Nomos Lambda Stahl
Nomos Lambda 175 Stahl – das ist puristisches Design für Kenner

Im Jahr 2020 feiert man 175 Uhrmacherei in Glashütte. An diese bescheidenen Anfänge und den Aufstieg zu einem heute weltweit bedeutenden Standort der Uhrenindustrie erinnert die stählerne Armbanduhr Nomos Lambda. Ihr Handaufzugswerk mit 84 Stunden Gangautonomie repräsentiert die Hohe Schule handwerklicher Manufakturarbeit.

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Blick vom Glashütter Nomos Bahnhof zum Nomos Forum in der ehemaligen katholischen Kirche

Sakralbau als Uhrenforum

Um zu verstehen, wie ungewöhnlich diese 175 Jahre Uhrmacherei in Glashütte und der Weg zu handwerklichen Spitzenprodukten, wie der Nomos Lambda Stahl waren, muss man sich nur eine Frage stellen. So seltsam sie zunächst auch klingen mag, ist sie doch keineswegs aus der Luft gegriffen: Was um alles in der Welt tut man mit einer ungenutzten katholischen Kirche am unwegsamen und deswegen schlecht erreichbaren Müglitz-Steilhang im ehemaligen Tal der Ahnungslosen?
Nach der Grundsteinlegung der Kirche im Jahr 1952 war die feierliche Weihe 1954 über die Bühne gegangen. Damit hatten die Flüchtlinge aus Ungarn, Schlesien und der ehemaligen Tschechoslowakei in Glashütte endlich auch eine geistliche Heimat gefunden.

Ab 1983 gab es in der Kleinstadt allerdings keinen eigenen Geistlichen mehr, so dass nach der Feier des letzten Gottesdienstes Ende September 2017 das Gebäude zum Verkauf stand. Weil das allgemeine Interesse gegen Null tendierte, kam schließlich die Uhrenmanufaktur Nomos zum Zuge. Vom Bistum Dresden-Meißen erwarb sie das Gebäude am anderen Ufer des kleinen Flusses. Anschließend erfolgten die offizielle Entweihung, die Renovierung des Gottes- und angeschlossenen Pfarrhauses sowie die Asphaltierung des bis dahin unbefestigten Wegs nach oben.

Nomos Glashuette Forum Foto C GLB

Eingang zum neuen Nomos Glashütte Forum

Anfang Oktober 2020 waren die Arbeiten abgeschlossen und das Familienunternehmen Nomos feierte die Eröffnung des Glashütter Nomos Forums mit der Lancierung einer stählernen Armbanduhr namens Nomos Lambda. Das Nomos Forum soll jedoch auch anderweitig genutzt werden. Geplant ist, dass vor Ort Veranstaltungen unterschiedlicher Art stattfinden und sich womöglich auch Künstler verwirklichen können.

Querdenker im positiven Sinn

Der Kauf des Sakralbaus und die Umwidmung zu einem Veranstaltungsort passen perfekt zur Philosophie von Roland Schwertner, der Nomos nach dem Mauerfall zu neuer Blüte geführt hatte, und Geschäftsführer Uwe Ahrendt. Letzterer avancierte 2002 zum Gesellschafter und bekleidet in Glashütte überdies das Amt des Ersten Bürgermeister-Stellvertreters.

Durch den Erwerb und Umbau des 1937 eröffneten Bahnhofs zu einer Uhrenmanufaktur im Bauhausstil hatte Nomos schon 2005 den Hang zu Ungewöhnlichem demonstriert und echtes Zeichen gesetzt. Infolge des rasanten Wachstums platzte die Produktion dort, wo Bahnreisende in Glashütte ankommen, bald schon aus allen Nähten.

Aufgrund des Platzmangels gab es seit 2015 am Erbenhang hoch über der Stadt die so genannte Chronometrie, in der Nomos seine verschiedenen Uhrenmodelle assembliert und reguliert.

2017 zogen die zerspanenden und damit sozusagen schmutzigen Maschinen von Nomos vom Bahnhof in den etwa fünf Kilometer entfernten Stadtteil Schlottwitz um. Nach einer Investition von knapp zwei Millionen Euro bietet dieser rund 1.000 Quadratmeter große und klimatisierte Neubau genügend Platz für ein breites Spektrum an Dreh- und Fräsmaschinen.

Etwa 40 der summa summarum rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich hier um die Fabrikation unterschiedlichster Komponenten, angefangen bei den Platinen bis hin zu Zahnrädern und -trieben sowie den filigranen Unruhreifen aus dem Werkstoff Declafor. Diese Legierung besitzt in etwa die gleichen Eigenschaften wie Glucydur, kommt aber ohne das als Staub sehr giftige Beryllium aus.

Moderne Automaten pressen im holzverkleideten Bauwerk nahe eines Supermarkts auch die Lagersteine mit höchster Präzision in die Werkplatten, Brücken und Kloben.

