Uhrenmuseum Junghans

Junghans Museum: Das ist der Terrassenbau in Schramberg

Junghans in Schramberg ist immer eine Reise wert. Seitdem das Junghans Museum im renovierten Terrassenbau eröffnet ist, noch mehr. Überdies lässt sich die schöne Automobil-Sammlung Steim im Herzen des malerisch gelegenen Städtchens besuchen. Das macht die Ziele so reizvoll.

von | 20.08.2018

Kennen Sie Schramberg und seine Uhrenfabrik, die Uhrenmanufaktur Junghans, das Junghans Museum oder etwa die architektonische bemerkenswerten Terrassenbauten? Sie sehen also, die im malerischen Schwarzwald gelegene Kleinstadt ist definitiv eine Reise wert. Kleiner Extra-Anreiz für Oldtimerfans: Sie werden die zentral gelegene Autosammlung Steim und sein Museum mit einer Fülle bemerkenswerter Exponate zu schätzen wissen.
Wir stellen Ihnen einmal den Ort und seine Geschichte vor.

Uhrenfreaks verknüpfen mit Schramberg beinahe zwangsläufig den Namen Junghans. Die 1861 gegründete Uhrenfabrik, welche sich 1903 mit über 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie einer Tagesproduktion von 9.000 Zeitmessern weltgrößter Uhrenhersteller nennen durfte, hat eine durchaus wechselvolle Geschichte hinter sich. 1956 ging sie ins Eigentum des Nürnberger Unternehmers Karl Diehl über.

Bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München agierte Junghans zum zweiten Mal nach 1936 als offizieller Zeitnehmer. 1976 endete die Produktion mechanischer Armbanduhrkaliber. Seit 1930, Junghans war auf diesem Gebiet ein echter Spätzünder, entwickelte und fertigte die vielseitige Württembergische Vorzeige-Uhrenmanufaktur mehr als 150 exklusive Werke.

Der Aufstieg der Quarzuhren

Ab 1985 sorgten funkgesteuerte Quarzuhren für Furore. 1990 fand der Hochleistungs-Empfänger ans Handgelenk, drei Jahre später auch zusammen mit ökologischer Solar-Technologie. Unter dem Dach der in Hongkong angesiedelten Egana-Goldpfeil Holding Ltd. kehrte Anfang des 21. Jahrhunderts die gute alte Mechanik zum Beispiel unter den Namen max bill by junghans zurück.
Die Egana-Insolvenz im Jahr 2008 löste heftige Turbulenzen aus. Zum Glück gab es die international tätige Schramberger Unternehmerfamilie Steim, der auch besagte Autosammlung gehört. Sie erkannte die existenten, großenteils aber brachliegenden Werte der deutschen Uhrenmarke, nahm Junghans unter ihre Fittiche und entwickelte zusammen mit Geschäftsführer Matthias Stotz ein zukunftsweisendes Konzept.

Junghans Museum

Die Uhrensammlung mit zeitgenössischen und alten Uhren zielt dabei nicht nur auf die reine Sammlung von Zeitmessern, sondern auch auf die mehr als hundertjährige Geschichte. Zu deren Juwelen gehört der zwischen 1916 bis 1918 errichtete Terrassenbau, ein markantes Architektur-Denkmal der in einem Talkessel eingeschlossenen Stadt.

Aus schierem Platzmangel strebte der mit der Gestaltung des Industriegebäudes beauftragte Architekt Philipp Jakob Manz an einem steilen Hang hinter den existenten Junghans-Produktionsstätten nach oben. Nicht weniger als neun langgestreckte Terrassen beherbergten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Abteilungen zur Fertigstellung vieler Millionen Wecker, Groß-, Taschen- und Armbanduhren. Mit dem schleichenden Niedergang von Junghans ging zwangsläufig auch ein sukzessiver Verfall des nicht mehr genutzten architektonischen Meisterwerks einher.

Neue Pracht für die Terrassen

Genau das war Dr. Hans-Jochem Steim und seiner Familie ein Dorn im Auge. Hundert Jahre nach Beginn der ursprünglichen Bauarbeiten startete ein aufwändiger Renovierungs- und Sanierungsprozess, der wiederum exakt hundert Jahre nach der ersten Einweihung abgeschlossen werden konnte. Seit dem 15. Juni 2018 erstrahlt der legendäre Terrassenbau in neuer Pracht. Im Auftrag der Familie Steim haben das Schramberger Architekturbüro Rapp-Bihlmaier, das Stuttgarter Atelier Brückner, welches schon für die Gestaltung des Deutschen Uhrenmuseums in Glashütte verantwortlich zeichnete, sowie „fön,design“ aus Schramberg ganze Arbeit geleistet.

