Unsere Uhr-Ahnen - (Teil 8/10)
Mit G-Shock digital in die 80er

In den 80ern revolutionierten Casio und die Quarzwerke die Uhrenwelt. Doch unerwarteterweise kommt ein Klassiker wieder zurück: Die mechanische Armbanduhr zeigt auf der Basler Uhrenmesse 1985, dass sie ihren modernen Nachfolgern in nichts nachsteht.

Mit G-Shock digital in die 80er

Die schweizer Ur-Quarzuhr Beta mit dem Kaliber Beta 21, Frequenz 8.192 Hertz war ein aus der Not geborenes Gemeinschaftswerk einiger großer Uhrenfirmen

Gangabweichung, Frequenz, Flüssigkeitskristalle: Die Elektronische Zeitmessung ist das Nonplusultra. Die neuen Technologien lösen einen Rekordrausch aus: Wer baut die flachste Armbanduhr?

ab 1970

Am 30. Januar 1962 wurde in Neuchâtel das Centre Électronique Horlogèr S.A. (CEH) mit dem Zweck gegründet, Forschungen auf dem Gebiet der elektronischen Zeitmessung zu betreiben und neue elektronische Kaliber zu konstruieren. 1967 wurden unter größter Geheimhaltung beim Observatorium Neuenburg zehn Prototypen eines neuentwickelten Quarzwerks für einen Wettbewerb eingereicht. Auf Anhieb erreichten sie die ersten zehn Plätze mit einer zwölfmal höheren Präzision als die mechanischen Konkurrenten.

Am 10. April 1970 gab die Interessengemeinschaft „BETA“, zu der Bulova, Credos, Ebel, Eberhard, Elgin, Enicar, Favre Leuba, IWC, Jaeger LeCoultre, Juvenia, Longines, Omega, Patek Philippe, Piaget, Rado, Synchron, Universal, Zenith und Zodiac gehörten, auf Pressekonferenzen den Verkaufsbeginn der ersten 1000 Schweizer Armbanduhren mit dem Kaliber Beta 21, Frequenz 8.192 Hertz, bekannt.

1969 startete auch Junghans ins elektronische Quarz-Zeitalter. Die „Astro-Quartz“ war die erste deutscher Quarz-Armbanduhr. Mit ihr trat Junghans 1970 gegen die mächtige japanische und schweizerische Konkurrenz an.

Die „Pulsar“ der Hamilton Watch Company

Am 9. Mai 1970, brachte die amerikanische Hamilton Watch Company  die „Pulsar Uhr“ auf den Markt. Diese Armbanduhr ging wie ein Beben durch die Uhrenindustrie, denn sie besaß keine beweglichen Teile mehr. Auf Knopfdruck hin indizierten kleine Lichtemissionsdioden (LED) die Zeit in digitaler Form. Während das Kaliber Beta 21 eine Ganggenauigkeit aufwies, die im Bereich zwischen einer und fünf Sekunden/Monat lag, wurde für die Pulsar eine maximale Gangabweichung von 2 Sekunden/Monat angegeben. Vor allem in den USA erwies sich die Pulsar in den folgenden Jahren als absoluter Verkaufsschlager.

1972

Im Jahr der Olympischen Spiele in München überraschte Longines mit der weltweit ersten Quarz-Armbanduhr, deren Display sich auf Flüssigkristalle stützte (LCD). Neben Stunden (12- oder 24-Stunden-Indikation) und Minuten zeigte dieses Modell mit rundem Uhrwerk und aktueller Quarzfrequenz von 32.768 Hz die Sekunden sowie das Datum an. Die beiden Quecksilberbatterien gestatteten eine Gangautonomie von mehr als einem Jahr. Für diese herausragende Leistung erhielt Longines den amerikanischen AI.R. 100″, ein anerkanntes technologisches Pendant zum begehrten Nobelpreis.

Die Repräsentanten des französischen, schweizerischen und italienischen Markts wünschten sich von Audemars Piguet eine neue Armbanduhr. Elegant, sportlich und exklusiv sollte sie sein. Zwei Jahre später Beim Debüt der „Royal Oak“ im Jahr 1972 staunten die Besucher der Basler Uhrenmesse nicht schlecht. Georges Golay, damaliger CEO, hatte Gérald Genta mit der Kreation beauftragt. Sein Design bestach durch Bullaugen-Stil, verschraubte achteckige Lünette und Gliederband. Audemars Piguet fertigte das Ganze aus edlem Stahl. Trotz des hohen, aber keineswegs unangemessenen Preises von 3.750 Mark verkaufte sich die erste Serie von eintausend Exemplaren erstaunlich schnell.

