Ferdinand Berthoud Chronometer FB 2
Konstantkraft-Antrieb und springende Sekunde: Ferdinand Berthoud Chronometer FB 2

Mechanik-affine Menschen mit Faible für sehr Exklusives kommen beim neuen Ferdinand Berthoud Chronometer FB 2 auf ihre Kosten. Diese edle Armbanduhr spiegelt das Erbe des 1727 Meister-Uhrmachers in idealtypischer Weise wider.

Konstantkraft-Antrieb und springende Sekunde: Ferdinand Berthoud Chronometer FB 2

Ferdinand Berthoud, Karl-Friedrich Scheufele, Marinechronometer Nr. 6 und Chronometrie Berthoud Chronometer FB 2, 2020

Alles Vorzügliche ist selten

Seit 2015 hat der bald 300 Jahre alte, zwischenzeitlich vielerorts in Vergessenheit geratene Name Ferdinand Berthoud dank Uhren wie dem neuen Ferdinand Berthoud Chronometer FB 2 wieder ein chronometrisches Gesicht.

Zu diesem Zweck gründete Karl-Friedrich Scheufele, seines Zeichens auch Co-Präsident des Hauses Chopard, in Fleurier die kleine aber feine Chronométrie Ferdinand Berthoud. Fünf Kilometer entfernt vom Geburtsort des großen Uhrmachers, der im Paris eine beispiellose Karriere machte, beschäftigt sich ein kleines Team nach guter alter Väter Sitte mit der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb streng limitierter und daher sehr exklusiver Uhr-Editionen. Tatkräftige Unterstützung leistet die im gleichen Haus residierende Chopard Manufaktur, welche unverzichtbare Rohteile mit Hilfe eines beachtlichen Parks an Präzisionsmaschinen fertigt.

Von der neuesten Armbanduhr in Gestalt des Chronometers FB 2 wird es jeweils zehn Exemplare in Rosé- oder Weißgold geben.

Reminiszenz an die Vergangenheit

Bei der Konstruktion des neuen Handaufzugskalibers FB-RE.FC spielten historische Aspekte abermals eine wichtige Rolle. 1770, also vor genau 250 Jahren erlangte Ferdinand Berthoud den Titel Meisteruhrmacher und Meistermechaniker des Königs und der Marine. Zu seinen herausragenden Kreationen für die Navigation auf hoher See gehörte der 1777 fertiggestellte Marinechronometer Nr. 6.

Ihn nahmen Karl-Friedrich Scheufele und sein Team bei der Chronometrie Berthoud zum Vorbild.

Zu seinen Merkmalen gehörte ein Kette-Schnecke-System für konstante Antriebskraft. Bekanntlich nimmt das Drehmoment eines Federspeichers über die Stunden hinweg kontinuierlich ab. Das wiederum lässt die Amplitude der Unruhschwingungen sinken. Diesem unliebsamen Sachverhalt kann man mit Hilfe der physikalischen Hebelgesetze entgegenwirken.

Längere Hebel bedingen bekanntlich geringen Kraftaufwand zur Verrichtung einer Arbeit als kürzere. In diesem Fall geht die Hebelwirkung von einer dreidimensionalen Schnecke aus. Die anfänglich größte Federkraft wirkt auf den kleinsten Umgang. Ein kontinuierlich wachsender Schneckendurchmesser kompensiert das schwindende Drehmoment. Als Bindeglied zwischen dem Energiespeicher und besagter Schnecke am Beginn des eigentlichen Räderwerks dient eine feine Kette.

Tradition und Innovation Im Uhrwerk der Ferdinand Berthoud Chronometer FB 2

Im Gegensatz zu früheren Konstruktionen sind das Federhaus und die Kette nur einseitig oder mit anderen Worten fliegend gelagert. Diese Bauweise bietet bessere Einblicke und ist daher für die Manufaktur patentiert.

Doch damit nicht genug. 2020 treibt die Chronometrie Berthoud das Konstantkraft-System durch einen so genannten Gleichmäßigkeitsaufzug auf die Spitze. Im Sekundentakt liefert der hinsichtlich des Kraftflusses bereits geglättete Aufzug die Energie an das Schwing- und Hemmungssystem. Auf diese Weise erfolgt auch noch ein Ausgleich der beispielsweise durch die Reibung der Zahnräder entstehenden Unregelmäßigkeiten.

Akkurat gesprungen

Eine weitere Besonderheit des Zwischenaufzugs besteht in der besonders leichten Bauweise mit feiner Zwischenfeder und dreikantigem Rubinnocken. Immer wenn sich das Hemmrad um 2,5 Zähne weiterdreht, befreit besagter Rubinnocken einen zweiten Anker. Selbiger besitzt die Aufgabe, den Zwischenaufzug zu blockieren und die Energie im Sekundentakt in Richtung Gangregler freizugeben. Infolge dessen vollzieht der 0,01 Gramm leichte Sekundenzeiger akkurate Sprünge. Ein Unruhstopp ermöglicht das sekundengenaue Einstellen der Uhrzeit.

Pfeiler und Email

Auf den Spuren Ferdinand Berthouds wanderten die Techniker schließlich auch bei der Architektur des Handaufzugswerks mit rund 50 Stunden Gangautonomie. Das Gestell des mit klassischen 2,5 Hertz tickenden Mikrokosmos besteht aus insgesamt 26 Brücken. Zehn stählerne Pfeiler stellen die Verbindung her. Diese Bauweise ist charakteristisch für die vom Meister im 18. Jahrhundert fabrizierten Marinechronometer. Voyeure können sie durch ein breites seitliches Panoramafenster in der 44 Millimeter großen, 14 Millimeter hohen und bis drei bar wasserdichten Sichtbodenschale bestaunen. Das verwendete Gehäusematerial aus Gold bezieht die Chronometrie Berthoud aus ethisch verantwortbaren Lieferketten,

Eine griffige Krone des Berthoud Chronometer FB 2 erleichtert das manuelle Aufziehen. Sobald die Zugfeder voll gespannt ist, unterbindet ein Drehmomentbegrenzer weitere Kraftzufuhr. Die drei Zeiger drehen vor einem handgefertigten zweiteiligen Emailzifferblatt. Auch dieses Merkmal hält die großartige Vergangenheit wach. Ein amtlichen Chronometerzertifikat der Prüfbehörde COSC bescheinigt die Präzision des feinen Zeitmessers.

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

Hersteller

Chronometrie Berthoud

Name

Chonometer FB 2

Referenz

FB 2 RE 1 mit Weißgoldgehäuse                                                FB 2 RE 2 mit Roségoldgehäuse

Premiere

August 2020

Uhrwerk

FB-RE.FC – Pfeiler-Bauweise

Aufzug

manuell

Durchmesser

37,3 Millimeter

Bauhöhe

9,37 Millimeter

Gangautonomie

ca. 50 Stunden

Unruhfrequenz

2,5 Hertz

Anzeige

Stunden, Minuten. Springende Sekunden, rückwärtige Gangreserveindikation

Zusatzfunktionen

Antrieb mit Hilfe von Kette und Schnecke und Sekunden-Zwischenaufzug

Gehäuse

Weiß- oder Roségold

Durchmesser

44 Millimeter

Höhe

14,3 Millimeter

Wasserdichte

drei bar

Armband

Leder mit goldener Dornschließe

Preis

circa 224.500 Euro

 

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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