Premium Uhren zu Motorrad-Marken

Uhr zum Motorrad? Uhren für Super-Bikes sind keine Selbstläufer

Die großen Uhrenmarken setzen seit vielen Jahren auf den Reiz der Technik und die Kombination von Luxusuhren und Luxusautomobilen. Bei der Luxus Uhr zum Motorrad blieben die produzierten Exemplare gering. Wir haben uns einige Uhren der Premium-Motorradmarken angesehen und hören, warum Georges Kern mit Breitling trotzem daran glaubt.

von | 10.01.2022

Bis zum Überdruss wird uns erzählt, wie gut Uhren und Autos zusammenpassen, woran auch etwas dran sein mag. Aber was ist mit der Uhr zum Motorrad und den bisher lancierten Motorraduhren? Nun, es ist ein Segment, in den sich zwar viele hochwertige Marken vorgewagt haben, aber nur geringen Erfolg dabei hatten, Biker davon zu überzeugen, sich von einem Batzen Geld zu trennen, oder herauszufinden, was (wenn überhaupt) sie in einer hochwertigen Motorraduhr suchen.

Jaeger-LeCoultre Master Compressor Valentino Rossi

Einer der kühnsten Versuche wurde von Jaeger-LeCoultre im Jahr 2007 unternommen, als das Unternehmen den Moto GP-Star und die lebende Rennfahrerlegende Valentino Rossi als Markenbotschafter engagierte.

Zu diesem Anlass brachte JLC Sondermodelle der 46-mm-Modelle Jaeger-LeCoultre Master Compressor auf den Markt, die Rossi gewidmet sind. Erstere tragen die Namen einiger internationaler Rennstrecken, auf denen „The Doctor“ schon triumphiert hat, wie Mugello, Donington und Sepang.

Aber bei Preisen zwischen 6.600 Euro und 14.700 Euro, während man für weniger als 12.000 Euro ein straßentaugliches Superbike mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h kaufen konnte, gab es nur wenige Abnehmer für die Jaeger-LeCoultre Master Compressor Valentino Rossi und Jaeger-LeCoultre Master Compressor Extreme W-Alarm 46 Valentino Rossi und die Partnerschaft war schnell wieder vorbei.

JeanRichard MV Agusta F4CC

Ungefähr zur gleichen Zeit unterzeichnete JeanRichard – die Uhrenmarke ist ein ehemaliger Stallgefährte von Girard-Perregaux, die sich aber seit der Übernahme durch die Kering-Gruppe im „Winterschlaf“ befindet – einen Vertrag mit der italienischen Luxusmotorradmarke MV Agusta, um eine Uhr zu Ehren der MV Agusta F4 1100 CC zu produzieren.

Das „CC“ im Namen bezog sich auf die Initialen von MV-Chef Claudio Castiglioni, und jeder, der eine der 312 km/h schnellen Maschinen kaufte, bekam die Uhr geschenkt – doch bei einem Preis von gut 100.000 Euro machten nur wenige vom Angebot Gebrauch.

Tudor Fastrider Ducati

Tudor hat sich auch auf dem Motorradmarkt versucht und wurde 2011 offizieller Zeitmesser-Partner von Ducati. Auf die ersten Versionen des Fast Rider „Black Shield“-Chronographen mit Ducati-Schriftzug folgten einige flippige Versionen mit gelben, roten oder olivgrünen Zifferblättern, die mit der Einführung des neuen Scrambler-Straßenmotorrads im Jahr 2014 einhergingen.
Auch hier endete die Zusammenarbeit kurz darauf, so dass Ducati die Zusammenarbeit mit der Billigmarke Locman fortsetzte.

Baume & Mercier Clifton Club Indian

Inspiriert durch den Film „The World’s Fastest Indian“ aus dem Jahr 2005 startete Baume & Mercier im Sommer 2017 eine Partnerschaft mit dem Motorradhersteller Indian Motorcycles. Es begann mit drei Versionen des Clifton-Chronographen, dessen Design auf dem Motorrad basiert, das in den 1950er Jahren vom Neuseeländer Burt Monro gebaut wurde, der es zu den Bonneville Salzseen brachte, wo er damit mehrere Geschwindigkeitsrekorde aufstellte.

Es war eine romantische Geschichte, aber selbst uhreninteressierte Biker verliebten sich keineswegs hoffnungslos in die Uhren. Und die Begrenzung der Stückzahl  erwies sich als ausgesprochen optimistisch. Jahre später ist die über 4.000 Euro teure Sonderedition immer noch erhältlich. Es wurden auch keine weiteren Baume & Mercier Clifton Club Indian Motorcycles Modelle mehr lanciert.

Uhr zum Motorrad

Zu den anderen Motorradmodellen, die die Begeisterung der Motorradfahrer nicht entfachen konnten, gehört die „Ton Up“-Version des Pilot-Chronographen von Zenith, die im Rahmen des Sponsorings der Wohltätigkeitsorganisation Distinguished Gentleman’s Ride entwickelt wurde.

Außerdem etwa der Chronograph Bell & Ross BR01-94 B-Rocket, der auf einem retro-futuristischen Harley-Davidson-Drag-Bike basiert, das von einem in Sussex ansässigen Sonderkonstrukteur für die Marke entwickelt wurde, und die speziellen Chronofighter-Modelle, die Uhrenmarke Graham während ihrer sechsjährigen Tätigkeit als offizieller Zeitmessungspartner der Isle of Man TT-Rennen herstellte.

Warum haben so viele solcher Kooperationen nicht wirklich gefruchtet?