1973

Drei Jahre lang arbeiteten Edmond Capt und ein kleines Team an der Entwicklung des Bestsellers unter den Automatik-Chronographen. 1973 war das Kaliber Valjoux 7750 endlich zur Serienreife gediehen. Trotz integrierter Konstruktion handelt es sich beim 7,9 Millimeter hohen Oeuvre, das wegen seiner Zuverlässigkeit oftmals auch Panzer genannt wird, um eine Art Sandwich-Konstruktion. Die Basis-Ausführung verfügt über Datums- und Wochentagsindikation sowie senkrecht angeordnete Zähler bis 30 Minuten und 12 Stunden.

„Schwarz ist keine Farbe, sondern ein Zustand.“ pflegte Ferdinand A. Porsche zu sagen. Trotzdem war sein 1973 vorgestelltes Erstlingswerk mit einem Zifferblatt im Instrumentenlook komplett schwarz. Markenzeichen war ein roter Chronographenzeiger. In dieser Uhr mit beschichtetem Edelstahlgehäuse und -band debütierte das Automatikkaliber Valjoux 7750. Damals konstatierte ein britischer Journalist: „Der Chronograph von Porsche Design ist nur bei Beerdigungen tragbar.“ Aber auch dieser Zeitmesser stand am Anfang eines echten Uhrentrends.

1974

1970 hatte Omega anlässlich der Basler Uhrenmesse die ersten Prototypen des Kalibers „Megaquartz 2400″ vorgestellt. Dieses Uhrwerk verdankte seine Existenz einer Kooperation mit dem Genfer Batelle Institut. Die enorme Ganggenauigkeit von einer Sekunde/Monat wurde mit Hilfe eines gekapselten Resonators erreicht, dessen Frequenz bei 2.359.296 Hz lag.

Die genaueste Armbanduhr der Welt

Auf der Basis dieser Forschungen präsentierte Omega 1974 das Kaliber 1511, welches beim Observatorium Neuenburg erstmals den Titel eines Marinechronometers erlangen konnte. Nach einem Prüfintervall von 63 Tagen betrug die tägliche Gangabweichung nicht mehr als 2/1000 Sekunden. Damit war Omega die genaueste Armbanduhr der Welt gelungen. Ihr so genanntes „TSA Dispositiv“ (Timezone and Second Adjustment) ermöglichte die Umstellung des Stundenzeigers auf eine andere Zeitzone ohne Beeinflussung von Minute und Sekunde. Außerdem konnte der Sekundenzeiger unproblematisch mit einem Zeitzeichen synchronisiert werden.

1976

Mann möchte es fast nicht für möglich halten, aber beim Premierenmodell der „Happy Diamonds“ handelte es sich um eine Herrenuhr mit 18-karätigem Weißgoldgehäuse und -band. An eine Serienproduktion und die Entwicklung hin zu einer beispiellosen Erfolgsstory hatte im Hause Chopard niemand zu denken gewagt. Vielmehr ging es um ein Schaustück für den Design-Award „Goldene Rose von Baden-Baden“. Hierfür hatte Chopard-Präsident Karl Scheufele unter seinen Produktgestaltern einen internen Wettbewerb ausgerufen.

Sieger war Ronald Kurowski, den ein Wasserfall im Schwarzwald zu dieser schwer realisierbaren Kreation inspiriert hatte. Nachdem die Jury dieses Modell zum interessantesten Entwurf besagten Jahres 1976 gekürt hatte, musste Chopard in die Serienproduktion einsteigen. Die 1977 gestartete Werbung fokussierte sich auf Männer von Welt, welche die Herzen schöner Frauen im Fluge erobern. Das Gehäuse der extravaganten Armbanduhr, um deren inneren Werkscontainer herum dreißig frei bewegliche Diamanten besondere Faszination verstrahlten, ähnelte einem Fernsehschirm. Die Zeit bewahrte das Handaufzugskaliber ETA 2442.

1977

Der auf der Kanalinsel Man arbeitende Altmeister George Daniels fertigte die 1977 erstmals tickende Taschenuhr mit fein guillochiertem Silberzifferblatt vollständig von Hand. Im edlen Goldgehäuse befindet sich ein vergoldetes Uhrwerk mit zwei Federhäusern, zwei separaten Räderwerken und die von ihm erfundene Daniels-Hemmung mit zwei Hemmrädern.

