Waltz 1 von Carl Suchy & Söhne Wien
Carl Suchy dreht die Sekunden im Walzertakt

Zeitmesser fürs Handgelenk spielten bei den Uhrmachern der kaiserlich-königlichen Doppelmonarchie keine Rolle. Aber mit der Traditionssignatur Carl Suchy lebt zumindest ein alter, längst vergessener Name wieder auf. Das ist die Geschichte der Marke.

Carl Suchy dreht die Sekunden im Walzertakt

Carl Suchy und Söhne waren k.u.k Hoflieferanten und die erste Uhrmacheradresse in Wien. Nun wird die Marke klein, aber fein wieder aufgebaut und ein Stück des Wiener und Prager Glanzes lebt wieder auf.

DEr Geschichte höflicher Anfang

Was haben Kaiser Franz Joseph I., seine besser als Sissi bekannte Gemahlin Elisabeth und der Psychologe Sigmund Freud gemeinsam? Ganz einfach! Alle drei blickten auf Uhren mit der Signatur Carl Suchy. Deren Geschichte reicht zurück bis 1796, als der spätere Uhrmacher in Prag das Licht der Welt erblickte. Nach gründlicher Ausbildung und ausgiebiger Wanderzeit eröffnete er schließlich mit 26 Jahren in der Heimatstadt Prag sein eigenes Geschäft. Und das florierte derart gut, dass im Jahr 1838 am deutlichen Ausbau kein Weg vorbei führte.
Vom Erfolg der Suchy Uhren zeugten nicht zuletzt die 35 Beschäftigten des jungen Unternehmens. Sie fertigten im Dienste ihres Meisters Tisch– und später auch Wanduhren. Vor dem Verkauf nahm Carl Suchy jede einzelne Uhr persönlich in Augenschein. Die Ernennung zum Kaiserlichen und Königlichen Hoflieferanten konnte also fast nicht ausbeleiben.

Carl, Hans, Johann Anton und Emanuel Suchy untermauerten die Spruchweisheit, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt. Alle vier Söhne erlernten nämlich das Handwerk ihres Vaters. Als die beiden ältesten 1849 ins elterliche Geschäft eintraten, erfolgte die Umbenennung in Carl Suchy & Söhne.
Bald schon verschlug es Carl Suchy Junior, den ältesten Spross in die Uhr-Schweiz. und er eröffnete 1853  in der Jura-Metropole La Chaux-de-Fonds eine Taschenuhrfabrik. Die belieferte natürlich das Stammhaus, verkaufte ihre Produkte aber auch nach England.
Zehn Jahre später wiederum rief der zweitgeborene Sohn Hans die Wiener Dependance von Carl Suchy & Söhne ins Leben. Nach dem Ableben von Carl Suchy Senior im Jahr 1866 führten Johann Anton und Emanuel die Prager Aktivitäten fort. Infolge des Tods der vier Brüder kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert übernahm Adolph Červinka die Prager Dependance. Das Wiener Geschäft in der Rotenturmstraße 6 hingegen führten Therese Suchy und ihr Sohn Alfred vorerst weiter. Leider die beiden infolge der Umwälzungen in Europa nicht an die Erfolge der Vorgängergeneration knüpfen. So verschwand mit dem Ende des Ersten Weltkriegs Carl Suchy & Söhne still und leise von der Bildfläche.

Fortsetzung als Gemeinschaftswerk                                     

Die glückliche Renaissance von Carl Suchy & Söhne knapp 100 Jahre später verknüpft sich mit Robert Punkenhofer. Der kulturbeflissene Österreicher entspricht gar nicht dem, was man sich landläufig unter einem Uhrenmanager vorstellt. Auf die Uhrenmarke Carl Suchy stieß er 2017 während einer Ausstellung österreichischen Designs im Mailänder Triennale Museum.
„Ich konnte nicht glauben, dass der wichtigste Uhrenfabrikant der Donaumonarchie völlig vergessen war und beschloss zu meinem 50., die Marke wiederaufleben zu lassen.“ Ohne das nötige Kleingeld wäre die Idee sicherlich ein Wunschtraum geblieben. Nachdem der persönlich angefragte Jean-Claude Biver jedoch kein Interesse bekundet hatte, wandte sich Robert Punkenhofer per Initiativ-Mail an einen Landsmann. „Ich hatte in einer Zeitung gelesen, dass Peter Brabeck-Letmathe bei HYT investiert ist. Wenig später trafen wir uns im Wiener Hotel Sacher und zwei Monate später haben wir gemeinsam eine AG gegründet.“

