10 Fragen und 3 Wünsche

Stéphane Waser, der CEO von Maurice Lacroix hat es uns bestätigt: Das Jahr 2020 war definitiv kein Jahr wie jedes andere. Insbesondere, da auch vor dem kommenden Jahr große Fragezeichen stehen. Allerdings stecken in jeder Veränderung auch Chancen. Dementsprechend wollten wir wissen, wie er 2020 erlebt hat und welche Ziele er sich für das kommende Jahr 2021 setzt.

1. Das Jahr 2020 hatte keiner so erwartet. Wie haben sich die durch Corona verursachten disruptiven Veränderungen auf Maurice Lacroix ausgewirkt? Gibt es noch Ziele aus dem Jahr 2019, die Sie unverändert verfolgen konnten?

Wir verfolgen nach wie vor unsere Ziele mit der gehabten Strategie und das Jahr verlief – natürlich den Umständen entsprechend – gut. Wir konnten einen Großteil der Neuheiten auf der Inhorgenta in München sowie Ende August in Genf präsentieren. Zudem haben wir bei einigen Produkten beschlossen, diese rein virtuell zu präsentieren und die Resonanz diesbezüglich war sehr gut. Das gab uns auch neue Impulse für die Zukunft.
Dank unserer Positionierung, die wir bereits 2016 mit dem Launch der AIKON und dem Fokus auf eine jüngere Zielgruppe verfolgen, sind wir digital sehr gut aufgestellt. Mit innovativen, weltweit ausgerollten Online-Kampagnen wie bspw. #Chaseyourwatch, #Timecode und dem Ausbau der „Friends of the brand“ setzen wir seit Jahren auf Digitalität und Urbanität, denn wir müssen dort sein, wo sich das Leben junger, urbaner Menschen abspielt.

2. Lockdowns, Werkschließungen, Produktionskürzungen, Homeoffice. Wie kommunizieren Sie mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Sachen Zukunft? Sehen Sie auf absehbare Zeit einen Weg zurück zum alten System?

Das Jahr hat uns und vielen in der Branche gezeigt, wie wichtig es ist, viel stärker auf Digitalisierung zu setzen. Wir mussten nach digitalen Alternativen suchen, falls eine physische Präsentation der Neuheiten nicht möglich war oder auch ganz allgemein den Austausch mit Geschäftspartnern oder Medien über Videokonferenzen stattfinden lassen. Wir setzen deshalb auf die verstärkte Nutzung unserer bestehenden Online-Kommunikationskanäle – intern, als auch extern.

Statt auf „zurück zum alten System“ zu setzen, fokussieren wir uns auf das Neue und die Chancen, die sich dadurch ergeben. Die ersten Monate des Lockdowns Anfang des Jahres haben uns zum Umdenken gezwungen. Wir haben unsere Außendienstler auf digitales Verkaufen geschult. Auch das Management wurde digital geschult, Trainings, Administration und Business Pläne, Geschäftsleitungssitzungen – alles fand digital statt. Wir arbeiten schon seit zwei, drei Jahren – zumindest zeitweise – erfolgreich im Homeoffice, daher war der Lockdown für uns gar kein Problem. 

3. Wie hat die Corona-Krise den Uhrenverkauf bei Maurice Lacroix verändert? Die Schweizer Exportzahlen, aber auch manche CEOs sprechen von 20 bis 30 Prozent Umsatzrückgang. Sind Sie in ähnlicher Weise betroffen oder konnten Sie durch neue Geschäftsfelder Boden gutmachen? 

Zu den genauen Zahlen können wir keine Aussage machen, aber generell hat der Fachhandel besser performt als die Key Accounts. Wir vermuten, dass es an den größeren Strukturen liegt, die behäbiger machen. Zudem ging der Fachhandel viel schneller nach dem Lockdown wieder in den Verkauf. Wer schlanker war, konnte schneller reagieren. Agiler, dynamischer. Die Key Accounts waren vorsichtiger und auch länger geschlossen. Darüber hinaus nahm der gesamte eCommerce Verkauf zu, auch unter Händlern.

 

4. Maurice Lacroix bietet derzeit keine Smartwatches an. Sehen Sie diesbezüglich Handlungsbedarf oder sind Sie mit Ihrer aktuellen Kollektion zukunftssicher aufgestellt?