1978

Die japanische Citizen Watch Co. setzt mit einem weniger als 1 mm hohen Quarzwerk Maßstäbe. Zunächst lag die Höhe der Uhr samt Gehäuse noch bei mehr als 4 mm. Noch im Laufe des Jahres konnte der japanische Uhrengigant die Höhe auf 2,5 mm für die ganze Uhr reduzieren.

Das flachste Handaufzugswerk aller Zeiten stammt von Jean Lassale aus Genf. Sein 1978 vorgestelltes Kaliber 1200 mit einem Durchmesser von 20,4 mm, war nur 1,2 mm hoch. Das Gesamtvolumen lag bei 397 Kubikmillimeter, die Unruhfrequenz bei drei Hertz. Das Werk verfügte über 9 Steine und 14 Miniatur-Kugellager. Die Automatik-Version mit Zentralrotor ist lediglich 2,08 mm hoch.

mbanduhr. Ihr rein mechanisch agierendes Uhrwerk verfügt über eine Minutenrepetition sowie einen ewigen Kalender. Augenmenschen bekommen das uhrmacherische Kleinod auch in skelettierter Ausführung.

Dem kantigen Naturell von Pierre-Alain Blum, damaliger Eigentümer der 1911 gegründeten Uhrenmarke Ebel, widerstrebte es Anfang der 1980-er Jahre, nur auf der Trendwelle zu schwimmen. Deshalb lancierte er 1982 in der Linie „Sport“ einen gleichermaßen eleganten wie funktionalen Automatik-Chronographen, welcher in Branchenkreisen wegen seiner gelungenen Optik alsbald schon den Beinamen „Beau@erhielt. Mit diesem mutigen Schritt, gegangen unter Verwendung von Rest-Exemplaren des Zenith „El PrimeroAverhalf Ebel dem 1975 mangels Nachfrage eingestellten Automatikkaliber zur Renaissance.

1983

Ihren Anfang nahm die krisenbedingte Erfolgsgeschichte namens Swatch 1979 bei der Eta unter dem Namen „Delirium vulgaris“, zu Deutsch Volks-Delirium.Vorab-Feldversuche in Dallas, Texas, durchgeführt im Herbst  1982 der Basis eines Joint Venture mit einem amerikanischen Unternehmer, dämpften die anfängliche Euphorie. Trotzdem gelangte die erste Frühling-/Sommer-Kollektion am 1. März 1983 auf den Markt. Die Erfolge stellten sich nicht spontan ein, aber gut Ding braucht bekanntlich immer etwas Weile.

Die legendäre Armbanduhr G-Shock

Mit Blick auf Armbanduhren kann im Hause Casio das Jahr 1983 als eines der markantesten und zugleich wichtigsten in der Firmengeschichte betrachtet werden. Durch ihre extreme Belastbarkeit in allen Lebenslagen revolutionierte die während zweier Jahre entwickelte G-Shock die Uhrenszene zunächst in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort beeindruckte ungemein, dass dieser digitale Zeitmesser wegen seiner ausgeklügelten Konstruktionsprinzipien aus Hochhausstürze unbeschadet überstehen sollte. Der Modellname kam deshalb nicht von ungefähr. G steht in diesem Zusammenhang für Gravity oder Erdanziehungskraft.

Vater der Revolution fürs Handgelenk war Kikuo Ibe. Ihn soll, so die Legende rund um die Entstehungsgeschichte, seinerzeit ein Kind inspiriert haben, welches mit einem „Flummi“-Springball spielte. Einem solcherart verpackten Uhrwerk, so die Idee, könne auch härtester Umgang nichts anhaben. Der Stein der Weisen bestand in einer Art schwebender Aufhängung des elektronischen Innenlebens in einem stoßfesten Gehäuse aus elastischem Material. Seitdem sind Schleudertraumata, Hammerschläge der üblen Sorte, Fensterwürfe, Schweiß- oder Wasserattacken kein Thema mehr.

1984

Bei Tissot entstand 1984 eine kleine Serie der „Navigator“-Automatik vorgestellt, welche im Jahr 1953 zum 100-jährigen Firmenjubiläum als damals viel beachtete Weltneuheit reichlich Aufsehen erregt hatte. Der Preis: ca. 2.000 Euro. Das Automatikwerk stellt die Zeit am jeweiligen Aufenthaltsort und dazu rund um die Welt dar.

