Chrono Sapiens, Konstantin Grcic

Konstantin Grcic: „Rado hat viele Ideen in der Pipeline“

Im August 2016 feierten die neuen Rado Ceramica-Versionen von Rado ihre Premiere. Besser denn je, härter denn je. Im optimierten Look des Münchner Industriedesigner Konstantin Grcic. Uhrenkosmos sprach mit dem kreativen Kopf hinter der Marke

Viele Jahre nach der Präsentation der ersten Rado Ceramica Modelle hat Rado eine neue Generation des Uhrenklassikers vorgestellt. Mit Konstantin Grcic holte sich der Uhrenhersteller eine weltbekannten, in seinem Stil markanten Designer für die Gestaltung an Bord und ließ ihn zwei unterschiedliche Herren-Modelle entwerfen. Es sind dies die Modelle Rado Ceramica Signature mit Zentralsekunde, limitiert auf 701 Exemplare zum Preis von 1.780 Euro und die Rado Ceramica mit kleiner Sekunde

Beide Varianten warten mit mattschwarzen Monobloc-Gehäusen aus Hightech-Keramik auf. Der Gehäuseboden besteht aus Titan mit schwarzer PVD-Beschichtung, die Krone aus Edelstahl mit mattschwarzer Titan-Kappe. Ein gewölbtes metallisiertes Saphirglas schützt das fragile Zifferblatt, während im Inneren der Uhr ein Quarzwerk tickt. Die Werke sind wasserdicht bis fünf bar Druck, ihre Gehäuse messen 30,0 x 41,7 x 7,6 (B x L x H in Millimeter).

Das Rado Ceramica Signature-Modell unterscheidet sich von seiner Schwester durch die Gravur „Limited Edition One Out Of 701“ im Gehäuseboden. Eine Hybrid-Konstruktion aus mattschwarzen Gliedern in Hightech-Keramik und einem Innenband aus schwarzem PVD-Stahl bildet das Armband. Die Dreifachschließe besteht aus gebürstetem Titan.

Abseits der zuverlässigen bewährten Vorzüge dieser Rado Keramikuhren interessiert Uhrenkosmos jedoch, welche Ideen den Designer Konstantin Grcic bei der Gestaltung der Uhren im Sinn hatte. Wir haben den Designer direkt gefragt.

Gratulation zur ersten Armbanduhr aus Ihrem Designstudio, Herr Grcic. Ich liege wohl nicht ganz daneben, wenn ich die von Ihnen gestaltete Rado Ceramica als ungewöhnlich bezeichne. Vor allem das Zifferblatt und die Zeiger mit Super LumiNova heben sich deutlich ab vom bisherigen Stil von Rado ab.

Konstantin Grcic: Das Design war ein sehr komplexer Prozess, der sich über eine gewisse Zeitspanne hin erstreckt hat. Etwa drei Jahre.

Wie sind Sie mit Rado zusammengekommen?

Rado kam auf mich zu, denn das Projekt, die Neuauflage der Ceramica stand schon eine ganze Zeit lang im Raum. Wir haben uns getroffen und es lag an mir zu entscheiden, ob mich das Projekt interessiert oder nicht.

Wie die Entscheidung ausgefallen ist, wissen wir ja. Aber Konstantin Grcic ist ja nun nicht bekannt für Uhrendesign.

Wenn Rado mit jemandem wie mir in Kontakt tritt, steht ja irgendwie schon fest, dass ein klassisches Uhrendesign nicht infrage kommt. Rado wollte mit jemandem arbeiten, der mit einer neuen Perspektive an das Thema herangeht. Andererseits bin ich mit meinem Büro dafür bekannt, dass ich mich stark auf die Firmen einlasse, mit denen ich arbeite. Auf deren Geschichte, die dahinterstehende Kultur oder die Technologie. Die Beschäftigung mit dem Kunden ist für mich schon der Beginn des Projekts.

Rado ist keine Mainstream-Marke. Rado polarisiert. Man mag die Uhren oder man mag sie nicht. War das Image eine spezielle Herausforderung für Sie?

Ja. Aber es gab viele Argumente, die für die Zusammenarbeit mit der Schweizer Uhrenmarke gesprochen haben. Rado bringt hohe Materialkompetenz ins Spiel. Ihre Produkte sind einzigartig. Spannend fand ich darüber hinaus das Re-Design eines Klassikers wie der Rado Ceramica. Womöglich hätte es mich überfordert, eine Uhr von null auf hundert komplett zu entwerfen. Hingegen fand ich es schön, eine existierende Referenz weiterzudenken.

Da haben Sie wirklich ganze Arbeit geleistet. Als ich die neue Ceramica vor vier Wochen erstmals auf einem Foto sah, war ich verblüfft. Die Rado weckte einen völlig neuen Eindruck. Hatten Sie viel Freiheit beim Gestalten?