Die Karriere des österreichischen Marketing-Gurus Peter Brabeck-Letmathe verknüpft sich primär mit dem eidgenössischen Lebensmittelkonzern Nestlé. Dort machte sich der 1944 Geborene als Spezialist für neue Produkte verdient. Von 1997 bis 2005 agierte Peter Brabeck-Letmathe schließlich als Vorsitzender der Konzernleitung. Bis 2017 hatte er schließlich die Präsidentschaft des Verwaltungsrats inne.
Das Interesse für Suchy & Söhne, so sagt Peter Brabeck-Letmathe, „ist meiner emotionalen Bindung an Österreich zu verdanken. Und die Idee, eine damals hochangesehene Uhrenmarke wieder aufblühen zu lassen, war für einen Marketingmann eine reizvolle Aufgabe.“ Ans schnelle Geldverdienen dachte der 75-Jährige eher nicht. „Herr Punkenhofer präsentierte sein Projekt fast als einen Kunstgegenstand und bei Investitionen in die Kunst sind es eben nicht finanzielle Interessen, die im Vordergrund stehen.“ Natürlich kam das intendierte Sujet dem Gemeinschaftsprojekt sehr zugute. „Ich war und bin ein Freund mechanischer Uhren: ich empfinde sie als Menschen näher. Und ich habe eine kleine Sammlung von Uhren, mit berühmten und nicht so berühmten Markennamen.“

Das Forbes-Cover mit  Ex-Nestlé Chef zeigt, dass man alles Ernst nehmen muss, was Brabeck-Letmathe in Angriff nimmt.

Das Forbes-Cover mit Ex-Nestlé Chef zeigt, dass man alles ernst nehmen muss, was Brabeck-Letmathe in Angriff nimmt. Auch wenn es Carl Suchy & Söhne eher um ein ideelles Projekt geht.

Unbekannte Größe mit Potenzial

Carl Suchy & Söhne gehört definitiv zur Kategorie der Uhrenmarken, deren Potenzial neu ausgelotet werden muss. Mit dem Namen wissen aktuell wohl eher Insider mit ausgeprägtem Faible für die Wiener Uhr-Kultur etwas anzufangen. Folglich musste sich Robert Punkenhofer einiges einfallen lassen.
Am Anfang stand das Design. Dieses stammt von den beiden Gestaltern Reinhard Steger und Milos Ristin. Im Designprozess inspirierend wirkte laut Robert Punkenhofer allerdings auch der um das Jahr 1900 reichlich umstrittene Adolf Loos. „Von diesem Architekten stammt das berühmte Looshaus gegenüber der Wiener Hofburg oder die American Bar im Zentrum Wiens. Es war eine bewusste Entscheidung, dort anzuschließen, wo Suchy einst aufhörte, sprich im Biedermeier. Als nächster Schritt kam die Wiener Moderne mit sehr reduziertem und gleichzeitig hochemotionalem Design.“ Herausragendes und rechtlich geschütztes Merkmal ist „unser einzigartiger Sekundenzeiger als Walzerscheibe.“ Er folgt dem Motto „In Wien zählt nicht jede Sekunde. Dabei geht es jedoch weniger um den Walzer per se, als um ein Wiener Lebensgefühl, das wir mit unseren Uhren ausdrücken wollen.“

Die breite Masse spricht man mit derartigen Armbanduhren naturgemäß nicht an. Aber diese Absicht hegen weder Robert Punkenhofer noch sein Partner Peter Brabeck-Letmathe, der ausdrücklich betont, dass es sich bei „Carl Suchy um ein echtes kleines Nischen-Projekt für ein selektives Sammlerpublikum handelt.“ Dementsprechend gering ist die Stückzahl der produzierten Exemplare. Dazu Robert Punkenhofer: „Von unserer Skelettuhr haben wir bisher nur fünf Exemplare gemacht  Alle gehorchen unserer Philosophie, welche auf höchste Handwerkskunst zielt. Resultierend aus Kreativität, der Inspiration in Kunst, Design und Architektur. Dazu eine einzigartige Legacy als ehemaliger Hoflieferant. Und über all dem schwebt die Wiener Lebenskultur.“ 