1985

Kein Wunder, dass das „Astrolabium Galileo Galilei“ von Ulysse Nardin 1985 auf die Umschlagseite des Guinness-Buches der Rekorde fand. Eine derartige Armbanduhr gab es noch nie. Der von Ludwig Oechslin entwickelte Mechanismus indiziert -von der Erde aus gesehen- die Positionen von Sonne, Mond und Sternen. Daneben zeigt es Sonnenauf- und -untergang, Mondphasen, Mondauf- und -untergang sowie die Dämmerungsphasen.

Das Comeback der mechanischen Armbanduhr

Einen schlagenden Beweis für die ungestüme Renaissance der mechanischen Armbanduhr lieferte die Basler Uhrenmesser des Jahres 1985. In der Stadt am Rhein zeigten insgesamt 13 Hersteller nicht weniger 16 verschiedene mechanische Armbanduhren mit ewigem Kalender. Dazu gehörte zum Beispiel IWC mit der „Da Vinci@. Die Kadratur auf der Vorderseite des Automatikwerks mit Chronograph, Basis Valjoux 7750, ließ sich über die Krone einstellen und zeigte die voll ausgeschriebene Jahreszahl.

Anfang der 1980-er Jahre herrschte in der Schweiz Endzeitstimmung. Die altehrwürdigen Uhrengruppe SSIH (Société Suisse de l’Industrie Horlogère SA) mit ihren Marken-Flaggschiffen Omega und Tissot lag ebenso am Sterbebett wie der Konkurrent ASUAG, welcher u.a. über Certina, Eterna, Longines, Rado sowie die Holding Ebauches SA mit ihren Rohwerkegiganten AS und Eta gebot. In der Not wandten sich die Banken an Nicolas G. Hayek. 1984 offerierten sie ihm die Mehrheit des Aktienkapitals einer neu zu bildenden Uhrengruppe für schlappe 300 Millionen Schweizerfranken. Nach einigen Überlegungen griff der Sanierer zu. Im Sommer 1985 formte die SMH (Société Suisse de Microélectronique et d’horlogerie), ein illustres Konglomerat mit 147 Fabri­ken und mehr als 300 Betriebsstätten, aus der die heutige Swatch Group wurde.

1986

Ab 1945 nutzten wenige Uhrenmarken das 1801 patentierte Tourbillon vereinzelt auch in Armbanduhren. Die „Serien“-Produktion derartiger Zeitmesser ab 1986 ist Audemars Piguet zu verdanken. In das Projekt des seinerzeit kleinsten und flachsten Tourbillons mit Selbstaufzug hatte die Manufaktur mehr als eine Million Schweizerfranken investiert. Die Gesamthöhe von lediglich 4,8 mm gelangt -wie bei der Swatch- durch Nutzung des Gehäusebodens als Werksplatine. Das Mini-Drehgestell fertigte AP aus Titan. Die Krone des insgesamt 32,5 x 28,5 mm messenden Uhrwerks fand sich auf der Rückseite.

1986 knüpfte Patek Philippe mit der neuen Referenz 3970 an die lange Tradition seiner Chronographen mit ewigem Kalender. Zusätzlich zu den bekannten Anzeigen für Tag und Monat, Datum und Mondphase besitzt dieser Armbandchronograph bei „9“ eine 24-Stunden- und bei der „3“ eine Schaltjahresanzeige. Darüber hin­aus ist die Uhr insgesamt um etwa einen mm flacher geworden als die vorherige Referenz 2499. In Gelbgold war das neue Modell für umgerechnet rund 25.000 Euro wohlfeil.

Obwohl die IWC im Grunde genommen amerikanische Wurzeln besitzt, denkt und handelt die Manufaktur traditionsgemäß extrem schweizerisch. Das zeigte sich auch bei der 1986 vorgestellten Da Vinci mit Keramikgehäuse. Mit Blick auf die gewünschte „spröde Schönheit“ wandten sich die Gehäuseentwickler an einen einschlägigen Experten aus der Region Schaffhausen. Es handelte sich um die in Thayngen beheimatete Firma Metoxid. Japanische Fabrikanten kamen nicht in Betracht. Die Entwicklungsarbeiten waren freilich noch nicht am Ende. Um die drei Gehäuseteile zu verbinden, brauchte es neuartige Technologien. Und dazu eine Menge Zeit. Der Zusammenbau einer Keramikschale für die Da Vinci verlangte beinahe die fünffache Zeit dessen, was für ein Goldgehäuse notwendig war.

