Vor- und Nachteile von Uhren aus Aluminium
Seltene Leichtgewichte: Uhren aus Aluminium

Erst spät entdeckten Uhrmacher die Vorzüge von Gehäusen aus Aluminium. Und auch heute sind selbst moderne Legierungen wie Powerlite oder Hublonium aus der Mode. Zu aufwendig gestaltet sich die Herstellung von Uhren aus Aluminium. Dabei sind die Uhren reizvoll und das leichte Gewicht bietet hohen Tragekomfort. Wir stellen Ihnen einige reizvolle Modelle vor – und wissen doch, warum Keramik und Karbon aktuell vorne liegen.

Seltene Leichtgewichte: Uhren aus Aluminium

Die leichtgewichtigen Legierungen der Uhren aus Aluminium machen diese Leichtgewichte interessant. Aber im Wettstreit sind Aluminium-Gehäuse aktuell versus Keramik und Titan kaum von Bedeutung. Dabei hat Aluminium durchaus seine Vorzüge.

Aluminium ist Leicht und robust

Das es heutzutage Uhren aus Aluminium oder besser gesagt besonderen Aluminium-Legierungen gibt, ist trotz der unbestreitbaren Vorzüge des silbrig-weißen Metalls keine Selbstverständlichkeit. Denn zunächst waren Uhrengehäuse zumeist aus Gold und Silber, ehe sich im 20. Jahrhundert erste Uhren mit einem Gehäuse aus Stahl und Aluminium präsentierten.
Um diese späte Nutzung zu verstehen,  muss man wissen, dass die Metallurgie Aluminium bis ins 19. Jahrhundert schlichtweg nicht richtig kannte. Es dauerte bis zum Jahre 1825, bis man dieses, in der Erdkruste mit am häufigsten vorkommende Element überhaupt sinnvoll verarbeiten konnte. Der Verdienst für die erste Aluminium-Synthese gebührt dem dänischen Chemiker Hans Christian Ørsted. Chemisch reines, industriell verwertbares Aluminium gelang dem Franzosen Henri Sainte-Claire Deville herzustellen. Sein Aluminium-Metall debütierte 1855 während der Pariser Weltausstellung.

Aluminium und Aluminium Legierungen

Beim Leichtmetall Aluminium handelt es sich um ein Material mit 2,7 Gramm pro Kubikzentimeter Dichte. Durch seine hohe Belastbarkeit eignet es sich beispielsweise zur Herstellung von Flugzeugrümpfen oder Karosserieteilen wie Fahrradrahmen. Auch Uhrengehäuse aus Aluminium, mit einer Härte nach Vickers von knapp 120, gibt es auch. Aber sie sind relativ selten zu finden.
Durch elektrisches Oxidieren (Eloxieren) lässt sich die Oberfläche eines Aluminium-Uhrengehäuses nahezu beliebig einfärben. Spezielle Legierungen, beispielsweise mit Kupfer, Magnesium, Zink, Mangan und Titan, steigern wiederum die Härte des leicht zu bearbeitenden Werkstoffs Aluminium.

Uhrengehäuse aus Aluminium

Mit der in alle Bereiche vordringenden Industrialisierung kam es auch bei Uhren in den zwanziger Jahre zu besonderen Modellen, bei denen die “modernen” metalle Aluminium, Titan und Stahl für das Uhrengehäuse verwendet wurde. Die verwendete Stahllegierung hatte einen eigenen Namen und hieß “Staybrite”. Diese Stahl-Chrom-Nickel-Legierung war im Vergleich zum normalen Stahl deutlich unempfindlicher gegen Rost und hatte auch durch die Nickel Zugabe einen angenehmen Glanz. Allerdings war diese noch weit von der heutigen Qualität des Edelstahls einer Rolex, Patek Philippe oder Audemars Piguet entfernt.