Unabhängigkeit groß geschrieben

Nachdem Nomos die Unruhspiralen für das hauseigene Swing-System ebenfalls selber herstellt, beträgt die Fertigungstiefe über 95 Prozent. Damit liegt die Manufaktur definitiv auf einer Ebene mit A. Lange & Söhne sowie Glashütte Original.

Ausnahmslos alle verbauten Uhrwerke, egal ob mit manuellem oder automatischem Aufzug entstammen eigener Produktion. Jene mit der Kennzeichnung DUW verfügen zudem über das mit Millionenaufwand entwickelte Schwing- und Hemmungssystem. Apropos Investment: Im Laufe von 30 Jahren hat Nomos in Glashütte für Forschung, Entwicklung, Gebäude und Maschinenpark nach eigenen Angaben schätzungsweise gut 50 Millionen Euro ausgegeben. Für die kleine Stadt ist dies eine große Summe. 

Durch diese beachtliche Investitionssumme entstand so mit der Zeit die größtmögliche Unabhängigkeit von lebensnotwendigen Zulieferungen. Von Interesse ist eine weitere Zahl: Seit Aufnahme der Uhrenfertigung hat die in punkto Stückzahlen größte deutsche Uhrenmanufaktur etwa 431.000 Zeitmesser hergestellt und natürlich auch verkauft. Jeder einzelne davon ist in den Firmenarchiven verewigt. Viele auch mit dem Namen der stolzen Besitzerin oder des Besitzers.

Wer Wert legt auf imposanten Auftritt am Handgelenk, gehört definitiv nicht zum Kundenkreis der seit Anbeginn völlig unprätentiös auftretenden Marke. Armbanduhren von Nomos sind eben für Liebhaberinnen und Liebhaber sachlichen Uhr-Designs. Darüber hinaus wenden sie sich vornehmlich solche Menschen den Modellen namens Tangente, Metro, Orion, Tetra, Ludwig, Club, Ahoi, Tangomat, Autobahn, Minimatik, Zürich, Lux und Lambda zu, die für moderates Geld hochwertige präzise Manufakturarbeit ihr Eigen nennen wollen.

Aktuell bietet Nomos rund 100 verschiedene Referenzen an. Zusammen mit den nicht mehr hergestellten, aber immer noch erhältlichen Modellen wächst die Zahl der Modelle damit auf etwa 200.

Besonders stolz ist Uwe Ahrendt auf die Tatsache, dass sich jede Nomos ob heute oder in Zukunft immer reparieren lässt. Auch die ersten, vor dreißig Jahren noch mit dem Schweizer Kaliber Peseux 7001 ausgestatteten Tangente-Modelle kommen gelegentlich besser aus den Serviceateliers als sie es damals waren. Schnelle Rücksendung sowie akzeptable und nachvollziehbare Preise spielen dabei eine große Rolle.

Das Vertrauen in die Qualität der Glashütter Manufakturarbeit soll sich künftig übrigens auch in einer verlängerten Garantie ausdrücken. Genaues konnte und wollte der Geschäftsführer Anfang Oktober noch nicht sagen. Aber die Gewährleistungsspanne wird deutlich über dem bislang Üblichen liegen.

Interessanter Weise möchte sich 80 Prozent der Nomos-Kundschaft bei einem der weltweit circa 500 Konzessionäre bedienen lassen. Weil die verständlicher Weise aber nicht alle Modelle vorrätig haben können, ist ein partnerschaftliches Online-Konzept in Planung. Zwei Tage, nach dem Internetkauf beim Fachhändler soll die Uhr per Post zu Hause eintreffen.

Nomos Glashütte Lambda in Gold

Als Glashütter Original und Mitglied einer alteingesessenen Familie erfüllt Uwe Ahrendt die Ende Mai 1845 von Ferdinand Adolph Lange begonnene Geschichte von 175 Jahre Uhrmacherei in Glashütte, dem deutschen Uhrenmekka mit besonderer Freude. Insofern verwundert es nicht, dass die Manufaktur 2020 mit einer Version des Spitzenmodells Nomos Lambda Stahl an den Start geht.
Die Biographie dieses Handaufzugsmodells reicht zurück bis ins Jahr 2013. Da nämlich debütierte die zusammen mit den Designern Michael Paul und Axel Kufus aus der Taufe gehobene Armbanduhr.

Das außergewöhnliche Erscheinungsbild der Nomos Lambda mit übergroßer Gangreserveindikation in der oberen Zifferblatthälfte löste ebenso Erstaunen aus wie die ausschließliche Verwendung von Edelmetall als Gehäusematerial sowie der für Nomos-Verhältnisse durchaus beträchtlichen Preis von 12.800 bzw. 13.800 Euro für die Version in Rosé- bzw. Weißgold. Das hatte es in der Nomos Markengeschichte noch nicht gegeben.