Wir sehen da keinen Handlungsbedarf, denn Smartwatches und Schweizer Uhren bedienen zwei ganz unterschiedliche Kundenprofile. Eine Smartwatch sehen wir eher als eine Verlängerung des Handys. Eine Schweizer Uhr ist Luxus und definiert, wer wir sind. Das ist ein anderer Mehrwert. Man könnte den Vergleich zwischen Uhren und Handtaschen ziehen – beides sind Modeaccessoires. Wir merken eher den umgekehrten Trend: Immer mehr junge Menschen (16-20-Jährige) schätzen und kaufen Vintage-Uhren, die sie restaurieren lassen. Die Tradition der Uhren wird damit gelebt. Vintage ist im Trend und für uns quasi ein Türöffner. Lieber ein gutes Stück Luxus/Vintage kaufen, statt etwas, was schnell vergänglich ist.

Millennials sind over-connected, die Konsumwelt ist sehr schnelllebig und plötzlich merken diese jungen Leute, dass eine Luxusuhr Stabilität gibt. Menschen sind derzeit in ihren Freizeitbeschäftigungen stark eingeschränkt und wir sehen, dass sie sich etwas Gutes tun wollen. Deshalb kaufen die Millennials Luxusgüter, und damit ein bisschen Beständigkeit. Wir sind im Bereich 1.000 – 3.000 € unterwegs. Im Quarzbereich sogar unter 1.000 € und wir sind immer noch Swiss Made, ein Argument, das man nicht vernachlässigen darf.

5. Welche neuen Produkte und Strategien planen Sie für das kommende Jahr? Können Sie angesichts der unsicheren Lage noch einen klassischen Forecast vornehmen oder präsentieren Sie zwar in gewohnter Weise einige neue Uhren und fahren im Übrigen auf Sicht?

Keiner weiß, was das neue Jahr bringen wird, aber wir bleiben positiv und planen auch im nächsten Jahr neben der Präsentation aufregender Produktneuheiten, die wir auf unterschiedlichen Events physisch oder digital vorstellen möchten, unsere erfolgreiche Friend-of-the-brand Strategie fortzuführen und damit den weltweiten Freundeskreis der Marke um großartige, junge Talente aus den Bereichen Sport, Kunst, Musik, Mode etc. zu erweitern. Darüber hinaus werden wir die Urbanität unserer Marke durch Sponsoring-Partnerschaften wie beispielsweise mit dem Berlin Marathon oder dem Motorsportteam Mahindra Racing, das bei der ABB FIA-Formel-E-Weltmeisterschaft antritt, verstärken.

6. 2020 hat den Uhrenhandel verändert. Haben sich im Umgang mit Ihren Konzessionären Veränderungen oder in punkto Online-Verkauf sogar neue Möglichkeiten ergeben? Wie verschieben sie gerade Grenzen und Märkte? 

Im Umgang mit den Konzessionären hat sich abgesehen von verstärkter digitaler Kommunikation, bspw. Produktpräsentation, auf unserer Seite nicht viel verändert. Was wir selbstverständlich in punkto Online-Verkäufe feststellen konnten, war, dass diejenigen Konzessionäre, die bereits vor dem Ausbruch der Pandemie auf eine Dual-Strategie gesetzt hatten, Ihre Geschäfte über das Jahr hinweg gut weiterführen konnten.

7. Messen fallen bis auf weiteres aus. Auch andere Kontaktmöglichkeiten sind eingeschränkt. Und zwar hinsichtlich Ihres weltweiten Vertriebsnetzes, Ihrer Fachhandelspartner und auch der Presse. Wird die virtuelle digitale Kommunikation das Reisen und persönliche Begegnungen ersetzen? 

Ja, zumindest zeitweise. Mit dem Mix aus physischen Präsentationen, zu Beginn des Jahres in München und Mitte des Jahres in Genf, und digitalen Produkt-Launches sind wir sehr gut gefahren und erlebten durchweg positive Resonanzen der o.g. Partner. Zudem haben wir uns intern mit entsprechenden Trainings unseres Personals so gut aufgestellt, dass wir im neuen Jahr genauso digital mit unseren Partnern weiterkommunizieren können wie bisher, sofern persönliche Begegnungen weiterhin über einen längeren Zeitraum nicht möglich sein werden. Diese Herausforderung haben wir als Organisation früh erkannt und daraufhin viele Prozesse auf Digitalisierung umgestellt bzw. dahingehend ausgebaut. Dennoch hoffen wir sehr, dass persönliche Begegnungen und Gespräche in nicht allzu ferner Zukunft wieder möglich sein werden.

8. Was waren Ihre größten Learnings im Jahr 2020? Für Maurice Lacroix, aber auch für Ihre Kompetenz in der Führung des Unternehmens? Werden Sie im kommenden Jahr andere Schwerpunkte setzen oder haben Sie viele Dinge bewährt?