Uhren aus Aluminium und die Hublot Big Bang Wally

Natürlich muss man feststellen, dass der Siegeszug des modernen Edelstahls bei Stahluhren längst erfolgt ist. Am leichtesten daran zu erkennen, dass die Stahluhren der Premiummarken mehr kosten als technisch vergleichbare Uhren mit Goldgehäuse. Die Nachfrage bestimmt eben den Preis.
Trotzdem hat die leichte Legierung Aluminium bei Uhren ihre Freunde. 
Beginnen möchten wir bei unseren Uhren aus Aluminium mit der besonderen Hublot Big Bang Wally. Ihre graues Gehäuse wie die Lünette ist aus Aluminium und hat einen Durchmesser von 44 mm. Die Wasserdichtigkeit besteht bis zu 100 Meter und das entspiegelte Saphirglas zeigt arabische Ziffern. Sie ist dank Kautschuk-Armband und Aluminium Faltschließe angenehm zu tragen und Neugierige können das Uhrwerk durch einen Glasboden betrachten. Dank einer Gangautonomie von rund 42 Stunden lässt ihnen das Automatikwerk hierzu die notwendige Zeit.
Zu erwähnen wäre zum einen, dass das Aluminium kein Allerweltsaluminium ist, sondern unter der Hublot Bezeichnung Hublonium oder auch Ag5 Legierung fungiert. Darunter verbirgt sich eine verblüffend leichte, wie robuste Legierung aus Magnesium (5%), Mangan (2,3%) und überwiegend Aluminium.
Zum anderen kommt der Wally Name der Uhr durch eine Kooperation mit der Yachtfirma Wally zustande. Sie haben also die große Chance, sich farblich passend zur Uhr eine Wally Yacht zu kaufen. Das ist doch mal eine Gelegenheit, oder besser gesagt, war es, da die auf 500 limitierte Anzahl der Uhren ausverkauft ist. Auf verschiedenen Sekundär-Uhrenplattformen gibt es aber noch Hublot Big Bang Wally Exemplare. 

Hublot Big Bang Wally

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Das Aluminium-Gehäuse der Hamilton Khaki Pioneer

Eine sportliche Marke mit vielen Taucheruhren wie Hamilton weiß um die Vorzüge von modernem Aluminium – und dass man seinen Kunden immer wieder mal etwas Neues präsentieren sollte. Natürlich auch Uhren aus Aluminium. Das tut die Hamilton Khaki Aviation Pilot Pioneer Aluminium zweifelsohne. Die superleichte Uhr mit einem 41 mm Gehäuse aus Aluminium mit zwei markanten, halb versenkten Kronen kommt im Military Look mit Natoband. Sie bietet einen Blick durch den Sichtboden auf das 25,6 mm große H10 Automatik-Kaliber, basierend auf dem ETA C07.611 Werk, das bei 4 Hertz opulente knapp 80 Stunden Gangautonomie erbringt. Auch die rund 100 Meter Wasserdichtigkeit dürften selbst für den sportlichen Gebrauch mehr als reichen. Mit knapp unter 900 € ist auch der Preis von nicht allzu großem Gewicht. 

Hamilton Khaki Aviation Pilot Pioneer  mit Gehäuse aus Aluminium

 

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Die Mauric Lacroix Pontos S Extreme Chronograph

Die Weiterenticklung des Werkstoffs Aluminium macht natürlich nicht halt. So verwendet Maurice Lacroix bei dem Modell Maurice Lacroix Pontos S Extreme Chronograph für das Aluminium-Uhrengehäuse den Werkstoff Powerlite. Dies ist eine neue Aluminium-Legierung aus den Stoffen Aluminium, Magnesium, Titan, Zirkonium und Keramik. Das Material ist extrem leicht, kratzfest und hart. Allerdings auch schwer und teuer in der Herstellung des Gehäuse-Rohlings. Überdies hat das Material ein nicht zu vernachlässigende Sprödigkeit.
Die Größe der Uhr liegt bei 43 mm, das ML112 Automatikwerk basiert auf de zuverlässigen
ETA Valjoux 7750. Das Zifferblatt hat einen innenliegender Drehring und die applizierten Indizes und Zeiger sind mit SuperLuminova ausgefüllt. Dadurch hat die Uhr auch im Dunkeln oder unter Wasser eine gute Ablesbarkeit. Für die Powerlite Uhr mit Aluminiumgehäuse sprechen auch die 20 bar Wasserdichtigkeit, hierzu hat die Uhr einen verschraubten Titanboden. Dass Wasser dieser besonderen Aluminium-Legierung nichts anhaben kann, ist selbstredend. Der Preis der Maurice Lacroix Pontos S Extrem liegt bei 4.999 Euro, allerdings kann man die Uhr mitunter auch preiswerter angeboten sehen.

Die Mauric Lacroix Pontos S Extreme Chronograph

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Haben Uhren aus Aluminium und modernen Aluminium-Legierungen eine Zukunft?

Auch in Zukunft wird an neuen, besseren Aluminium-Legierungen getüftelt werden. Schließlich ist Aluminium ein extrem weitverbreiteter Werkstoff. Bei Uhren sind Aluminium-Gehäuse jedoch etwas aus der Mode geraten und keine große Uhrenmarke setzt gerade viel auf diesen Werkstoff. Zum einen weil Titan die gleichen Vorteile wie Aluminium aufweist. Zum anderen weil Karbongehäuse und Keramikgehäuse Aluminium den Rang abgelaufen haben. Dazu kommt der enorme Aufwand beim Verarbeiten von Aluminiumlegierungen mit höherem Magnesiumanteil. Hier entstehen beim Fräsen und Schneiden schnell Brände. So hat Hublot hat bei der Verarbeitung des Hubloniums beim Modell Hublot Big Bang Mag Bang viel Lehrgeld zahlen müssen.
Auch bei den Lünetten haben sich Keramik-Lünetten durchgesetzt. Denn Keramik hat zwar bei Uhrengehäusen den Nachteil, dass es durch seine Sprödigkeit schnell zu fatalen Schäden im Falle eines Sturzes oder Schlags kommen kann. Bei Lünetten ist dies jedoch nicht der Fall und moderne Keramiklünetten sind extrem widerstandsfähig gegen Kratzer und Beschädigungen. Entsprechend geht der Trend im Moment gegen Uhren aus Aluminium und Gehäusen aus Aluminium. Aber wie das nun mal so ist bei Trends. Sie können sich schnell drehen.