Handaufzugskaliber DUW 1001

Fürs Geld gab es das völlig neu entwickelte Handaufzugskaliber DUW 1001, welches jedoch mit Fug und Recht als uhrmacherische Augenweide gelten kann. Das 32 Millimeter große und 3,6 Millimeter hoch bauende Uhrwerk verkörpert Glashütter Uhrmacherkunst par excellence.
Wie es sich gehört, überdeckt die rückseitige Platine mit manuell aufgebrachtem Sonnenstrahlenschliff exakt drei Viertel des zeitbewahrenden Mechanismus. Durch den Sichtboden zeigen sich nicht weniger als sechs mit blauen Schrauben fixierte verschraubte Goldchatons. Sie halten ebenso viele der summa summarum 29 funktionalen Steine dieses Uhrwerks.

Unter einem handgravierten Kloben vollzieht das hauseigene Duo aus echter Schraubenunruh und flacher Unruhspirale stündlich 21.600 Halbschwingungen. Zum Top-Standard gehört auch eine Schwanenhals-Feinregulierung zur fein dosierten Bewegung des Rückerzeigers. Die entschleunigte Frequenz und zwei Federhäuser bewirken 84 Stunden Gangautonomie. Folglich müssen die Käufer erst nach dreieinhalb Tagen wieder zur Krone greifen. Rein theoretisch jedenfalls.
Weil der manuelle Aufzug extrem geschmeidig von statten geht, dürfte der Energienachschub weitaus öfter erfolgen. Dabei lässt ein Differenzialgetriebe den langen schlanken Zeiger von links nach rechts wandern. Nicht minder filigran hat Nomos die weiteren drei Zeiger gestaltet. Sie sind zuständig für die Anzeige der Stunden, Minuten und Sekunden. Das präzise Einstellen hingegen gestattet ein Unruhstopp.

Der Minimalismus der Nomos Lambda in Edelstahl

Ein extrem schmaler Glasrand lässt das minimalistische auftretende Zifferblatt besonders groß erscheinen. Zeit-Puristen haben an diesem reduzierten Design ihre helle Freude. Andererseits gibt es freilich auch Kritiker, die sich mit dieser Optik gar nicht anfreunden können.

Nomos-Glashütte-Lambda-Edelstahl-Weiß-Gangreserveanzeige

Gefällt oder auch nicht: das Design der Nomos Lambda, Referenz 960.S2. Nicht ganz zutreffend ist die Beschriftung "Gangreserve 84 Stunden". Die Gangreserve beträgt 60, die Gangautonomie 84 Stunden.

Aber so ist es einmal im Leben. Nachdem Nomos traditionsgemäß weit davon entfernt ist, jedermanns Liebling zu sein, präsentieren sich auch die drei neuen Lambda Modelle im gleichen, stets betont sachlichen Look. Die nunmehr stählernen Gehäuseschalen messen 41,5 Millimeter. Wie gehabt bauen sie nur 8,9 Millimeter hoch. Damit schlüpft die Jubiläums-Lambda mit ihren handschmeichlerischen Eigenschaften problemlos unter jede Manschette. Das nasse Element mag diese Armbanduhr allerdings nicht sonderlich gerne. Bis zu drei bar Druck reicht die Dichte des Gehäuses. Damit ist das Werk gegen Spritzwasser geschützt, mehr aber auch nicht. Vor dem Duschen und Baden sollte man seine Armbanduhr also unbedingt abnehmen. Für einen sicheren und komfortablen Halt am Handgelenk sorgen die altbewährten Armbänder aus Pferdeleder.

Farbe: Ansichtssache

Eine Frage des persönlichen Geschmacks sind die Zifferblattfarben. Zur Wahl stehen Weiß, Blau und Schwarz. Durch eine spezielle Lackierung entsteht der durchaus erwähnenswerte Eindruck, dass es sich um echtes Email handelt.

Mit Blick auf 175 Jahre Uhrmacherei in Glashütte fertigt Nomos jeweils 175 Exemplare der Lambda Stahlvariante. Der unverbindliche Publikumspreis von 5.800 Euro (bei Prozent Mehrwertsteuer) mag manchen Markenfans für ein Handaufzugsmodell im ersten Moment auch hoch erscheinen. Ein ernsthafter Vergleich mit den weiterhin angebotenen Goldmodellen und dem, was man fürs gleiche Geld in Glashütte sonst so an hochrangiger Manufakturarbeit erhält, rückt das Weltbild aber schnell wieder zurecht.

Bei der Preiskalkulation der neuen Nomos Lambda haben wir mit einem sehr spitzen Bleistift gerechnet.

Uwe Ahrendt

Eindrücke der Eröffnung des Nomos Glashütte Forums

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Rezension

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Zusammenfassung 2020 feiert man 175 Jahre Uhrmacherei in Glashütte. In Erinnerung an die bescheidenen Anfänge gibt es nun die Armbanduhr Nomos Lambda in Stahl. Ihr Handaufzugswerk mit 84 Stunden Gangautonomie repräsentiert die Hohe Schule handwerklicher Manufakturarbeit im heutigen Glashütte. Denn es hat sich viel getan.

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Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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