarzwalduhr , wusste ich es oft sehr zu schätzen , wie cpb meinen 1 Quadratmeterstand bei der Uhrenmesse zu Furtwangen nicht ausließ,um sich nach origialer alter Literatur auf meinem Hobbygebiet zu erkundigen , und auch fündig zu werden , indem er seinen Bleistift übers Notizpapier fliegen lies und auch die historischen Uhrmachere Werkzeuge zu bewundern wusste und sich für ewin Fachgespräch mit mit die Zeit nahm . Danke dafür
    Requiescat in pace
    Mors certa hora incerta

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  5. Im August 2021 wendete ich mich wie so oft an Herrn Pfeiffer-Belli, den immer ansprechbaren und selbstlos
    antwortenden „Deutschen Uhrenpapst“ mit Fragen zu einer Paul-Ditisheim Trench-watch aus der Zeit vor der
    Umbenennung auf Solvil, wegen einer Zenith TAU mit 9 Adjustments und dem Hersteller von Uhren der Marke
    Loran of Switzerland, Fragen zu 100 Jahren Uhrengeschichte, die man nur CPB stellen konnte.
    Als keine Antwort erfolgte, was für CPB sehr ungewöhnlich war, schwante mir nun schlimmes.
    Was sich nun leider bestätigte.
    Wir sind sehr traurig und denken darüber nach, wer in Zukunft die Fragen zu der so interessanten Uhrengeschichte so kompetent beantworten kann? Bei Glashütter Uhren steht noch der wunderbare Herr Donner zur Verfügung – aber bei den Schweizer Uhren werden wir Herrn Pfeiffer-Belli und seinem umfassenden Wissen so manche Träne nachweinen.

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  6. Hallo, Herr Brunner!

    Danke für die Worte zu CPB. Ich kannte ihn natürlich nicht so lange wie Sie, aber die Zeit, die ich mit CPB verbringen durfte, war für mich in vielerlei Hinsicht sehr lehrreich. Wir konnten viele Fragen gemeinsam klären.
    Für die Branche und für mich ist das Ableben von Christian Pfeiffer-Belli ein wahrer Verlust.

    Ich habe noch eine Bitte: Obwohl seine Frau ein paar Tage bei uns in Graz war, kann ich mich an ihren Vornamen nicht mehr erinnern. Ich möchte ihr doch kurz schreiben.

    Ich wünsche Ihnen noch alles Gute für 2022.
    Mit lieben Grüßen
    Manfred Rössler.

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  7. Lieber Herr Brunner. Vielen Dank für Ihren einfühlsamen Nachruf. Christian Pfeiffer und ich sind auch immer beim Sie geblieben,obwohl wir über viele Jahre anlässlich der Tefaf bei unserem Freund Helmut Crott in Lüttich logierten und viele private Gespräche führten. Ich bewunderte seine Stärke bezüglich seiner Krankheit.Ein großer Verlust! Liebe Grüße. Hans H.Wegner

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