Die Bulgari Diagono Aluminium ist eine Uhr aus Aluminium Gehäuse von 2020

Dass auch ein totgesagter Werkstoff wie Aluminium unverhofft wiederkommen kann, zeigten die Geneva Watch Days im August 2020. Für die komplette Uhren-Wahrsager-Gemeinschaft überraschend brachte Bulgari ein neues Modell seiner Bulgari Diagono Aluminium. Man hatte mit vielem gerechnet, insbesondere mit neuen Modellen aus Keramik bzw. Edelstahl und fand sich zum Beispiel mit neuen Modellen der Bulgari Octo Finissimo bestätigt. Umso überraschender kam die Vorstellung der neuen, deutlich optimierten Diagono Uhr aus Aluminium

Das Wichtigste und Notwendigste war sicher der Wechsel vom alten Mechatronik-Quarzuhrwerk zu einem mechanischen Bulgari Automatik-Kaliber. Auch das Design wurde sensibel, aber wirkungsvoll angepasst. Insbesondere ermöglichen die neuen Bandanstösse, dass sich die nicht gerade kleine Uhr besser dem Handgelenk anpassen kann. Aber auch die Werkstoffe der Bulgari Diagono Aluminium bekamen den Fortschritt zu spüren. So wurde die neue Aluminium-Legierung deutlich widerstandsfähiger und auch das Kautschuk wurde in puncto Elastizität, Farbechtheit und Alterungsbeständigkeit optimiert. Zur Freude der Markentiffosi von Bulgari ist jedoch bei der durchaus erkennbaren Markenplatzierung des Bulgari Schriftzugs alles beim alten geblieben und der Absender Bulgari ist schnell erkennbar. 

 Je nach Lust und Vorliebe stehen drei Modelle dieser Aluminium-Uhr zur Auswahl. Zum einen die 40 mm Bulgari Diagono Aluminium Referenz 1033382 mit weißem Zifferblatt und Datum, Automatikwerk Kaliber B77 und einer 42 Stunden Gangreserve – die wohl jedoch einer 42 Stunden Gangautonomie entspricht. Das Aluminiumgehäuse der Uhr hat einen Titanboden mit DLC Beschichtung sowie eine Kautschuk-Lünette mit passender Aluminium-Dornschließe. Die Krone ist ebenfalls aus Titan und DLC beschichtet. 

Das zweite Modell zur Auswahl ist die Bulgari Aluminium Referenz 103445 mit schwarzem Zifferblatt. Dieses Modell weist die gleichen technischen Daten auf. Mit dem Modell mit weißem Zifferblatt teilt es auch die bis zu 100 m Wasserdichtigkeit, sowie die Beschichtung der Indexe und Zeiger mit Superluminova. Aufgrund des schwarzen Zifferblatts wird jedoch die Wirkung der Leuchtzeiger deutlich stärker wahrnehmbar sein. 

Die dritte Aluminium-Uhr von Bulgari ist der Bulgari Aluminium Chronograph mit der Referenznummer 103383. Er hat statt des Kaliber B77 das Chronographenkaliber B130 in seinem Aluminiumgehäuse. Von den Maßen und der Ausstattung der Uhr gleicht er den beiden ersten Modellen, allerdings ist das Zifferblatt grau gehalten. 

Diese Bulgari Modelle werden ab September 2020 bestellbar sein. Spannend wird es zu sehen sein, wie die neuen Modelle preislich anzusiedeln sind. Die Zuversicht bei Bulgari ist jedoch groß und auch die Reaktionen auf diese typische Bulgari-Uhr waren ausnehmend positiv. Ob Bulgari ein Revival des Werkstoffs Aluminium bei Uhren auslösen wird? 

Die Bulgari Aluminium ist ein Meisterwerk des Designs und ein Meilenstein in der Geschichte der Uhrenbranche wegen ihres einzigartigen Designs und der Kombination industrieller Werkstoffe

Antoine Pin

Managing Director, Bulgari Watches

Über den Autor

Wolfgang Winter

Uhrenkosmos Partner und Autor.

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