Unsere globale Roadshow-Strategie, mit mehreren Produkt-Launches über das Jahr verteilt, statt dem einen großen (Messe-)Auftritt hat sich definitiv bewährt, denn so haben wir die Möglichkeit unseren innovativen Produkten Raum zu geben und die Marke bleibt im Gespräch. Auch unsere erfolgreiche Friend-of-the-brand Strategie und die Sponsoring-Partnerschaften werden wir weiter ausbauen. Zudem haben wir in diesem Jahr gelernt, wie man durch Digitalisierung vieles einfacher und effizienter gestalten kann.
Vor zwölf Monaten hätte zum Beispiel keiner von uns gedacht, dass man Geschäftsreisen vorerst komplett aus seinem Kalender streichen und Verkaufstermine oder Trainings rein digital halten kann, ohne, dass dies die Geschäfte an sich in irgendeiner Weise großartig beeinträchtigen würde. Diese Erkenntnisse führen momentan dazu, dass wir uns viele Bereiche und Prozesse in unserer Organisation anschauen und geschäfts- und abteilungsübergreifende Digitalisierungsprojekte gestartet haben.

9. Schauen Sie positiv in die Zukunft und sehen Sie den berühmten rosa Streifen am Horizont? Oder wird die Uhrenindustrie weiterhin stürmische Zeiten durchleben? 

Ich blicke grundsätzlich positiv in die Zukunft, denn Hindernisse sind dafür da, überwunden zu werden. Zumal in jeder Herausforderung auch Chancen stecken – siehe Digitalisierung – auch für die Uhrenindustrie. Ich freue mich 2021 auf neue Produkthighlights von Maurice Lacroix im Automatik- und Quarzbereich und auf den Ausbau spannender Kooperationsprojekte mit unseren Partnern weltweit. Diese Kooperationsprojekte hätte es ohne die Pandemie zum Beispiel nicht in einer so großen Anzahl gegeben. Hier konnten wir tatsächlich dieses Jahr feststellen, dass Partner viel offener für Verhandlungen waren, was es uns ermöglichte, ein großartiges und vollständiges Marketing- und Sponsoringpaket zu interessanten Konditionen für 2021 aufzusetzen. Es wäre für uns eine große Freude, alles wie geplant umsetzen zu können.

Urban, zugänglich und modern – dieser Lauf entspricht genau unserer Vorstellung eines solchen Events. Darüber hinaus ist dieser Marathon sowohl für professionelle als auch für Amateursportler eine wahre Herausforderung. Wir freuen uns sehr, Teil dieses Abenteuers sein zu dürfen

Stéphane Waser

10. Wie sind Sie persönlich durch das anstrengende Jahr 2020 gekommen? Hat sich das Miteinander beruflich oder privat verändert? 

Das Jahr war definitiv spannend und brachte interessante Herausforderungen mit sich. Es brachte mich persönlich und auch Maurice Lacroix dazu, mit der Situation zu wachsen. Dank der Pandemie wurden zum Beispiel auch Lücken aufgezeigt, die man angehen muss, um weiterzukommen. Grundsätzlich fühle ich mich in Krisenzeiten sehr wohl, denn man kann neue Ideen und Lösungen hervorbringen, die Mitarbeiter und Partner sind grundsätzlich offener für Veränderungen, wie wenn alles gut und normal läuft. Auch ist der Widerstand gegenüber Veränderungen geringer, da allgemein eine Art Krisenstimmung herrscht, die Mitarbeiter verlieren ein wenig die Orientierung. Gerade dann ist es spannend, den Mitarbeitern den Weg wieder aufzuzeigen und sie auf dem gemeinsamen Weg zu begleiten.
Erfahrungsgemäß kann ich sagen, dass Krisen den Teamgeist fördern und der Zusammenhalt eindeutig gestärkt wird.

Wenn Sie 3 Wünsche für 2021 frei hätten: Welche wären das?

1) Mein erster Wunsch wäre, dass wir die Arbeits- und Verhaltensweisen, die wir in den letzten neun Monaten gelernt und angewandt haben nicht verlieren, sondern beibehalten und weiter ausbauen. Weiterhin auf Digitalisierung, Effizienz und Gelassenheit setzen.

2) Selbstverständlich wünsche ich mir, dass wir all unsere Pläne zu Produktneuheiten und Marketingaktivitäten hundertprozentig umsetzen können, denn gerade in punkto Marketing erwarten uns die spannendsten Aktivitäten, die wir je bei Maurice Lacroix hatten.

3) Ferner wünsche ich mir, dass wir allgemein alle besser mit der aktuellen Situation umgehen können. Die Pandemie wird uns leider noch eine gute Weile lang begleiten und beschäftigen, daher versuchen wir einfach das Beste daraus zu machen und mit mehr Gelassenheit in die Zukunft zu blicken