1987

Nach Romulus und Remus brachte 1987 auch eine „Maximilianus“-Armbanduhr. Im Gegensatz zum Brü­derpaar von Corum stammt letztgenannte Uhr jedoch aus den Werkstätten des im schweizerischen Burgdorf beheimateten Uhrmachermeisters Armin Strom. Das Zifferblatt fertigt er aus einer echten römischen, rund 2000 Jahre alten Münze. Das Goldge­häuse beherbergt ein automati­sches Piguet-Kaliber mit Goldro­tor. Von Hand durch­brochen und graviert ist das Uhrwerk.

1988

Unter der Ägide von Jean-Claude Biver war Blancpain 1988 wieder für eine kleine Sensation gut. Nach mehr als zweijähriger Entwicklungsarbeit wurde erstmals in der Geschichte der mechanischen Armbanduhr eine solche mit automatischem Aufzug, Datumsanzeige, Chronograph-Rattrapante sowie 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler der Weltöffentlichkeit präsentiert. Das 11½-linige Basis-Chronographenwerk besitzt eine Höhe von 5,50 mm. Darauf wird ein klassisch aufgebautes Schleppzeiger-Modul mit 1,4 mm Höhe montiert. Allerdings besaß diese technische Meisterleistung, deren Entwicklung rund 1,2 Millionen Schweizerfranken verschlungen hatte, auch ihren Preis: umgerechnet rund 15.000 Euro.

Man kann die Dinge drehen und wenden, wie man will: Mit Chronoswiss verknüpft sich untrennbar der 1988 von Gerd-Rüdiger Lang aus der Taufe gehobene „Regulateur“. Diese limitierte Armbanduhr mit einem modifizierten Handaufzugskaliber von Unitas, dessen Produktion 1984 eingestellt worden war, markierte in der Branche einen Trend. Es gab sie in Stahl, Stahl-Gold, Massivgold und Bronze.

1989

Der 150. Geburtstag von Patek Philippe im Jahr 1989 verlangte tatsächlich selbstverständlich nach einer besonderen Uhr. Und um die handelt es sich bei der Taschenuhr mit dem Kaliber 89 tatsächlich. 1728 Komponenten wirkten im damals kompliziertesten Handaufzugswerk für insgesamt 33 verschiedene Funktionen zusammen. Die Entwicklung, Teileproduktion, Finissage und Montage erstreckten sich über neun lange Jahre. Im Jubiläumsjahr wurde das erste Exemplar im Rahmen einer aufsehenerregenden Auktion für rund fünf Millionen Schweizerfranken versteigert.

1989 gelangte auch die kleinste mechanische Pendeluhr von Fredy Süess ins Guinness Buch der Rekorde. Das Oeuvre des Luzerner Uhrmachers besteht aus 150 Einzelteilen. Es nur 9,9 Millimeter hoch und bringt lediglich 1,6 Gramm auf die Waage. Sein Pendel zappelt mit einer Frequenz von 1,5 Hertz.

Teil 9 führt uns die 90er Jahre. Das steigende Umweltbewusstsein der Konsumenten brachte z.B. Quarz-Armbanduhren ohne Batterie hervor und die großen Uhren-Manufakturen tüftelten weiter an der Verbesserung der Wasserdichte ihrer Produkte. 

Die Uhrenbranche kämpft mit einer schweren Krise

1978 startete Longines zusammen mit der Schwester Eta und anderen Mitgliedern der „Allgemeine Schweizerische Uhren AG“ (ASUAG), darunter Concord und Eterna das ehrgeizige „Delirium“- Projekt. Es sollte nicht nur Rekorde brechen, sondern in letzter Konsequenz auch Wege aus der schweren Uhrenkrise weisen.

Am 12. Januar 1979 konnte das Longines -Management in Anwesenheit geladener Pressevertreter aus aller Welt einen spektakulären Erfolg zelebrieren: die weltweit flachste Quarz-Armbanduhr mit analoger Zeitanzeige, Gesamthöhe 1,98 mm. Longines lancierte sie unter dem schönen wie zugkräftigen Namen „Golden Leaf“. Beim „Goldblatt“ mit dem Kaliber L 795.2, hatten sich die Techniker radikal von konventionellen Konstruktionsprinzipien abgewandt. Und das erwies sich als mutiger Schritt in die richtige Richtung. Der Gehäuseboden diente gleichzeitig als Platine. Nach der Montage des Uhrwerks und der Zeiger setzten die Uhrmacher nur noch den Glasrand samt Glas auf. Das Stellen der Steiger erfolgte mit Hilfe eines kleinen Drückers im Boden des flachen Goldgehäuses. Kostenpunkt pro Exemplar: 9.000 Schweizerfranken.

ab 1980

Am 19. April 1980 lud Eterna zur Vorstellung eines absoluten Weltrekords. Als erste und bis heute einzige Armbanduhr brachte es die „Linea Museum“ auf weniger als einen mm Gesamthöhe (0,98 mm). Dazu bedurfte es einiger Kunstgriffe wie die Nutzung des Gehäusebodens als Platine sowie die Darstellung der Stunden und Minuten durch Scheiben mit aufgedruckten Zeigern.