Ich denke, dass Rado schon vor der Neuversion der Ceramica über den eigenen Schatten gesprungen ist. Viele Ideen stecken derzeit in der Pipeline. Ich hatte das Gefühl, dass Rado in einer spannenden eigenen Phase zu mir kam, in der sie Dinge verändern wollten. Ich wollte mit der mir gegebenen Freiheit aber keine Grenzen austesten. Meine Verantwortung besteht darin, respektvoll mit dem bereits Bestehenden umzugehen. Andererseits wollte ich nach 25 Jahren auch einiges anders machen. Das Ganze ist ein Prozess. Ich stand im Dialog mit dem Design-Team von Rado, denn das hatte ja auch seine Vorstellungen.

Das Zifferblatt trägt bis zu 80 Prozent zum Gesamteindruck einer Uhr bei. Erst in zweiter Linie kommt dann die Form des Gehäuses. Von wem kam die Idee, mit Super LumiNova Leuchtmasse zu arbeiten?

Im Prozess haben wir zuerst die Uhr als Ganzes entworfen und danach erst die Zifferblätter gestaltet. Die Super LumiNova-Sache kam schon ziemlich stark von mir und meinem Design-Team. Wir wollten eine zeitgemäße Interpretation dieser geschichtsträchtigen Armbanduhr.

Eine rechteckige Uhr stellt in meinen Augen höhere Anforderungen ans Design als eine runde.

Absolut. Wir wollten die Uhr lesbarer machen und auch etwas sportlicher. Aber es wird nie eine Taucheruhr oder eine Pilotenuhr sein. Wir mussten eine Balance finden, denn am Ende musste es immer eine Ceramica bleiben. Was wir nun sehen, ist das Resultat sehr vieler Entwürfe.

Wie viele Entwürfe haben Sie bis zum endgültigen Produkt gefertigt?

In der Form gab es eine Genese in vier oder fünf Schritten. Beim Zifferblatt und den Zeigern, also dem Gesicht der Uhr waren es sehr viel mehr. 25 bis 30, die dann auf fünf bis sechs reduziert wurden.

Was unterscheidet Uhren von beispielsweise einem Stuhl wie Ihrem Chair One?

Einer Uhr kann ich durch Bearbeitung einen völlig anderen Charakter verleihen, beispielsweise indem ich mich für eine polierte oder matte Oberfläche entscheide. Das ist bei einem Stuhl nicht der Fall.

 

Chair One Konstantin Grcic

Mit dem Design des Chair One gelang Konstantin Grcic der weltweite Durchbruch

Rado Ceramica Kleine Sekunde

Rado Ceramica mit kleiner Sekunde gestaltet von Konstantin Grcici

 

Ich nehme an, Sie haben diese Uhr final am Computer gestaltet.

Wir arbeiten mit 3-D-Programmen und bauen dort Modelle. Daneben arbeiten wir mit Pappe. Man kann die Uhr ausschneiden und dann mit Tesafilm ans Handgelenk kleben. Aber irgendwann brauchen wir die Dreidimensionalität. Und dann ist der 3-D-Druck an der Reihe. Entscheidend war für mich der Moment, als ich den ersten Prototyp in Keramik sah. Die Schwierigkeit von Keramik im Vergleich zu Edelstahl besteht darin, dass man Stahl bereits in einem relativ frühen Stadium exakt fräsen kann. Der Prototyp sieht dann genau so aus wie entworfen, er ist so schwer wie eine Uhr und riecht sogar danach. Keramik präsentiert sich im Prozess auch wegen der Notwendigkeit des Sinterns, bei dem die Dimensionen schrumpfen, erst relativ spät eins zu eins. Das ist herausfordernd, denn man muss sich vorstellen wie Konturen oder Radien am Ende ausfallen und wirken. Kanten brechen das Licht, was den Eindruck völlig verändern kann.

War und ist das Thema Uhr für Sie reizvoll?

Ja, sehr. Uhren sind Produkte, mit denen Menschen leben, mit denen sie sich stark identifizieren. Derzeit arbeiten wir an einer Weiterentwicklung dieser Uhr. Das Thema hat für mich alles erfüllt, was man sich als Outsider so vorstellt.

Hat sich Ihre Einstellung zum Thema Armbanduhr mit diesem Projekt verändert?

Eigentlich nicht. Für mich waren Armbanduhren schon zuvor essentiell. Meine eigene trage ich immer am Handgelenk. Die Gestaltung war für mich faszinierend. Und die Rado ist so anders als meine bisherigen Uhren und hat mir gerade deshalb neue Perspektiven verschafft. Vor allem die Materialität ist verblüffend, die Haptik, die Optik.

Ist das jetzt ihr persönlicher Favorit für die Zukunft?

Auf jeden Fall. Ich freue mich, die Uhr jetzt endlich auch im Alltag tragen zu können. Erst dann kann man eine Uhr ja wirklich beurteilen. Bewertet haben wir die Rado Ceramica Uhren ja drei Jahre lang. Aber der echte Test ist wirklich die Alltagserfahrung.

Abgerundetes Gehäuse Rado Ceramica

Gutes Design erkennt man am Detail: Die abgerundeten Gehäuseflanken und Ränder des Armband der Rado Ceramica

Konstantin Grcic

Gutes Design erkennt man am Detail: Die abgerundeten Gehäuseflanken und Ränder des Armband der Rado Ceramica

Die neue Ceramica Serie ist gewohnt schlicht. Schlicht eleganter geworden, ist aber auch das Design.

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