Hafis Super Automatic mit dem Kaliber Büren 525
Hafis Super Automatic und der Buren-Bumper

Da Rolex mit seinen Patenten die Entwicklung konkurrierender Rotoraufzüge blockierte, kam es von der 30er bis in die 50er Jahre zu einer enormen Verbreitung von Automatik-Kalibern mit Pendelschwungmasse. Auch die Buren Watch in Büren wählte für die mit dem Kaliber Büren 525 eine Hammerautomatik, die als Hafis Super Automatic, oft Buren Bumper genannt, in die Geschichtsbücher einging. So hat die Buren Hammerautomatik funktioniert.

Hafis Super Automatic und der Buren-Bumper

Das Kaliber Büren 525 in der Hafis Super Automatic

Bueren Magazin Vorwaerts 1926

Büren Watch, Firmenmagazin Vorwärts, 1926

Uhrmacherei in Büren an der Aare

Man schrieb das Jahr 1873, als in der Gemeinde Büren an der Aare die erste Uhrenfabrik an den Start ging. Dabei war dieser Start durchaus ein Wagnis und von einer Uhr, wie der Hafis Super Automatic oder einer Hammerautomatik wie dem Büren Kaliber 525 war man Lichtjahre entfernt. Schließlich galt es zunächst solide Taschenuhren für einen wachsenden Bedarf zu produzieren. 

1898 erwarb die Londoner H. Williamson Ltd. die gerade einmal 25 Jahre alte Manufaktur namens F. Suter & Co. Fortan ging die Produktion unter englischer Regie über die Bühne.  Bis zum New Yorker Börsencrash vom 24.10.1929 sowie der anschließenden Weltwirtschaftskrise. Diese sorgten schließlich für einen Zusammenbruch der britischen Mutter. Aber dies sollte nicht das Ende sein der Uhrenmanufaktur sein. 

1932 übernahmen schließlich 18 heimische Aktionäre das Kommando bei der Büren AG . Bis 1966 gaben sie die Führung der Aktiengesellschaft nicht mehr ab. Dann übernahm die amerikanische Hamilton Watch das Unternehmen. Nach dem Verkauf an die Schweizer Holding SSIH (Société Suisse pour l’industrie horlogère SA) mit den Marken Omega und Tissot am 6. November 1971 endete schließlich die knapp hundertjährige Geschichte der Uhrenfabrik Büren AG eher unrühmlich.

Selbstaufzug aus Büren

Der Weg zur Hafis Super Automatic und dem Büren Kaliber 525 begann im August 1944. Da erhielt das technische Büro der Uhrenfabrik Büren AG den heiklen Auftrag, ein eigenes Automatikkaliber zu entwickeln. Und siehe da, die Arbeiten kamen erstaunlich schnell voran.

Bereits im Oktober des folgenden Jahres starteten erste Trageversuche mit zehn Prototypen. Und diese verliefen recht erfolgreich. Nach nur zwei Testmonaten fiel die Entscheidung zur Serienproduktion des neuen Büren Automatikkalibers 525 mit so genanntem Pendelaufzug. Aus dieser Art des Aufzugs resultierte im englischen Sprachraum der Spitzname Buren-Bumper. Selbiger erinnert an Konstruktionen von Abraham-Louis Breguet im frühen 19. Jahrhundert oder an die erste Armbanduhr mit Selbstaufzug. Diese hatte die Léon Leroy & Cie. 1922 in Paris vorgestellt. Bei ihr übertragen Schaltklinken die kinetische Energie direkt zum Federhaus.

Bereits wenige Blick auf das Uhrwerk aus dem Hause Buren weisen auf eine Konstruktion hin, welche sich stark vom damals Üblichen abhebt.

