Design oder auch nicht

Ungeachtet anders lautender Meinungen gilt vordergründiger Luxus, und dazu zählt sicher auch eine Uhr wie die Mühle Glashütte Teutonia IV, bei sehr vielen Zeit-Genossen als unzeitgemäß.
Teure Labels trägt man tunlichst nicht nach außen. Um den Zegna-Anzug, die Santoni-Schuhe oder den Hermès Foulard wissen Frau oder Mann zunächst einmal nur selbst. Oberflächliche Lifestyle-Vorgaben bedeuten wirklich Begüterten und Besserverdienern herzlich wenig. So genannte Mehrscheiner gehören ins Reich des Gestern. Auch bei Armbanduhren besitzt das Schlichte, Zurückhaltende seinen Reiz. Diesbezüglich pflegte Antoine de Saint-Exupéry zu sagen, dass Vollkommenheit offensichtlich nicht dann entsteht, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn sich nichts mehr wegnehmen lässt. 

Womit wir beim heutzutage mehr missbrauchten als sinngemäß verwendeten Modebegriff Design wären. Natürlich wird alles vom Auto bis zum Zug irgendwie designt. Ausgeflippte Mitglieder der Designergeneration geben sich unterschiedlichsten Designerdrogen in exaltierten Designermöbeln hin. Und ernsthafte Forscher verleihen selbst komplexen Untersuchungen ein Design. Dabei steht dieser Terminus für nichts anderes als die Gestaltung oder den Entwurf von Gegenständen, darunter logischer Weise auch Uhren. 

Art Deco Uhr von Pierre Carrel Ato aus dem Jahre 1932

Handgezeichneter Entwurf einer Art-Déco-Tischuhr von Pierre Carrel für Léon Hatot, Paris, 1932

Ob letztere gefallen und sich deshalb gut verkaufen lassen, ist u.a. eine Frage des vom Zeitgeist beeinflussten Geschmacks. Dass rasch zum Witwer wird, wer sich mit dem Zeitgeist vermählt, konstatierte Mitte des 19. Jahrhunderts bereits Søren Kierkegaard.

Armbanduhrendesign Léon Hatot 1921

Armbanduhrendesign der Firma Léon Hatot , Paris, 1921

Wer Wert legt auf lange Freundschaft mit seiner Armbanduhr, wird auf ein klassisches Erscheinungsbild achten. Das kann, muss jedoch nicht zwangsläufig schlicht bedeuten. Aber beim Blick in die Vergangenheit zeigt sich sehr schnell, dass auf Reduktion zielendes Uhrendesign erstaunlich lange Tradition besitzt.
Allerdings stellt besagte Abkehr von dekorativem Beiwerk und schmückenden Stilelementen besonders hohe Anforderungen an den Entwurf.

Nathan G. Horwitt mit Movado Museum Watch von 1960

Gestalterischer Minimalismus auf die Spitze getrieben. Schon 1947 hatte Nathan George Horwitt die Idee zu einem Zifferblatt mit Punkt. 1958 erhielt er ein Patent dafür. 1960 fand einer von drei Prototypen der damit ausgestatteten Armbanduhr Aufnahme ins New Yorker Museum of Modern Art. In den 1960-er Jahren startete Movado die Serienproduktion der puristischen "Museum Watch".

Je minimalistischer der Auftritt, desto stimmiger muss sich das Design präsentieren. Schließlich springen gestalterische Schwächen oder Mängel beim betont schlicht gehaltenen Zeitmesser weitaus stärker ins Auge als beim überladenen Multifunktionsinstrument mit vielen Zeigern und schwülstigen Ausformungen.

Die beiden Modelle der Mühle Glashütte Teutonia II und Mühle Glashütte Teutonia IV

Im Vergleich: Mühle Glashütte Teutonia II (links) und die neue Teutonia IV. Der größere er kleinen Sekunde am Zifferblatt. Durchmesser des in der Teutonia IV verbauten Automatikkalibers Sellita SW461-1 bewirkt einen gestalterisch deutlich stimmigeren Auftritt der

Mühle Glashütte Teutonia IV

Dem Schlichten hat sich Mühle Glashütte bei der Uhrenlinie Teutonia verschrieben. Diese erhält im Jahr 2021 Zuwachs durch insgesamt drei weitere Modelle nach der bereits 2019 lancierten Teutonia IV Mondphase.