Entstanden ist ein Junghans Uhrenmuseum, das sich neben der Autosammlung rasch zu einer touristischen Attraktion entwickeln dürfte. Nach der Entrichtung des Eintrittsgelds in Höhe von acht Euro beginnt die Tour im neuen Schrägaufzug, der die Besucher in die oberste Etage bringt. Wer nach links blickt, entdeckt am gegenüber liegenden Hang das 1911 eingeweihte Gut Berneck mit imposantem Turm und rund 90 Zimmern, welches dem Schramberger „Uhrenkönig“ Arthur Junghans (1852-1920) als zweiter Wohnsitz diente. Auch dieses opulente Gebäude, das derzeit noch die Uhrenmanufaktur Lehmann beherbergt, wird unter Steim-Ägide irgendwann wieder in neuem Glanz erstrahlen.

 

Museal von Terrasse zu Terrasse

Zurück zum Uhrenmuseum: Dessen Terrassen neun bis sieben und fünf bieten der von Hans-Jochem Steim übernommenen Sammlung Engelmann ein neues Zuhause. Hier sieht man klassische Erzeugnisse der Schwarzwälder Uhrenmacher vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert: Regulatoren, Automaten-, Schilder-, Tisch- und selbstverständlich jede Menge der berühmten Kuckucksuhren. Eine nachgestaltete Werkstatt zeigt, wie diese Produkte vor mehr als einem Jahrhundert entstanden. Klanglich erlebbar sind ferner prunkvolle mechanische Orchestrien und Musikspielautomaten. Alles ist perfekt restauriert.

Im neuen Junghans Museum kommen neben den Augen auch die Ohren zu ihrem Recht

Die weitere Wanderung ins Tal lässt wissen, wie beispielsweise Zugfedern entstanden und sich die wichtige Zuliefererindustrie in und um Schramberg herum entwickelte. Ebenfalls auf Terrasse vier kann man sich anschaulich über die Herstellung von Quarzwerken schlau machen. Der Rest des Museums widmet sich Junghans. Dokumente, Fotos und viele Uhren aus allen Epochen seit der Gründung. Die Vielfalt ist gewaltig. Keineswegs verschwiegen wird die Produktion verschiedener Bombenzünder.

Spannend anzusehen sind die in langen Tischen untergebrachten Junghans-Kaliber, angefangen bei einfachen Stücken mit Stiftankerhemmung über die legendären Werke zur Verwendung in Armbandchronometern bis hin zu Weckern und Chronographen.

Verschlossen ist übrigens die sechste, als internes Magazin verwendete Terrasse. Ob es schon eine Idee hierfür gibt?

Unten angekommen bleibt das Fazit einer beeindruckenden Vielfalt, die den Besuch in diesem Museum zu einem echten Zeit-Erlebnis macht. Gut gefallen haben auch die detaillierten Beschriftungen zu den Exponaten. Wissenshungrige kommen hier voll auf ihre Kosten, sollten für den „Abstieg“ aber auch einige Zeit mitbringen. Außerdem gibt es ja immer noch die Möglichkeit die aktuellen Junghans Uhrenmodelle zu bestauen. 

Das Terrassenbau-Museum öffnet täglich außer montags um 10 Uhr.  Geschlossen wird um 18 Uhr. Der Ticketverkauf endet jedoch schon um 17 Uhr. Ermäßigte Eintrittskarten kosten die Hälfte, nämlich vier Euro. Nach vorheriger Anmeldung können sich Gruppen durch das Museum führen lassen.

Weitere Informationen: www.junghans-terrassenbau-museum.de

Eine gute Gelegenheit zum Museumsbesuch bietet sich vom 24. bis 26. August 2018. An diesem Wochenende findet in der Hochschule Furtwangen die 34. Antik Uhrenbörse Furtwangen statt. Ca. 140 Aussteller zeiger ihre Ware, darunter auch sicher etliche Vintage-Zeitmesser aus dem Hause Junghans.

Näheres zum Junghans Meister Chronoscope Terrassenbau findet sich hier

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