Die Unterschiede beginnen zeigen sich einmal bei der Gestalt der Schwungmasse. Das ringförmige Gebilde mit kantigem Ausschnitt ist am Rand des Uhrwerks gelagert. Auf lediglich etwa 15 Bogengrade beschränkt sich der Bewegungsspielraum. Dieser resultiert aus einer versenkten, also ins Werk integrierten Anordnung. Dadurch war das Kaliber, wie die Bezeichnung Büren 525 schon andeutet, für damalige Verhältnisse eindrucksvolle nur 5,25 Millimeter hoch.

Diese Bauweise praktizierte Buren Anfang der 1950-er Jahre auch beim Kaliber 1000A mit zukunftsweisendem Mikrorotor. Auch in anderer Hinsicht konnte Buren damals gegenüber dem breiten Feld der Mitbewerber punkten: Das Spannen der Zugfeder erfolgte in beiden Bewegungsrichtungen besagter Schwungmasse.

Probleme über Probleme beim Kaliber 525

Trotz allen genannten Aspekten hielten sich die Erfolge des neuen Kalibers 525 in engen Grenzen. Bald schon stellte sich nämlich heraus, dass bewegungsarme Zeitgenossen selbst bei kontinuierlichem Tragen die vorgesehene Gangautonomie von 33 Stunden nicht aufbauen konnten. Dynamische Besitzer zeigten sich gleichfalls unzufrieden. Heftige Bewegungen strapazierten jene Federn über Gebühr, welche den Weg des Pendels begrenzten. Brechende Puffer waren die Folge. Einen Ausweg aus dieser Misere sollten stabilere Begrenzungselemente bringen. Aber auch der schon bald nach Aufnahme der Serienproduktion vollzogene Austausch brachte keine zufriedenstellenden Resultate mit sich. Buren bekam die schwerwiegenden Probleme nicht in den Griff. Deshalb endete die Fertigung des technisch interessanten, durchaus sammelnswerten, aber auch sehr heiklen Kalibers 525 bereits im Jahr 1949. Anschließend gönnte sich die Buren Uhrenfabrik eine regenerierende Ruhepause. Erst 1953 lancierte das Unternehmen die neuen Rotowind-Kaliber 535 bis 546.

Hafis Super Automatic

Zu den Etablisseuren, welche sich in den späten 1940-er Jahren für das außergewöhnliche Kaliber 525 entschieden, gehörte die Hafis Watch Company. Sie nannte das Uhrwerk A 12-2/3.

Deren Geschichte reicht zurück bis 1916. In diesem Jahr gründete Fritz Suter-Raetz in Biel die Hafis Watch. Vermutlich ab 1924 importierte die in New York ansässige Roland Gsell & Co. Inc. Hafis Uhren in die USA.

Später bezog diese Firma auch Komponenten aus der Schweiz, um diese in der Neuen Welt zu fertigen Uhren zu assemblieren.

Inserat-der-Hafis-Watch-1925

Inserat der Bieler Hafis Watch aus dem Jahr 1925

Am 19. Mai 1942 ließ Gsell die Handelsmarke Hafis unter der Nummer 71453108 für sich in den Vereinigten Staaten von Amerika registrieren.

Uhrenkosmos HAFIS Super Automatic Sammlerpass:

Hersteller:                       Hafis Watch, R. Gsell & Co. Inc. New York

Modell:                            Super Automatic

Herstellungsjahr:          späte 1940-er Jahre

Uhrwerk:                        Kaliber Hafis A12-2/3 oder Büren 525, Automatik, 12½    Linien (Durchmesser 28,5 mm), Höhe 5,25 mm, 17 Steine, Glucydur-Schraubenunruh, autokompensierende Flachspirale, Frequenz 2,5 Hertz, ein Federhaus, ca. 33 Gangautonomie, Selbstaufzug durch Pendelschwungmasse in beiden Bewegungsrichtungen

Gehäuse:                         Stahl, Durchmesser 35 mm

Preis:                                Funktionsfähig und in ordentlichem Erhaltungszustand
ab ca. 1.000 Euro erhältlich.  

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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