Aus dem Französischen übersetzt heißt Hublot nichts anderes als kleine Luke oder Bullauge. Aus diesem Grund mussten die Zeitmesser dieses Namens, welche die neue Uhrenmarke MDM (Montre Des Montres) Hublot 1980 am Markt lancierte, fast zwangsläufig ein Bullaugen-Design transportieren. Und das taten sie auch. Vor der Konzeption seiner Erstlingslinie „Classique“ hatte der Mailänder Ingenieur Carlo Crocco die Kollektionen des Wettbewerbs ausgiebig studiert. Danach entschied er sich für ein markantes, aber unaufdringliches Design mit zwölf Schrauben rund um die Lünette. Sie ersetzten die üblichen Stundenindexe auf dem sonst nur durch Datumsfester und Signatur strukturierten Hublot-Zifferblatt. Unter Jean-Claude Biver erlebte Hublot ab 2004 einen beispiellosen Höhenflug bis hin zur eigenen Werkemanufaktur. An alte Zeiten erinnert die neue „Classic Fusion“.

1981

IWC Schaffhausen stellte 1981 eine sensationelle Innovation in Kooperation „Porsche Design“ vor. Die von F.A. Porsche gestaltete wasserdichte Automatik-Armbanduhr mit Chronograph, Kaliber Valjoux 7750, besaß erstmals überhaupt ein Titangehäuse und –band. Titangehäuse ist halb so schwer wie Stahl, aber wesentlich härter, korrosionsbeständig und antiallergisch. Preis umgerechnet 1.375 Euro.

1982

Gérald Genta überraschte die Uhrenwelt mit einer hoch komplizierten achteckigen Armbanduhr. Ihr rein mechanisch agierendes Uhrwerk verfügt über eine Minutenrepetition sowie einen ewigen Kalender. Augenmenschen bekommen das uhrmacherische Kleinod auch in skelettierter Ausführung.

Dem kantigen Naturell von Pierre-Alain Blum, damaliger Eigentümer der 1911 gegründeten Uhrenmarke Ebel, widerstrebte es Anfang der 1980-er Jahre, nur auf der Trendwelle zu schwimmen. Deshalb lancierte er 1982 in der Linie „Sport“ einen gleichermaßen eleganten wie funktionalen Automatik-Chronographen, welcher in Branchenkreisen wegen seiner gelungenen Optik alsbald schon den Beinamen „Beau@erhielt. Mit diesem mutigen Schritt, gegangen unter Verwendung von Rest-Exemplaren des Zenith „El PrimeroAverhalf Ebel dem 1975 mangels Nachfrage eingestellten Automatikkaliber zur Renaissance.

1983

Ihren Anfang nahm die krisenbedingte Erfolgsgeschichte namens Swatch 1979 bei der Eta unter dem Namen „Delirium vulgaris“, zu Deutsch Volks-Delirium.Vorab-Feldversuche in Dallas, Texas, durchgeführt im Herbst  1982 der Basis eines Joint Venture mit einem amerikanischen Unternehmer, dämpften die anfängliche Euphorie. Trotzdem gelangte die erste Frühling-/Sommer-Kollektion am 1. März 1983 auf den Markt. Die Erfolge stellten sich nicht spontan ein, aber gut Ding braucht bekanntlich immer etwas Weile.

Die legendäre Armbanduhr G-Shock

Mit Blick auf Armbanduhren kann im Hause Casio das Jahr 1983 als eines der markantesten und zugleich wichtigsten in der Firmengeschichte betrachtet werden. Durch ihre extreme Belastbarkeit in allen Lebenslagen revolutionierte die während zweier Jahre entwickelte G-Shock die Uhrenszene zunächst in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dort beeindruckte ungemein, dass dieser digitale Zeitmesser wegen seiner ausgeklügelten Konstruktionsprinzipien aus Hochhausstürze unbeschadet überstehen sollte. Der Modellname kam deshalb nicht von ungefähr. G steht in diesem Zusammenhang für Gravity oder Erdanziehungskraft.