Die offensichtliche Antwort wurde bereits angedeutet: Während der Besitzer eines 2 Millionen Euro teuren Bugatti Veyron vielleicht nichts dagegen hat, 300.000 Euro für eine offizielle Jacob and Co Tourbillon auszugeben, wird der Besitzer eines 15.000 Pfund teuren Superbikes in der Regel davor zurückschrecken, weniger als ein Drittel des Preises für einen Zeitmesser auszugeben. W. Steel (Partner von Yamaha), C.T Scuderia, die eine allgemeine Reihe von Motorradmodellen anbietet, und die bereits erwähnte Locman mit ihrer Ducati-Reihe.

Breitling Norton

Aber eine Marke, die das Rätsel Motorrad-Uhr vielleicht endlich gelöst hat, ist Breitling. Vor ein paar Jahren löste sie Bremont als offiziellen Uhrenpartner des trendigen Motorradherstellers Norton ab. Wenig später wurde allerdings bekannt, dass die historische Motorradmarke aufgrund erheblicher Unregelmäßigkeiten im Management Insolvenz angemeldet hatte. Jetzt ist die Marke in den Händen des indischen Maschinenbaugiganten TVS in Sicherheit – doch da Norton derzeit einen umfassenden Umbau durchläuft, hat Breitling die Kooperation beendet.

Breitling TOP Time Deus Ex Machina

Stattdessen setzt Breitling-CEO Georges Kern unter anderem auf eine Zusammenarbeit mit dem australischen Lifestyle-Phänomen Deus Ex Machina.Die Zusammenarbeit begann im Februar 2020 mit einem Breitling Top Time Deus Ex Machina Chronographen in limitierter Auflage, auf dessen Gehäuseboden ein stilisiertes Bild eines rasenden Motorrads eingraviert ist und dessen Zifferblatt sowohl das Deus-Logo als auch das Firmenmotto „In benzina veritas“ trägt.  Er kostete 4.100 Pfund und die Uhren sind inzwischen vergriffen.

Breitling Top Time Triumph Chronograph unlimitiert mit Triumph Speed Twin Breitling Limited Editon

Durch derlei Erfolge motiviert baut Breitling sein Engagement und seine Markenpartnerschaften weiter aus. Das jüngste Beispiel von 2022 ist die Kooperation von Breitling x Triumph. Passend zum Launch der Sonderedition der Triumph Speed Twin Breitling Limitied Edition ließ Kern sowohl eine normale Version eines Breitling Top Time Triumph Chronographen mit Zorro-Zifferblatt wie eine Sonderedition mit Sonnenschliff-Zifferblatt entwerfen. Diese ist an den Erwerb eines der limitierten Triumph Motorräder gekoppelt. Klugerweise hat Breitling jedoch den Preis beider Editionen mit 5.290 Euro in gleicher Höhe gelassen.  
Und auch hier ist abzusehen, dass die Kombination zweier cooler Marken den Begehrlichkeitsfaktor enorm steigert. 

George Kern zu Motorrad-Uhren

In einem Interview mit dem Medium WatchPro erklärte George Kern, warum er glaubt, dass frühere Unternehmungen, die auf Uhren und Motorrädern basieren, oft nicht erfolgreich waren.

„Ich glaube, es lag immer am gleichen Problem, nämlich dass man bei dieser Art von Marketingaktivitäten isolierte Maßnahmen ergriffen hat, anstatt die Zusammenarbeit in den Rahmen einer globalen Strategie einzubetten.
Breitling hat sich auf ein viel entspannteres Image zubewegt, indem wir Geschäfte im Loft-Stil eingerichtet und unser ‚Squad‘-Konzept aufgebaut haben, das von Surfern, Abenteurern, Triathleten und so weiter angeführt wird – Menschen, die coole Dinge tun und die Instinkte anderer ansprechen, die einen bestimmten Lebensstil wollen.

Kern erläuterte seinen strategischen Ansatz recht überzeugend weiter und sagte im Gespräch:

„Deshalb haben wir uns für eine Zusammenarbeit mit Deus und nicht etwa mit Yamaha entschieden. Deus ist zwar winzig, hat aber einen absoluten Kultstatus erreicht, weil es eine superstarke Gemeinschaft von Gleichgesinnten aufgebaut hat. Das Unternehmen hat die Tatsache erkannt, dass die Menschen nicht mehr nur eine allgemeine Marke wollen, sondern sich von anderen abheben und gleichzeitig das Gefühl haben wollen, Teil einer Gemeinschaft zu sein – und deshalb hat praktisch jeder Motorradfahrer schon einmal von Deus gehört, obwohl es sich um ein kleines und wirklich ziemlich seltsames Unternehmen handelt.

Aber es scheint nur deshalb seltsam zu sein, weil es sein eigenes Ding macht. Es hat einen eigenwilligen Ansatz – und ich glaube, dass dieser Ansatz in der post-coviden Gesellschaft absolut richtig sein wird. Die Menschen wollen keine formellen Dinge mehr, sie wollen ihr Leben wirklich leben und die Freiheiten nutzen, die sie vor der Pandemie vielleicht nicht kannten. Zum Beispiel auf ein Motorrad steigen, an den Strand fahren und mit Freunden um ein Feuer sitzen.

Aber das sind nicht die alten Rocker-Motorradfahrer von früher, sondern eher die Easy-Rider des Wochenendes, wie ich sie nennen würde. Ein Motorrad gibt ihnen einen Moment der Freiheit, sie haben Geld – und coole Klamotten, maßgefertigte Motorräder und eine schöne Uhr sind einige der Dinge, für die sie es ausgeben wollen…..“ .

Offenbar ist Georges Kern also fest davon überzeugt, dass Motorraduhren doch eine große Zukunft haben können.
Zum neuesten exklusiven Uhrenkosmos-Interview  mit Georges Kern über seine Strategien und den Uhrenmarkt geht es hier:
Breitling-CEO Georges Kern

 

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