Als Zielgruppe der alten neuen Marke haben die Initiatoren unter anderem passionierte österreichische Uhrensammler im Ausland ausgemacht, welche ein spezielles Stück Heimat am Handgelenk tragen möchten. Hinzu gesellen sich in mittlerweile zwölf Ländern auch Zeit-Genossen mit ausgeprägtem Gefühl für das Besondere. „Sie alle wissen“, so Punkenhofer, „das augenfällige Design mit der Walzersekundenscheibe, das flache Mikrorotor-Kaliber und die eng begrenzte Auflage sehr zu schätzen.“  

Im Geiste Carl Suchys

Bezüglich der Qualität duldet das Duo keine Kompromisse. „Suchy zählte in seiner Zeit als Hoflieferant zu den besten der Welt und so war klar, dass wir auch heute mit hervorragenden Partnern zusammenarbeiten. Marc Jenni, der Uhrmacher fertigt alle unsere Uhren ausnahmslos von Hand. Und die Vaucher Manufacture in Fleurier liefert das ultraflache Uhrwerk.“ bekundet Robert Punkenhofer. Bei der eidgenössischen Partnerwahl für den chronometrischen Walzertanz bewies der Branchenfremde ein glückliches Händchen. „Dass ich vorher nicht in der Uhrenindustrie tätig war, sah ich zuerst als Nachteil, bis mir viele Insider bestätigten, dass mein frischer Blick von außen ein Vorteil ist, was Innovation und Kreativität anlangt.“

Die künstlerische Ader des Spiritus Rector sieht man den verschiedenen Modellen der „Waltz 1“ aus allen Perspektiven an. Gestalterisch blieb nichts dem Zufall überlassen. Diese Armbanduhr spiegelt das puristische architektonische Schaffen des Adolf Loos wider, erinnert aber auch an Vertreter der Wiener Sezession wie Josef Hoffmann oder Otto Wagner. Ihre Eleganz ist nicht zuletzt auch dem 2,6 Millimeter flachen Automatikkaliber VMF5401 mit 48 Stunden Gangautonomie zu verdanken. Seine Finissage zeigt sich durch den Sichtboden.

Den Einstieg in die tickende Welt des Wiener Walzers ermöglicht edler Stahl. Wenn es etwas mehr sein darf, empfehlen sich die auf jeweils fünf Exemplare limitierten Goldmodelle. Schließlich kommen Mechanik-Voyeure bei der Skelettversion mit durchbrochenem Zifferblatt und Uhrwerk auf ihre Kosten. Einmal mehr besteht die Qual der Wahl zwischen Stahl und Gold. Die Preise bewegen sich zwischen rund 8.500 und 38.500 Schweizerfranken.

Der Aufbau des VMF 5401 Kalibers von Vaucher

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Perspektiven

Für Peter Brabeck-Letmathe, der Handeln in großen Dimensionen gewohnt ist, bedeutet das Engagement logischer Weise ein radikales Umdenken. Wenn es ums Wachstum der Marke geht, hält er sich eher zurück. „Die Strategie für Carl Suchy, welche ich dann mit ihm konstruktiv bespreche, wird von Herrn Punkenhofer konzipiert. Gerne diskutiere ich mit ihm auch die Marketing- und Vertriebsstrategie. Hin und wieder nehme ich persönlich an einer Uhrenmesse oder einem Journalistentreffen teil.“
Einen zeitlichen Rahmen für den Rückfluss seines Geldes hat der gebürtige Villacher nicht gesteckt. „Der Hauptgrund meiner Investition ist nicht finanzieller Art, sondern die Freude an der kreativen Wiederbelebung einer traditionellen Marke.
Dass man unter diesen Vorzeichen so gespannt wie gelassen in die Zukunft von Carl Suchy & Söhne blicken kann, mag sich von selbst verstehen.

Im Geiste Carl Suchys

Die Arbeit der Experten von Vaucher Manufacture Fleurier beim skelettierten Kaliber Seed VMF 5401/180 lässt sich sehen. 

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