Vater der Revolution fürs Handgelenk war Kikuo Ibe. Ihn soll, so die Legende rund um die Entstehungsgeschichte, seinerzeit ein Kind inspiriert haben, welches mit einem „Flummi“-Springball spielte. Einem solcherart verpackten Uhrwerk, so die Idee, könne auch härtester Umgang nichts anhaben. Der Stein der Weisen bestand in einer Art schwebender Aufhängung des elektronischen Innenlebens in einem stoßfesten Gehäuse aus elastischem Material. Seitdem sind Schleudertraumata, Hammerschläge der üblen Sorte, Fensterwürfe, Schweiß- oder Wasserattacken kein Thema mehr.

1984

Bei Tissot entstand 1984 eine kleine Serie der „Navigator“-Automatik vorgestellt, welche im Jahr 1953 zum 100-jährigen Firmenjubiläum als damals viel beachtete Weltneuheit reichlich Aufsehen erregt hatte. Der Preis: ca. 2.000 Euro. Das Automatikwerk stellt die Zeit am jeweiligen Aufenthaltsort und dazu rund um die Welt dar.

1985

Kein Wunder, dass das „Astrolabium Galileo Galilei“ von Ulysse Nardin 1985 auf die Umschlagseite des Guinness-Buches der Rekorde fand. Eine derartige Armbanduhr gab es noch nie. Der von Ludwig Oechslin entwickelte Mechanismus indiziert -von der Erde aus gesehen- die Positionen von Sonne, Mond und Sternen. Daneben zeigt es Sonnenauf- und -untergang, Mondphasen, Mondauf- und -untergang sowie die Dämmerungsphasen.

Das Comeback der mechanischen Armbanduhr

Einen schlagenden Beweis für die ungestüme Renaissance der mechanischen Armbanduhr lieferte die Basler Uhrenmesser des Jahres 1985. In der Stadt am Rhein zeigten insgesamt 13 Hersteller nicht weniger 16 verschiedene mechanische Armbanduhren mit ewigem Kalender. Dazu gehörte zum Beispiel IWC mit der „Da Vinci@. Die Kadratur auf der Vorderseite des Automatikwerks mit Chronograph, Basis Valjoux 7750, ließ sich über die Krone einstellen und zeigte die voll ausgeschriebene Jahreszahl.

Anfang der 1980-er Jahre herrschte in der Schweiz Endzeitstimmung. Die altehrwürdigen Uhrengruppe SSIH (Société Suisse de l’Industrie Horlogère SA) mit ihren Marken-Flaggschiffen Omega und Tissot lag ebenso am Sterbebett wie der Konkurrent ASUAG, welcher u.a. über Certina, Eterna, Longines, Rado sowie die Holding Ebauches SA mit ihren Rohwerkegiganten AS und Eta gebot. In der Not wandten sich die Banken an Nicolas G. Hayek. 1984 offerierten sie ihm die Mehrheit des Aktienkapitals einer neu zu bildenden Uhrengruppe für schlappe 300 Millionen Schweizerfranken. Nach einigen Überlegungen griff der Sanierer zu. Im Sommer 1985 formte die SMH (Société Suisse de Microélectronique et d’horlogerie), ein illustres Konglomerat mit 147 Fabri­ken und mehr als 300 Betriebsstätten, aus der die heutige Swatch Group wurde.

1986

Ab 1945 nutzten wenige Uhrenmarken das 1801 patentierte Tourbillon vereinzelt auch in Armbanduhren. Die „Serien“-Produktion derartiger Zeitmesser ab 1986 ist Audemars Piguet zu verdanken. In das Projekt des seinerzeit kleinsten und flachsten Tourbillons mit Selbstaufzug hatte die Manufaktur mehr als eine Million Schweizerfranken investiert. Die Gesamthöhe von lediglich 4,8 mm gelangt -wie bei der Swatch- durch Nutzung des Gehäusebodens als Werksplatine. Das Mini-Drehgestell fertigte AP aus Titan. Die Krone des insgesamt 32,5 x 28,5 mm messenden Uhrwerks fand sich auf der Rückseite.

