TAG Heuer Carrera Porsche Chronograph und die Carrera Partnerschaft TAG Heuer und Porsche

Nach Jahren mehr oder minder intensiver Zusammenarbeit starten TAG Heuer und Porsche ab 2021 nun eine offizielle Partnerschaft. Das erste Modell des künftigen Miteinander ist der TAG Heuer Carrera Porsche Chronograph Special Edition 44 mm Calibre Heuer 02 Automatik. Das macht ihn Carrera-like.

Heuer Carrera und Porsche Carrera

Die Vorgeschichte des TAG Heuer Carrera Porsche Chronograph begann vor vielen Jahrzehnten. Es waren Jahre des Aufbruchs und der Neufindung. Dies galt auch für Jack W. Heuer, der für die Uhrenmarke Heuer im Jahre 1963 einen betont schlichten Carrera Chronographen vorstellte.  

Mit Porsche, dem heutigen Synonym für diesen Namen hatte das Produkt nichts, aber auch gar nichts zu tun. Aus dem Spanischen übersetzt, heißt Carrera nämlich nichts anderes als Rennen. In diesem Sinne erinnerte der puristisch gestaltete Armband-Stopper an die halsbrecherische, von 1950 bis 1954 durchgeführte Carrera Panamericana. Den Tipp zum Namen hatte Pedro Rodriguez, einer der in Mexico erfolgreichen Rennfahrer geliefert. Im Rahmen der letzten Veranstaltung dieses waghalsigen Autorennens quer durch Mexico konnte die 1948 von Ferdinand Anton Ernst „Ferry“ Porsche gegründete Sportwagenmarke gar einen Klassensieg verbuchen.

Am 12. September des gleichen Jahres 1963 debütierte im Rahmen der Frankfurter IAA der erste, von Ferdinand Alexander Porsche gestaltete Porsche 911.

1973, also exakt zehn Jahre nach dem Launch des 911er und der Heuer Carrera brachte Porsche dann den ersten Porsche Carrera RS auf den Markt. Beim Boliden mit 2,7 Liter Hubraum und 210 PS Leistung stach das markante Entenbürzel ins Auge. Inzwischen gehört er zu den gesuchten und deshalb teuer bezahlten Sammlerstücken.

Wie Jack Heuer zum 911er kam

Einen derartigen Sportwagen konnte und wollte sich Jack W. Heuer nicht leisten. Dafür waren die Zeiten für Schweizer Uhren zu schwierig. Aber immerhin steuerte er einen Porsche 911. Zu diesem fahrbaren Untersatz kam er durch die 1969 vorgestellten Automatik-Chronographen mit dem Mikrorotor-Kaliber 11. Und für diese innovativen Armbanduhren sollte in allen von der Marke bedienten Märkten Werbung geschaltet werden. Allerdings reichte das verfügbare Budget bei weitem nicht, um nachhaltig etwas zu bewirken. Folglich war guter Rat teuer. Die rettende kam jedoch im Golfclub, wo der Patron mit dem Leiter der Cardinal-Brauerei das Putten übte. Sozusagen aus heiterem Himmel schlug sein Golfpartner vor, doch den bekannten Autorennfahrer Joseph „Jo“ Siffert zu sponsern.

Der junge, von besagtem Claude Blancpain bewunderte und geschätzte Rennfahrer stammte ebenfalls aus Fribourg, dem Stammsitz der Brauerei. Einen Namen hatte sich Siffert im Juli 1968 durch seinen Sieg beim Großen Preis von Großbritannien gemacht. Dabei hatten bekannte Fahrer wie Chris Amon, Jacky Ickx und Jackie Stewart das Nachsehen gehabt. Nicht zuletzt deshalb erachtete ihn Claude Blancpain als eines der größten Talente im Formel-1-Sport. Daneben agierte Siffert aber auch bei Langstreckenveranstaltungen wie den 24 Stunden von Le Mans als Werksfahrer des Hauses Porsche.

Jack Heuer begeisterte sich für diese Idee. Und schon einige Tage später traf er sich mit dem Rennfahrer.

Wir hatten einen sehr guten Start und waren uns schnell einig darüber, dass Jo bei allen Rennen einen Aufnäher mit dem Heuer-Logo auf seinem Overall und einen unserer Chronographen, vorzugsweise die Autavia am Handgelenk tragen würde. Darüber hinaus würde Jo an der Front oder an Seite aller von ihm gefahrenen Autos einen roten Heuer-Aufkleber anbringen.

Jack W. Heuer

Im Gegenzug beinhaltete der zunächst auf zwei Jahre ausgerichtete Vertrag, dass Jo Siffert Uhren der Marke Heuer zu Großhandelspreisen erwerben und diese privat an Kollegen in den Boxen und an alle anderen Rennteilnehmer verkaufen konnte. Außerdem erfolgte eine jährliche Zahlung von 25.000 Schweizerfranken.

Obwohl es mir damals noch gar nicht bewusst war, verkörperte dieser relativ einfache Sponsoring-Vertrag mit Siffert wahrscheinlich einen meiner besten Marketing-Schritte. Schließlich öffnete er uns auch die Tür zur ganzen Welt der Formel 1. Gegen Ende der Rennsaison 1969 trug fast die Hälfte der Formel-1-Fahrer Uhren von Heuer.

Jack W. Heuer

Als Jack Heuer nach dem Treffen nach Hause fahren wollte, legte Jo Siffert leisen aber unüberhörbaren Protest ein:

Jack, wie kannst du mit einem Alfa Romeo Cabriolet herumfahren, wenn du als mein Sponsor auftrittst und ich der offizielle Porsche-Vertreter und -Händler in Fribourg bin? Du musst auf Porsche umsteigen!