Zwei der neuen Teutonia IV Armbanduhren wenden sich zwar primär ans männliche Geschlecht, aber für viele Frauen sind 41 oder 39 Millimeter Durchmesser mittlerweile ebenfalls etwas ganz Normales.

Mühle Glashütte Teutonia IV Mondphase

2019 debütierte bei Mühle Glashütte die 41 mm messende Teutonia IV Mondphase. Die Positionierung des Fensterdatums und der Öffnung für die Mondphasenindikation im klar strukturierten Zifferblatt lässt erkennen, dass im Gehäuseinneren ein relativ kleines Uhrwerk tickt. Das Sellita SE280-1 besitzt 25,6 mm Durchmesser.

Der Name Teutonia geht übrigens zurück auf eine Epoche, in der Armbanduhren noch kein wirkliches Thema waren. Im Mittelalter war Teutonia die landläufige lateinische Bezeichnung für die Bewohner des aus dem Ostfrankenreich hervorgegangenen deutsche Königreichs innerhalb des Sacrum Imperium Romanum

Muehle Glashuette Teutonia IV Kleine Sekunde C GLB scaled

Mühle Glashütte Teutonia IV Kleine Sekunde von 2021

Teutonia IV kleine Sekunde

Einen kleinen Sekundenzeiger bei „6“ besitzt das größte Modell der drei Mühle Glashütte Newcomer. Das dennoch ausgewogene Erscheinungsbild bei der Teutonia IV Kleine Sekunde ist dem Automatikkaliber Sellita SW461-1 mit 7,6 Millimeter Abstand zwischen den beiden Zeigerachsen zu verdanken. Dieses 31 Millimeter große und 5,67 hohe Automatikwerk ist die größere Schwester des SW261-1 mit nur 25,6 Millimetern Durchmesser. Den exzentrisch rotierenden Sekundenzeiger führt ein 1,07 mm hohes Unterzifferblatt-Modul herbei. Demgegenüber beträgt der Zeigerabstand beim Kaliber 260-1 nur 6,4 Millimeter.

Vergleich der kleinen Sekunde der Mühle Glashütte Teutonia II (links) und Mühle Glashütte Teutonia IV

Das Uhrwerk macht die Optik. Links die Mühle Glashütte Teutonia II mit dem Automatikkaliber Sellita SW260-1. Nur 6,4 mm Abstand zwischen den Zeigerachsen lässt die kleine Sekunde recht dicht ans Zentrum rücken. Demgegenüber beträgt die Distanz beim Automatikkaliber Sellita SW460-1 exakt 7,6 mm. Und das sieht man. Um ein Drittel größer geworden ist auch das weiter nach außen gerückte Fensterdatum.

Alle drei Sellita-Kaliber mit beidseitig wirkendem Kugellagerrotor, ca. 41 Stunden Gangautonomie, vier Hertz Unruhfrequenz und Sekundenstopp besitzen übrigens die gleiche Architektur. Wegen des größeren Durchmessers ist das per Krone schnell verstellbare Fensterdatum um 44 Prozent gewachsen.

Sellita SW200-1 vs Sellita SW400-1 Rotorseite & unter Zifferblatt der Teutonia IV

Gleiche Architektur, größerer Durchmesser: Sellita Automatikkaliber SW200-1 versus SW400-1

Sellita SW260-1 vs Sellita SW261-1

Größerer Abstand der Zeigerwellen: 6,4 mm beim Sellita SW260-1, 7,6 mm bei den Kalibern Sellita SW261-1 und SW461-1. In beiden Fällen resultiert die kleine Sekunde basiert aus einem vorderseitigen Modul.

Sellita SW200-1 vs Sellita SW400-1

Sellita SW200-1 versus SW400-1: Größerer Durchmesser, größerer Datumsring, größeres Fensterdatum

Ausdruck Glashütter Mühle-Provenienz sind die speziell gestaltete Schwungmasse, die charakteristischen Dekorationen und die patentierte Spechthals-Feinregulierung. Vorderseitig besitzt die stählerne 41-Millimeter-Schale ein bombiertes und entspiegeltes Saphirglas.

Glasboden der Mühle Glashütte Teutonia IV Kleine Sekunde Kaliber Sellita SW461-1

Blick durch den Sichtboden der Teutonia IV Kleine Sekunde auf die Mühle-Version des Automatikkalibers Sellita SW461-1

Weitere Merkmale des 12,6 mm hoch bauenden Gehäuses sind Sichtboden und Schraubkrone. Bis zu zehn bar reicht die Wasserdichte. Zu haben ist die Mühle Teutonia IV Kleine Sekunde für unverbindliche 2.200 Euro.