1986 knüpfte Patek Philippe mit der neuen Referenz 3970 an die lange Tradition seiner Chronographen mit ewigem Kalender. Zusätzlich zu den bekannten Anzeigen für Tag und Monat, Datum und Mondphase besitzt dieser Armbandchronograph bei „9“ eine 24-Stunden- und bei der „3“ eine Schaltjahresanzeige. Darüber hin­aus ist die Uhr insgesamt um etwa einen mm flacher geworden als die vorherige Referenz 2499. In Gelbgold war das neue Modell für umgerechnet rund 25.000 Euro wohlfeil.

Obwohl die IWC im Grunde genommen amerikanische Wurzeln besitzt, denkt und handelt die Manufaktur traditionsgemäß extrem schweizerisch. Das zeigte sich auch bei der 1986 vorgestellten Da Vinci mit Keramikgehäuse. Mit Blick auf die gewünschte „spröde Schönheit“ wandten sich die Gehäuseentwickler an einen einschlägigen Experten aus der Region Schaffhausen. Es handelte sich um die in Thayngen beheimatete Firma Metoxid. Japanische Fabrikanten kamen nicht in Betracht. Die Entwicklungsarbeiten waren freilich noch nicht am Ende. Um die drei Gehäuseteile zu verbinden, brauchte es neuartige Technologien. Und dazu eine Menge Zeit. Der Zusammenbau einer Keramikschale für die Da Vinci verlangte beinahe die fünffache Zeit dessen, was für ein Goldgehäuse notwendig war.

1987

Nach Romulus und Remus brachte 1987 auch eine „Maximilianus“-Armbanduhr. Im Gegensatz zum Brü­derpaar von Corum stammt letztgenannte Uhr jedoch aus den Werkstätten des im schweizerischen Burgdorf beheimateten Uhrmachermeisters Armin Strom. Das Zifferblatt fertigt er aus einer echten römischen, rund 2000 Jahre alten Münze. Das Goldge­häuse beherbergt ein automati­sches Piguet-Kaliber mit Goldro­tor. Von Hand durch­brochen und graviert ist das Uhrwerk.

1988

Unter der Ägide von Jean-Claude Biver war Blancpain 1988 wieder für eine kleine Sensation gut. Nach mehr als zweijähriger Entwicklungsarbeit wurde erstmals in der Geschichte der mechanischen Armbanduhr eine solche mit automatischem Aufzug, Datumsanzeige, Chronograph-Rattrapante sowie 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler der Weltöffentlichkeit präsentiert. Das 11½-linige Basis-Chronographenwerk besitzt eine Höhe von 5,50 mm. Darauf wird ein klassisch aufgebautes Schleppzeiger-Modul mit 1,4 mm Höhe montiert. Allerdings besaß diese technische Meisterleistung, deren Entwicklung rund 1,2 Millionen Schweizerfranken verschlungen hatte, auch ihren Preis: umgerechnet rund 15.000 Euro.

Man kann die Dinge drehen und wenden, wie man will: Mit Chronoswiss verknüpft sich untrennbar der 1988 von Gerd-Rüdiger Lang aus der Taufe gehobene „Regulateur“. Diese limitierte Armbanduhr mit einem modifizierten Handaufzugskaliber von Unitas, dessen Produktion 1984 eingestellt worden war, markierte in der Branche einen Trend. Es gab sie in Stahl, Stahl-Gold, Massivgold und Bronze.

1989

Der 150. Geburtstag von Patek Philippe im Jahr 1989 verlangte tatsächlich selbstverständlich nach einer besonderen Uhr. Und um die handelt es sich bei der Taschenuhr mit dem Kaliber 89 tatsächlich. 1728 Komponenten wirkten im damals kompliziertesten Handaufzugswerk für insgesamt 33 verschiedene Funktionen zusammen. Die Entwicklung, Teileproduktion, Finissage und Montage erstreckten sich über neun lange Jahre. Im Jubiläumsjahr wurde das erste Exemplar im Rahmen einer aufsehenerregenden Auktion für rund fünf Millionen Schweizerfranken versteigert.

1989 gelangte auch die kleinste mechanische Pendeluhr von Fredy Süess ins Guinness Buch der Rekorde. Das Oeuvre des Luzerner Uhrmachers besteht aus 150 Einzelteilen. Es nur 9,9 Millimeter hoch und bringt lediglich 1,6 Gramm auf die Waage. Sein Pendel zappelt mit einer Frequenz von 1,5 Hertz.

Teil 9 führt uns die 90er Jahre. Das steigende Umweltbewusstsein der Konsumenten brachte z.B. Quarz-Armbanduhren ohne Batterie hervor und die großen Uhren-Manufakturen tüftelten weiter an der Verbesserung der Wasserdichte ihrer Produkte. 

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