Joseph "Jo" Siffert

Mit einem Porsche als Firmenwagen hatte Jack Heuer bis dahin noch nicht geliebäugelt. Gleichwohl zeigte er sich nach kurzem Nachdenken angetan. Im Familienunternehmen konnte der Deal mit Jo Siffert als perfekte Ausrede für die betrieblich bedingte Anschaffung eines Porsche 911 dienen.

Diese automobile Ära endete erst 1975, als der durchaus rasante fahrende Jack W. Heuer mit seinem sportiven Gefährt in eine Leitplanke rutschte. Weil Heuer wie viele andere Schweizer Uhrenmarken unter der Quarz-Revolution litt und die finanzielle Situation sehr angespannt war, beschloss der Firmenchef, künftig mit einem Modell von Saab ein weniger auffälliges Auto zu nutzen.

Der Deal mit Jo Siffert, welcher das Heuer-Logo vertragsgemäß deutlich sichtbar auf seinem Renn-Overall und dem Porsche 908 Spyder platzierte, zahlte sich bereits 1970 aus. Damals produzierte Lee H. Katzin mit Steve McQueen den Film Le Mans produzierte. Dass sich der King of Cool dabei eine Heuer Monaco ans Handgelenk schnallte, war einem genialen Schachzug zu verdanken. Für die Dreharbeiten hatte Jack Heuer den Filmausstatter Don Nunley mit reichlich Stickern, Borduhren und Chronographen ausgestattet. Bei der Wahl seines Renn-Outfits entschied sich der Hollywood-Star für den Dress des neben ihm stehenden Jo Siffert.

Ich fahre das gleiche Auto wie Jo Siffert, also will ich auch den gleichen Anzug tragen.

Steve McQueen

Und als Armbanduhr wählte Steve McQueen eine gleichermaßen auffallende wie gefällige Heuer Monaco mit dem Automatikkaliber 11.

Comeback der Heuer Carrera

Zurück zur runden Heuer Carrera. Nach einer schöpferischen Pause fand dieser Zeitmesser 1996 zurück an die Handgelenke klassisch denkender Markenfans. Im Chronographen tickte das Handaufzugskaliber Lémania 1873. Weil Porsche die Verwendung des Namens Carrera (noch) nicht gestattete, musste dieser Chronograph ohne die bekannte Signatur auskommen.  

Und das, obwohl sich TAG Heuer und Porsche keineswegs fremd geworden waren. Die TAG Gruppe (Techniques d’Avant-Garde), welche Heuer im Jahr 1985 übernahm, kooperierte von 1984 bis 1986 mit Porsche. Mit dem gemeinsam entwickelten und produzierten TAG-Porsche-Motor gewann das McLaren-Team drei Jahre in Folge den Formel-1-Weltmeistertitel: 1984 mit Niki Lauda sowie 1985 und 1986 mit Alain Prost am Steuer.

Ab 1999 arbeiteten beide Unternehmen bei Motorsport- Events wie dem Porsche Carrera Cup, dem Supercup und der Endurance Weltmeisterschaft zusammen. 2019 präsentierte Porsche ein eigenes FIA Formel-E-Team. TAG Heuer fungierte als Namensgeber und Zeitnahme-Partner. Dieses Miteinander mündet 2021 in eine offizielle Markenpartnerschaft.

TAG Heuer Carrera Porsche Chronograph

Den Beginn der offiziellen Markenpartnerschaft von 2021 zwischen TAG Heuer und der Porsche AG markiert eine speziell gestaltete Armbanduhr. Und dabei handelt es sich logischer Weise um eine TAG Heuer Carrera. Ganz exakt trägt der stoppende Newcomer den etwas sperrigen Namen TAG Heuer Carrera Porsche Chronograph Special Edition 44 mm Calibre Heuer 02 Automatik.

Gut erkannbar steht der Schriftzug Porsche in der kratzfesten Keramik-Lünette des 44 Millimeter messenden und bis zehn bar wasserdichten Edelstahlgehäuses des Porsche Chronographen.

Ehrensache für einen Chronographen mit automobilem Hintergrund ist eine Tachymeterskala zum Erfassen von Durchschnittsgeschwindigkeiten über einen Kilometer oder eine Meile hinweg.

Eigens für diesen Chronographen haben die Produktgestalter ein Zifferblatt mit Asphalteffekt gestaltet.

Die in der signifikanten Porsche-Typographie ausgeführten Ziffern und Zahlen des TAG Heuer Carrera Porsche Chronograph erinnern an die Fahrzeug-Armaturen. Weiterer Ausdruck der Partnerschaft sind die typischen Porsche-Farben Rot, Schwarz und Grau.

Bleibt die hinter einem Sichtboden drehende Schwungmasse im Stil des bekannten Porsche-Lenkrads. Der Rotor gehört zum hauseigenen Calibre Heuer 02 mit ca. 80 Stunden Gangautonomie und Schaltradsteuerung der Stoppfunktion.

Das Uhrwerk Heuer 02 bietet Präzision und robuste Technik. Es wurde auf  Uhrenkosmos in dem hier aufrufbaren Artikel bereits detailliert beschrieben.

Der TAG Heuer Carrera Porsche Chronograph Special Edition 44 mm Calibre Heuer 02 Automatik ist unlimitiert entweder mit Leder- oder Stahlband erhältlich.

Die Leder-Referenz CBN2A1F.FC6492 kostet 5.550 Euro. Ein Investment in Höhe von 5.700 Euro verlangt die Stahlband-Referenz CBN2A1F.BA0643. Es ist sicherlich zu empfehlen, sich sowohl die stählerne Variante als auch eine Lederversion des Armbands zu kaufen, da so das Armband der TAG Heuer Carrera Porsche Chronograph Uhr anlassbezogen schnell gewechselt werden kann. 

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