Mühle Glashütte Teutonia IV Chronograph (C) Uhrenkosmos

39 Millimeter Durchmesser: Mühle Glashütte Teutonia IV Chronograph

Teutonia IV zum Stoppen der Zeit

Mit lediglich 39 Millimetern Durchmesser lässt sich der Mühle Teutonia IV Chronograph als unisex-Modell bezeichnen. In der 14,6 Millimeter hohen Schale tickt das Kaliber MU 9419. Erst der zweite oder gar dritte Blick durch den Sichtboden zeigt, dass dieses Automatikwerk vom 30 Millimeter großen und 7,9 Millimeter hoch bauenden Sellita SW510 abstammt.
Als deutsches Upgrade spendiert Mühle Glashütte diesem Uhrwerk eine charakteristische Dreiviertelplatine, die patentierte Spechthals-Feinregulierung und typische Oberflächenveredelungen.

Chronographenkaliber Sellita SW510-1 versus Mühle Glashütte MU-4919

Kalibervergleich: Sellita SW510-1 oben mit und ohne Rotor, unten das darauf basierende Mühle Glashütte MU-9419

Nach Vollaufzug stehen 62 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Links am Zifferblatt dreht die Permanentsekunde. Rechts findet sich der 30-Minuten-Totalisator. Dem Druck des nassen Elements widersteht diese Armbanduhr bis zu zehn bar. Eine stählerne Doppelfaltschließe besitzt das Lederband. Ihr Preis: 3.200 Euro. 

Mühle Glashütte Teutonia IV Chronograph Rückseite (C) Uhrenkosmos

Rückseite des Mühle Glashütte Teutonia IV Chronographen

Mühle Glashütte Teutonia IV Chronograph Profil

Der Mühle Glashütte Teutonia IV Chronograph im Profil

Teutonia IV für Damen

Explizit an Frauen wendet sich die stählerne Mühle Glashütte Teutonia IV Lady mit nur 33,5 Millimetern Durchmesser. Am femininen Handgelenk trägt die bis zehn bar wasserdichte Schale 10,2 Millimeter auf. Für diesen Zeitmesser verwendet Mühle das klassische Sellita SW200-1 mit Zentralsekunde und Fensterdatum.

Das kleine Modell Mühle Glashütte Teutonia IV Lady

Damenwahl: Mühle Glashütte Teutonia IV Lady

41 Stunden beträgt die Gangautonomie des mit Spechthals-Feinregulierung und exklusiver Schwungmasse ausgestattetem sowie liebevoll dekorierten Automatikwerks. Die Entscheidung kann zwischen einem himbeerfarbenen oder pastellblauen Zifferblatt fallen. Für unverbindliche 1.800 Euro gibt es ein Lederband mit Schnellwechsel-Federstegen und Edelstahl-Dornschließe. 

Mühle Glashütte Teutonia IV

Die neuen Mühle Glashütte Teutonia IV-Modelle im Überblick

Einendes Element aller Armbanduhren von Mühle Glashütte ist die Regulierung in sechs Lagen. Maximal acht Sekunden gehen sie jeden Tag vor und kein bisschen nach. Ausreden für zu spätes Eintreffen gibt es damit also nicht.

Zur Diskussion

Mit Blick in die Geschichtsbücher hat der Uhrenkosmos das Design der Mühle Glashütte Teutonia IV Kleine Sekunde und Teutonia IV Chronograph leicht modifiziert. Und zwar durch die Vergrößerung der Flächen für die Kleine Sekunde sowie die Permanentsekunde und den Totalisator bei der Armbanduhr mit Stoppfunktion. Ob es gefällt, ist Ansichtssache. 

Muehle Glashuette Teutonia Teutonia IV kleine Sekunde Original und modifiziert GLB

Links die Mühle Glashütte Teutonia IV Kleine Sekunde im Original und rechts die vom Uhrenkosmos modifizierte Variante

Muehle Glashuette Teutonia Teutonia IV Chronograph und modifiziert GLB

Mühle Glashütte Teutonia IV Chronograph im Original (links) und rechts mit vergrößerten Feldern für die Permanentsekunde und den 30-Minuten-Totalisator